Plötzlich wieder in der ersten Reihe beim HSV
Das ist nicht gut. Wie eine Untersuchung ergeben hat, hat sich Jeremy Dudziak erneut die Schulter ausgekugelt. Es bestehe zwar noch eine Resthoffnung, dass sich Dudziak morgen…

Das ist nicht gut. Wie eine Untersuchung ergeben hat, hat sich Jeremy Dudziak erneut die Schulter ausgekugelt. Es bestehe zwar noch eine Resthoffnung, dass sich Dudziak morgen zum Abschlusstraining doch noch spielfit melde, so Trainer Daniel Thioune heute, „aber aktuell sieht es nicht so aus, dass er dabei sein kann“, so der HSV-Trainer mit Blick auf die Partie am Sonnabend gegen Heidenheim (Anpfiff: 13Uhr, Volksparkstadion). Damit fehlt gegen den FCH in Terodde (33) nicht nur der Top-Torjäger der Liga (20 Saisontreffer), sondern in Dudziak wohl auch der beste HSV-Torevorbereiter (acht Assists). Und: David Kinsombi, der weiter unter muskulären Problemen leidet, fällt auch noch aus. Wer für Terodde zum Zuge kommen soll, ließ Thioune natürlich auch heute offen.
Die Stürmer Manuel Wintzheimer oder Bobby Wood wären die logische Lösung, der HSV-Trainer deutete heute aber auch an, dass er zudem über eine Variante ohne gelernten Torjäger nachdenke. Daran glaube ich aber noch nicht wirklich. Oder anders formuliert: Diese Variante würde zumindest den Einsatz eines gelernten Mittelstürmers beinhalten, der da Manuel Wintzheimer heißen würde – behaupte ich. Der könnte als hängende Spitze vermehrt über rechts kommen, während Jatta ins Zentrum gezogen würde und Kittel über Links kommt – wobei ich diese Variante ehrlich gesagt nicht gern sehen würde. Zumindest nicht dauerhaft. Wenn sich Wintzheimer und Jatta im Zentrum/über rechts abwechseln würden – okay. Aber das Tempo von Jatta gehört meiner Meinung nach vor allem auf die langen Wege – und die machen zumeist die Außenstürmer.
Die Säulenspieler fehlen - wer übernimmt?
Fakt ist auch, dass es sehr spannend wird, wie sich die Mannschaft ohne seine Mittelachse Leistner – Gjasula (scheint noch nicht bei 100 Prozent zu sein) - Dudziak – Terodde im Spiel gegen Heidenheim präsentiert. Personell hinzuzurechnen ist hierbei sicher auch noch der Ausfall von Kinsombi, den Trainer Thioune heute noch einmal als einen der Spieler lobte, die für die Umsetzung seiner Anweisungen auf dem Platz sorgen sollen. Ebenso wie (für mich etwas überraschend) Sonny Kittel, der spielerisch in den letzten Wochen sicher verbessert aufgetreten ist, den ich aber in Sachen Führung noch nicht dazurechnen würde. Oder besser gesagt: Ich glaube, man tät ihm gar keinen Gefallen, wenn man ihn in eine andere Rolle drängt als in die des Mannes für die besonderen Dinge am Ball. Defensive, Positionstreue, verbale Führung und Verantwortung in schwierigen Phasen würde ich zumindest nicht auf das Anforderungsprofil Kittels setzen. Thioune allerdings sieht das etwas anders und sagte heute, dass Kittels Wort in der Mannschaft sehr wohl Gewicht habe, und dass er sich von Kittel durchaus vorstellen könne, dass er diese Rolle noch weiter ausbaut. Thioune: „Er darf gern noch mal einen Schritt weiter nach vorn gehen.“
Anders gestaltet sich das Ganze bei Aaron Hunt, der auch gegen Heidenheim spielen wird – da lege ich mich fest. Zuletzt hatte er im Volksparkstadion gegen Kiel ein richtig gutes Spiel gemacht. In Bochum in der ersten Hälfte auch – in der zweiten Hälfte nicht mehr. Und jetzt kommen durch die vielen Ausfälle die Momente, wo gerade seine Qualitäten von Trainer Daniel Thioune eingefordert werden. Zurecht! Denn schon vor der Saison hatte Trainer Daniel Thioune ein derartig gelagertes Gespräch mit dem Routinier, dessen Vertrag beim HSV zum Saisonende ausläuft. „Aaron hat vor der Saison gesagt, es dürften gern mal ein paar andere den Kopf nach vorn halten - aber wenn ich brauche sei er da. Das hat er in den letzten Wochen auch gezeigt, diese Bereitschaft, immer führe zu wollen. Er hat die Mannschaft letzte Woche in Bochum auf den Platz geführt. Und ich glaube, das war kein einfaches Spiel. Das hat er richtig gut gemacht.“
Apropos gut: So finden sich die beiden Trainer, die sich am Sonnabend im Volksparkstadion gegenüberstehen, ganz offensichtlich auch. „Ich schätze Frank Schmidt sehr. Er hat viel entwickelt in den vergangenen Jahren in Heidenheim“, legte Thioune heute mit der Lobhudelei vor. „Sie haben jedes Jahr eine richtig gute Mannschaft. Bekannt ist auch, dass sie sehr, sehr aktiv sind und unabhängig von Spielständen versuchen, Reize zu setzen. Wir treffen auf einen Gegner, der sehr aktiv im Defensivverbund verteidigt“, analysierte der HSV-Trainer. „Vorne haben sie mit Tim Kleindienst einen, der gezeigt hat, dass er sich schnell einfügen kann. Heidenheim ist wieder im Kommen. Dennoch haben wir das Ziel, dass die Punkte im Volkspark bleiben.“
Schmidt sieht den HSV weiter in der Ersten Liga
Nette Worte, die Schmidt gleichermaßen zurückspielte. In der BILD sagt der FCH-Coach, angesprochen auf sein Verhältnis zu HSV-Trainer Daniel Thioune: „Wir haben auch außerhalb der Spiele Kontakt miteinander, haben uns geschrieben. Mir gefällt, dass Daniel versucht, normale Werte aus dem Leben mit in unseren Trainer-Job einzubringen. Zudem ist er angenehm unaufgeregt und authentisch. Wir verstehen uns gut. Er tut dem HSV gut. Es wäre schön, wenn einer wie er, nachdem es ein paar andere Versuche beim HSV gab, es schaffen würde, den Verein dorthin zu bringen, wo er hingehört, nämlich in die erste Liga.“ Und ja, das hoffen wir alle. Aber das wird auch ein hartes Stück Arbeit, zumal sich beim HSV auf der einen Seite die Ausfälle von Führungsspielern häufen, während Schmidt und der 1. FC Heidenheim rechtzeitig zum Topspiel wieder auf Torjäger Tim Kleindienst bauen kann.
Nach seinen Problemen am Sprunggelenk ist der 25-Jährige, der zuletzt dreifach gegen den HSV treffen konnte, fit, wie FCH-Trainer Frank Schmidt am Donnerstag auf der Pressekonferenz ankündigte. Kleindienst profitierte auch vom zuletzt ausgefallenen Spiel gegen Holstein Kiel, wodurch er mehr Zeit zur Regeneration hatte. Schmidt: „Er wäre sonst vielleicht noch nicht so weit gewesen. Jetzt ist er es“, so Schmidt, der dennoch den HSV zum Favoriten der Partie erklärte. Obgleich Heidenheim mit einem Sieg bis auf vier Punkte an den HSV heranrücken könnte. „Von der individuellen Besetzung her ist der HSV nach wie vor der Favorit.“
Und bevor ich diesen Blog für heute abschließen, noch ein Wort zu Pechvogel Dudziak: Der hat inzwischen schon zum fünften Mal in seiner Karriere eine ernsthafte Schulterblessur. Die erste Luxation auf der linken Seite hatte er 2014 auf seiner ersten Profi-Station bei Borussia Dortmund, damals fiel er nach einen Arthroskopie monatelang aus. In seiner Zeit beim FC St. Pauli wurde er im Sommer 2017 an der rechten Schulter operiert. Beim HSV war es seit 2019 zweimal wieder die linke Schulter, die Dudziak Sorgen bereitete. Zuletzt kugelte er sich beim Sieg in Fürth Mitte Oktober das Gelenk aus und fehlte dann drei Spiele in Folge. Und eines ist auch klar: Schulterverletzungen sind maximal unglücklich, weil sie in den allerseltensten Fällen zu 100 Prozent wieder herzustellen sind, was auch in diesem Fall die Häufigkeit erklären würde. Von daher drücke ich ganz fest beide Daumen, dass es bei Dudziak nicht so kommt. Zum einen natürlich persönlich für ihn – zum anderen aber auch für den HSV, bei dem er eine zentrale Rolle im Spiel einnimmt. Nicht nur positionell sondern auch qualitativ.
In diesem Sinne, Euch natürlich auch alles Gute und bis morgen!
Scholle
P.S.: Anbei auch wieder unser beliebtes HSV-Orakel, in dem Flo und Joscha einen Ausblick geben auf das, was uns am Sonnabend bevorstehen könnte.
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