Personell tut sich noch mal was beim HSV - bleibt Jatta?
Der Siegtorschütze zum 1:0 bei Hannover 96, der damit dem HSV die Tabellenführung sicherte und bereits seinen vierten Pflichtspieltreffer dieser Saison erzielte, wird mächtig…

Der Siegtorschütze zum 1:0 bei Hannover 96, der damit dem HSV die Tabellenführung sicherte und bereits seinen vierten Pflichtspieltreffer dieser Saison erzielte, wird mächtig gelobt. Bakery Jatta ist beim HSV sowas wie der Mann der Stunde. Und das, nachdem er zu Saisonbeginn nicht zur Startelf gehörte und zumindest mir in Karlsruhe mit einem unerklärlich leblosen, leidenschaftslosen Auftritt noch Rätsel aufgab. In den ersten beiden Spielen gegen Schalke und Karlsruhe standen zudem Königsdörffer und Öztunali in der Startelf, nicht Jatta. Beim 2:2 in Karlsruhe wurde Jatta dann während der zweiten Halbzeit erst ein- und später wegen akuter Leistungsschwäche wieder ausgewechselt. Es lief nicht wirklich.
Aber Jatta wäre nicht Jatta, wenn er sich verkriechen würde. In den letzten Jahren hat er schon einige Krisen meistern müssen – auch deutlich schwerwiegendere. Und dementsprechend wusste Jatta auch diesmal zu reagieren. Nach Aussage seines Trainers Tim Walter sei er „hervorragend“ mit der Ein- und Auswechslung binnen weniger Minuten umgegangen: „Er hat Fähigkeiten, die haben andere nicht. Dafür haben andere Fähigkeiten, die er vielleicht nicht hat. Daran arbeitet er“, sagte der Trainer. Jatta habe schon immer die Bereitschaft gezeigt, stets besser werden zu wollen. Und das stimmt zu 100 Prozent! Auch deshalb ist Jatta innerhalb der Mannschaft einer der beliebtesten Mitspieler. „Dass er sich jetzt belohnt, gönnt man Baka, weil er so viel Aufwand und Defensivarbeit betreibt“, sagt beispielsweise Daniel Heuer Fernandes. „Viel Arbeit wird belohnt!“
„Das ist einfach ein großartiger Junge, der besser werden will, aber manchmal vielleicht nicht besser werden kann. Trotzdem probiert er es immer weiter“, fasste es Trainer Tim Walter aus meiner Sicht sehr passend zusammen. Denn Jattas fußballerische Mittel sind begrenzt. Stärker begrenzt als bei den allermeisten. Aber er macht (fast immer) das Beste daraus.
Dabei hat Jatta mit seiner Sprintstärke eine Gabe, die ihn per se schon gefährlich für jeden Gegner macht. Denn eines weiß jeder Gegenspieler schon in dem Moment, wo er Jatta vor dem Anpfiff auf der Gegenseite stehen sieht: Ist Jatta einmal an ihm vorbei, holt er ihn in aller Regel nicht mehr ein. Eine Waffe, die nicht selten dazu führt, dass gegnerische Abwehrreihen ihn doppeln, also von dem einen Gegenspieler direkt und von dem weiteren im Raum decken lassen. Und das wiederum führt dazu, dass andere Mitspieler mehr Freiheiten genießen können.
Mich freut es, dass endlich auch hier die meisten anerkennen, dass Jatta mit seinen Qualitäten eine Stütze für den HSV ist. Als Typ und in Sachen Einstellung sowieso. Aber inzwischen eben auch sportlich unbestreitbar. Und damit meine ich nicht die HSV-Verantwortlichen, die Jatta seit jeher unterstützen und bei dem noch alle Trainer seit dem Abstieg 2018 Jatta immer wieder aufstellten und weiter aufstellen. Jatta hat sich seither noch bei jedem Trainer durchgesetzt und ist seit Jahren gesetzter Stammspieler. Inzwischen ist er mit seiner bald acht Jahre andauernden HSV-Zugehörigkeit sogar schon der dienstälteste HSVer – und das soll sich fortsetzen. Zumindest wollen sowohl Jatta als auch der HSV den zum Saisonende auslaufenden Vertrag verlängern. Und auch ich würde Jatta behalten. Nicht um jeden Preis, ganz klar! Aber sein Tempo ist ein Faktor, der dem HSV auch im Falle eines Aufstieges helfen könnte. Zumindest so lange, wie der HSV als Außenseiter darauf angewiesen ist, in der Mehrzahl der Spiele zu kontern.
Aber okay, Kapitän Sebastian Schonlau, Glatzel und Meffert haben bereits verlängert. Bei Jatta steht diese Entscheidung aber noch aus, weil der Gambier sein Gehalt deutlichen anheben lassen will. Und das ist nachvollziehbar. Denn mit aktuell rund 300.000 Euro Jahressalär ist Jatta von den Stammspielern der Spieler mit dem vergleichbar geringsten Gehalt. Und das will er ändern. Nachvollziehbar. Dennoch werden bei allen Sympathien zwischen HSV und Spieler auch diese Verhandlungen nach der Marktsituation zu bewerten und zu entscheiden sein.
Ergo: Sollte der HSV Jatta unbedingt halten wollen und ein Markt für den Gambier da sein – dann wird sich der HSV strecken müssen. Wobei, dass der HSV das Gehalt Jattas anheben muss, ist eher alternativlos. Ebenso, wie der HSV eine Alternative für Jonas Meffert braucht. Daniel Elfadli ist nach wie vor die Erste Wahl der HSV-Verantwortlichen. Allerdings scheinen die Verhandlungen zwischen dem abgebenden Klub 1. FC Magdeburg und dem HSV seit Wochen keine Fortschritte zu machen. Auch deshalb muss sich der HSV anderweitig umsehen. Dass der HSV Gerüchten zufolge an dem Polen Lukasz Poreba (23) vom RC Lens interessiert sein soll, ist bislang unbestätigt. Aber der Mittelfeldspieler ist sportlich betrachtet sehr spannend, finde ich. Ich persönlich hätte ihn zwar eher auf der Achterposition, also vor Meffert verortet – aber okay. Dem Vernehmen nach soll er beim HSV als Meffert-Backup in Erwägung gezogen werden.
Bestätigt hat der HSV unterdessen den Wechsel auf Leihbasis von Jonas David. Der zuletzt nicht mehr berücksichtigte Innenverteidiger wechselt auf Leihbasis und ohne Kaufoption zum nächsten Gegner vom Sonntag, zum aktuell direkten Verfolger Hansa Rostock. Eine vernünftige Entscheidung des HSV und Davids, der seinen Vertrag vorher um ein Jahr zu gleichbleibenden Bedingungen verlängern musste. Hintergrund: Leihgeschäfte sind bei auslaufenden Verträgen nicht erlaubt.
Mit anderen Worten: der HSV sortiert auf den letzten Metern noch einmal seinen Kader. Bleibt für alle zu hoffen, dass der HSV noch den guten Backup für Meffert bekommt. Denn während der HSV Schonlaus Ausfälle in dieser Saison erstmals kompensieren konnte und auch für Jatta mit Königsdörffer und Öztunali gute Backups gefunden hat, ist Meffert für mich neben Robert Glatzel der Spieler, dessen Ausfall absolut nicht zu kompensieren ist. Aber das sehen hier ja auch einige anders.
Morgen werde ich mit Cornelius einen neuen Talk aufnehmen. Um auch Euch wieder etwas mehr mitzunehmen, würde ich versuchen, möglichst viele Eurer Fragen zu beantworten, die wir bis morgen früh 10 Uhr auf unsere Email-Adresse [email protected] bekommen haben. Und versprochen: Nächstes Mal kündigen wir derartige Frage-Antwort-Runden etwas früher an. Auf jeden Fall melde ich mich morgen an selber Stelle wieder mit einem Doppelpack - also mit einem neuen Blog und einem neuen Video – wieder. Aber dafür habt Ihr ja auch lang genug warten müssen…
Bis morgen,
Scholle
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