Analyse

Personell kleine Fragezeichen - aber die Aufbruchstimmung bleibt Trumpf beim HSV

Die Aufbruchstimmung rund um den HSV kennt derzeit kaum noch Grenzen. Das hat der Kartenvorverkauf für das Spiel gegen den SSV Ulm deutlich gezeigt – ein Spiel, bei dem viele…

Personell kleine Fragezeichen - aber die Aufbruchstimmung bleibt Trumpf beim HSV

Die Aufbruchstimmung rund um den HSV kennt derzeit kaum noch Grenzen. Das hat der Kartenvorverkauf für das Spiel gegen den SSV Ulm deutlich gezeigt – ein Spiel, bei dem viele Fans auf den finalen Aufstiegsmoment hoffen. Binnen weniger als 60 Minuten waren die im freien Verkauf verfügbaren Eintrittskarten für das letzte Heimspiel der laufenden Zweitliga-Saison am 10. Mai vergriffen. Damit ist klar: Die letzten drei Heimpartien des aktuellen Tabellenführers im Volksparkstadion werden jeweils vor der vollen Kulisse von 57.000 Fans ausgetragen. Dazu zählt auch das Duell am kommenden Freitag um 18.30 Uhr gegen Eintracht Braunschweig.

Trotz der wachsenden Begeisterung bleibt das Team um Interimstrainer Merlin Polzin konzentriert und lässt sich nicht von der Euphorie mitreißen. „Wir verlieren nicht den Boden unter den Füßen und gehen nicht davon aus, dass wir bereits etwas erreicht hätten“, erklärte der 34-Jährige auf der Pressekonferenz vor dem 29. Spieltag. „Der volle Fokus liegt auf Braunschweig – wir schauen nicht auf die darauffolgende Woche oder auf andere Gegner.“

Polzin erinnert an Hinspiel gegen Braunschweig als Wendepunkt

Ein besonderer Aspekt ist das Hinspiel gegen die Niedersachsen: Damals kassierte der HSV eine bittere 1:3-Niederlage – eine der letzten Partien unter dem damaligen Chefcoach Steffen Baumgart, bevor dieser von Polzin abgelöst wurde. Und dieser „Hamburger Jung“, den viele Kritiker für zu spröde oder wenig charismatisch hielten, belehrt inzwischen alle eines Besseren. Er scheint das zu schaffen, woran seine Vorgänger scheiterten. Nur reden möchte er darüber nicht. „Wir denken nicht in Wunschbildern oder Zukunftsszenarien, sondern bleiben in der Realität“, betonte Polzin. „Wir wissen, wie viel Arbeit uns in diese Position gebracht hat – daran halten wir fest und arbeiten konsequent weiter.“

Meffert kehrt mit Schutzmaske zurück

Gut so! Polzin und sein junges Trainerteam bringen einen wohltuenden Realismus mit, der der Mannschaft guttut. Inhaltlich haben Polzin, Loïc Favé und Richard Krohn das Team überzeugt – mit Lösungen, die greifen. Dass sie es als erstes Trainerteam geschafft haben, die Mannschaft in der entscheidenden Phase zu stabilisieren, spricht für sich. Und es bleibt zu hoffen, dass das so bleibt.

Personell dürfen die jungen Hamburger Eigengewächse im Kampf um den Aufstieg auf die Rückkehr von Jonas Meffert ins zentrale Mittelfeld hoffen. Sein Einsatz trotz Nasenbeinbruchs scheint möglich – vorausgesetzt, er kommt mit der speziellen Schutzmaske zurecht. „Wenn Meffo einsatzbereit ist, ist er für uns essenziell – er ist eine absolute Führungsfigur und prägt unser Spiel maßgeblich“, so Polzin. Auch Stürmer Davie Selke, der zuletzt wegen Rückenproblemen pausieren musste, sowie Abwehrspieler Dennis Hadzikadunic, der sich eine ausgekugelte Schulter zuzog, stehen für das Spiel gegen Braunschweig wieder zur Verfügung.

Verdrängt Hadzikadunic Schonlau wieder aus der Startelf?

Fraglich bleibt, ob alle genannten Spieler direkt in die Startelf zurückkehren. Stefan Schnoor äußert sich im aktuellen Gegner-Check-Video ebenfalls dazu: Sollte Polzin seinem eingeschlagenen Kurs treu bleiben, wäre es keine Überraschung, wenn er Jonas Schonlau erneut von Beginn an bringt. Andererseits – und so sehe ich das auch – hat sich Hadzikadunic in den Wochen vor Nürnberg durch seine Leistungen das Startelf-Mandat verdient, sofern er bei 100 Prozent ist. Für beide Varianten gibt es starke Argumente – es bleibt spannend, welchen Weg Polzin wählt.

Werden Heuer Fernandes und Muheim rechtzeitig fit?

Kurzzeitig musste man sich zudem um Daniel Heuer Fernandes sorgen. Der Keeper fehlte krankheitsbedingt – allerdings gab Polzin Entwarnung: „Er war gesundheitlich ein bisschen angeschlagen“, erklärte der Trainer am Mittwoch. „Es war eher eine Vorsichtsmaßnahme. Wir wollten nicht riskieren, dass er jemanden im Team ansteckt. Wir gehen aber fest davon aus, dass das am Freitag keine Rolle mehr spielt.“

Auch Miro Muheim ist derzeit nicht voll im Training. Der Schweizer wurde in dieser Woche mehrfach aus Belastungsgründen geschont. „Miro mussten wir schon in der vergangenen Woche steuern, da er eine intensive Phase hinter sich hat – mit Spielen bei uns und Reisen zur Nationalmannschaft“, sagte Polzin. Zwei Tage vor dem Spiel sei es üblich, Spieler individuell zu dosieren, gerade bei kleineren Beschwerden. Folgen für das Braunschweig-Spiel sind allerdings nicht auszuschließen: „Wir müssen abwarten, inwieweit das am Freitag eine Rolle spielt.“

Reis gesperrt – Poreba und Reis stehen als Alternativen bereit

Definitiv fehlen wird Ludovit Reis, der aufgrund einer Gelbsperre pausieren muss. Als Alternativen gelten Lukasz Poreba, der in Nürnberg überzeugte, sowie Marco Richter, der ebenfalls für die offensive Mittelfeldrolle infrage kommt. Ich glaube allerdings nicht, dass Polzin beide gleichzeitig bringt – vorausgesetzt, Meffert ist einsatzbereit. Wahrscheinlicher ist, dass Poreba neben oder vor Meffert beginnt und Richter erneut als Joker eingeplant wird. In der Spitze rechne ich mit Davie Selke – sofern er fit ist.

Fakt ist: Der HSV wird am Freitag eine Startelf auf den Platz bringen, die Eintracht Braunschweig schlagen kann – und hoffentlich auch wird. Denn ich habe inzwischen Vertrauen in diese Mannschaft gewonnen. Ein Vertrauen, das mir in den vergangenen Jahren gefehlt hat. Weil sie heute schwierige Momente übersteht, sich von Rückschlägen nicht mehr aus dem Tritt bringen lässt – sondern weitermacht. Und weil das Trainerteam bisher jeden Ausfall kompensieren konnte …

In diesem Sinne: Euch allen einen schönen Champions-League-Abend!
Scholle

P.S.: Wie ihr auf der Pressekonferenz hören könnt, folgt Polzin den Worten unseren Special Guests aus der Vorwoche, David Jarolim. Auf die Frage nach Leihspieler Adam Karabec , für den der HSV eine Kaufoption über rund 4 Millionen Euro besitzt, und dessen Zukunft beim HSV antwortete Polzin: „Ich als Trainer würde ihn sehr gerne hier beim HSV sehen. Es macht mir sehr viel Spaß, ihn Fußball spielen zu sehen. Er ist ein Spieler mit sehr, sehr viel Potenzial“, sagt der Coach über Karabec und betont, dass auch das Zwischenmenschliche stimmt. „Adam und ich hatten von Beginn an eine sehr gute Verbindung zueinander. Weil wir gemerkt haben, dass wir auf einer Wellenlänge liegen – in dem Fall noch von Co-Trainer zu Spieler.“

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