Peinlicher Rückfall - HSV verliert in Würzburg
Was für ein sch… Nachmittag. Und ich meine damit auch die Zeit jetzt, also die nach Schlusspfiff. Solche Spiele nerven mich eben auch noch lange danach. Denn da fehlte auf dem…

Was für ein sch… Nachmittag. Und ich meine damit auch die Zeit jetzt, also die nach Schlusspfiff. Solche Spiele nerven mich eben auch noch lange danach. Denn da fehlte auf dem Platz alles, was man als Spitzenteam mitbringen muss. Offensiv ohne jeden Zug zum Tor, im Mittelfeld ohne jede Führung. Und in der Defensive standen heute Wackelfüße, die ein souveränes Spiel verhinderten. Es war gefühlt so, als würde man hier gegen sich selbst spielen. Also die eigene, heute allerdings nicht abgerufene Offensivstärke sollte die Defensivschwäche kaschieren. Und das misslang gründlich. Nach diesem peinlichen 2:3 in Würzburg beim Tabellenletzte hat der HSV es Fürth und Kiel morgen im direkten Duell überlassen, entweder am HSV vorbeizuziehen (sofern Fürth mit vier Toren Unterschied oder nicht gewinnt). Oder aber wir haben morgen Abend plötzlich vier Mannschaften mit 42 Punkten vorn. Fakt ist: Der HSV hat eine riesige Chance wieder liegen lassen.
Egal wie, das hat der HSV nicht mehr in der Hand. Zurecht. Denn es war heute früh zu spüren, dass das so nicht harmonierte. Der HSV hatte 99 Prozent Ballbesitz. Und das auch, weil die Würzburger es so wollten. Sie wollten dem HSV das Spiel überlassen und nur auf den einen, kleinen Fehler warten, um zuzuschlagen. Gideon Jung wurde im Aufbauspiel gar nicht erst attackiert, weil ihm die Würzburger – Trainer Bernhard Trares hatte ihn selbst trainiert! - eh wenig bis nichts zutrauten. Zum Vergleich: Gyamerah wurde dagegen immer wieder sofort unter Druck gesetzt, weil man dessen Offensivaktionen vermeiden wollte. Und Würzburgs Taktik griff. Bis auf einen Freistoß von Kittel aus 25 Metern an den Außenpfosten hatte der HSV in der ersten Halbzeit nicht eine Offensivaktion! NICHTS! Das war so schwach, dass ich nach 20 Minuten schon Jeremy Dudziak gebracht hätte. Wobei: Nicht nur den…
Schon nach 20 Minuten hätte man wechseln können
„Der HSV hat gar nicht genug Spieler dabei, um zu wechseln“ schrieb mir einer meiner Bekannten. Der andere sah sogar Würzburg als bessere Mannschaft. Dabei war dieses Spiel mehr HSV gegen HSV. Denn gegen eine so schwache Defensive kannst Du wahrscheinlich nicht einmal mit Lewandowski und mit Terodde anspielen. Der Versuch, mit einer Dreierkette zu agieren, ging hier heute komplett nach hinten los – vor allem beim ersten Gegentreffer, wo der eine Verteidiger (Gyamerah) den anderen (Heyer) auf Höhe der Mittellinie abschoss und der Abpraller in den Lauf der Würzburger legte. Würzburgs Hasek hatte Platz, wurde bis zum Schluss nicht attackiert. Und dass sich am Ende auch Keeper Sven Ulreich in diese Fehlerkette mit einreihte – es passte zur ersten Halbzeit.
Die war so schwach wie lange kein HSV-Spiel mehr. Haseks Schuss aus 18 Metern hätte der HSV-Keeper definitiv halten müssen! Und eines vorweg: Ulreich wird morgen in meinem Blog noch einmal großes Thema sein. Denn der Umgang mit ihm ist aus meiner Sicht falsch. So sehr ich mich über den sonstigen, gesunden Realitätssinn bei Trainer Daniel Thioune auch freue, so falsch ist er hier mit Ulreich. Aber dazu morgen mehr…
Am Ende war es auch nicht Ulreich allein. Ganz im Gegenteil: Plötzlich stand es sogar 2:0 für die Würzburger Kickers, weil sich die HSV-Defensive nicht zu schade war, noch einen Treffer aufzulegen. Gideon Jung, der auch beim ersten Gegentreffer schon zu passiv agierte, verschätzt sich brutal bei einem harmlosen Flankenball. Der Ball rutscht durch und am Ende ist es der aufgerückte Innenverteidiger Douglas, der den Ball per Innenpfosten in der langen Ecke unterbringen kann. Diesmal war Ulreich chancenlos – aber dafür patzte der Rest der Defensive. Oder wie man so sagt: Gegen so eine Defensive kannst Du gar nicht gegenanspielen.
Wechsel bringen kurz Schwung - aber es reichte nicht
Aber der HSV musste. Und der Trainer versuchte es mit personellen Veränderungen. Manuel Wintzheimer und Jeremy Dudziak kamen für Khaled Narey und Aaron Hunt. 25 Minuten zu spät – aber sie kamen zumindest für die zweiten 45 Minuten. Und es waren keine 60 Sekunden gespielt, da kam der HSV zumindest einmal halbwegs gefährlich vors Tor der Würzburger – leider ohne Erfolg. Ebenso in der 49. Minute, wo Wintzheimer den Ball zentral an der Sechzehnerlinie annehmen kann und zu zentral abschließt. Aber es ging zumindest mal in die richtige Richtung. Dachte ich. Und dann kam es.
Gerade erst hatte der HSV vorn die Möglichkeit zum Anaschlusstreffer und dann legte man – diesmal war es Leibold im Zusammenspiel mit dem sich versteckenden Kinsombi – das 3:0 auf. Leibolds Fehlpass, Onana meinte, sich in der 54. Minute schon mal eine Auszeit nehmen zu können und ließ Sontheimer 20 Meter vor dem Tor einfach mal machen. Jung war zum dritten Mal nur passiver Begleiter in sicherem Abstand – und Sontheimer machte es richtig gut. Ein strammer Schuss aus 18 Metern – das 3:0.
Und die Vorentscheidung. Das schöne Tor von Jeremy Dudziak (Terodde hatte eine Leibold-Flanke auf Dudziak abgelegt) und der späte Premierentreffer des eingewechselten Wood brachten wenigstens noch etwas Spannung in das durch und durch schwache HSV-Spiel. Am Ende blieb es bei einer Niederlage, die sich der HSV größtenteils selbst zufügte. Slapstick-Gegentore, Wackel-Abwehr, Onana-Platzverweis, Offensivschwäche – die Analyse dieses Spiels wird für alle Anwesenden unangenehm und lang ausfallen. Es war einfach zu vieles, was nicht stimmte.
Eklatante Defensivschwäche, keine Offensive - das war nichts!
Daher hier nur in Kurzform: Jung demonstrierte, weshalb er einfach nicht reicht, Kinsombi versteckte sich bis zu seiner Auswechslung erfolgreich, Onana wirkte körperlich nicht auf der Höhe und bekam zu allem Überfluss noch eine unfassbar harte Gelbrote Karte, Heyer versuchte es mit sinnfreien Dribblings, weil ansonsten keiner mitmachte - und selbst Terodde wirkte hoffnungslos. Nur die eingewechselten Heil, Vagnoman, Wintzheimer, sowie die Torschützen Wood und vor allem Dudziak wirkten hier wenigstens bemüht. Aber mehr Positives darf und wird man aus so einer Gesamtleistung einfach nicht ziehen.
Wir haben nicht gut ins Spiel gefunden, hatten wenig Tempo im Spiel, um Räume zu finden. Freilaufbewegung war nicht da. Wir haben uns selbst vor Probleme gestellt. Wir wollten in der zweiten Halbzeit deutlich aktiver sein, das ist uns nur ein paar Minuten gelungen. Das Aufbäumen kam deutlich zu spät. Eine bittere 2:3-Niederlage. Aber ein nicht unverdienter Sieg für Würzburg“, fasste es Thioune nach Schlusspfiff zusammen. Aber auch hierzu morgen mehr. Heute haben wir genug damit zu tun, diese Minusleistung erst einmal zu verdauen.
Bis morgen.
Scholle
DIE STATISTIK ZUM SPIEL:
FC Würzburger Kickers: Bonmann - Feltscher, Douglas, Strohdiek, Feick - Sontheimer (90.+1 Dietz), Hägele, Hasek – Pieringer (86. van la Parra), Lotric (79. Kopacz), Munsy (79. Baumann)
HSV: Ulreich – Gyamerah (81. Vagnoman), Jung, Heyer, Leibold - Onana, Kinsombi (81. Wood) – Narey (46. Wintzheimer), Hunt (46. Dudziak), Kittel (69. Heil) - Terodde
Tore: 1:0 Hasek (19.), 2:0 Douglas (30.), 3:0 Sontheimer (54.), 3:1 Dudziak (72.), 3:2 Wood (89.)
Zuschauer: leider keine
Schiedsrichter: Sven Waschitzki (Essen)
Gelbe Karten: - / Onana (45.)
Gelb-Rote Karten: - / Onana (90.)
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