Paderborn überrennt HSV mit 2:0 - Polzins erste Niederlage im elften Spiel
Wenn eine Mannschaft in einer Halbzeit sieben (!) Kilometer mehr läuft als die andere, um dann in der zweiten Halbzeit noch einmal fünf Kilometer mehr abzureißen, obwohl sie…

Wenn eine Mannschaft in einer Halbzeit sieben (!) Kilometer mehr läuft als die andere, um dann in der zweiten Halbzeit noch einmal fünf Kilometer mehr abzureißen, obwohl sie fußballerisch nicht klar unterlegen ist, dann sagt das viel aus! Über das fehlende Engagement und die mangelnde Gegenwehr der anderen Mannschaft. 127 Kilometer lief der SC Paderborn – 115,4 der HSV. Das ist eine Diskrepanz, die nicht akzeptabel ist. Nicht einmal, wenn die eine Mannschaft 95 Prozent Ballbesitz hat und die andere nur hinterherlaufen muss. Und vor allem: Heute war es absolut nicht so. Im Gegenteil: Paderborn wirkte sogar abgestimmter und abgeklärter. Vor allem nahm der SCP dem HSV erst Selke und dann auch den Rest der Offensive komplett aus dem Spiel.
Fazit: Merlin Polzins erste Niederlage als Cheftrainer war hochverdient, da gibt es absolut nichts zu diskutieren.
Der ehemalige HSV-Profi Filip Bilbija (15. Minute) und Adriano Grimaldi (84.) besiegelten nach einem unterhaltsamen Duell die erste Pflichtspiel-Niederlage im elften Spiel unter Trainer Merlin Polzin. Zuletzt hatte der HSV im November in Braunschweig verloren, damals arbeitete Polzin noch als Assistent. In den Parallelspielen besiegte Magdeburg Darmstadt klar mit 4:1 und kletterte auf den dritten Rang, Elversberg überrollte Hertha BSC mit 4:0. Den Erst- und Achtplatzierten trennen jetzt wieder nur noch vier Zähler – und am kommenden Wochenende kommt Fortuna Düsseldorf in den Volkspark (Sa., 20.30 Uhr).
Brisant: Dieses Spiel hat der SC Paderborn auch deshalb gewonnen, weil er taktisch besser eingestellt war. SCP-Coach Lukas Kwasniok, der im Winter beim HSV als Trainerkandidat galt, siegte im direkten Duell mit Polzin deutlich. „Wenn der Name HSV irgendwo aufdribbelt, werden die Menschen immer ein bisschen nervöser, sind alle ein bisschen motivierter, sind gut gelaunt vor dem Spiel“, sagte Kwasniok vor dem Spiel. Es sei das Dilemma des HSV, dass alle Mannschaften gegen den Traditionsklub besonders motiviert seien. Dass sein Team am Ende aber zwölf Kilometer mehr lief als der HSV, darf in keinem Fall passieren!
Schlusswort Abwehrchef Daniel Elfadli: „Wir sind offensiv nicht durchgekommen, hatten keine Durchschlagskraft und fanden nicht die richtigen Lösungen. Wir haben einfach zu wenig von dem umgesetzt, was vorgegeben war. Alles in allem war das absolut enttäuschend.“ Und das stimmt. Leider.
DIE EINZELKRITIKEN:
Daniel Heuer Fernandes:
Was für ein Sch…Spiel für einen Keeper?! Ohne Chance, etwas zu verhindern, konnte er auch nichts verhindern. Note: 4
William Mikelbrencis:
Vorweg: Ich bleibe dabei, dass er kein guter Rechtsverteidiger ist – er spielt nur rechts hinten, weil der HSV dort niemanden hat, der besser ist. Und weil der HSV sein Tempo braucht. Aber rein defensiv fehlt es ihm taktisch an zu vielem, da ist er einfach noch zu oft zu unaufmerksam bzw. steht zu oft zu schlecht. So auch vor dem 0:1 (14.), als er trotz numerischer Überzahl seinen Gegenspieler gar nicht angreift und flanken lässt. Insgesamt ist er zu leicht zu überspielen und lässt zu viele Flanken zu. Note: 4,5
Denis Hadzikadunic:
Das ist solide im Moment. Auch heute gewann er seine Zweikämpfe, war in der ersten Hälfte als letztes Glied in der (Fehler-)Kette vor dem 0:1 nicht maßgeblich beteiligt. Note: 4
Daniel Elfadli:
Er muss als Abwehrchef auch Probleme erkennen und auf dem Platz Lösungen anbieten. Das bekam er für seine rechte Defensivseite nicht hin. Wie er sich vor dem 0:2 düpieren ließ, war schwach. Das war heute nicht sein Spiel. Note: 5
Miro Muheim:
Er pennt vor dem 0:1, weil er nicht mit der Flanke rechnet – das muss er aber. Nach vorn aktiver, aber nicht zwingend. Das kenne ich von ihm deutlich besser. Note: 4,5
Jonas Meffert (bis 74.):
Defensiv war das Zentrum dicht, das war okay. Aber in Kombination mit dem zu langsamen Reis und dem zu wenig kreativen Karabec war das heute offensiv viel zu wenig. Note: 4
Marco Richter (ab 74.):
Sein Torschuss war ein schlechter Witz. Aber ihm heute diese Niederlage anzulasten – abgesehen von Polzins Ideenlosigkeit – wäre falsch. Note: 4
Ludovit Reis:
Letzte Woche gegen Lautern hat er zwei, drei Schritte vorwärts gemacht – heute ging er sie wieder rückwärts. Ihm fehlten die nötige Spritzigkeit und das Tempo am Ball. Heute war er einer der Faktoren, die dazu führten, dass der HSV keinen echten Schwung in sein Offensivspiel bekam. Note: 5
Adam Karabec (bis 74.):
War wieder läuferisch sehr viel unterwegs, aber am Ball fehlten ihm die entscheidenden Ideen. Note: 4
Jean-Luc Dompé:
Seine Flanken braucht der HSV. Leider kamen davon in der ersten Hälfte zu wenige, ebenso von seinen schnellen Gegenstößen, die durch gleich zwei (manchmal sogar drei!) Gegenspieler immer schnell unterbrochen wurden. Note: 4
Emir Sahiti (bis 61.):
Taktisch ist es nicht weit her bei ihm! Die Abstimmung defensiv mit Mikelbrencis ist eigentlich nicht vorhanden. Er selbst unterstützt seinen Kollegen deutlich zu wenig. Das muss sich stark verbessern. Das reicht so nicht! Dass er offensiv immer einen im Fuß hat, ist super. Aber das gleicht es nicht aus. Note: 5
Fabio Baldé (ab 62.):
Sah beim 0:2 nicht gut aus, was allerdings auch nicht einfach zu verteidigen war. Aber offensiv blieb er wie alle anderen Offensivspieler auch – völlig wirkungslos. Note: 4
Davie Selke:
Allein die Maske ist ja schon angsteinflößend für den Gegenspieler. Wenn Selke dazu noch so körperlich agiert wie bisher, ist das im Gesamtpaket eines der unangenehmeren Spiele für jeden Gegner. Dass er gleich die ersten beiden Bälle zum Abschluss nutzte, verdeutlichte seinem Gegenspieler noch mal: Dem darfst du NIE Raum geben – und das stresst den Gegenspieler schon. Aber heute bekam er von seinen Mitspielern zu wenig Bälle. Viel zu wenige… Note: 4
Trainer Merlin Polzin:
Dass er die Paderborner 90 Minuten lang die rechte Seite des HSV bespielen ließ, war fahrlässig! Da MUSS er reagieren. Seine Wechsel kamen zu spät und griffen nicht. Taktisch ging er heute gegenüber seinem Paderborner Kollegen Kwasniok unter. Eine verdiente erste Niederlage im elften Spiel als Chefcoach. Note: 5
DAS SPIEL IM STENOGRAMM:
SC Paderbron 07: Riemann - Hoffmeier, Götze, Brackelmann (36. Castaneda) - Obermair, Mehlem (76. Curda), Scheller (76. Hansen), Zehnter - Bilbija (71. Michel) - Terho (71. Grimaldi), Ansah
HSV: Heuer Fernandes - Mikelbrencis, Hadzikadunic, Elfadli, Muheim - Meffert (74. Richter), Karabec (74. Königsdörffer), Reis (89. Stange) - Sahiti (62. Balde), Selke, Dompe
Tore: 1:0 Bilbija (15.), 2:0 Grimaldi (84.)
Zuschauer: 15.000 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Dr. Robert Kampka (Mainz)
Gelbe Karten: Bilbija, Terho / Karabec
STIMMEN ZUM SPIEL:
Daniel Heuer Fernandes: „Wir hatten in der ersten Hälfte noch viel Kontrolle, in der zweiten Halbzeit aber waren wir zu wild und konnten diese Kontrolle nicht mehr herstellen. Aber genau diese Kontrolle brauchen wir für unser Spiel. Mit dem Auftritt können wir deshalb nicht zufrieden sein. Aber wir bleiben inhaltlich, bleiben klar und werden weiterarbeiten, um die guten Ergebnisse aus den letzten Wochen auch in den nächsten Wochen wieder zu holen.“
Daniel Elfadli: „Das war heute insgesamt sehr enttäuschend. Die erste Hälfte war auch schon nicht das, was wir uns vorgestellt haben, aber es war noch okay. Die zweite Hälfte aber war dann weit weg von dem, was wir eigentlich spielen wollten. Wir sind offensiv nicht durchgekommen, hatten keine Durchschlagskraft, haben nicht die richtigen Lösungen gefunden. Wir haben einfach zu wenig von dem auf den Platz gebracht, was die Vorgabe war. Alles in allem war das absolut enttäuschend.“
Davie Selke: „Wir hatten heute offensiv einige gute Aktionen, konnten aber daraus nicht den nötigen Treffer erzielen. Gerade in der ersten Hälfte hatten wir gute Ballgewinne und hatten auch unsere offensiven Aktionen. Aber nach der Pause wurde es weniger, deshalb können wir mit dem Spiel und dem Ergebnis nicht zufrieden sein. Leider konnten wir die große Möglichkeit heute nicht nutzen, aber wir haben schon so viele Rückschläge weggesteckt, dass wir auch aus dieser Situation wieder gestärkt hervorgehen werden.“
Merlin Polzin: „Wir haben in der ersten Halbzeit viel von dem umgesetzt, was wir uns vorstellen, sowohl mit als auch gegen den Ball. In der zweiten Halbzeit aber haben wir leider sehr wenig von alledem umgesetzt. Paderborn hat es heute sehr gut gemacht, das gehört auch dazu. Aber wir für uns haben heute Dinge nicht gut gelöst, waren zu ungeduldig im Pressing, haben nicht mutig genug von hinten herausgespielt und bei unseren offensiven Aktionen dann auch nicht das Tor gemacht. Insofern verlieren wir dieses Spiel gegen einen Gegner, der es uns heute sehr schwergemacht hat. Das werden wir analysieren und dann alles daran setzen, nächste Woche im Volksparkstadion wieder ein anderes Gesicht zu zeigen.“
SCP-Trainer Lukas Kwasniok: „Die Mannschaft hat sich den Sieg absolut verdient. Wir sind heute unfassbar viel gelaufen und haben es geschafft, den Gegner über 90 Minuten zu zermürben. In der ersten Hälfte haben wir kein besonders gutes Spiel absolviert. Ich habe in der Halbzeit gesagt, dass ich mit der Spielleistung nicht zufrieden bin. Im zweiten Durchgang haben wir dann umgestellt und bis auf den Lattentreffer von Dompe kaum etwas zugelassen. Wir haben dem Gegner mit Mentalität und körperlicher Wucht wehtun können.“
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