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Onana und Kostic sorgen für gute Stimmung beim HSV

Beim HSV scheinen sich erste Wolken zögernd zu lichten. So scheinen dem HSV nach den sicheren Millionen aus dem Transfer von Amadou Onana vom OSC Lille zu Everton, der heute…

Onana und Kostic sorgen für gute Stimmung beim HSV

Beim HSV scheinen sich erste Wolken zögernd zu lichten. So scheinen dem HSV nach den sicheren Millionen aus dem Transfer von Amadou Onana vom OSC Lille zu Everton, der heute offiziell vermeldet wurde, nun auch noch Gelder aus einem möglichen Transfer von Filip Kostic zu Juventus Turin zuzukommen. Zumindest vermelden italienische Zeitungen den Wechsel des Linksaußen, an dessen Transfer der HSV mit 10 Prozent beteiligt wäre, als sicher. Mehr oder weniger unerwartete Einnahmen, die dem HSV neuen Handlungsspielraum für Neuverpflichtungen geben würden.

Einen Spielraum, den es noch exakt zu bestimmen gilt. Es wäre ein Spielraum, den nach Jonas Boldt offenbar auch Dr. Thomas Wüstefeld freigeben würde – vorausgesetzt, er schafft es, seinen Ankündigungen entsprechend bis Freitag eine Finanzierung der fehlenden Millionen für die Stadionsanierung vertraglich zu fixieren. Und das ist bislang noch offen. Ergo: Abwarten. Noch erscheint es auch möglich, dass der HSV den allergrößten Teil der Zusatzeinnahmen in die Stadionsanierung stecken muss.

Beim heutigen Training gab es keine Überraschungen zu vermelden. Anssi Suhonen absolvierte ebenso wie Bakery Jatta und Xavier Amaechi eine individuelle Einheit. Und wie ich bereits angekündigt hatte, bin ich es leid, mich über das Vorstandstheater hier auszulassen. Daher bot sich dieser tag hervorragend an, um Euren Gedanken hier den Vortritt zu lassen. Oder besser gesagt: Von einem von Euch. Es freut mich auf jeden Fall sehr, dass sich mein langjähriger Freund und HSV-Kenner Frank Ockens gemeldet hat. Ich habe es Euch in den letzten Jahren immer wieder angeboten: Solltet Ihr mal einen Gedanken lang ausspielen wollen – meldet Euch bei mir.

Ich freue mich über Eure Ausführungen und bin gern bereit, dafür auch den Blog zur Verfügung zu stellen. So, wie ich es heute mit Frank mache, der es nicht minder satthat, was sich derzeit auf Führungsebene abspielt und hat seinen Gedanken freien Lauf gelassen. Vielen Dank dafür, Frank. Und Euch jetzt viel Spaß beim Lesen: 

Quo vadis HSV?

Von Frank Ockens

August 2022, die fünfte Zweitligasaison hat begonnen, wir haben die mit Abstand höchsten Transferausgaben der gesamten zweiten Liga…naja, wir haben sogar mehr ausgegeben als die gesamte zweite Liga zusammen und anstatt nun gemeinsam die katastrophalen letzten 4 Jahre vergessen zu machen, steht vor unserer Haustür ein neuer, fast nicht vorstellbarer Führungsstreit, der sich vom Aufsichtsrat durch den Vorstand bis hin zur sportlichen Leitung durchzieht.

Ich brauche hier jetzt niemandem zu erklären, was gerade los ist beim HSV, denn das lesen wir ja alle seit Wochen in diversen Printmedien, Internetblogs und - man höre und staune! - wir bekommen es sogar durch selbstgestaltete Einzelpresserunden unserer Vorstandsmitglieder mitgeteilt. Den letzten von mir geschrieben Satz, muss ich selbst noch einmal sacken lassen, jedoch möchte ich hier heute gar nicht darüber philosophieren, wer Recht oder Unrecht hat, wer es richtig oder falsch macht und wen ich wichtiger oder unwichtiger für den HSV halte. Denn zum jetzigen Zeitpunkt und bei all der Außendarstellung, die sich uns bietet, kann man ohne großes Hintergrundwissen nur sagen: „Alle in einen Sack und mit dem Knüppel drauf, denn Du triffst immer einen richtigen!“

Jede handelnde Person wird zum jetzigen Zeitpunkt seine Gründe haben, sich so zu verhalten, wie er es gerade tut. Jede handelnde Person entscheidet heute jedoch nur danach, was für ihn gut ist. Das Wohl des HSV hat keiner mehr als Primärziel im Kopf und dabei möchte ich niemandem unterstellen gegen den HSV zu arbeiten. Aber die Prioritäten bei Entscheidungen sind von egoistischen Zielen gelenkt - und das ist der Tod für die Weiterentwicklung unseres HSV!

Bei einem Streit zwischen Nachbarn gibt es die Möglichkeit, einen Schlichter zu bestellen, selbst bei Tarifkonflikten werden externe Schlichter einberufen, die versuchen, einen Konsens herbeizuführen. Das ist in unserem Fall leider nicht (mehr) möglich, denn einen gemeinsamen Weg aus der momentanen Situation kann und wird es niemals geben. Somit ist uns allen bewusst, dass wir zurück beim Highlander sind: „Es kann nur einen geben!“ Leider ist das aber auch nicht so einfach, da es nicht nur um die Frage „Boldt oder Wüstefeld“ geht, sondern wenn man den Ausführungen in den Medien vertraut, kann es nur um die Frage gehen: Boldt, Walter, Frömming und H.-W. Peters oder Wüstefeld, Jansen, Papenfuss, Dinsel?

Und genau hier beginnt es für mich so abstrus zu werden, denn es gibt ja keine inhaltlichen Diskussionen im HSV, wo es um schwarz oder weiß geht, sondern es geht um interne Machtkämpfe, um Personen und Positionen. Es ist doch Wahnsinn, dass sich unsere Aufsichtsräte jetzt auseinanderdividieren und dies geschieht, ich wiederhole mich in diesem Punkt, nicht aufgrund irgendwelcher Richtungsentscheidungen, sondern aufgrund persönlicher Differenzen zwischen zwei Vorstandsmitgliedern. Jeder von uns kann jetzt Argumente für oder gegen Boldt und für oder gegen Wüstefeld aufbringen. Es ist auch gut so, dass jeder seine individuelle Sichtweise hat, bzw. bilden kann. Aber es ist völlig unverständlich, dass es so weit kommen kann, dass der ganze HSV ins Wanken kommt.

So unsinnig es im ersten Moment erscheinen mag, gibt es für mich zum jetzigen Zeitpunkt nur eine Lösung: Weitermachen mit beiden! Beide müssen sich vollkommen in den Dienst des HSV stellen und abliefern! Im November haben wir eine WM und ganz viel Zeit, um das Geleistete zu bewerten und entsprechende Schritte für die Zeit ab dem 01.01.2023 (TW) und den 01.07.2023 (JB) in die Wege zu leiten. Wenn einer der beiden Vorstände sich nicht mehr in der Lage sieht, bis zum November für den HSV Vollgas zu geben, so möge er bitte die Hand heben und seinen Posten sofort räumen.

Sofern sich die Situation im November immer noch so darstellt wie heute und die Aufsichtsräte sich bis dahin argumentativ kein einheitliches Bild machen konnten, muss man befürchten, dass fast 50% der zurzeit entscheidenden Personen im HSV das Ende der Saison nicht mehr in Amt und Würden erleben. Und ich weiß, dass es auch Leute unter uns gibt, die nichts dagegen hätten, wenn alle den Hut nähmen.  Aber das funktioniert so natürlich nicht. Die große Frage heute ist: WIE kann es funktionieren, dass in den kommenden Wochen ALLE Personen ihre volle Aufmerksamkeit in den Dienst des HSV stellen und man versucht die Gemengelage ohne einen riesengroßen Knall auseinander zu dividieren…?

Und da kommen wir meiner Meinung nach wieder auf den von mir oben schon beschriebenen Schlichter, welcher hier jedoch keinen Konsens erzielen soll, sondern der erst einmal dafür sorgt, dass ALLE beteiligten, ganz salopp gesagt, „die Schnute halten“. Dafür ist es notwendig, dass alle Personen die momentane Situation gleich einschätzen, dass alle Personen das Beste für den HSV wollen und die jeweiligen Einzelinteressen hintenangestellt werden. Sollten handelnde Personen dies nicht wollen, sondern einen offenen Kampf anstreben, hätten wir zumindest einmal klare Fronten geschaffen.

Wir haben mindestens zwei unterschiedliche Meinungen in den Gremien (ich möchte ganz bewusst nicht von Lager oder Gruppen reden, da es spaltet und ich die Hoffnung habe, dass es kurzfristig im Sinne des HSV weitergeht). Und genau aus diesem Grund müssten alle Personen, unabhängig davon, welche Meinung sie vertreten, diese eine Person akzeptieren. Alle handelnden Personen hätten 48 Stunden Zeit, ihre bis dato verbreitete Interna zurückzurufen und ihre momentan instrumentalisierten Pressekontakte zurückzupfeifen. Denn dieses permanente Stecken von Interna oder anderer Informationen ist so offensichtlich, nervig und unprofessionell, dass es die ganz klare Ansage geben muss: Ein einziges Durchstecken an die Öffentlichkeit bedeutet unmittelbare Beurlaubung oder Freistellung.

Dasselbe gilt für jede Presserunde, Interview oder Kommentar, welche sich nicht ausschließlich und ohne Nebensatz mit dem Resort des Betreffenden befasst. Herr Wüstefeld hat in der Öffentlichkeit nichts zum Sport zu sagen, Herr Boldt hat nichts über Finanzen zu sagen - und der Aufsichtsrat kommuniziert ausschließlich über oder mit dem Vorsitzenden. Unter normalen Umständen wäre alles das übrigens eine Selbstverständlichkeit.

Mir ist schon bewusst, dass auch dann die Probleme noch nicht behoben sind, sondern die richtige Arbeit erst anfangen würde. Dennoch sind alle anderen Ideen bzw. Lösungsvorschläge nicht umsetzbar, wenn man eine Puttsituation hat.

Natürlich sind die Fehler alle viel früher entstanden und im Nachhinein muss man vielleicht sagen, dass die 5 Siege zum Saisonende dem HSV nicht nur gutgetan haben. Vielen Leuten haben diese Siege Sand in die Augen gestreut. Und ja, ich bin auch für Kontinuität! Aber ich bin kein Freund von kontinuierlichem Misserfolg. Ich hätte an Stelle des Aufsichtsrats in der Sommerpause zu Herrn Boldt gesagt: Du bekommst eine Vertragsverlängerung um 12 weitere Monate, die in Kraft tritt, wenn der Aufstieg in die erste Bundesliga feststeht! Des Weiteren hätte ich Herrn Boldt gesagt, dass er dieses Modell der Vertragsverlängerung dem Trainer vorschlagen kann und solch eine Vertragsverlängerung vom Aufsichtsrat abgesegnet würde.

Wir müssen endlich wieder zu einer Leistungskultur beim HSV kommen! Erst leisten, dann bekommen. Dies gilt für Vorstände, Trainer, Spieler und Mitarbeiter, aber auch ehrenamtlich tätige Personen müssen erst etwas leisten, um wiedergewählt zu werden. Wir müssen die aktiv tätigen Personen mal wieder an den Ergebnissen messen. Die einen an den sportlichen, die anderen an den wirtschaftlichen und dritte an den strukturellen. Jeder neue Mitarbeiter, der zum HSV kommen soll, muss einer einzigen Prämisse, bzw. Frage Stand halten: „Braucht ihn der HSV oder braucht er den HSV?“

Zu guter Letzt sei gesagt, dass mir schon bewusst ist, dass es einfach ist, all diese Zeilen aus dem warmen Büro zu schreiben, nachdem all die bisherigen Dinge passiert sind. Hinterher ist man immer schlauer. Logisch! Eine starke Führung ist nicht einfach, schon gar nicht, wenn man in einem Entscheidungsgremium eine Puttsituation hat, die mittlerweile wohl auch nur schwer mit Argumenten zu lösen ist. Noch sind wir aber weder beim Highlander noch im Mittelalter, sodass ich persönlich auf Gladiatorenkämpfe verzichten kann. Nichtsdestotrotz wünsche ich mir aber eine schnelle, wenn vielleicht auch nur vorübergehende, Lösung – im Sinne unseres HSV. Und nichts darf darüberstehen.

Frank Ockens, Hamburg d. 9. August 2022

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