Aktuell

Nur Volldampf geht nicht gut - der HSV braucht Alternativen

Heute sollte eigentlich mein Ruhetag sein. Aber nach dem MorningCall war mir eigentlich schon klar, dass es alles wird – außer ruhig. Selbst Sergej Barbarez hat sich inzwischen…

Nur Volldampf geht nicht gut - der HSV braucht Alternativen

Heute sollte eigentlich mein Ruhetag sein. Aber nach dem MorningCall war mir eigentlich schon klar, dass es alles wird – außer ruhig. Selbst Sergej Barbarez hat sich inzwischen wieder aus seinem Leben als Privatier zu Wort gemeldet. „Es wird in Hamburg seit Wochen darüber diskutiert, ob St. Pauli den HSV wirklich überholen kann. Ich sage: St. Pauli ist sportlich schon jetzt vorbeigezogen“, so der frühere HSV-Torschützenkönig in seiner „kicker“-Kolumne von heute. Wenig überraschend alles, finde ich. Zumal der Stadtrivale nach zwölf Spieltagen die Tabelle mit 26 Punkten vor Jahn Regensburg (25) und Schalke 04 (22) sowie mit sieben Punkten Vorsprung vor dem HSV anführt. „Aufgrund seiner Geschichte wird der HSV wohl immer der größere Club der Stadt sein, aber nicht zwangsläufig die sportliche Nummer eins“, so Barbarez.

Das liege nicht nur daran, dass er damit leben müsse, dass wegen der allgemeinen Erwartungshaltung ein 1:1 wie am Sonnabend gegen Holstein Kiel eben nicht als Teilerfolg, sondern als Enttäuschung bewertet werde. „Es liegt vor allem daran, dass keine Entwicklung sichtbar wird. Seit Jahren nicht“, monierte der 50 Jahre alte bosnische Ex-Nationalspieler (47 Länderspiele/17 Tore), der von 2000 bis 2006 in 174 Bundesliga-Spielen für die Hamburger 65 Treffer erzielt hat. Er habe „das Gefühl, dass in jedem Jahr das Gegenteil davon getan wird, mit dem der Verein im Vorjahr gescheitert ist“, betonte Barbarez. Auch in diesem Jahr habe der neue Trainer eine neue Philosophie eingebracht. „Grundsätzlich ist der Stil von Tim Walter durchaus attraktiv, dass sich aber komplett seiner Idee verschrieben wird, zeigt einmal mehr, dass der HSV eigentlich keinen eigenen Plan hat“, fasst er die aus seiner Sicht vorhandenen Defizite zusammen.

Barbarez sieht FC St. Pauli als sportliche Nummer eins

Scharfe Kritik also an der HSV-Führungsriege um Sportvorstand Jonas Boldt, die sich weiterhin geschlossen hinter Trainer Walter stellt. Und das ist nur konsequent. Denn Walters Weg ist und bleibt grundsätzlich gut – über die genaue Umsetzung darf selbstverständlich immer diskutiert werden. Machen wir hier ja auch. Fast immer sogar sachlich. Dennoch ist Kritik eine Triebfeder des Erfolges, wenn sie korrekt angewendet und ebenso angenommen wird. Ob Walter letztlich stur ist und bleibt – ich weiß es nicht. Der HSV-Trainer gilt als Überzeugungstäter und das macht seinen Weg auch für seine Mitstreiter immer sehr authentisch. Ich hoffe in dieser ganzen Diskussion über Walters offensive Ausrichtung nur, dass es hier keinen Stillstand gibt. So, wie es damals bei Bruno Labbadias erstem HSV-Auftritt der Fall war.

https://soundcloud.com/user-36211795/di-021121-zoff-auf-den-rangen-walter-wird-bepobelt-alidou-soll-bleiben-heuer-fernandes-auch?si=425d2991207143878cb6d3617a0df4d7

Damals verfestigte sich Labbadias Überzeugung, seinen eigenen Weg durchzuziehen mit jeder Kritik umso mehr. Der Mehrfach-HSV-Trainer fühlte sich seinerzeit zu oft und sehr schnell angegriffen und reagierte trotzig. Nur nicht überlegt. Und so kam es, dass ein Trainer mit einer sehr guten Grundausrichtung – diese haben ihm damals alle nachgesagt, sogar Spieler, die bei ihm nicht erste Wahl waren – am Ende vor allem an seiner Sturheit scheiterte. Dabei hatte Labbadia sehr oft recht, weil ihm tatsächlich einige Böses wollten. Darüber hinaus aber verlor er die Souveränität, die konstruktive Kritik anzunehmen. Und ich hoffe, dass sowas hier nicht noch mal passieren kann.

https://open.spotify.com/episode/35cWpXLiMyY5naRCOMJYFv?si=8b90ceded44a4479

Fakt ist, dass der HSV besser sein könnte, als er es ist – was ja im Grunde auf fast alle Mannschaften fast immer zutrifft. Daher sollte hier eine konstruktive Basis für Kritik immer gegeben sein. Gerade die Zeit, in der man viel experimentiert und vielen jungen Spielern die Chance gibt, bietet eine breite Fläche für Kritik, die förderlich umgesetzt werden kann. Zum Thema Plan B beispielsweise möchte ich noch eines sagen: Den MUSS der HSV haben. Man stelle sich mal vor, der HSV ließe am kommenden Sonnabend den Karlsruher SC zu Beginn den Ball, würde defensiv gestaffelt stehen und auf Konter setzen. Was meint ihr, was wäre der Effekt? Sicherheit beim KSC? Eher nicht. Denn bislang hat der HSV in JEDEM Spiel von Beginn an Druck gemacht. Einzige beim FC St. Pauli geriet man selbst unter Druck, weil der Stadtrivale ein ganz einfaches Mittel anwendete: Erst presste man offensiv, dann ließ man den HSV kommen, dann agierte man wieder im Offensivpressing – und dann ließ man den HSV wieder kommen. Das Ergebnis? Der HSV fand in der ersten Hälfte überhaupt keinen Rhythmus. Und am Ende verlor man sogar das Stadtderby.

HSV braucht eine Alternative zum Volldampf-Fußball

Was ich sagen will: Auch Walter täte sich und seiner Mannschaft einen Gefallen, wenn zumindest die Option auf eine andere Taktik da wäre. Es wäre vor allem für solche Phasen von großem Wert, wo die Kraft nachlässt. Und das kommt immer wieder vor. Siehe in großen Teilen ab zweiter Halbzeit in Nürnberg sowie jetzt ab gegen Holstein Kiel. Vor allem ist es auch für die Köpfe der Spieler gut, wenn sie wissen, dass sie auf alle Situationen vorbereitet sind. Da bin ich mir sicher. Und diesen Standpunkt halte ich für konstruktive Kritik am "System Walter".

Aber: Alles andere als konstruktive Kritik sollte und darf sich auch Walter nicht gefallen lassen. Dafür habe ich absolutes Verständnis. Denn unabhängig vom HSV im Ganzen, werden wir hier jetzt auch deutlich schneller und dann auch mit voller Härte auf Verfehlungen reagieren. In den sozialen Netzwerken gab es ein paar ganz Wichtige, die beleidigen wollten. Das haben sie zwar nicht geschafft, dafür aber wurden sie (und alle, die die Beleidigungen mit einem Like versehen hatten) gesperrt. Ist für alle Seiten besser so.

Auch die Fans sind jetzt zum Umdenken gefordert

Besser werden kann es auch auf den Rängen. Zuletzt war der Support durch das Fehlen der Ultra-Gruppierungen und den Vorsängern unkontrolliert – und nicht immer gut. Pfiffe gegen Ehemalige, Bierbecherwürfe, Knallkörper – und die Pfiffe gegen das eigene Team haben inzwischen einige auf den Plan gerufen. Gestern hatte die Initiative „Fuerdenhsv.de“ den Anfang gemacht, inzwischen ist daraus eine kleine Bewegung geworden. Morgen werden auch die Kollegen der Tageszeitungen darüber berichten. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass die HSV-Fans diese Kritik nicht nur annehmen, sondern sich Gedanken machen werden. Zumindest ist das die Info, die ich aus dem Kreis der Ultras bekommen habe.

In diesem Sinne, bis morgen! Dann wieder um 7.30 Uhr mit dem MorningCall. Zudem könnt Ihr jetzt schon unter [email protected] Eure Fragen an mich für den Communitytalk am Mittwoch loswerden, ebenso morgen via Instagram! Also: Feuer frei!

Scholle

Anzeige · Partner

Zeig deine Farben

Unsere Freunde von HANDS OF GOD setzen ikonografischen Momenten und Legenden der Vereinsgeschichte ein künstlerisches Denkmal.

Alle Hamburg-Motive bei HANDS OF GOD

Wir sind Partner von HANDS OF GOD und bekommen eine Provision, wenn du über diese Links kaufst — für dich ändert sich am Preis nichts. Gezeigt werden nur Motive, die wir selbst aufhängen würden.

Diskussion

0 Kommentare

Diskutier mit!

Registriere dich kostenlos — dann kannst du unter den Beiträgen mitdiskutieren, antworten und liken.

Jetzt kostenlos registrierenAnmelden
DU
Bleib fair — wir moderieren mit Augenmaß.
Noch keine Kommentare — sei der/die Erste.
Lies weiter Meinung HSV-Blamage- Die Taktik war das geringste Problem Ein Tag nach der Pleite sitzt der Frust tief. Neben taktischen Mängeln fehlte vor allem eins: die Bewegung und der Wille, den Ball zu fordern. Das Problem war viel tiefer als die reine Herangehensweise Weiterlesen