Spielbericht

Nur 1:1 in Dresden - HSV startet schwach ins Jahr2022

Das hatte ich so bislang in dieser Saison noch nicht gesehen: Der Gegner setzte den HSV, der heute wegen des Todes von Ex-Meisterkapitän Jochenfritz Meinke mit Trauerflor…

Nur 1:1 in Dresden - HSV startet schwach ins Jahr2022

Das hatte ich so bislang in dieser Saison noch nicht gesehen: Der Gegner setzte den HSV, der heute wegen des Todes von Ex-Meisterkapitän Jochenfritz Meinke mit Trauerflor spielte, von der ersten Sekunde an mächtig unter Druck. 78 Prozent Ballbesitz hatte Dynamo Dresden in den ersten fünf Minuten – und den nutzten sie sehr ordentlich. Technisch versiert und taktisch gut sortiert spielte der Abstiegskandidat Offensivpressing (67% gewonnene Zweikämpfe in den ersten zehn Minuten) gegen den HSV, das haben bislang nicht viele Teams so gespielt. Zumindest wüsste ich keines aktuell. Aber HSV wusste sich gut zu verteidigen und überstand diese Drangphase, in der Heuer Fernandes gleich mehrfach angespielt wurde und einmal etwas wackelte – dafür aber beim Distanzschuss von Stark sofort wieder seine Klasse unter Beweis stellte.

Es war eine sehr intensive Anfangsphase, in der der HSV seinen Kombinationsfußball unbeirrt zu spielen versuchte, dabei aber immer wieder Fehlpässe und somit Ballverluste produzierte. Und erst irgendwo zwischen der 15. Und der 20. Minute kam dann auch der HSV langsam ins Spiel und trat offensiv das erste Mal in Erscheinung. Noch alles andere als zwingend, aber man hatte die erste Druckphase endlich überstanden und Dresden musste seinerseits etwas vom Gaspedal gehen – und kam trotzdem zur ersten richtigen Torchance. Kinsombi, der für Jatta in die Startelf gerückt war, verlor kurz vor der Mittellinie in der eigenen Hälfte den Ball und Dresdens Kade marschierte von links in den Strafraum. Anstatt aber in der Mitte seinen Mitspieler zu suchen, zog der Dresdner selbst aufs kurze Eck ab und Heuer Fernandes parierte zur Ecke.

Dresden presst von Beginn an - der HSV trifft überraschend

Dresden bestimmte das Spiel, und der HSV wusste damit nicht wirklich umzugehen. Es war in der ersten Hälfte bis hierhin wieder eines dieser Spiele, in der ich mir gewünscht hätte, dass der HSV seinen Kombinationsfußball den Bedingungen anpasst und wenigstens auf klaren Konterfußball setzt – aber ich musste mich bis zur 37. Minute gedulden. Wobei: DAS wiederum hatte sich dann auch wieder gelohnt, denn es war die etwas überraschende Führung für den HSV.

Ludovit Reis leitete nach einem Freistoß für Dresden den ersten wirklich schnell vorgetragenen Gegenangriff ein. Über den mitgelaufenen Kittel kommt der Ball auf die rechte Seite zu Robert Glatzel, der den Ball einmal mitnimmt in den Sechzehner und dann gekonnt per Lupfer am Dynamo-Keeper Broll vorbei zum 1:0 für den HSV einschiebt (37.). Glatzels bereits zehnter Saisontreffer! Und hätte Alidou in der 42. Minute etwas – nein: deutlich - genauer gezielt, es wäre sogar das 2:0 drin gewesen.  Dresdens Löwe hatte Alidou den Ball wild in den Fuß gespielt, darauf kommt Kittel links im Strafraum zum Abschluss. Broll wehrt die Kugel vor die Füße von wiederum Alidou ab, der dann aus elf Metern etwas wild drüber schießt. Das kann er normalerweise besser… Letztlich wäre ein 2:0 aber vielleicht auch zu viel des Guten gewesen. Die 1:0-Halbzeitführung reichte mir zumindest angesichts des Spielverlaufes absolut.

Wichtig war nur, dass der HSV das Moment mit in die zweite Halbzeit rüberrretten würde. Und so sah es eigentlich auch zu Beginn  der zweiten Hälfte aus. Der HSV war jetzt besser om Spiel – aber eben nur eigentlich. Denn plötzlich führte man nicht mehr. Christoph Daferner traf, nachdem sich der HSV zuerst über rechts hatte überrennen lassen, ehe dann Schonlau. Meffert und Vuskovic trotz Überzahlspiel allesamt zur Mitte orientierten und damit Kade aus den Augen verloren, der vom starken Königsdörffer halblinks im Sechzehner angespielt wurde. Seine Flanke fand dann wiederum Daferner, der per Kopf zum Ausgleich traf (61.).

Der Ausgleichstreffer durch Daferner (r.) zum 1:1. Torwart Daniel Heuer Fernandes und Sebastian Schonlaukönnen nur zusehen. Foto: Witters

Das Spiel war jetzt nicht nur im Ergebnis ausgeglichen, sondern beide Mannschaften hatten jetzt gleichermaßen Gelegenheiten, dieses Spiel für sich zu entscheiden. Bei den Dresdnern war es der mir unfassbar gut gefallende Königsdörffer, der für Torgefahr sorgte, aber sowohl in der 69. Als auch in der 72. Minute an heuer Fernandes scheiterte, während der HSV durch Kittel eine vielversprechende Überzahlsituation per Konter hatte. Dass ausgerechnet er einen so simplen finalen Pass nicht an den Mann (in diesem Fall zu Alidou) brachte – bitter! Das wäre eine Hundertprozentige gewesen (70.).

Walter ist unzufrieden - Heuer Fernandes ist „enttäuscht“

„Das Spiel ist nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir sind nicht gut aus der Winterpause gekommen. Dennoch führen wir und können die Partie später zu machen, das haben wir nicht getan“, konstatierte Kapitän Sebastian Schonlau nach dem Remis, über das sich die Dresdner sichtlich freuten, während der HSV mit Sicherheit nicht zufrieden sein kann. Wobei der Spielverlauf dieses Remis absolut rechtfertigte. Ich meine trotzdem, dass der HSV heute lange nicht zu seinem Spiel gefunden hat und bis auf die kurze Phase vor der Halbzeit und direkt nach der Halbzeit nicht so souverän wirkte, als dass man das nunmehr schon zehnte Remis im 19. Spiel in dieser Saison noch in einen Sieg hätte ummünzen können. So droht dem HSV nach diesem Spieltag sogar Platz sieben, sofern Schalke, Nürnberg Heidenheim und Werder ihre Spiele gewinnen.

Das Schlusswort überlasse ich dann den Protagonisten selbst. Trainer Tim Walter war dabei sicht- und hörbar unzufrieden: „Wir sind heute nicht gut ins Spiel gekommen. Wir haben uns viel vorgenommen, aber es nicht auf den Platz bekommen. Wenn wir keine 100 Prozent auf den Platz bringen, tun wir uns schwer, das hat man heute gesehen.“ Und Keeper Daniel Heuer Fernandes wurde noch ein Stück deutlicher: „Heute war leider kein gutes Spiel und wir können enttäuscht sein über die Leistung, aber wir haben nicht viel Zeit. In vier Tagen steht das nächste Spiel an. Dann müssen wir bereit sein.“

In diesem Sinne, Euch allen trotzdem erst einmal einen schönen Abend und bis morgen. 

Scholle

Die Statistik zum Spiel:

SG Dynamo Dresden: Broll - Akoto, Ehlers, Sollbauer, Löwe - Borello (71. Will), Stark, Kade (90.+2 Giorbelidze) - Drchal (71. Batista Meier), Daferner, Königsdörffer (82. Mörschel)

HSV: Heuer Fernandes - Heyer, Vuskovic, Schonlau, Gyamerah - Reis, Meffert, Kinsombi (68. Jatta) - Alidou (85. Wintzheimer), Glatzel (79. Kaufmann), Kittel

Tore: 0:1 Glatzel (37.), 1:1 Daferner (61.)

Zuschauer: 1.000

Schiedsrichter: Nicolas Winter (Freckenfeld)

Gelbe Karten: Borrello (31.), Sollbauer (73.) / -

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