Spielbericht

Nur 1:1 gegen den KSC - alles aus statt „all-in“?

Beim Aufwärmen trug die Mannschaft die Trikots vom langzeitverletzten Stephan Ambrosius, der sich unter Druck Woche im Training einen Kreuzbandriss zugezogen hatte. Eine Geste…

Nur 1:1 gegen den KSC - alles aus statt „all-in“?

Beim Aufwärmen trug die Mannschaft die Trikots vom langzeitverletzten Stephan Ambrosius, der sich unter Druck Woche im Training einen Kreuzbandriss zugezogen hatte. Eine Geste des Zusammenhaltes in einer Phase maximalen Drucks auf die Mannschaft. denn alle wussten: Wenn heute gegen den Karlsruher SC nicht gewonnen wird, dann war es das nahezu sicher mit dem Aufstieg. Zumal Fürth durch den glücklichen 3:2-Sieg gegen Sandhausen schon auf sechs Punkte davongezogen war und Kiel mit dann drei Spielen weniger aller Wahrscheinlichkeit Vorbeiziehen würde. Und am Ende wurde nicht nur nicht gewonnen - es wurde ein richtig deprimierender Abend mit einem 1:1 gegen den Karlsruher SC. Man wollte - konnte aber nicht. Und es wurde deutlich, dass diese Mannschaft dem Druck schlichtweg nicht gewachsen ist. Dieses 1:1 war in Summe mit den letzten Wochen tatsächlich eine Art mentale Kapitulation, die wenig Hoffnung auf Besserung macht.

Dabei begann der HSV trotz des Ambrosius-Ausfalles defensiv ordentlich. Rick van Drongelen war neben Toni Leistner in der Innenverteidigung von der ersten Sekunde an hochmotiviert und haute alles rein, was er hatte. Sah nicht immer schön aus, aber es funktionierte in den ersten 45 Minuten zumeist. Er ging all-in, was ja heute eigentlich das Motto sein sollte. Aber offensiv war das, was der HSV hier in den ersten 45 Minuten bot, nichts. Keine Ideen, kein kluger Pass - und außer Wintzheimer hatte keiner den Mut, einfach mal mit Tempo Richtung KSC-Gehäuse zu marschieren. Ergebnis: kein Tor.

Defensiv zunächst okay - offensiv erneut ohne Idee

Bis auf einen Schuss von Wintzheimer (knapp drüber, 20.) gab es keine echte Torchance für den HSV. Und das, obwohl man drei-, viermal in aussichtsreichen Schusspositionen Glücklicherweise hatte der HSV heute einen Gegner, der zwar die besseren Gelegenheiten hatte, der es aber nicht wirklich besser konnte. Konsequenz: Es ging völlig verdient mit einem Tor- und ereignislosen 0:0 in die Halbzeitpause. Dass das zu wenig war, wussten alle. Auch der Trainer, der in der Halbzeit einmal wechselte und den heute unsicher wirkenden Josha Vagnoman durch Jan Gyamerah ersetzte.

Es war klar, dass jetzt etwas passieren musste, wenn nicht statt all-in alles aus sein sollte. Und es begann gut, denn nach zehn Minuten im zweiten Durchgang bekam der HSV einen Handelfmeter zugesprochen. Zurecht - und eigentlich eine glückliche Fügung, die Terodde mit etwas Glück im Nachschuss zu nutzen wusste (55.). Aber wie in den letzten Tagen schon gesagt: es war hier und heute scheißegal, wie gewonnen würde. Hauptsache, es würde gewonnen. Von daher: hinten jetzt die Null halten und vorne am besten noch einen nachlegen - dann hätte man das erste von vier Endspielen gewonnen.

HSV kann selbst Geschenk nicht nutzen

Aber: denkste! Dieser HSV von heute macht falsch, was man falsch machen kann. In diesem Fall war es der bis hierhin (für mich erstaunlich) gute Klaus Gjasula, der bei einer Flanke, die gefühlt ne Viertelstunde in der Luft war, seinem Gegenspieler Daniel Gordon einfach mal das Feld überließ. Er wollte ihn offenbar blocken, verfehlte den KSC-Verteidiger aber und fiel recht willenlos hin - und Gordon konnte völlig unbedrängt zum Ausgleich einnicken. Und das keine zwei Minuten nach der Führung. Exemplarisch für diese bis hierhin dramatisch schwache Rückrunde.

Wobei, wenn man ehrlich ist, war das ganze Spiel heute exemplarisch. Man wollte, konnte aber nicht. Dann hatte man etwas Glück und bekam die Chance, sich zu erholen, per Elfer auf dem Silbertablett - und verhandelte sie binnen Sekunden durch einen kapitalen Bock wieder. "Wir konnten den Moment nicht lange für uns nutzen", ärgerte sich Trainer Daniel Thioune nach dem Spiel auf der Pressekonferenz, „Wir haben uns viel für die Partie vorgenommen, aber uns hat die Leichtigkeit gefehlt. Wir haben keine Räume gefunden, um Gefahr auszustrahlen. Der Punkt ist für uns eindeutig zu wenig. Wir haben heute und in den vergangenen Wochen wenig Punkte geholt. Wir müssen uns aktuell nicht über Platzierungen unterhalten, wir müssen in erster Linie Spiele gewinnen.“

Und das tun sie nicht. Seit Wochen nicht. Und während man vor dem Spiel all-in gehen wollte, muss man sich wohl endgültig damit anfreunden, dass es in Sachen Aufstieg eher „alles aus“ ist.  Und um einmal deutlich zu machen, wie falsch es läuft, muss man sich eigentlich nur anhören, was Sven Ulreich gut meint – und schlecht macht. Denn der Keeper will eigentlich zum Ausdruck bringen, dass man nicht alles auf den Platz gekriegt hat, was nötig war, um zu gewonnen. Und wir sind uns alle einig, schätze ich, dass es heute ausnahmsweise mal nicht am Willen, sondern am Können lag. Das macht es ehrlich gesagt noch dramatischer. Aber zurück zu Ulreich, der heute fehlerfrei war – bis zu seiner Zusammenfassung: „Wir mussten gewinnen nach den letzten Wochen. Es war sehr enttäuschend, dass wir die drei Punkte nicht im Volkspark gehalten haben“, sagte der Keeper bei Sky und analysierte: „Wir haben das fußballerisch ganz ordentlich gemacht, haben immer wieder Lösungsansätze gefunden, was wir die letzten Wochen vermissen lassen haben. Aber wir haben die Zweikämpfe nicht so gestaltet, wie man das in der 2. Liga machen muss. Die Grundtugenden haben einfach nicht gestimmt.“ Hmmm…

Hilft „Scheiße-egal“-Haltung, den Druck zu überwinden?

Aber letztlich ist es auch scheißegal, wie man es jetzt dreht. Letztlich fehlte dem HSV seit Wochen die Mentalität, um sich selbst aus diesem Negativstrudel zu ziehen. Diese Mannschaft hat meine monatelang feste Überzeugung, dass sie stabiler sei als in den letzten Jahren, zerstört und mich Lügen gestraft. Bleibt nur zu hoffen, dass sie nach dem  nahezu verpassten Aufstieg eine „Scheiße-egal-jetzt“-Haltung annimmt und endlich befreiter aufspielt, um zumindest mal wieder in die Nähe der Leistungen aus der Hinrunde zu kommen.

Schlusswort Daniel Thioune: „Wenn ich den Schlüssel hätte, hätte ich lange aufgeschlossen. Es sieht nicht gut aus, das weiß ich selber. Eine ordentliche, gute Rückrunde hätte gereicht“, so Thioune heute sichtbar deprimiert, „Eine Scheiß-egal-Mentalität könnte helfen. Über Platzierungen und Mannschaften vor und hinter uns zu sprechen macht keinen Sinn mehr. Das müssen wir einfach ausblenden. Jetzt liegen wir ordentlich zurück und wir werden sehen, ob uns diese Scheiß-egal-Mentalität am Ende hilft.“ 

Klingt alles ziemlich ratlos. Ist es wohl auch. 

In diesem Sinne, ich weiß auch nicht mehr, was ich dazu noch schreiben soll. Deshalb lasse ich es jetzt auch. Bis morgen.

Scholle

Statistik zum Spiel:

HSV: Ulreich - Vagnoman (46. Gyamerah), Leistner, van Drongelen, Leibold - Hunt (56. Kinsombi), Gjasula (67. Onana), Wintzheimer (83. Meißner) - Narey (67. Jatta), Terodde, Kittel

Karlsruher SC: Gersbeck - Thiede, Gordon, Kobald, Wimmer - Breithaupt (90. Groiß), Gondorf, Wanitzek - Goller (90. Jung), Gueye (72. Batmaz), M. Lorenz (84. Kother)

Tore: 1:0 Terodde (56.), 1:1 Gordon (57.)

Zuschauer: leider keine

Schiedsrichter: Sven Waschitzki (Essen)

Gelbe Karten: Narey (13.), van Drongelen (89.), Gyamerah (90.+3) / Gueye (55.), Wanitzek (74.)

Anzeige · Partner

Zeig deine Farben

Unsere Freunde von HANDS OF GOD setzen ikonografischen Momenten und Legenden der Vereinsgeschichte ein künstlerisches Denkmal.

Alle Hamburg-Motive bei HANDS OF GOD

Wir sind Partner von HANDS OF GOD und bekommen eine Provision, wenn du über diese Links kaufst — für dich ändert sich am Preis nichts. Gezeigt werden nur Motive, die wir selbst aufhängen würden.

Diskussion

0 Kommentare

Diskutier mit!

Registriere dich kostenlos — dann kannst du unter den Beiträgen mitdiskutieren, antworten und liken.

Jetzt kostenlos registrierenAnmelden
DU
Bleib fair — wir moderieren mit Augenmaß.
Noch keine Kommentare — sei der/die Erste.
Lies weiter Meinung HSV-Blamage- Die Taktik war das geringste Problem Ein Tag nach der Pleite sitzt der Frust tief. Neben taktischen Mängeln fehlte vor allem eins: die Bewegung und der Wille, den Ball zu fordern. Das Problem war viel tiefer als die reine Herangehensweise Weiterlesen