Analyse

Nordrivalen schicken dem HSV Liebesgrüße aus Kiel

Als Angstgegner wird Holstein Kiel schon genannt. Angesichts der sieglosen Phase seit dem Abstieg in die Zweite Liga kann man das für den HSV auch durchaus begründen. Und auch…

Nordrivalen schicken dem HSV Liebesgrüße aus Kiel

Als Angstgegner wird Holstein Kiel schon genannt. Angesichts der sieglosen Phase seit dem Abstieg in die Zweite Liga kann man das für den HSV auch durchaus begründen. Und auch wenn Tim Walter von solchen Statistiken nicht viel hält, dürfte die Partie am Freitagabend in der Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins noch einmal eine echte Bewährungsprobe für den HSV werden, der sich zuletzt auswärts oft leichter getan hatte als zuhause. „Wer mich kennt, der weiß, ich habe vor niemandem Angst“, sagte der Coach. Drei Spiele gingen aus HSV-Sicht in den bisherigen fünf Saisons zweite Liga verloren, fünf endeten mit einem Unentschieden. Walter: „Statistiken sind das eine, Tatsachen auf dem Platz das andere“, sagte Walter.

Das Holstein-Stadion wird am Freitag mit gut 15.000 Zuschauern ausverkauft sein. „Wir genießen solche Spiele», sagte Walter und sprach von einer „Gier, besser zu werden und Spiele zu gewinnen“. Dass er als ehemaliger Trainer von Holstein Kiel dem HSV einst zwei Niederlagen zugefügt (0:3, 1:3) hatte, daran denke er aber nicht mehr. „Ich habe meine Aufgabe hier beim HSV“, sagte Walter und wagte einen kurzen Blick zurück: „Ich hatte eine schöne Zeit in Kiel, weil der Verein mir sehr viel ermöglicht hat“, so der Trainer über seine erste Station als Profitrainer.

Statt Frotzeleien: Respekt von beiden Seiten

Auch deshalb äußerte sich Walter heute respektvoll über die Kieler, die in den vergangenen Jahren zweimal die Relegation zur Bundesliga erreicht hatten. Walter: „Bis auf einen Ausreißer haben sie eine ganz stabile Runde gespielt. Ansonsten finde ich, dass sie über Jahre hinweg eine gute Arbeit machen und versuchen, stabil zu sein.“

Ähnlich viel Respekt haben auch die ehemaligen HSV-Profis, die heute für Holstein auflaufen. „Für mich ist dieses Spiel etwas sehr Besonderes. Ich habe dem HSV viel zu verdanken, bin dort ja quasi im Internat aufgewachsen. Ich kenne fast jeden Mitarbeiter und jede Ecke“, sagte der heutige Holstein-Profi Finn Porath den Kieler Nachrichten. Der 25 Jahre alte Mittelfeldspieler trug von 2010 bis 2017 das, während Fiete Arp sogar von 2010 bis 2019 beim HSV war, sagte: „Die Liebe zum HSV wird für mich immer da sein.“ Arp kann die Begegnung gegen sein Ex-Team kaum erwarten. „Die Stimmung wird elektrisierend und noch mal lauter sein als bei anderen Spielen. Darauf freut sich jeder Spieler“, sagte der 22-Jährige und bekräftigte: „Entscheidend ist, dass wir am Freitag die drei Punkte bei uns in Kiel behalten. Das wäre aus meiner Sicht dann der krönende Abschluss der Woche.“

Dass der HSV in seiner Zweitliga-Geschichte noch nie gegen die KSV Holstein Kiel gewonnen hat, wissen die beiden Ex-HSVer. „Wir wollen diese Serie natürlich am Freitag weiter ausbauen“, sagte Porath. Der Mittelfeld-Akteur hat dennoch Respekt vor dem HSV. „Der HSV ist super besetzt und verfolgt eine klare Spielidee. Wir müssen gewisse Phasen im Spiel überstehen und dann werden auch wir unsere Chancen bekommen.“ Hoffentlich nicht.

Wobei man beim HSV zuversichtlich sein darf nach zuletzt fünf von sieben Spielen zu Null. „Wir verteidigen sehr stabil“, lobte auch Walter heute, „und das ist unsere Basis. Ich habe immer wieder betont, dass die Defensive die Basis für unser Spiel ist.“ Und hier gibt es aktuell insbesondere auswärts nichts zu widersprechen. Mit drei Siegen und 6:0 Toren hat man bislang eine makellose Auswärtsbilanz.

Und auch offensiv ist man wieder besser aufgestellt, nachdem auch Walter zuletzt Kritik an der Ausbeute seiner Offensivspieler geäußert hatte, ist Ransford Königsdörffer nach abgesessener Rotsperre wieder ein Kandidat für die Startelf. „Er hat sich in den letzten Monaten gut weiterentwickelt“, lobte Walter den Zugang von Dynamo Dresden, der gerade frisch euphorisiert sein dürfte, nachdem er erstmals für Ghanas A-Nationalteam berufen worden war. Und ich hoffe sehr, dass Königsdörffer wieder beginnen darf. Und dann als zweite Spitze mit allen Freiheiten wie zuletzt. Denn dort hat er mir nicht nur am besten gefallen, sondern so war der HSV offensiv schwerer auszurechnen als mit Glatzel als einzige Spitze bzw. mit Kittel hinter sich.

Apropos Freitag: Da werden Janik, Joscha, Jonathan und ich zusammen eine Art „Auswärtscouch light“ veranstalten. In diesem Zusammenhang – und deswegen warte ich damit auch – werden wir auch Jonathan vorstellen, der heute zwar wieder ein Video vom Training gemacht hat. Allerdings wurde wieder auf dem sehr schlecht einsehbaren Nebenplatz trainiert, weshalb das Video keinen wirklichen Info-Wert hat. Wir hoffen, dass sich das morgen wieder anders darstellt. Bis dahin wünschen wir Euch auf jeden Fall erst einmal einen schönen Mittwochabend. Und vor allem: Bleibt gesund!

Scholle

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