Analyse

Noch sechs Spiele, die der HSV alle nutzen muss

vor Tim Walter meine ersten Kandidaten gewesen, mit denen ich gesprochen hätte. Leitl dürfte sich inzwischen einen guten Namen als Erstligacoach gemacht haben und für den HSV…

Noch sechs Spiele, die der HSV alle nutzen muss

Ich halte viel von Karlsruhes Trainer Christian Eichner vom Karlsruher SC. Zusammen mit Fürths Coach Stefan Leitl sind das vor Tim Walter meine ersten Kandidaten gewesen, mit denen ich gesprochen hätte. Leitl dürfte sich inzwischen einen guten Namen als Erstligacoach gemacht haben und für den HSV damit außer Reichweite sein. Aber vor allem sucht der HSV weiterhin keinen neuen Trainer sondern ist zufrieden mit Tim Walter, der am Sonnabend mit seiner Mannschaft auf Eichner und vor allem auf ein Stück weit Vergangenheit trifft. Immerhin begann in Karlsruhe Walters Karriere als Trainer – damals noch in der Jugend des KSC. Jetzt steht er an der Seitenlinie des HSV und feiert mit diesem das 1000. Heimspiel seit der Gründung der Bundesliga 1963.

Für Walter selbst spielt beides keine Rolle. Er weiß um die Bedürfnisse beim HSV nach den zuletzt enttäuschenden Partien. 1:2 gegen Paderborn, 4:0 gegen Aue und das enttäuschende 0:1 in Kiel. Insgesamt sogar nur fünf Punkte aus den letzten sieben Partien. Alle diese Spiele seinen „etwas gleich“ gewesen, sagt Walter und führt aus: „Der Gegner steht tief hinten drin und wir müssen Lösungen dafür haben. Uns hat es gefehlt, diese Chancen zu vollendenden und letztendlich dann auch den Punch zu setzen. Sowohl gegen Paderborn als auch gegen Aue und in Kiel haben wir auf verschiedene Art und Weise versucht, Tore zu erzielen. Da muss man in manchen Dingen konsequenter und effizienter sein.“ Und während der HSV-Coach die eigene Chancenverwertung anprangerte, verwies er darauf, dass der jeweiligen Gegner sehr viel effizienter gewesen sei: „Im Umkehrschluss ist es natürlich so, dass der Gegner momentan aus wenig sehr, sehr viel macht.“

Das will auch der KSC, der noch immer an dem bitteren Viertelfinal-Aus beim HSV zu knabbern hat. Eichner denkt vor dem Wiedersehen mit dem HSV wehmütig an das Aus Anfang März zurück. „Das war die mit Abstand bitterste Niederlage in meinem Leben - als Spieler wie auch als Trainer“, sagte der Coach der Badener am Donnerstag über die damalige Pleite im Elfmeterschießen. „Gleichzeitig habe ich den größten Stolz auf meine Mannschaft mit diesem Spiel verbunden.“

Revanchegelüste verspürt Eichner nicht: „Es ist ein anderer Wettbewerb.“ Während der KSC den Ligaverbleib so gut wie sicher hat, kämpft der HSV bekanntermaßen um die allerallerallerallerletzten Chancen auf den Aufstieg. Und obwohl er den enttäuschenden HSV-Auftritt in Kiel mit Sicherheit längst gesehen und analysiert haben wird, erwartet Eichner einen Gegner, der „all in gehen wird“, während man selbst mit reichlich Personalsorgen nach Hamburg. Für Stammtorhüter Marius Gersbeck, der sich am Donnerstag einer Operation an der schon seit längerer Zeit lädierten linken Hand unterzogen hat und bis zu drei Monate ausfallen könnte, wird Markus Kuster zwischen den Pfosten stehen. Den gelbgesperrten Linksverteidiger Philip Heise wird Kilian Jakob vertreten, wie Eichner ankündigte. Zudem geht der Coach mit „großer Wahrscheinlichkeit“ davon aus, auf den erneut am Sprunggelenk angeschlagenen Marco Thiede verzichten zu müssen.

Anders der HSV, der lediglich auf den gelbgesperrten Ludovit Reis, sowie auf die verletzten Maximilian Rohr und Elijah Krahn verzichten muss. Wobei der erstgenannte Ausfall schon vergleichsweise schwerwiegend ist, wie ich finde. Denn bislang war der junge Niederländer im Mittelfeld eine vergleichsweise formstarke Konstante. Neben Jonas Meffert, der für mich der konstanteste HSV-Profi bleibt. Aber wichtiger als das ist die Frage, wer die beiden Positionen vor Meffert besetzen wird.

Zuletzt durften Rohr (gegen Aue) und Anssi Suhonen (gegen Kiel) hier neben Reis ran. Suhonen spielte in Kiel zweifellos kein gutes Spiel, darf aber darauf hoffen, erneut zu beginnen. Daneben könnte der Coach wieder Sonny Kittel von der linken Seite gen Mitte ziehen – was ich aber persönlich nicht hoffe. Es sei denn, Walter lässt neben Kittel diesmal Moritz Heyer auflaufen, denn der würde die Defensivaufgaben zusammen mit Meffert abarbeiten können, die ansonsten auf drei Personen zukämen. Walter heute vielsagend: „Wir brauchen eine gute Konterabsicherung.“ Und: Kittel im Zentrum funktioniert nur mit entsprechender Absicherung bzw. den kompletten Freiheiten nach vorn. So, wie er sie von Josha Vagnoman auf der linken Seite ermöglicht bekommt. Zudem hat Walter mit David Kinsombi zweifellos noch eine Alternative. Allerdings scheint der einstige Königstransfer aktuell bei Walter keine Rolle zu spielen.

https://soundcloud.com/user-36211795/do140422-walter-verspricht-vollgas-und-braucht-plan-b-hunt-glaubt-an-aufstieg?utm_source=clipboard&utm_medium=text&utm_campaign=social_sharing

Taktisch erwartet Walter – einfach mal alles. „Uns wird nichts überraschen: Entweder stehen sie ganz tief oder stellen die Abstöße zu und versuchen, uns situativ anzupressen. Vielleicht ist der KSC von der Pokalniederlage aber auch noch etwas angespitzt. Dann tut es uns gut, wenn der Gegner mitspielt“, so Walter heute., ehe er für mich etwas überraschend hinzufügte: „Aber wir haben auch gegen tiefstehende Gegner unsere Lösungen.“ Hat der HSV die? Bislang fand ich genau darin die größte Schwäche des HSV. Genau hier fehlte mir die Entwicklung noch ein Stück weit, nachdem man defensiv seine Stabilität gefunden zu haben scheint fehlen dem HSV wichtige Tore. Walter selbst sieht das wohl recht ähnlich: „Hier müssen wir aber auch vollenden und das erwartet uns jetzt auch am Wochenende. Es geht darum, zu vollenden, den Punch zu setzen. Da muss man konsequenter und effizienter sein.“ 

Problem nur: Genau das – nämlich Effizienz – kann man nicht einfach trainieren. Das kommt mit den Jahren durch Erfahrungswerte manchmal hinzu – aber ansonsten ist das eine Qualitätsfrage. Und die löst man wahrscheinlich frühestens in der Sommertransferphase. Denn von Mikkel Kaufmann kann das sicher nicht erwarten, während Manuel Wintzheimer bei Tim Walter erstaunlicherweise keine Rolle mehr spielt. 

Für den HSV geht es gegen den KSC - und genauso danach - aus meiner Sicht darum, zu erkennen, was man in der neuen Saison aus vorhandenen Bordmitteln verbessern kann und was man personell erneuern bzw. verbessern muss. In allen Bereichen. Und das widerspricht absolut nicht dem Grundgedanken, trotzdem alle Spiele bis Saisonende gewinnen zu wollen, um dann zu sehen, wo man steht. Ich werde zumindest in den nächsten Spielbewertungen nicht allein auf das jeweilige Spiel eingehen, sondern auch beschreiben, was ich von dem jeweiligen Spieler bzw. für die jeweilige Position erwarte.

In diesem Sinne, Euch allen alles Gute! Genießt das lange Wochenende mit oder ohne HSV, erholt Euch über die Feiertage und vor allem: bleibt gesund! Ich melde mich morgen Abend gibt es noch ein Update an dieser Stelle. Am Sonnabend gibt es dann wie gewohnt Blog und Blitzfazit. 

Bis dahin,

Scholle

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