Analyse

Noch schlimmer als erwartet: HSV taumelt ins Bundesliga-Abenteuer

Der HSV hat sich im DFB-Pokal beim Fünftligisten FK Pirmasens blamiert und ist am Ende nur haarscharf an einer historischen Blamage vorbeigeschrammt. Erst in der Nachspielzeit…

Noch schlimmer als erwartet: HSV taumelt ins Bundesliga-Abenteuer

Der HSV hat sich im DFB-Pokal beim Fünftligisten FK Pirmasens blamiert und ist am Ende nur haarscharf an einer historischen Blamage vorbeigeschrammt. Erst in der Nachspielzeit rettete Guilherme Ramos die Hanseaten in die Verlängerung, ehe Ransford-Yeboah Königsdörffer das 2:1 markierte. Doch was bleibt, ist nicht die Erleichterung über das Weiterkommen, sondern die nackte Angst vor dem, was da in einer Woche in Gladbach auf den HSV zukommt. Denn die Wahrheit ist:

Der HSV ist derzeit nicht bundesligatauglich. Nicht einmal für den größten Optimisten.

Schon die Vorbereitung mit fünf Niederlagen in Folge hatte tiefe Sorgenfalten entstehen lassen. Anstatt die letzten Zweifel zu zerstreuen, setzte das Pokalspiel in Pirmasens genau dort an: behäbiger Beginn, erschreckend schwache Defensive, uninspirierte Offensive, zahllose Fehler im Spielaufbau. Das Bild: eine Mannschaft, die ohne jede klare Struktur und ohne erkennbare Leitfiguren agiert.

Das 0:1 durch ausgerechnet HSV-Mitglied Yannick Grieß, Kapitän der Pfälzer, war hochverdient. Pirmasens hatte Chancen auf 2:0 oder 3:0, Hamburg wankte und war der nächsten Pokal-Blamage der Vereinsgeschichte so nah wie seit Geislingen oder Eppingen nicht mehr. Dass am Ende doch der Klassenunterschied den Weg in Runde zwei ebnete, war pures Glück – und darf nicht darüber hinwegtäuschen, wie desolat dieser Auftritt war.

Und genau darin liegt das Problem: Es fehlt diesem HSV an Qualität in allen Mannschaftsteilen. Die Neuzugänge, gleich fünf in der Startelf in Pirmasens, konnten nicht im Ansatz überzeugen. Weder Ordnung in der Abwehr, noch Impulse im Mittelfeld, noch Durchschlagskraft im Angriff – das Bild bleibt überall gleich. Dazu kommt: Führungsspieler, an denen sich andere orientieren könnten, sucht man vergebens. Mit Jonas Meffert führte ausgerechnet der Dauerläufer der letzten Jahre die Mannschaft aufs Feld, weil der neue Kapitän Yussuf Poulsen verletzt fehlte. Doch auch Meffert konnte nicht verhindern, dass Hamburg lange aussah wie ein Absteiger, nicht wie ein Aufsteiger.

Die Kaderzusammenstellung ist – Stand jetzt – einfach zu schlecht. Hier wurde an allen Fronten nicht ausreichend gearbeitet: zu spät, zu zögerlich, zu unpräzise in der Auswahl. Während die Bundesliga-Konkurrenz gezielt verstärkte, wirkt der HSV-Kader wie ein Puzzle ohne Ecken und Kanten. Es fehlen Typen, es fehlt Tempo, es fehlt Struktur.

Eine Woche bleibt, um dieses fragile Gebilde so hinzubiegen, dass es nicht gleich im ersten Spiel in Gladbach zerbricht. Eine Woche, um Probleme zu beheben, die eigentlich über Monate hätten gelöst werden müssen. Wer den HSV in Pirmasens gesehen hat, der darf nicht die Augen verschließen: Dieser Klub taumelt in die Bundesliga – und es gibt aktuell kaum ein Argument, warum er dort bestehen sollte.

Das ist keine Schwarzmalerei. Das ist schlicht die Realität. Auch wenn uns das allen nicht gefällt.

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