Analyse

Noch einmal alles geben für das „Wunder vom Volkspark“

Tim Walter bleibt kaum etwas anderes übrig. Der HSV-Coach muss weitermachen. Weiter Optimismus verbreiten – so unwahrscheinlich das große Ziel auch nach der 0:3-Hinspielpleite…

Noch einmal alles geben für das „Wunder vom Volkspark“

Tim Walter bleibt kaum etwas anderes übrig. Der HSV-Coach muss weitermachen. Weiter Optimismus verbreiten – so unwahrscheinlich das große Ziel auch nach der 0:3-Hinspielpleite ist. Walter muss Hoffnung schüren. Und so schwer die Hypothek aus dem Hinspiel auch ist, sagt Walter heute: „Die Jungs haben schon einige Rückschläge eingesteckt. Und wir sind immer wieder aufgestanden. Wir haben Comeback-Qualitäten.“ Ob das am Ende ausreicht, erscheint sehr fraglich. Auch Sportvorstand Jonas Boldt sprach davon, dass man schon ein kleines Wunder benötige. Aber es könnte zumindest für einen würdevollen Saisonausklang genügen. „Wir haben Comeback-Qualitäten. Wir kriegen vielleicht nicht immer unsere beste Leistung auf den Platz, aber wir werden bis zum Ende kämpfen. Und es geht nur, dass wir als Team eine Chance haben, wenn jeder 100 Prozent abliefern kann“, meinte Walter. Das sei am Donnerstag nicht so gewesen. „Wir müssen das am Montag besser machen.“

Stimmt. 

Vom VfB Stuttgart ist indes nicht zu erwarten, dass der Erstligist die Aufgabe in Hamburg auf die leichte Schulter nimmt. Im Gegenteil: VfB-Trainer Sebastian Hoeneß: „Es ist von der Mannschaft noch kein Druck abgefallen, denn in der Halbzeit sind Spiele noch nicht gewonnen worden. Wir haben eine gute Ausgangsposition erreicht, das war unser Ziel.“ Hoeneß, der die Stuttgarter im April als Tabellenletzter übernommen hatte, rechnet stattdessen mit heftiger Gegenwehr. Zum Faktor kann seiner Ansicht nach das Publikum im Hamburger Volksparkstadion werden. Erneut ist die Arena mit 57 000 Zuschauern ausverkauft. „Ich war als Trainer noch nicht dort, aber als neutraler Zuschauer habe ich es schon einmal erlebt. Das ist ein schönes Stadion, das sind super Fans. Ähnlich, wie es bei uns war, wird das jetzt noch einmal ein Spiel werden, in dem gerade die HSV-Fans, die in einer großen Überzahl im Stadion sein werden, alles tun werden, um ihre Mannschaft nach vorn zu pushen.“ Darauf müsse sich seine Mannschaft vorbereiten. „Es hilft, diese Kulissen zu kennen, aber das ist sicher nicht 2. Bundesliga, was an Atmosphäre in Hamburg auf uns zukommt“, sagte Hoeneß.  

Definitiv nicht. Morgen wird das Volksparkstadion ausverkauft wieder eine Stimmung bieten, die oberste Erstklassigkeit darstellt. Dennoch räumte Walter heute erstaunlich deutlich ein, was man bisher so nicht aussprechen wollte: „Wir sind mittlerweile ein normaler Zweitligist“, so Walter. Daher ist es inzwischen fast schon spannender, was nach dem endgültig letzten Saisonspiel passiert. Wird der HSV in der Konstellation mit Trainer Walter und Sportvorstand Jonas Boldt die sechste Auflage des Projekts Aufstieg angehen? Wer plant die neue Saison – und vor allem. Mit welchem Geld? Stellt Kühne noch einmal finanzielle Mittel zur Verfügung? Welche Spieler bleiben, welche (müssen) gehen?

Einmal noch Vollgas von allen - die Analyse kommt danach

Fakt ist: Der HSV muss sich steigern. Und das mal wieder in allen Bereichen.  Nächste Saison kommen mit Hertha und Schalke zwei Schwergewichte runter, die den direkten Aufstieg mit allen Mitteln anstreben. Und beide haben mehr finanzielle Mittel als der HSV, der dann nicht als Topfavorit startet, sondern als Verfolger, dem wichtige Spieler verloren gehen könnten. Ludovit Reis gilt als erster Abschiedskandidat. Bei Zahlung der festgeschriebenen Ablösesumme von etwa 7,5 Millionen Euro (25% der Summer müssten davon an Exklub FC Barcelona gezahlt werden) kann er gehen, sofern sich ein neuer Klub findet, der das Geld zahlt. Gleiches gilt für Toptorjäger Robert Glatzel (19 Saisontreffer), der für 1,5 Millionen Euro gehen könnte. Mittelfeldspieler Sonny Kittel wird wohl den HSV verlassen. Da käme sehr viel Arbeit auf den HSV zu, der parallel zu potenziellen Abgängen weiterhin den Ausfall von Mario Vuskovic kompensieren muss.

Und ganz klar: Im Falle des Wunders würde dieser Arbeitsbereich nicht kleiner, sondern deutlich größer. Es wäre durch gesteigerte TV-Einnahmen nur mehr Geld vorhanden, um die Baustellen zu lösen. Aber noch mal an alle, die sagen „so hat der HSV in der Ersten Liga nichts verloren“: So würde der HSV sicher auch nicht in die Erstligasaison starten. Im Gegenteil: Im Falle des „Wunders vom Volkspark“ müsste der HSV fast eine komplett neue Startelf finden…

Aber, um auch das noch mal ganz klar zu sagen: Die Gesamtanalyse der Saison ist nicht abhängig vom Relegationsrückspiel. Vielmehr werde ich am Montag ohne jede Aufstiegs-Erwartung in den Volkspark gehen. Meine Erwartungen beschränken sich jetzt nur noch darauf, dass der HSV die Saison mit einer erkennbaren Steigerung gegenüber Donnerstag in aller Würde beendet. Also: Noch mal alles mobilisieren, noch mal alles in die allerletzte Chance legen. Von den Rängen ebenso wie auf dem Platz. Darum geht es morgen in erster Linie. Alles andere kommt dann ab Dienstag…

Bis morgen!

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