Niederlage in Sandhausen - verzagt, versagt, vercoacht, zurecht verloren
Ich habe es nicht wahrhaben wollen, muss es aber zugeben: Dieser HSV hat mental nicht die Kraft, sich selbst den Aufstieg zu erspielen. Wer so verkrampft, wie diese komplett…

Ich habe es nicht wahrhaben wollen, muss es aber zugeben: Dieser HSV hat mental nicht die Kraft, sich selbst den Aufstieg zu erspielen. Wer so verkrampft, wie diese komplett falsch auf- und eingestellte Mannschaft, auftritt, muss sich sogar noch um den dritten Tabellenplatz zittern. Mehr als 60 Minuten spielte man gegen schwache, aber aggressiv auftretende Abstiegskandidaten so, als wäre man selbst die Mannschaft, die zwei Wochen nicht trainieren konnte. Ohne Führung auf dem Platz. Und ohne verändernde Reaktionen vom Seitenrand. Diese verdiente 1:2-Niederlage gegen den SV Sandhausen war ein Spiel zum Vergessen. Verzagt, versagt, verloren – und obendrein noch vercoacht. Schlimmer hätte man nicht auftretend können. Dass sich Trainer Thioune im Nachhinein versuchte, für sein verpassten Reaktionen zu rechtfertigen und Kampf bis zur allerletzten Sekunde der Saison versprach – nichts mehr als leere Worte, denen die Mannschaft am Sonntag in Regensburg Leben einhauchen muss. Und dafür ist eine 180-Grad-Wende vonnöten.
Konsequenterweise begann der HSV schon richtig schwach. Und gefühlt zu zehnt, da ein David Kinsombi heute von der ersten bis zur letzten Minute einfach nicht am Spiel teilnahm. Im Mittelfeld lief man dem Ball und Gegner dauerhaft nur hinterher, rechts war Jan Gyamerah nicht wach, allein die Innenverteidigung war von Beginn an wach – was auch nötig war. Denn in der 5. Minute hätte es schon 1:0 für den Gastgeber stehen müssen, als die Sandhäuser über die rechte HSV-Seite leichtes Spiel hatten, den Ball quer auf Keita-Ruel, der diesen nur noch ins leere Tor einschieben musste. Zum Glück traf der SV-Angreifer den Ball nicht sauber, was Moritz Heyer die Möglichkeit eröffnete mit einem langen Bein gerade noch zu retten. Was für ein Riesenglück für die schläfrig wirkenden Mannen von Trainer Daniel Thioune.
Sandhausen ist mit einfachsten Mitteln besser
Es war in diesem Spiel definitiv nicht zu erkennen, wer zwei Wochen nicht trainieren konnte. Ganz im Gegenteil: Sandhausen setzte den HSV unter Druck, spielte fast in Manndeckung über den ganzen Platz. Und dem HSV fiel absolut gar nichts ein. Auch, weil man mit der Körperspannung eines Regenwurms agierte, null Tempo ins Aufbauspiel bekam, überhaupt keine Ordnung auf dem Platz fand und folgerichtig JEDEN zweiten Ball verlor. Das war richtig, richtig schlecht. Niemand ging voran, niemand wollte Verantwortung übernehmen. Ganz im Gegenteil: Alle versteckten sich (die IV und Ulreich ausgenommen). Die Idee, im defensiven Mittelfeld mit der spielerisch-offensiveren Variante Hunt/Kinsombi zu beginnen hatte offensiv null Effekt – und eröffnete defensiv Löcher, die die Sandhäuser zum Glück lange nicht zu nutzen. So schmeichelhaft das für den HSV auch war.
Und wenn es schon nicht läuft, kommt auch noch Pech hinzu. Erst wird Bakery Jatta im eigenen Sechzehner per Volleyschuss eines Sandhäusers ausgeknockt, was echt übel aussah. Dass der Gambier letztlich so schnell wieder stand, beruhigte mich. Dass er nicht wieder auf den Platz durfte war fast logisch. Für ihn kam unerklärlicherweise ein defensiver Spieler mit Amadou Onana. Und der konnte das HSV-Spiel zunächst auch nicht besser machen. Er ging voll mit unter in dieser ersten Halbzeit, die ich sportlich als Tiefpunkt dieser Saison werten würde. Das Beste an den ersten 45 Minuten war, dass man nicht mit zwei, drei oder gar 4:0 zurücklag.
Denn die Sandhäuser ließen einige gute Gelegenheiten liegen. Nach Keita-Ruels Hundertprozentigen in d er fünften Minute reichte ein langer Ball von Diekmeier zur nächsten Großchance: Behrens setzt sich problemlos gegen den Geist der erste Halbzeit, David Kinsombi durchsetzt, aber dann nicht mehr kontrolliert abschließen kann. Drüber. Aber okay, ich muss meine Aussage korrigieren: Es hätte 1:4 stehen müssen. Denn Kittel stand nach einem üblen Fehlpass von SVS-Verteidiger Kister plötzlich völlig frei vor dem Keeper des SVS, schoss diesen aber an (18.). Den Rest der ersten Halbzeit vernachlässige ich hier und nenne eine alles beschreibende Statistik: 14:2 Torschüsse – für Sandhausen…
Vercoacht - auch von außen kommt nichts
Wenn ich dann in der Halbzeit einen Sportdirektor höre, der davon spricht, dass man „nichts ins Spiel kommt und „nicht in seine Abläufe“, dann macht mir das Angst. Denn wer in diesem Spiel nicht zuallererst die fehlende Courage nennt bei der Analyse dieser Grottenhalbzeit, der hat es nicht verstanden. Vor allem ergibt das gezeigte Spiel eine unfassbar große Diskrepanz zum gesagten. Denn gerade Trainer Thioune hatte davon gesprochen, dass man wieder „eklig“ werden müsse, dass man „arbeiten“ müsse. Und wenn man etwas nicht zeigte, dann genau DAS. Dass der Trainer in der Halbzeit nicht wechselte, unfassbar!
Was dann mit Beginn der zweiten Halbzeit passierte, wunderte mich nicht. Es war die logische Folge der Tatenlosigkeit Thiounes. Aber es tat mir für Ambrosius leid, der in der 46. Minute mit einem blitzsauberen Flugkopfball ein Eigentor erzielte. Beim zweiten Treffer stellt sich Heyer ebenfalls nicht gut an und überlässt Keita-Ruel den Ball. Das 2:0 in der 52. Minute. Auch ein Ergebnis der fehlenden Erkenntnisse des Trainer- und Analystenteams zur Halbzeit. Es passte da nur zu gut ins Bild, dass selbst Terodde heute seine Chancen nicht zu nutzen wusste. In der 68. Minute kam er im Sechzehner nach Leibold-Flanke völlig frei an den Ball, verpasst aber mit einer mangelhaften Ballannahme den Anschlusstreffer. Hier und heute ging gar nichts – weil auch nichts versucht wurde. Anstatt sich ins Spiel zurückzukämpfen verzagten alle. Wobei, tauscht das „z“ gegen ein „s“. Das triffts besser.
Und dann fiel der Anschlusstreffer. Nachdem Thioune tatsächlich auf die Idee gekommen war, mit Manuel Wintzheimer (für Gyamerah) endlich einen Offensivspieler zu bringen – warum eigentlich nur einen??? Was bitte befähigte Kinsombi, sich weiter auf dem Platz verstecken zu dürfen - und der Gastgeber seltsamerweise vier Wechsel auf einmal vorgenommen hatte, sah Terodde den durchstartenden Wintzheimer und der schloss eiskalt ab zum 1:2 (75.). Ging hier jetzt doch noch mal was?
Wieder zu späte, sinnlose Wechsel
Nein! Weil Mannschaft und Trainer heute gleichermaßen versagten. Wie man ernsthaft glauben kann, bei einem erkennbar verunsicherten Abstiegskandidaten mit drei Wechseln bis zur 85. Minute warten zu können, kann mir niemand erklären. In der 15. Minute beim Stand von 0:0 einen Stürmer wie Jatta mit einem defensiven Onana zu ersetzen – unerklärlich. Das war ebenso wie das komplett uninspirierte Spiel eine Katastrophe! Dann mit Kittel den einzigen annähernden Aktivposten rauszunehmen – fatal! Von daher muss ich es so sagen: Auch Thioune und seine Souffleure haben sich heute die Note 6 redlich verdient und das wird bei einigen die Trainerdiskussion lostreten. Ganz sicher.
Das war blamabel auf allen Ebenen. Mehr gibt es zu so einem Drecksspiel nicht zu sagen. Hier und heute hätte Felix Magath die Mannschaft nach Schlusspfiff noch direkt auf dem Platz Steigerungsläufe bis zum Kotzen absolvieren lassen. Ist zwar auch totaler Blödsinn – aber ich hätte es jedem einzelnen HSVer heute gegönnt. Denn so verspielt man nicht nur den direkten Aufstieg, sondern auch noch den Relegationsplatz. Mal wieder.
Ich muss ins Bett. Auch, wenn ich sicher lange nicht einschlafen kann…
Scholle
STATISTIK
SV Sandhausen: Kapino - Nauber, Kister (73. Paurevic), Zhirov - Zenga (73. Bachmann) - Diekmeier, Taffertshofer, Biada (80. Linsmayer), Nartey (73. Contento) - Keita-Ruel (73. Esswein), Behrens
Hamburger SV: Ulreich - Ambrosius, Heyer (84. Dudziak), Vagnoman - Gyamerah (63. Wintzheimer), Kinsombi (85. Meißner), Hunt, Leibold - Jatta (15. Onana), Kittel (85. Narey) - Terodde
Tore: 1:0 Ambrosius (46., ET), 2:0 Keita-Ruel (52.), 2:1 Wintzheimer (76.)
HSV muss doch ins Quarantäne-Trainingslager
Erst eine häusliche „Quasi-Quarantäne“, dann ein Quarantäne-Trainingslager im Hotel: Die Deutsche Fußball Liga hat wie erwartet die Corona-Regeln für den Saisonendspurt in der Bundesliga und 2. Bundesliga verschärft. Vor den beiden letzten Spieltagen müssen sich ab dem 12. Mai alle 36 Profivereine komplett von der Außenwelt abschotten. Das hat das DFL-Präsidium am Donnerstag beschlossen. Die Maßnahme ist eine Reaktion auf die jüngsten Corona-Fälle bei Hertha BSC und bis zum Abschluss der Saison am 22./23. Mai verpflichtend. Damit soll die reguläre Beendigung der Spielzeit 2020/21 gesichert werden. Die Profibranche reagierte durchweg positiv auf die Vorgaben.
Um weitere Spielausfälle zu vermeiden, darf sich der jeweils in das regelmäßige PCR-Testungsprogramm eingeschlossene Personenkreis aller Vereine um Lizenzmannschaft, Trainerteam sowie Mannschaftsbetreuer bereits ab dem 3. Mai ausschließlich im häuslichen Umfeld oder auf dem Trainingsgelände beziehungsweise im Stadion aufhalten. Das DFL-Präsidium folgte mit seiner Entscheidung einer Empfehlung der Task Force „Sportmedizin/Sonderspielbetrieb“ unter Leitung von Nationalmannschaftsarzt Tim Meyer. Demnach haben die Clubs sicherzustellen, dass Spieler, Trainerteam sowie Betreuerstab ab dem 12. Mai nur noch untereinander Kontakt haben. Dabei gelten weiterhin alle Vorgaben des medizinisch-hygienischen Konzepts.
Sollten einzelne Personen wie Mannschaftsärzte in Ausnahmefällen aufgrund besonderer beruflicher Verpflichtungen das Quarantäne-Trainingslager zwischenzeitlich verlassen müssen, soll die Rückkehr dieser Personen in den Mannschaftskreis nur unter Umsetzung von weiteren Schutzmaßnahmen möglich sein. Wie und wo der HSV sein Trainingslager bezieht, ist noch offen. Der HSV plant zweigleisig
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