Nichts ist älter als der Erfolg von gestern...
Für den HSV war der Sieg im Stadtderby am Freitag mehr als nur ein Sieg gegen den Nachbarn. Dieser Sieg wurde mehr gefeiert und schien mehr wert zu sein als nur drei Punkte…

Für den HSV war der Sieg im Stadtderby am Freitag mehr als nur ein Sieg gegen den Nachbarn. Dieser Sieg wurde mehr gefeiert und schien mehr wert zu sein als nur drei Punkte sowie einer Menge Prestige. Es sollte ein Sieg über mögliche Selbstzweifel, über das Gerede von einer der obligatorischen Frühlingskrise und über die zuletzt lauter gewordene Kritik sein. Es soll vor allem als eine Art Booster für die Schlussphase dieser Saison dienen. „Ich denke, dass wir mit einem guten Gefühl in die nächsten Wochen gehen und mit Selbstvertrauen die nächsten Spiele bestreiten“, sagte Jonas David, der ein Stück weit sinnbildlich für die Kehrtwende zum Guten stehen sollte. Immerhin war er zuletzt einer am meisten gescholtenen Akteure – und im Derby mit seinem Traumtor zum 1:1 einer der gefeierten Helden.
Und ja, ich freue mich über den Sieg im Stadtderby, da dieser existenziell dafür war, weiterhin um einen direkten Aufstiegsplatz mitzukämpfen. Er hätte den HSV tatsächlich wieder auf einen direkten Aufstiegsplatz gehoben – aber zwei Tage nach dem 4:3 im Stadtderby zog der FC Heidenheim mit einem leider sehr souveränen 3:0 gegen Holstein Kiel wieder an den Hamburgern vorbei und übernahm den zweiten Tabellenplatz. Kapitän Sebastian Schonlau kündigte derweil an: „Wir wollen diesen Schwung jetzt mitnehmen, haben aber in den letzten fünf Spielen auch noch richtig etwas zu tun.“
Und noch mal ja: Genau DAS ist der springende Punkt. Denn obwohl die nahe Zukunft für Spieler, Betreuer und Fans am Freitag komplett dem Derbysieg und der „Stadtmeisterschaft“ untergeordnet wurde, darf eben nicht vergessen werden, dass man mit einer Wiederholung einer solchen Leistung arge Probleme bekommen kann. Zumindest gereichen drei Gegentore nur sehr selten zum Sieg. Davon braucht der HSV allerdings noch einige, wie die Stabilität des Tabellenzweiten Heidenheim vermuten lässt. Und: Der Tabellenführer Darmstadt gewinnt seit einigen Wochen auch die Spiele, die sie leistungsgerecht nicht gewinnen dürfen. Siehe Freitag gegen Karlsruhe.
„Ich bin sehr, sehr stolz auf meine Mannschaft und die Zuschauer. Die waren grandios. Es war der schönste Sieg, auf jeden Fall“, sagte Trainer Tim Walter nach dem Spiel und ich konnte ihn absolut verstehen. Denn die Kritik der letzten Wochen hat am Selbstvertrauen aller HSVer genagt. Auch an seinem. Da nimmt man so eine kurze Verschnaufpause nur zu gern auf. Und das auch zurecht. ABER: Ab morgen Nachmittag, wenn es auf dem Trainingsplatz nach langen zweieinhalb Tagen Pause wieder an den Ball geht, muss angesprochen werden, was besser werden muss. Dann darf es nicht mehr darum gehen, welch Gänsehautmoment der Freitag nach sich zog – sondern der Fokus muss auf das zweifellos weniger glamouröse Spiel am Sonnabend in Magdeburg gerichtet werden.
Ab morgen muss der Konkurrenzkampf auf der Linksverteidigerposition neu ausgefochten werden. Dass dort Miro Muheim den Vorzug vor dem zuvor starken Noah Katterbach erhielt, hatte mich nicht nur vor, sondern auch während und nach dem Spiel verwirrt. Ebenso wie die Auswechslung des erst zur Halbzeit gekommenen Ransford Königsdörffer. Denn der hatte nach einem schwungvollen Beginn zwar viele einfache Ballverluste. Aber das galt zuvor auch für andere im Team, die sogar über 90 Minuten auf dem Platz bleiben durfte.
Tim Walter wird sich auch taktisch hinterfragen müssen. Allein die Spielweise eines Robert Glatzels, der gegen St. Pauli außerhalb des Sechzehners mit Dribblings nahezu wirkungslos – nein, sogar kontraproduktiv agierte, muss sich wieder ändern. Gerade jetzt, wo man die Hochphase eine Sonny Kittel so lange nutzen sollte, wie sie anhält, stört Glatzel mehr, als er hilft. Vor allem muss man einfach mal anerkennen, dass er absolut kein Typ für das Eins-gegen-Eins mit dem Ball am Fuß ist. Dafür aber ist Glatzel einer der besten Zweitligastürmer im gegnerischen Sechzehner. Und da muss er wieder hin. Nirgendwo sonst.
Aber gut, dazu im Laufe dieser Woche wieder mehr. Walter hat auf jeden Fall nach seinem überschwänglich gefeierten Derbysieg wieder einige Tage mit eher weniger spektakulärer denn notwendiger Arbeit vor sich. Und wir – Cornelius ist wieder mit seiner Kamera unterwegs - werden dranbleiben für Euch. Wobei, bevor ich mich verabschiede, eine Meldung kam dann heute doch noch rein:
Der Internationale Sportgerichtshof hat zwei Berufungen gegen das Urteil des DFB-Sportgerichts im Doping-Fall des Fußball-Profis Mario Vuskovic vom Zweitligisten HSV angenommen. Dies teilte der Cas am Montag mit. Der 21 Jahre alte Kroate war vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes wegen der Einnahme des Blutdopingmittels Epo für schuldig befunden und mit einer zweijährigen Sperre bestraft worden.
Vuskovic bestreitet den Doping-Vorwurf und hat Einspruch gegen den Richterspruch eingelegt. Er will eine Aufhebung der Sperre erreichen. Dagegen beantragt die Nationale Anti-Doping-Agentur Nada beim Cas, die Sperre auf vier Jahre zu erhöhen. Wann die Anhörung in diesem Cas-Schiedsverfahren sein wird, sei noch offen, teilte das in Lausanne ansässige Sportgericht mit.
Ein Berufungsverfahren in diesem Doping-Fall vor dem Bundesgericht des DFB war vorerst ausgesetzt worden, weil sowohl der HSV-Abwehrspieler als auch die Nada Berufung beim Cas eingelegt haben.
Vuskovic war am 30. März wegen Epo-Dopings vom DFB-Sportgericht rückwirkend vom 15. November 2022 für zwei Jahre gesperrt worden. An den drei Verhandlungstagen vor dem Sportgericht hatte sich der Fall Vuskovic zu einem Grundsatzstreit über die Epo-Analytik entwickelt.
In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Wochenstart!
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