Analyse

Nicht zu viel nachdenken, nicht zu viel reden - einfach machen!

Kräfte sammeln. Alles für Sonntag. Denn da wird es noch mal mächtig schwer werden. Bei Hansa Rostock wird es von den Rängen bis zum Platz heiß- und hochhergehen. Das wissen…

Nicht zu viel nachdenken, nicht zu viel reden - einfach machen!

Kräfte sammeln. Alles für Sonntag. Denn da wird es noch mal mächtig schwer werden. Bei Hansa Rostock wird es von den Rängen bis zum Platz heiß- und hochhergehen. Das wissen alle. Ich habe lange schon nicht mehr so viele Anfragen von Freunden und Bekannten bekommen, die nach Tickets fragten. Und auch bei mir steigt die Vorfreude täglich weiter an. Weil ich solche Finals liebe. Ich liebe es, wenn es um alles geht, wenn man sich selbst einen großen Erfolg verschaffen kann. Dieses Adrenalin, dass man schon am Morgen beim Aufwachen freisetzt und das einen im Spiel noch mal ein paar Kilometer mehr als sonst laufen lässt – einfach unvergleichlich! Und ich hoffe, dass es beim HSV den allermeisten (am besten allen!) genauso geht. Denn dieses Spiel ist nichts anderes als pure Freude. Allerdings muss ich sagen, dass mir die Partie gegen Hannover auch gezeigt hat, wie der eine oder andere von dem entstehenden Druck gehemmt wird. 

Es war zweifellos nicht das beste Spiel vom HSV gegen den niedersächsischen Nordrivalen. Aber es war erfolgreich. Und nur darum darf es jetzt noch gehen. Rostock und danach eventuell noch zwei Relegationsspiele – also noch 270 Minuten reguläre Spielzeit Vollgas – mehr nicht! Und ich bin mir sicher, dass HSV-Trainer Tim Walter seinen Jungs genau das einbläuen wird. Schon vor dem Hannover-Spiel hatte der Trainer großen Wert darauf gelegt, dass seine Mannschaft mutig bleibt. „Wir haben es verpasst, das 3:1 zu schießen“, resümierte HSV-Kapitän Sebastian Schonlau und hatte den Blick gleich wieder aufs nächste Spiel gerichtet: „Es war dennoch sensationell, wie sich die Jungs reingehauen und bis zum Schluss gefightet haben. Dazu haben uns die Fans unglaublich gepusht. Diese ganze Energie müssen wir jetzt mitnehmen. Wir sind eine Mannschaft, die ackern kann. Es wird ein riesiges Spiel nächste Woche.“ Klingt gut!

Zwei freie Tage hat der Trainer seinen Spieler gewährt, um noch mal den Kopf frei zu bekommen. Und das ist sicherlich nicht verkehrt. Denn in dieser Phase der Saison wird der Kopf immer wichtiger. ER wird sogar entscheidend sein. Spielertypen wie Anssi Suhonen, die einfach immer machen, ohne sich zu viele Gedanken zu machen, werden wichtig. Auch deshalb habe ich die Auswechslung des starken Finnen gegen Hannover nicht verstanden. Selbst ein Jonas Meffert und ein Sebastian Schonlau hatten gegen Hannover in der ersten Halbzeit das eine oder andere Problem mit der Situation. Aber, und das ist entscheidend: Beide fingen sich und spielten zuerst okay, in der zweiten Halbzeit dann sogar gut.

https://soundcloud.com/user-36211795/mi110522-van-der-vaart-staunt-uber-hsv-glatzel-spricht-klartext-wustefeld-baut-hsv-um?utm_source=clipboard&utm_medium=text&utm_campaign=social_sharing

Hinzu kommen die Konstanten dieser Saison. Daniel Heuer Fernandes ist in bestechender Form und hat dem HSV nicht nur im Pokal schon Spiele gewonnen. Gleiches gilt selbstverständlich für Toptorjäger Robert Glatzel. Trotz inzwischen schon 36 vergebenen Großchancen (kein Zweitligist vergibt mehr Großchancen als der HSV) hat es der Torjäger auf nunmehr 21 Treffer gebracht. Gegen Hannover musste er dafür zwar „nur“ richtig stehen – aber er stand eben auch wieder mal richtig, um die schönen Assists von Bakery Jatta zu verwerten. Und nicht erst jetzt dürfte auch dem Letzten hier klargeworden sein, dass Glatzel ein absoluter Glücksgriff auf dem Transfermarkt war. Aber auch hier gilt: Es gibt noch nichts zu feiern. Denn ebenso wahrscheinlich wie der dritte Tabellenplatz ist der vierte. Und der wiederum könnte aus der aktuell vorherrschenden Euphorie eine kleine Depression machen.

Nein, diese Tage bis zum Rostock-Spiel und eventuell auch danach in der Relegation sind die leichtesten Tage der Saison: Denn es geht nicht mehr darum, inhaltlich große taktische Kniffe einzustudieren, sondern darum, dem Gegner gleich von der ersten Minute an jeden Spaß am Spiel zu nehmen und ihm zu zeigen, dass Gegenwehr wehtun würde. Gegen Hannover hat das zumindest nicht geklappt, davor in Ingolstadt schon. Und jetzt in Rostock? Ich bin sehr gespannt und setzte auf di Einfachheit, mit der Trainer Tim Walter bislang seine Mannschaft durch die Saison begleitet hat. Denn diese Einfachheit braucht es jetzt.

Nur eines braucht niemand: Verfrühte Feierlaune. Wenn ich heute von der „größten Aufholjagd der Geschichte“ lese (BILD) oder davon, dass sich Walter unkündbar macht, dann ist die Gefahr zumindest von außen gegeben, hier schon zu früh zu viel zu feiern. Zumal genau diese Kollegen vor wenigen Wochen noch von einer erneut enttäuschenden Saison gesprochen/geschrieben haben. „Einfach mal normal sein“ hat mir mein sehr langer und leider schon verstorbener Wegbegleiter im Fußball in solchen Momenten immer wieder gesagt – und genauso ist es. Denn am Ende wird es nicht wegen Platz drei eine gute Saison ober wegen Platz vier eine schwache Saison sein.

Entscheidend ist, wie sich die Mannschaft präsentiert und welche Entwicklung sie genommen hat. Rein statistisch hat man weiter die beste Abwehr und die mit weitem Anstand meisten herausgespielten Großchancen – also eigentlich alles, um seine Spiele zu gewinnen. Aber dazu mehr in den nächsten Tagen, wenn meine Freunde von Createfootball.com ihre Auswertungen hier vorstellen. 

In diesem Sinne, bis Mittwoch. Morgen muss ich mich leider einer kleinen Zahn-OP unterziehen und weiß ehrlich gesagt noch nicht, wie lange das dauert und wie ich danach drauf bin. Aber ehrlich gesagt ist aktuell eh jedes Wort zu viel. Denn jetzt ist nicht mehr die Zeit zum Reden, sondern zum Machen. 

Scholle 

P.S.: Nennt mich gern spießig, aber ich weiß ehrlich gesagt überhaupt nicht, weshalb plötzlich alle möglichen Mannschaften vor Saisonende Partytrips veranstalten. Ich kann diese Ibiza-Tour der Bayern beispielsweise ebenso wenig nachvollziehen wie Party-Kurztrips von anderen Mannschaften, die den Klassenerhalt oder sonstwas feiern. Ich empfinde es einfach nicht als professionell. Dafür ist nach der Saison immer noch ausreichend Zeit.

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