Analyse

Nicht mehr jammern, sondern machen!

Es geht wieder los. Am Sonntag muss der HSV bei seinem Extrainer Christian Titz versuchen, den Anschluss an die Aufstiegsränge zu halten. Und auch für HSV-Coach Steffen…

Nicht mehr jammern, sondern machen!

Es geht wieder los. Am Sonntag muss der HSV bei seinem Extrainer Christian Titz versuchen, den Anschluss an die Aufstiegsränge zu halten. Und auch für HSV-Coach Steffen Baumgart geht es ganz nebenbei gegen seinen Exklub, an den er nicht nur die besten Erinnerungen hat, vorsichtig formuliert. An Motivation sollte es auf HSV-Seite also nicht mangeln, im Gegenteil. Dass dem HSV erneut Robert Glatzel fehlen wird, ist sehr wahrscheinlich. Ob Ignace van der Brempt ausfällt, entscheidet sich wohl kurzfristig. Mit anderen Worten: Optimal ist anders – aber es nützt nichts, zu jammern.

Zumal der HSV auch so noch einen Kader zur Verfügung hat, mit dem Spiele wie das in Magdeburg gewonnen werden können, wenn nicht sogar „müssen“. Letzteres zum einen, weil die Kaderqualität es hergibt – andererseits aber auch, weil der HSV sich selbst in diese Situation gebracht hat. Sechs Unentschieden und acht Niederlagen in 28 Partien – das ist der vermeintlich schwächste Wert des HSV in der Zweiten Liga seit dem Abstieg 2018. Zum Vergleich: Noch nie hat der HSV mehr als acht Spiele in der Zweiten Liga verloren und selbst wenn man jetzt alle verbleibenden sechs Partien gewinnt, kommt man „nur“ noch auf 66 Punkte – den Wert der Vorsaison. Und trotzdem ist diese Saison eben noch nicht vorbei. Noch immer ist der Aufstieg erreichbar. Unter erschwerten Bedingungen, ganz klar. Aber daran sind sie selbst schuld.

Im Talk mit Jan habe ich noch mal gesagt, woran es meiner Meinung nach liegt. Und das ist nicht die Qualität der Spieler, die beim HSV im Kader stehen, sondern die Arbeit mit ihnen. Der HSV hat in den letzten zweieinhalb Jahren unter Tim Walter sehr monotaktisch gespielt und die Spieler sind darauf fixiert gewesen. Logischerweise! Und noch mal: Aich mit Walter hätte der HSV sehr wohl aufsteigen können, wenn der Trainer bereit gewesen wäre, seine Schwächen abzustellen.

Der Wille ist da - die Umsetzung nicht

Da er das wiederholt und wider andere Ankündigungen („detailversessene Analyse hat gezeigt, woran wir arbeiten müssen und werden“) verweigerte, war seine Entlassung unumgänglich – allerdings schon lange bevor sie tatsächlich umgesetzt wurde. Anstatt dem neuen Trainer die Winterpause zur Vorbereitung mit seinem neuen Team und vor allem auch der Kadergestaltung zu geben, wurde Baumgart nach fünf Spieltagen der Rückrunde reingeworfen und musste eine Mannschaft umfunktionieren, die festgefahren wirkt. Im Ergebnis führt das zu dem aktuell sehr wackeligen, unsouveränen Spielstil des HSV. Und dazu, dass dem Trainer nicht viel bleibt, als auf Stimmung zu setzen, Er muss zusehen, dass die Spieler sich auch in dem neuen System, in seinem System, zerreißen – und es annehmen. Letzteres scheint noch nicht zu funktionieren, während die läuferischen Leistungen verbessert sind.

Was also tun? Außer Hoffen…? Es bleibt tatsächlich nicht mehr, als darauf zu hoffen, dass sich die Mannschaft an den Trainer und dessen Spielstil gewöhnt. Der Weg, den ich von Saisonbeginn an gehen wollte – den über eine stabile Defensive – kann der HSV so nicht mehr priorisieren, weil er zum Siegen verdammt ist. Jede Niederlage und jedes Remis könnte dem HSV den Garaus machen. Ergo: Der HSV muss auf Sieg spielen - und das wissen leider auch die Gegner.

Hier im Forum und anderswo wird immer wieder diskutiert und behauptet, angesichts der Ergebnisse von Baumgart hätte man doch lieber Walter halten sollen. Was für eine verquere Diskussionsführung! Lieber den Trainer länger halten und hoffen, dass man so weniger falsch macht als mit einem neuen Coach? Obwohl seit langem deutlich ist, dass man mit diesem Trainer nicht besser wird? Nein, so kann ich nicht denken. Das kann es nicht sein. Womit ich die Frage, ob Baumgart der richtige Coach ist, noch nicht beantworte. Denn das weiß ich ehrlich gesagt noch immer nicht. Dafür hat Baumgart mir auch zu wenig zeigen können von dem, was ihn eigentlich auszeichnet. Aber: Jetzt ist der Zeitpunkt, wo seine mitreißende Art, die ihm nachgesagt wird, greifen kann und - muss.

Fakt ist für mich, dass Baumgarts Start beim HSV nicht ausgereift durchdacht war. Es fehlte Unterstützung von der Klubführung, es fehlt Substanz für seine Spielweise. Dass er selbst schon davon spricht, auch bei Nichtaufstieg bleiben zu wollen, zeigt zudem nicht von der unumstößlichen Überzeugung, die Baumgart zuletzt versuchte, auszustrahlen.

Es sei für ihn „selbstverständlich“ sagte der 52-Jährige der neuen Hamburger WochenMopo. „Ich habe ja nicht in der ersten Liga unterschrieben, sondern beim HSV. Unabhängig von der Liga. Ich unterschreibe nicht für eine Liga, sondern immer bei einem Verein.“ Klingt gut. „Für mich gibt es nichts Besseres, als hier beim HSV zu sein. Da muss sich keiner Sorgen machen, außer man will mich nicht mehr. Ich will auf jeden Fall“, so Baumgart, der sich kämpferisch gibt: „Wir haben die Möglichkeit, Zweiter zu werden, auch wenn der Weg lang ist. Der erste Schritt sollte aber erst mal sein, Dritter zu werden. Ich muss nicht zur Jagd auf Kiel oder St. Pauli blasen, wenn ich gerade Vierter bin und erst mal Düsseldorf einholen muss.“ Stimmt. Also: Machen! 

In diesem Sinne, bis morgen!

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