Analyse

Neue Saison, alte Probleme - und Jattas rätselhafter Auftritt

Der HSV spielt wie immer. Das ist gut, wenn man Spiele wie Schalke hat. Dort hat der HSV offensiv ein Feuerwerk abgespielt, das hoffen lässt. Aber es ist auch bedenklich, wenn…

Neue Saison, alte Probleme - und Jattas rätselhafter Auftritt

Der HSV spielt wie immer. Das ist gut, wenn man Spiele wie Schalke hat. Dort hat der HSV offensiv ein Feuerwerk abgespielt, das hoffen lässt. Aber es ist auch bedenklich, wenn man die Defensivarbeit des HSV in dieser Saison sieht. Die erste Halbzeit sowie die Nachspielzeit in Karlsruhe waren mindestens Besorgnis erregend. In diesen beiden Spielen haben sich meine Bedenken, die ich zuletzt hier geäußert hatte, bestätigt: Diese Abwehr war, ist und bleibt die Achillesferse des HSV. Sie offenbart dieselben Schwächen wie in den Vorsaisons. Selbst jetzt in Spielen, in denen Trainer Tim Walter seinem typischen Walter-Fußball endlich ein Stück weit nachjustiert und endlich auch mal lange Befreiungsschläge und Pässe zulässt. Und ja, klar! Natürlich müssen sich die Neuen Ramos, Hadzikadunic, van der Brempt und Co. noch einspielen. Auch ein Miro Muheim hat lange gefehlt, während Sebastian Schonlau noch gar nicht dabei ist.  Das sind alles zu beachtende Punkte. Aber sie alle ändern nichts daran, dass der HSV von heute defensiv noch nicht aufstiegsreif ist. Trotz aller Neuerungen. Und es bleiben nur noch 24 Tage, um ggf. seinen Kader so zu ergänzen, wie es nötig ist. 

Mehr als positiv sind die Auftritte von Robert Glatzel und Laszlo Benes zu bewerten. Der Angreifer und der Mittelfeldmann erzielten jeweils drei Treffer und bereiteten zwei weitere vor. Vor allem Benes, der zur vergangenen Saison von Borussia Mönchengladbach in den Volkspark gewechselt war, scheint sich in Hamburg immer besser zu etablieren, nachdem er vor Saisonbeginn eigentlich erst durch die Verletzung des gesetzten, neuen Vize-Kapitäns Ludovit Reis in die Startelf rückte.

Zu einem altbekannten Defensiv-Problem gesellte sich am Sonntag im Karlsruher Wildpark ein neues. Ein ganz wesentlicher Faktor war das ungewohnt schwache Spiel über die Flügel, das ansonsten eher zu den großen Stärken gehört. Zuerst schafften es Levin Öztunali und Ransford-Yeboah Königsdörffer nie wirklich, Druck auf die Karlsruher auszuüben. „Wenn wir darüber nicht kommen, dann kippt auch unser Spiel ein bisschen“, wusste auch HSV-Trainer Tim Walter nach dem Spiel, woran es unter anderem scheiterte, den sicher geglaubten Dreier aus Karlsruhe mitzunehmen. Zumal auch die nach 55 Minuten eingewechselten Jean Luc Dompé sowie Bakery Jatta in der zweiten Hälfte keine positive Veränderung schafften.

Im Gegenteil: Diese beiden waren es im Wesentlichen, die den Sieg am Ende herschenkten, indem sie einfachste Konter nicht zum Torerfolg brachten. Dass sich hier der Großteil auf Bakery Jatta eingeschossen hat, mag an seinem bitteren Fehlschuss gelegen haben, als er aus sieben Metern ewig weit über das Tor schoss. Aber ich glaube, dass sich viele ebenso wie ich gewundert haben, warum Jatta so teilnahmslos agierte. Erst verlor er einfache Bälle, dann nutzte er seine Sprintstärke nicht mehr. Es wirkte so, als hätte er keine Kraft – dabei war er gerade erst eingewechselt worden. „Arbeitsverweigerung“ haben einige darin erkannt, aber das kann ich mir beim allerbesten Willen nicht vorstellen.  Am allerwenigsten bei Jatta, dessen Auftritt somit auch mir weiterhin ein Rätsel ist. Aber rein sportlich betrachtet ist dieser Auftritt ohne einen außerordentlichen Grund schlichtweg für den Trainer nicht hinnehmbar.

Ebenso wenig übrigens wie die Konterausbeute. Dompé und Jatta vergaben die als hundertprozentig einzustufende Chance auf das vorentscheidende 3:1. Und das höchst fahrlässig. So gut der HSV gegen Schalke die Konter gesetzt hatte, so schlecht machte er es diesmal. Zuerst verpasste es Dompé bei dem erwähnten Konter, die besser postierten, mitgelaufenen Mitspieler einzusetzen, indem er dribbelte und dann selbst von der Sechzehnmeterraum-Grenze abschloss. Den Nachschuss verzog Jatta dann in der ihm eigenen Schusstechnik in den Karlsruher Oberrang. Für Jatta gab es im Anschluss sogar noch die Höchststrafe, als er in der Nachspielzeit für Miro Muheim wieder vom Platz musste. Auf Nachfrage in der Pressekonferenz bezeichnete Walter die Leistung aller vier Flügelspieler lediglich als „nicht zufriedenstellend“. Was genau bei Jatta los war, ist noch unklar. Aber es gilt, das zu klären.

Das Beste für den HSV: Am Sonntag geht es nicht in der Liga zur Sache, sondern im DFB-Pokal bei Drittligist RW Essen. Dort kann sich die Mannschaft unter Wettkampfbedingungen gegen einen alles andere als einfachen Gegner weiter einspielen. Und diese Möglichkeit sollte Walter nutzen. Denn wenn auch gegen den Drittligisten die Null hinten nicht gehalten werden kann, muss man noch mal ganz scharf überlegen, was personell zu tun ist. Zumal Innenverteidiger Jonas David beim HSV keine Rolle mehr spielt. Ebenso wenig wie Valon Zumberi. Beide dürften alles daransetzen, den HSV zu verlassen und so Platz machen für einen weiteren Neuen. 

In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Abend und auf bald!

Scholle

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