Nervenkribbeln, Personalfragen und Perspektiven – Der HSV vor dem Duell mit dem KSC
Die Spannung steigt, was irgendwie in der Natur der fortschreitenden Saison liegt. Vier Spiele lang muss der HSV aktuelle vier Punkte Vorsprung verteidigen und bestenfalls…

Die Spannung steigt, was irgendwie in der Natur der fortschreitenden Saison liegt. Vier Spiele lang muss der HSV aktuelle vier Punkte Vorsprung verteidigen und bestenfalls ausbauen. Je näher das Saisonfinale rückt, desto spürbarer wird die Nervosität, die Trainer Merlin Polzin aber als Anzeichen für etwas Positives versteht. Denn wer etwas Großes erreichen kann, der spürt eben auch die Verantwortung. Und für den HSV steht viel auf dem Spiel: Der direkte Aufstieg soll es sein.
Die zwei Rückschläge gegen Braunschweig und Schalke haben noch einmal verdeutlicht, welche Erwartungshaltung vorherrscht. Und die Mannschaft spürt das auf der einen Seite. Auf der anderen Seite spüren Davie Selke, Jonas Meffert, Ludovit Reis und Co. aber auch den eigenen Ehrgeiz, nach Jahren des Verpassens endlich das große Ziel mit dem HSV zu erreichen.
Selbstbewusstsein statt Schönrederei
Polzin betont, dass die vergangenen Spiele kritisch aufgearbeitet wurden – ohne dabei in Panik zu verfallen. Es gehe jetzt darum, aus einer Position der Stärke heraus zu agieren und das Volksparkstadion wieder zur Festung werden zu lassen. Dabei erwartet der Trainer alles andere als einen Selbstläufer gegen den Karlsruher SC, der als Tabellenneunter ebenfalls noch ein Wörtchen im Aufstiegsrennen mitreden könnte. „Wir müssen wieder mutiger und klarer in unseren Aktionen werden“, so Polzin. „Es geht nicht darum, irgendetwas schönzureden, sondern ehrlich zu sein mit uns selbst – und dann mit voller Überzeugung aufzutreten.“
Sturmfrage beim HSV: Glatzel oder Selke?
Ein großes Thema vor dem Spiel: Wer beginnt im Sturmzentrum? Zuletzt bekam Königsdörffer den Vorzug, nun dürften Davie Selke oder Robert Glatzel wieder ins Rennen kommen. Beide bieten Qualität – doch ihre Profile sind unterschiedlich. Selke traf 19 Mal, Glatzel hingegen effizienter im Verhältnis zur Spielzeit. Vieles deutet auf einen Selke-Start hin, nicht zuletzt, weil es für ihn auch vertraglich um etwas geht: Mit zwei weiteren Einsätzen verlängert sich sein Vertrag im Aufstiegsfall automatisch.
Statistisch gesehen ist Glatzel der effizientere Torjäger – doch Selke bringt aktuell die Form und die Robustheit mit, die es in entscheidenden Spielen braucht. Eine Luxus-Situation für Polzin – aber auch eine mit Tragweite für die Zukunft.
Dompé gegen Wanitzek: Das Top-Duell

Im Fokus stehen am Sonntag auch zwei Offensivkünstler: Jean-Luc Dompé und Marvin Wanitzek, wie Ihr auch in unserem Gegner-Chack-Video hören könnt. Beide gehören zu den produktivsten Spielern der Liga. Während Dompé mit acht Toren und elf Vorlagen glänzt, bringt es Wanitzek auf elf Treffer und neun Assists. Im ausverkauften Volkspark wird dieses Duell richtungsweisend sein. Trainer Polzin lobt beide – und Ex-HSV- sowie KSC-Sportchef Oliver Kreuzer, der Wanitzek einst von Stuttgart II zum KSC lotste, nennt Wanitzek sogar den wohl komplettesten Spieler der Liga. Womit er Recht haben könnte.
Allerdings ruhen die Hamburger Hoffnungen besonders auf Dompé ruhen die Hoffnungen der HSV-Fans. Der Franzose ist unter Polzin in Hochform und ein ständiger Unruheherd für die gegnerische Abwehr. Sein Einsatz gegen den KSC gilt als sicher – trotz kleinerer Blessuren unter der Woche, die mit einer Trainingspause heute aufgefangen werden sollen.
Verletzungen und Optionen
Verzichten muss Polzin wohl auf Kapitän Sebastian Schonlau, der mit Rückenproblemen aussetzt. Bei Dompé gibt es dagegen Entwarnung – seine Trainingspause war rein präventiv. Auch Pherai könnte zugunsten von Karabec auf die Bank rücken. Die Entscheidung über die Startelf fällt spätestens am Samstag.
Mit Oliveira und Muheim befinden sich zudem zwei wichtige Spieler im Aufbau. Gerade Muheim könnte schon in der kommenden Woche wieder eine Option werden – ein Hoffnungsschimmer für die linke Abwehrseite, die gegen den KSC wohl wieder von Silvan Hefti bearbeitet werden wird. Und es bleibt zu hoffen, dass es diesmal funktioniert – eventuell ja im etwas direkteren Wechselspiel mit Ludovit Reis, den unser Experte Stefan Schnoor hier mit in die Verantwortung nehmen würde (s. Gegner-Check-Video).
Transfergerüchte: Frigan im Fokus
Intern richtet sich der Blick bereits auf die kommende Saison. Sollte der HSV den Aufstieg packen, könnte Matija Frigan vom KVC Westerlo ein Thema werden. Der 22-jährige Kroate steht laut Berichten auf dem Zettel der Verantwortlichen, Gespräche laufen. Doch ohne Aufstieg dürfte eine Verpflichtung finanziell kaum realisierbar sein.
Frigan gilt als technisch versierter und taktisch intelligenter Stürmer, der das Profil des HSV-Kaders sinnvoll ergänzen könnte. Doch noch ist alles offen – die sportliche Entscheidung hat Priorität.
Karlsruher SC im Umbruch
Aber wer glaubt, dass beim HSV schon viel los ist, der sollte wissen, was beim KSC gerade passiert. Dort hat es nämlich hinter den Kulissen ordentlich gerumpelt: Mit Mario Eggimann wurde ein neuer Sportchef installiert, während Sebastian Freis für viele überraschend freigestellt wurde. Trainer Christian Eichner, selbst heiß gehandelt für höhere Aufgaben, bleibt jedoch fokussiert. Er erwartet in Hamburg ein hitziges Duell – auch, weil sein Abwehrchef Marcel Franke ausfällt.
Eichner sieht die Partie im Volksparkstadion als Chance, ein Ausrufezeichen zu setzen. Seine Mannschaft sei motiviert, die Turbulenzen im Verein in positive Energie zu verwandeln. Der KSC sei auf dem Weg, sich nachhaltig in der Spitzengruppe der Liga zu etablieren. Eichner bleibt auf Kurs und betont, dass der Verein auf allen Ebenen wachsen will – egal, wie die Saison endet.
Und das will der HSV auch. Mit einem Sieg am Sonntag kann man einen nächsten großen Schritt Richtung Erste Liga gehen. Das Gute diesmal: Man weiß vorher schon, wie die Konkurrenz gespielt hat. Zumindest alle außer der 1. FC Köln und Kaiserslautern, die Sonntag parallel zum HSV spielen.
In diesem Sinne, Euch allen noch einen schönen Freitag!
Scholle
HINWEIS: Verkehrschaos droht - Marathon trifft auf HSV-Heimspiel
Leider ist diesmal auch abseits des Rasens richtig viel los – vor allem rund um das Spiel wird es auf Hamburgs Straßen am Sonntag besonders voll: Der Haspa-Marathon und das HSV-Heimspiel sorgen für ein stadtweites Verkehrschaos. Nahezu 100.000 Menschen werden unterwegs sein, die Anreise zum Stadion könnte zum Geduldsspiel werden. Ein späterer Anpfiff ist nicht ausgeschlossen – erneut, wie schon im Januar beim Rückrundenauftakt gegen Köln. Die Fans sind aufgerufen, frühzeitig loszufahren – und möglichst auf den öffentlichen Nahverkehr auszuweichen. Der HSV rechnet mit vollen Rängen, die Stimmung dürfte trotz aller Verkehrsprobleme wieder einmal beeindruckend sein.
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