Spielbericht

Nächster Rückschlag - HSV (und Kölner Keller) vergeigen gegen Darmstadt

Es nervt wirklich nur noch. Was genau? Irgendwie alles. Ich habe lange mit mir gekämpft, ob ich mit dem Hexenschuss überhaupt ins Stadion fahre. Vernünftig war es nicht – aber…

Nächster Rückschlag - HSV (und Kölner Keller) vergeigen  gegen Darmstadt

Es nervt wirklich nur noch. Was genau? Irgendwie alles. Ich habe lange mit mir gekämpft, ob ich mit dem Hexenschuss überhaupt ins Stadion fahre. Vernünftig war es nicht – aber ich musste hin. Die Schlussphase der Saison kann nicht vernachlässigt werden. Und ich kann ja nicht einerseits von den Spielern 110 Prozent fordern und dann selbst schwächeln. Von daher hin ins Stadion! Ich konnte ja nicht ahnen, dass ich am Ende noch genervter aus dem Stadion abziehen würde, als es hinging. Denn dieses 1:2 des HSV gegen Darmstadt 98 war genauso unnötig wie das 3:3 nach 3:0-Führung in Hannover.  

Das letzte Mal, dass ich vor einem Spiel schon über eine einzige Personalie so erschüttert war, da machte genau dieser Spieler am Ende eine richtig gute Partie, vielleicht sogar seine beste bis dahin im HSV-Dress. Und da auch heute eigentlich alle, wirklich alle, die mit mir so vor, während und nach HSV-Spielen über den HSV schreiben, sich über diese Nominierung beschwerten, war meine Hoffnung groß, dass Klaus Gjasula wieder so eine gute Partie machen würde. Am Ende war es weder richtig gut, noch richtig schlecht. Aber es war spannend, denn Gjasula schwebte gefährlich nah an Gelbrot… Und: Es hatte zumindest den positiven Effekt, dass die Innenverteidigung in der zuletzt gewohnten Formation Heyer/Ambrosius. Aber auch dazu später mehr.

Beginnen will ich diesen Bericht aber mit Gjasula. Genau genommen in der vierten Minute. Da säbelte Klaus Gjasula kurz hinter der Mittellinie Darmstadts Berko so selten willenlos um, dass ich an Stelle von Schiri Dr. Robert Kampkas Stelle keine zwei Sekunden überlegt hätte und Gelb gezogen hätte. Es sollte nicht die letzte Fehlentscheidung des Schiri-Teams bleiben – so viel vorweg. Das Glück allerdings, hier keine Gelbe zu bekommen, trat Gjasula wiederum keine 120 Sekunden später im wahrsten Sinne des Wortes mit Füßen und kassierte nach einem weiteren Foul die Gelbe Karte. Für einen Spieler seiner Sorte gefühlte 84 Minute zu früh. Dass die Darmstädter bei Gjasula schon losschrien, wenn der nur in der Nähe eines Zweikampfes war, machte deutlich, worum es den Gästen hier neben den drei Punkten ging: Gjasulas Platzverweis provozieren. Nachvollziehbar. Und fast hätte es schon  nach weniger als einer Viertelstunde funktioniert...

Bis dahin gab es allerdings schon einige enge Szenen, die zu Toren hätten führen können. Darmstadts Serdar Dursun nach einer Ecke (5.) hatte die erste, der HSV im Anschluss zwei richtig gute Szenen: Die beste hatte Dudziak. Der wird über halbrechts von Terodde freigespielt, läuft aufs D98-Tor zu und sieht im Zentrum den frei mitlaufenden Kittel – allein der Pass mit Außenrist ist zu schwach gespielt (8.). Das hätte das 1:0 werden müssen. Keine 60 Sekunden später spielt Hunt einen klugen Pass auf den durchstartenden Kittel, der den Ball nicht verarbeitet bekommt (9.). Und wieder nur fünf Minuten später ist Wintzheimer über links frei, geht in den Sechzehner, sein Gegenspieler (Ex-HSVer Patric Pfeifer) rutscht weg – aber Wintzheimer macht aus dem freien Raum nichts. Sein Querpass (er hätte besser auf Dudziak durchstecken können/sollen/müssen) wird abgefangen.

Und  als erst Kittel einen Abpraller aus sechs Metern (zugegeben: etwas spitzem Winkel) mit links vorbeischoss (18.) und Wintzheimer in der 20.  Minute nach schöner Kombination über Kittel und Vagnoman aus 10 Metern direkt in Schuhens Arme abschloss, war eigentlich klar: Es war das alte Problem: Der HSV nutzt seine Möglichkeiten wieder nicht ausreichend. In diesem Fall war es dabei nicht einmal der Abschluss allein, sondern schon der letzte Pass, die letzte Ballannahme, die zu unkonzentriert waren – und das sollte sich leider bis zum Spielende so halten.

Bis zur Halbzeit blieb es torlos. Zum einen, weil Darmstadt zweimal das Gewühl im Fünfmeterraum des HSV nicht nutzen konnte (25., 36.), zum anderen, weil Tim Skarke in 28. Minute völlig frei bei einem Konter nach Abstoß seines Keepers (!!) Schuhen ebenso per Heber verpasste wie Aaron Hunt nach einem Eckball und Faustabwehr Schuhens (45.). Kurz zuvor hatte zudem Terodde nach Querpass vom bis hierhin sehr schwachen Dudziak Schuhen zu einer Glanztat gezwungen. Von daher wunderten in diesem Spiel nach 45 Minuten eigentlich nur zwei Dinge: Dass Gjasula in der zweiten Hälfte auflief – und dass hier noch immer kein Tor gefallen war. 

Der HSV bringt sich selbst in Schwierigkeiten

Wobei: Es ging genauso weiter. Also mit Gjasula auf dem Platz sowie mit zwei ausgelassenen Torchancen des HSV (Wintzheimer 48., Terodde 50.) – und mit einem unverständlichen Konter nach Abstoß von Gästekeeper  Schuhen. Wie schon in der ersten Hälfte reichte ein weiter Abstoß von Svchuhen als Vorlage zu einer Hundertprozentigen. Diesmal allerdings trafen die Gäste. Denn Schuhens weiter Abschlag landete links bei Honsak, der Ambrosius ausspielt und dann in die Mitte gibt. Dort muss Berko, der seinen Gegenspieler Leibold im Laufduell  locker abschüttelt, nur noch einschieben. Das 0:1 keine 15 Sekunden nach der Großchance für Terodde. Bitter.

Wobei, es kam noch schlimmer. In der 60. Minute fälschte Heyer einen Schuss unglücklich vor die Füße des 98-Angreifers Dursun, der frei vor Ulrich nur noch einzuschieben braucht. Das 0:2  in der 60.Minute. Und ein Schock für den HSV, der jetzt zweimal wechselte. Kinsombi und Gyamerah kamen für Gjasula und Vagnoman. Denn es war klar, was jetzt passieren würde: Der HSV musste noch mehr riskieren – Darmstadt konterte. Und das wurde gefährlich. 

Einmal hatte der HSV Glück, dass ein vergleichswese harmloser Zweikampf von Leibold mit Berko abgepfiffen wurde – der Darmstädter war frei durch. In der 70. Minute dann eine unglückliche Szene. Terodde will im Sechzehner abziehen, Dursun berührt offenbar Teroddes Fuß in der Schussbewegung und der hackt in den Boden – Schiri Kampka zögert nicht und entscheidet: Elfmeter! Zumindest bis zum Videobeweis, der zwar tatsächlich nicht beweisen konnte, was Schiri Kempter zu sehen geglaubt hatte. Aber er konnte es auch nicht widerlegen. 

Egal wie – Kampka nahm seinen Pfiff zurück, obgleich Terodde ihm mit vollem Körpereinsatz und flehenden Worten versuchte, davon abzubringen – kein Elfer (74.)! Terodde  nach dem Spiel: „Ich spüre den Kontakt von Dursun, für mich war das ein klarer Strafstoß. Als der Pfiff kam, war ich davon überzeugt, dass der Elfmeter auf keinen Fall zurückgenommen wird.“ Wurde er aber nicht. Und das Schlimmste daran: Das Ganze dauerte auch noch vier Minuten wichtige Spielzeit – die natürlich NICHT nachgespielt wurden. Wozu es diesen ganzen Schiri-Staff mit viertem Mann/Frau am Rand und Videokeller in Köln gibt, wurde schon oft in Frage gestellt. Wie man aber in so einem Spiel mit allein zwei Videoassist-Entscheidungen (bein der allein die Elferszene vier Minuten verschlang), mit zudem vier Wechselpausen und drei Toren am Ende auf nur vier (!!!) Minuten Nachspielzeit kommt – UNFASSBAR!!!!

Wofür gibt es bitte die ganze Schiri-Flotte pro Spiel?

Thioune selbst formulierte das Ganze etwas diplomatischer, wie Ihr im Video von der Pressekonferenz nachhören könnt. Wobei auch klar ist, dass das nicht der Hauptgrund für diese Niederlage war. Aber es nervt mich einfach nur, wenn so leicht nachzuweisende Fehler gemacht werden, wie heute. Auf dem Platz – und noch mehr daneben, wo alle Beteiligten technische Möglichkeiten haben ohne Ende. Aber was soll’s…?! So blieb es am Ende bei einer nicht einmal unverdienten, weil selbst verschuldeten 1:2-Niederlage, da nur noch Dudziak (nach Vorarbeit Jatta) per Kopf traf (77.).

Schlusswort Thioune: „Ich kann meiner Mannschaft nicht vorwerfen, dass sie sich nicht bemüht hat, nach den Rückschlägen zurück zu kommen. Was uns gefehlt hat, war die Entschlossenheit im Torabschluss. In den Augenblicken, in denen wir aktiv waren, haben wir in der Restverteidigung zu viele Fehler gemacht. Zudem fallen die strittigen Szenen aktuell nicht zu unseren Gunsten aus. In Hannover war es das Abseitstor von Simon, heute der zurückgenommene Elfmeter. Unterm Strich bleibt Enttäuschung, auf Sicht kommen wir aber nochmal wieder!“

Kiel hat erneuten Corona-Fall! Langsam wird es eng!

Und das muss der HSV auch. Und obwohl Thioune davon sprach, dass er diese Niederlage gern schnell wieder wettgemacht hätte – ich bin aktuell nicht traurig, dass das Spiel am kommenden Wochenende gegen Sandhausen coronabedingt abgesagt wurde. Wobei die neuerliche Absage des Holstein Kieler Spiels gegen Regensburg wegen eines erneute Corona-Falles im Störcheteam mir Sorgen bereitet, was die Beendigung der Saison betrifft. Denn freie Termine zu finden wird immer schwieriger…

In diesem Sinne, bis morgen!

Scholle

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