Nach dem Derby: Niederlage, fehlende Kreativität & mögliche Neuzugänge
Moin zusammen, wir haben nun Samstag, hoffentlich alle 2 Nächte geschlafen und können nun etwas objektiver auf die Situation beim HSV schauen.

Moin zusammen, wir haben nun Samstag, hoffentlich alle 2 Nächte geschlafen und können nun etwas objektiver auf die Situation beim HSV schauen.
Ihr habt ja hoffentlich meinen Vorbericht zum Spiel gelesen, denn ehrlicherweise passierte genau das, was ich prognostiziert habe. Pauli steht tief und versucht, zu kontern, und der HSV „sollte es vermeiden, 1-gegen-1-Situationen zu provozieren“.
Was beim 0:2 passiert ist, haben wir alle gesehen. Dabei kann man Heuer Fernandes natürlich nicht die Schuld absprechen, aber man hat es 90 Minuten lang provoziert, dass Pauli in solche Situationen gerät.
Ich möchte hier gar nicht auf Experte tun, ich will damit einfach nur sagen, dass es relativ offensichtlich war, was passieren wird.
Mein kurzes Fazit: Der HSV stand viel zu hoch, mit dem Wissen, dass das Spiel von St. Pauli auf Konter ausgelegt war. Zudem hatte man vorne keine Spielidee. St. Pauli hat nach spätestens 10 Minuten gemerkt, was der HSV macht, und sich anschließend noch 5–10 Meter tiefer gestellt, um die langen Bälle abzufangen. Die einzige Druckphase hatte man nach dem Abseitstor, als man im Mittelfeld anfing, ein paar Kombinationen einzubauen.
Fehlender Spielmacher sorgt für wenig Variabilität
Hier kommen wir aber zum Problem:
Der HSV hat nicht die Spieler, um solche Kombinationen zu spielen. Ich fragte mich während des Spiels, warum man jeden Ball lang spielt. Ich weiß nicht, wie sich Blessin während des Spiels gefühlt hat, aber jeder lange Ball hätte mir als Trainer der Gäste ein gutes Gefühl gegeben, weil es St. Pauli eben komplett in die Karten gespielt hat.
Aber dann fiel mir auf: Anders spielen ist irgendwie nicht möglich. Es gibt beim HSV eben keinen Spieler, der den Ball mal über 5–10 Meter durchs Mittelfeld treibt und dann einen gezielten Pass spielt. Man hat mit Remberg und Capaldo zwei Jungs, die eher als Spielzerstörer agieren. Sie machen ihre Sache eigentlich ganz gut, aber wenn man nur 2 Jungs in der Zentrale hat, braucht es eben einen, der ein gutes offensives Passspiel hat. Diesen hat der HSV aber nicht. Und man hatte dafür 2 Monate Zeit. Nach dem Abgang von Reis hat man keinen gefunden, der ihn auch nur ansatzweise ersetzen kann.
Ich denke sogar, dass genau der Spielertyp Reis optimal für das HSV-System wäre.
Dass man ihn abgeben musste, ist schade, da mache ich aber keinem einen Vorwurf.
Viel mehr kritisiere ich, dass man eben noch keinen Ersatz geholt hat.
Und nun ist man am Ende des Transferfensters angelangt und muss Spieler holen, die bei ihren Vereinen nicht mehr spielen. Denn ein Verein wird einen wichtigen Spieler des eigenen Systems nicht 1 Tag vor Transferschluss abgeben. Ein Spieler, der nicht beim eigenen Verein spielt, weil er qualitativ nicht gut genug ist, bringt nun zwei Probleme mit.
Einerseits wird er dann qualitativ wahrscheinlich kein Unterschiedsspieler sein, andererseits kommt er mit einem Mangel an Selbstbewusstsein nach Hamburg. Beide Attribute, die nach einem solchen Derby und dem anstehenden Spiel bei einer der besten Mannschaften der Welt nicht unbedingt notwendig sind.
Der Spieler, der im Zentrum kommt, MUSS qualitativ herausstechen und das offensive Spiel übernehmen.
Wer genau kommt, ist fraglich. Wir kommen jetzt aber mal zu den heißen Kandidaten.
Albert Sambi Lokonga- defensiver Spielmacher?
Ein Kandidat, der in den letzten Stunden in den Medien genannt wurde, ist Albert Sambi Lokonga vom FC Arsenal.
2021 kam Lokonga für 17,5 Millionen aus Anderlecht nach London.
Lokonga soll ein solides Passspiel haben, ist aber eher defensiv als offensiv ausgerichtet. Für mich klingt das eher wie eine Art Meffert, der auf der 6 und auch auf der 8 spielen kann. Das ist genau das, was ich beim HSV nicht sehe. Nicht noch einen, der defensiv stark ist und vernünftig passen kann. Capaldo kann auch gut passen, hat aber keine Kreativität im Spiel nach vorne. Ähnlich ist Meffert, der für mich noch ein wenig mehr Qualitäten im Spielaufbau hat, aber eben auch keiner ist, der mal nach vorne durchgeht und eine gute Offensivaktion hat. Aber eben genauso hört sich Lomonga an.
Auch seine Statistiken sprechen nicht unbedingt für ihn, zumindest nicht als Kreativmaschine.
In den letzten 3 Jahren war Lokonga 3-mal ausgeliehen. Zu Sevilla, Luton Town und Crystal Palace. Er erzielte in 66 Spielen 1 Tor und 5 Vorlagen.
Das klingt jetzt eher nicht so, als ob Lokonga der Offensivmotor ist, den man beim HSV braucht. Sein Marktwert liegt bei 8 Millionen Euro. Angeblich läuft sein Vertrag noch bis Sommer 26. Laut Fußballtransfers.com haben die Gunners aber wohl eine Option auf eine Vertragsverlängerung, die gezogen werden könnte, um Lokongas Marktwert anzuheben.
William Boving- Vom Stürmer zum Spielmacher
Ein weiterer Kandidat ist William Boving von Sturm Graz. Boving ist normalerweise auf der Stürmerposition zu Hause, spielte aber auch auf dem linken Flügel und im offensiven Mittelfeld. In diesem Jahr legte er in den ersten drei Spielen der österreichischen Bundesliga bereits drei Tore auf. Im letzten Jahr gelangen ihm in 30 Bundesliga-Spielen 11 Tore und 8 Assists. Dabei spielte er allerdings auch die meiste Zeit im Sturmzentrum oder auf der 10. Ich denke, vom offensiven Output ist Boving deutlich interessanter als Lokonga. Allerdings ist bei ihm fraglich, wie er defensiv agiert. Sollte man beim HSV das System nicht umstellen, wird Boving dann nämlich auf der Doppel-8 agieren. Da bin ich ein wenig skeptisch, ob das gut funktioniert. Der Vorteil bei Boving ist seine Variabilität. Er kann offensiv überall eingesetzt werden und solche Spieler hat man immer gerne im Kader. Allerdings heißt es aktuell, dass Sturm Graz mit Mainz in fortgeschrittenen Verhandlungen ist und der HSV hier wenig Chancen hat.
Ihr habt es sicherlich schon mitbekommen, aber im Pokal am 28./29.10. wird der HSV im Pokal in Heidenheim antreten. Ich finde, im Pokal ist ein geiles Spiel in angemessener Nähe immer cool, weil man da vielleicht mal hinfahren kann. Heidenheim spricht mich da ehrlicherweise nicht an, denn die Fahrt dahin an einem Dienstag oder Mittwoch ist leider nicht realisierbar. Aber gut, das kann ich nicht ändern. Der HSV sollte nichtsdestotrotz mit dem Ziel anreisen, eine Runde weiterzukommen.
Was haltet ihr vom Pokallos und wie steht ihr zu den potentiellen Kandidaten im Mittelfeld? Schreibt das gerne in die Kommentare.
Bis dahin
Tom
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