Spielbericht

Mit viel Dusel, Heuer Fernandes in Topform und starker Moral zum Auswärtssieg - aber große Sorgen um Selke

Der HSV hat das Topspiel des Spieltages bei Hertha BSC mit 3:2 gewonnen und damit die Tabellenführung nach kurzzeitiger Übernahme des 1. FC Köln (1:0 gegen Elversberg am…

Mit viel Dusel, Heuer Fernandes in Topform und starker Moral zum Auswärtssieg - aber große Sorgen um Selke

Der HSV hat das Topspiel des Spieltages bei Hertha BSC mit 3:2 gewonnen und damit die Tabellenführung nach kurzzeitiger Übernahme des 1. FC Köln (1:0 gegen Elversberg am Nachmittag) zurückerobert. Und das mit einer brutalen Effektivität. Bei 0,6 Expected Goals schaffte der HSV drei Treffer, während die Hertha in der Anfangs- und Schlussphase mehrere klare Gelegenheiten liegen ließen. Daniel Heuer Fernandes rettete hinten mit sensationellen Reflexen, während Sahiti den Siegtreffer nach Konterlauf besorgte. Zuvor hatten für den HSV Ransford Königsdörffer und Davie Selke, für den Königsdörffer eingewechselt worden war, getroffen.

Aber: So sehr wir uns über diesen Sieg freuen dürfen, so schwierig wird es personell, wenn Davie Selke den befürchteten Jochbeinbruch (und danach sah es aus) davongetragen hat. Von daher: Daumen drücken! Einmal, dass Selke sich nicht so schwer verletzt hat. Und dann, dass der HSV nicht wieder so unvorbereitet ist, wenn er personell reagieren muss... Zumal im Spitzenspiel am kommenden Wochenende gegen Hannover 96 auch Muheim durch seine heute eingehandelte 5. Gelbe Karte fehlen wird.

DIE EINZELKRITIKEN:

Daniel Heuer-Fernandes: Souverän, wenn er gefordert war. Sensationelle Reflexe in der 76. Und in der 92.Minute! Note: 1+

Schlussjubel v.l. Torwarttrainer Sven Hoeh, Torwart Daniel Heuer Fernandes (HSV) Berlin, 25.01.2025, Fussball, 2. Bundesliga, Hertha BSC Berlin - Hamburger SV

William Mikelbrencis: Er ist mutig, er versucht einiges – und das ist auch gut so! Aber er ist oft noch viel zu fahrig, zu wild und mit falschem Stellungsspiel unterwegs. Er legte Reese den Ball (unfreiwillig) in den Lauf vor dem 1:2 und pennte beim 2:2 – das ist dann in der Summe einfach schlecht. Dass die Trainer nach Reeses Einwechslung weiter mit ihm und dem Null-Defensiven Sahiti die rechte Seite bespielen ließen, war fahrlässig. Note: 4,5

Denis Hadzikadunic: Er war noch einer der Besseren in der ersten Hälfte! Und auch in der zweiten Hälfte war das okay – bis Reese auch ihn überlief.   Note: 3

Daniel Elfadli: Oha, heute wurde er früh auf die Probe gestellt und schaffte es – im Doppelpack mit dem ebenso schwimmenden Meffert - nicht, seine Mannschaft auf die Berliner Offensive einzustellen. Steht es nach zehn Minuten 0:2 darf sich niemand beschweren. Aber gute Spieler zeichnet es eben auch aus, dass sie sich selbst zurückholen in solche Spiele – und das schaffte Elfadli. Die zweite Halbzeit war er da – aber eben auch überfordert, als Resse die rechte HSV-Seite überlief. Note 3,5

Miro Muheim: Er schwamm in der ersten Hälfte in der insgesamt schwachen Viererkette mächtig mit. Zweite Hälfte wurde er besser, kassierte aber die 5. Gelbe und komplettiert das Personalfiasko.  Note: 3,5

Jonas Meffert (bis 86.): Er steckt aktuell in einem Formtief. Heute war er auch defensiv nicht so effektiv, wie sonst. Er war in allem – mit wie ohne Ball – heute zu langsam. Am Ball brauchte er wieder zu lang. Und geordnet bekam er das Mittelfeld als Interimskapitän auch nicht.  Note: 4

Sebastian Schonlau (ab 86.): Sollte mit absichern, was im Ergebnis gelang.

Marco Richter: Ich wiederhole mich: Was bitte sehen die Trainer in Richter? Er ist kein Sechser, kein klarer Achter (dafür fehlt der defensive Teil) und kein klarer Zehner, weil er fast immer das Tempo verschleppt. Auch seine oft so gerühmte Abschlussstärke geht ihm beim HSV bislang verloren. Dass er am Ball viel kann, ist super. Aber wenn er diese Fähigkeit nicht gewinnbringend auf dem Platz einbringen kann, bringt das gar nichts! So ist er in dieser HSV-Mannschaft fehlt der Platz für seine Spielweise. Langsam wird das schon fahrlässig vom HSV, immer wieder freiwillig mit einem Mann (heute mit Sahiti 2) weniger zu spielen. Hart von Polzin, ihn auf dem Platz zu lassen und stattdessen Karabec runterzunehmen! **Korrektur: Mit dem Pass auf Sahiti hatte er dann doch entscheidende Wirkung. Asche auf mein Haupt, das nicht gesehen zu gaben.  Die Note verbessert so eine Aktion natürlich: Note: 4

Silvan Hefti (ab 87.): Nur noch dabei. Ohne Aktion.

Adam Karabec: Bereitete das 1:0 wunderbar vor und zeigte dabei, was für ein feines Füßchen er hat. Das kommt auch immer wieder vor. Aber: Auch heute fehlte wieder der unbedingte Wille, in die Gefahrenzone zu kommen. Sowohl mit Ball als auch per Pass. Ich hätte ihn dennoch niemals vor Richter vom Platz geholt, weil er einfach mehr Wirkung hat als Richter. Note: 3 

Jean-Luc Dompé: Was für eine katastrophale erste Halbzeit von ihm. Und das wurde in der zweiten Halbzeit kaum besser. So schlecht habe ich ihn ehrlich gesagt noch nie gesehen… Aber wer weiß, vielleicht hat er sich ein paar Aktionen fürs kommende Wochenende aufbewahrt, wenn Hannover 96 in den Volkspark kommt.  Note: 5

Emir Sahiti (bis 86.): Wild, ohne defensives Zweikampfverhalten, zu körperlos generell, und dann auch noch zu früh gelbverwarnt – das war kein gutes Startelfdebüt. Vor allem, weil es Themen sind, die er schon lange kennt. Härte kann man antrainieren, taktisches Verhalten muss er umsetzen – und das schafft er (noch immer) nicht ausreichend gut. Dass er dann das 3:2 macht – okay. Sehr wichtig und gut abgeschlossen. Aber in der Verfassung ist er eben ein Mann für die letzten 15 Minuten, wenn die Gegner müde werden. Mehr noch nicht. Aber: Macht er dann immer wieder solche Aktionen wie heute mit dem 3:2 werde ich ihn gern loben bis zum Abwinken… Note: 3

Ludovit Reis (ab 87.): Endlich wieder zurück.

Davie Selke (bis 55.): Er triff einfach. Und das ist gut. Sein Treffer war für den HSV der Weckruf und gab ein wenig Sicherheit, nachdem man so schlecht begann wie lange nicht mehr.  In seiner alten Heimat machte er sich damit heute nicht beliebt – aber das spricht ja für sein Spiel. Und dieses Spiel ist und bleibt sehr effektiv vor dem Tor. Er hat sich rein, motovierte seine Mitspieler und schont sich in keinem Zweikampf - was heute leider zu seiner Verletzung nach einem Kopf-Zusammenstoß mit Toni Leistner.  Die Verletzung sah nicht gut aus. Hoffentlich ist es nicht der befürchtete Jochbeinbruch (würde ca. sechs Wochen Zwangspause bedeuten). Gute Besserung von dieser Seite!  Note: 2

Ransford Yeboah Königsdörffer (ab 56.): Alter Ghanaer, was für ein herrliches Tor! Und was für ein wichtiger Treffer! Dieses 2:0 war nötig, wie wir am Endergebnis erkennen! Top, dass er sich trotz seiner Nichtberücksichtigungen weiter in einer solchen Verfassung präsentiert. Note: 2

Trainer Merlin Polzin: Solange Marco Richter mit solchen Leistungen in der Startelf steht, kann nicht alles richtig sein. Dann rechts mit dem defensiv-scheuen Sahiti und dem wilden Mikelbrencis auch nach Reeses Einwechslung zu agieren war nicht mehr mutig, sondern fahrlässig. Auch die Wechselreihenfolge ist ausbaufähig. Aber: Die Moral der Mannschaft ist intakt, und das ist auch ihm zuzuschreiben. So viel Glück er auch aktuell mit seiner Mannschaft beansprucht, es steckt immer auch ehrliche Arbeit dahinter, weil die Mannschaft alles reinhaut.  Ich hoffe zudem, dass er seiner Mannschaft vorführt, wie sie sich trotz Führung auswärts unnötigerweise hat auskontern lassen. Aber, wer 14 Punkte aus sechs Spielen holt, muss schon einiges richtig machen. Insgesamt ist es die Note 2 – heute war es eine 3

DIE STATISTIK ZUM SPIEL:

DAS SPIEL IM STENOGRAMM:

Hertha BSC: Gersbeck - Zeefuik, Leistner, Klemens, M. Dardai – Karbownik (66. Reese), Cuisance, Maza (85. Sessa) - P. Dardai (66. Winkler), Niederlechner (66. Prevljak), Scherhant 

Hamburger SV: Heuer Fernandes - Mikelbrencis, Hadzikadunic, Elfadli, Muheim – Meffert (86. Hefti), Karabec (76. Poreba), Richter (86. Reis) - Sahiti (86. Schonlau), Selke (55. Königsdörffer), Dompe 

Tore: 0:1 Selke (23.), 0:2 Königsdörffer (61.), 1:2 Cuisance (72.), 2:2 Winkler (80.), 2:3 Sahiti (84.)

Zuschauer: 71.500

Schiedsrichter: Tobias Welz (Wiesbaden)

Gelbe Karten: Niederlechner / Sahiti, Hadzikadunic, Poreba, Muheim (5.)

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