Mit Verzögerung - der HSV geht endlich den richtigen Weg
verschafft, bevor es für 14 Tage in Länderspielpause geht. „Crunchtime“ sei es so langsam, sagen die einen, da das erste Viertel der Saison gespielt ist. Und ich weiß damit…

Am Freitag geht es für den HSV zum FC Erzgebirge Aue. Zum Tabellenletzten. Und wir werden am Freitag von unserer Auswärtscouch aus mitfiebern und darauf hoffen, dass sich der HSV eine gute Ausgangslage für den Rest der Hinrunde verschafft, bevor es für 14 Tage in Länderspielpause geht. „Crunchtime“ sei es so langsam, sagen die einen, da das erste Viertel der Saison gespielt ist. Und ich weiß damit immer nur bedingt etwas anzufangen, da ich jede Saisonphase für gleichermaßen wichtig erachte. Fakt aber ist: Verliert der HSV beim noch sieglosen Tabellenletzten, verliert er auch erst einmal den Anschluss an die Tabellenspitze. Was ich nicht hoffe.
Diesmal ist es bei mir aber weniger die Erwartung an die Mannschaft, als die Sympathie für das, was gerade beim HSV passiert. Ich gönne es diesem HSV inzwischen nicht mehr ur aus Prinzip, Erfolg zu haben. Ich gönne es der Mannschaft, weil sie kämpft. Sie erarbeitet sich Punkte mit Fleiß, mit Mut und mit Schweiß. Zu sehen, dass hier tatsächlich die Entwicklung von jungen, talentierten Spielern ebenso wie von älteren Spielern vorangetrieben wird – das macht diese Mannschaft schon jetzt sympathischer als die der letzten Jahre. Obwohl mich genau dieser Umstand heute noch mehr denn je daran zweifeln lässt, was der HSV direkt nach dem Abstieg gemacht hat.
Zur Erinnerung: Damals hatte der HSV gerade dem aufstrebenden Trainer Christian Titz einen neuen Vertrag als Trainer der Profis gegeben, obgleich es intern schon als beschlossen galt, ihn schnellstmöglich abzulösen. Grund: Mangelnde Erfahrung und ein zu mutiger Spielstil. Nach zehn Spielen war schon Schluss, Titz musste als Tabellenfünfter trotz nur zwei Punkten Rückstand auf Rang eins gehen.
Was folgte war eine Umkehr zu dem HSV-Prinzip: Viel Geld, hohe Ansprüche, wenig Leistung. Zweieinhalb Jahre lang, die man im Nachgang als verschenkt bezeichnen darf. Denn Walter macht dort weiter, wo Titz aufgehört hat: Er versucht, dem HSV mit viel Mut ein neues sportliches Gesicht zu geben. Walters Vorteil: Der HSV MUSS heute mit jungen, günstigen Spielern arbeiten. Er muss aus der Not eine Tugend machen. Und, was ebenfalls nicht ganz unwesentlich für den neuen Trainer sein dürfte: Die Erwartungen an diese Mannschaft sind seit 2018/2019 sukzessive gesunken.
Zurecht. Und so sehr ich mich über die letzten Jahre ärgere, so sehr hoffe ich, dass dieses Jahr endlich ein wirklich komplett neuer Weg gegangen wird. Dass der Fußball unter Walter aus meiner Sicht noch immer zu unkontrolliert ist – das kritisiere ich so lange, wie so gespielt wird. Aber er setzt auf junge Spieler. Und es ist ihm sch….egal, was über ihn gesagt und geschrieben wird. Er macht sein Ding. Er bringt Vuskovic und lobt ihn nach einem sehr durchwachsenen Spiel. Er setzt auf Jonas David und hält so konsequent an ihm fest, dass dieser Sicherheit empfindet – und diese zurückzahlt. Kurz gesagt: Walter fängt nicht irgendwas an und bricht es wieder ab, wenn es nicht sofort den maximalen Erfolg hat. Er hat Geduld – oder er ist stur, wie viele behaupten. In diesem Fall ist es mir tatsächlich egal, weil ich es für den richtigen Weg erachte.
Apropos richtiger Weg: Den suchen die Bundesländer noch immer im Umgang mit den Zuschauerregelungen. Der FC Bayern München beispielsweise verlangt nur einen 3G-Nachweis, Borussia Dortmund lässt mit wenigen Ausnahmen keine Getesteten, sondern nur Geimpfte oder Genesene (2G) rein. Der FSV Mainz 05 setzt mit der „2G-plus“-Regel auf eine Zwischenlösung: Neben Bereichen für ausschließlich Geimpfte und Genesene gibt es auch ein geringes Kontingent für negativ Getestete. Das wiederum wurde dem FC St. Pauli zuletzt von der Stadt Hamburg versagt. Wer bitteschön soll denn hier noch den Überblick behalten? Fest steht: Es herrscht ein Zuschauer-Wirrwarr bei den Fußball-Vereinen, die unter Auflagen seit dieser Saison wieder mehr Fans empfangen dürfen. Manchen Vereinen wie dem HSV geht diese Teil-Öffnung aber noch nicht weit genug. Sie drängen auf mehr Besucher und drohen mit rechtlichen Schritten - mit Erfolgsaussichten?
"3-G-", "2-G-Regel" - oder besser "2-G-Plus"?
50 Prozent Auslastung, maximal 25.000 Zuschauer: Diese Grundregel hat die Politik den Clubs der zwei höchsten Spielklassen im Fußball auferlegt. Während bei Kulturveranstaltungen mit einem 2G-Konzept teilweise alle Plätze auf engstem Raum und in geschlossenen Räumen belegt werden dürfen, bleiben die Ränge vieler Vereine teilweise leer. „Es wird Zeit, dass das ‚Team Vorsicht' aufpasst, dass es nicht zum „Team weltfremd' wird“, hatte der scheidende Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), Christian Seifert, zuletzt gemahnt.
Hoffnung macht vielen Profi-Clubs die Entscheidung des Hamburger Senats: Demnach darf ausgerechnet der HSV das Volksparkstadion unter 2G-Bedingungen wieder voll auslasten, auch wenn die Hamburger aus organisatorischen Gründen darauf am Sonntag gegen den 1. FC Nürnberg noch verzichteten. Auch Erzrivale Werder Bremen darf unter dieser Maßgabe demnächst im heimischen Stadion wieder vor vollen Zuschauerrängen spielen. BVB-Chef Hans-Joachim Watzke hatte zuletzt einen solchen Beschluss gefordert. „Wenn die überwiegende Mehrheit der Zuschauer geimpft und die Kinder getestet sind, halte ich Fußballspiele vor gut gefüllten Häusern für ein verantwortbares Risiko“, sagte Watzke. Übrigens: Auch der FC St. Pauli wird gegen Dynamo Dresden am 3. Oktober nur geimpften oder genesenen Fans den Stadionzutritt gewähren. Dann könnten zum ersten Mal seit Beginn der Corona-Pandemie wieder 29.546 Zuschauer ins Millerntor-Stadion kommen.
Dass neben den Stadien in Hamburg und Bremen weitere Arenen unter der 2G-Voraussetzung in wenigen Wochen wieder komplett besetzt sein dürfen, hält Verfassungsrechtler Björn Schiffbauer für „relativ wahrscheinlich“. Schließlich könne die 2G-Regelung den öffentlichen Gesundheitsschutz wohl gewährleisten. „Die Freiheit von Vereinen und Zuschauern weiter einzuschränken, wäre somit unverhältnismäßig“, sagte Schiffbauer, der auch Mitglied im Kontrollausschuss des DFB ist.
Das Problem: Nicht alle Bundesliga-Clubs ziehen bei der 2G-Regelung mit. Der FC Bayern München setzt bislang ebenso auf 3G wie Hertha BSC. Mainz testete gerade eine Zwischenlösung. „Wir wollen die Nur-Getesteten nicht ausschließen“, hatte der Mainzer Vorstandschef Stefan Hofmann zuletzt gesagt. Auch beim 1. FC Union Berlin wird die 2G-Option noch nicht angewandt, weil sie „nicht umsetzbar“ sei, wie es vom Club hieß. Sie umfasse – genau deshalb hatte er auch der HSV gegen Nürnberg noch auf 2G verzichtet - neben den Fans auch die Union-Mitarbeiter, das eingesetzte Personal aller Dienstleister, Behörden, Verbände und alle Vertreter des Gastvereins.
Zuschauer-Wirrwarr - aber HSV hofft auf 57.000 Zuschauer
Bei Eintracht Frankfurt stellt es sich so dar, dass am Samstag gegen den 1. FC Köln 31.000 Zuschauer kommen durften, der Verein aber aus organisatorischen Gründen nur 25.000 Fans zuließ. Das Gesundheitsamt Frankfurt hatte die Genehmigung des Antrags für bis zu 31.000 Zuschauer unter der Berücksichtigung der 2G-Regelung im Stehplatzbereich in Aussicht gestellt, doch „aufgrund der Kurzfristigkeit und den damit verbundenen organisatorischen Herausforderungen“ nahmen die Frankfurter Abstand von dieser Option. Klar ist: „Es dürfte ohne 2G deutlich schwieriger zu argumentieren sein, die Stadien wieder voll zu öffnen“, sagte Schiffbauer.
Der HSV hofft nun im nächsten Ligaheimspiel gegen Fortuna Düsseldorf am 16. Oktober auf ein volles Stadion mit mehr als 57.000 Zuschauern – unter 2-G-Regeln. Andere Klubs wie Eintracht Frankfurt kämpfen weiter für Hybrid-Lösungen. „Wir kämpfen im Zuge einer Vollauslastung des Deutsche Bank Parks um einen 3G-Sockel von rund zehn Prozent, damit wir auch Menschen, die nicht geimpft, aber getestet sind, den Stadionbesuch ermöglichen“, sagte Vorstandssprecher Axel Hellmann.
Sollten die Fußball-Vereine - vor allem unter Berücksichtigung der 2G-Regel - ihre Zuschauerkapazität nicht erhöhen dürfen, haben einige Clubs rechtliche Schritte angedroht. „Wir würden uns einer Klage anschließen“, sagte Hertha-Geschäftsführer Fredi Bobic. Und auch Watzke, der zunächst auf einen Dialog mit der Politik setzen will, schloss juristische Maßnahmen als „Ultima Ratio“ nicht aus. Über die Erfolgsaussichten dieser Klagen könne keine pauschale Aussage getroffen werden, sagte Schiffbauer. „Gegen die Regelung der Corona-Schutzverordnung muss in jedem Bundesland separat vorgegangen werden. Mit einer Klage ist da nicht viel gewonnen." Letztendlich werde es auf ein koordiniertes Vorgehen in der Politik hinauslaufen. Bis dahin wird es so ungleich und unverständlich bleiben wie bisher.
Haben sich die Fans an Fußball vorm TV gewöhnt?
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte zuletzt Hoffnung auf zumindest vollere Stadien gemacht. Man könne die Teilnehmerzahlen für Geimpfte und Genesene anders rechnen als Getestete, erklärte der CDU-Politiker. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte: „Leider ist es auch unter 2G-Bedingungen im Moment noch nicht sinnvoll, die Stadien ganz zu füllen." Wegen des Nachlassens des Impfschutzes würden vollere Stadien auch wegen der Anreise ein Problem darstellen. Lauterbach wie man ihn aus unzähligen Talkshows inzwischen kennt…
Viele Vereine sorgen sich nicht nur wegen der finanziellen Einbußen, sondern fürchten auch, dass sich Fans an ein Fußball-Spiel vor dem Fernseher gewöhnen könnten. Auch beim HSV waren trotz zugelassener 25.000 Zuschauer zuletzt gegen den 1.FC Nürnberg nur 21.337 Zuschauer im Stadion. Die kurze Vorlaufzeit für den freien Verkauf wurde dafür verantwortlich gemacht. Zudem seien vor allem die unattraktiveren Plätze ganz oben unterm Stadiondach leer geblieben, so der HSV in seiner Analyse. Mal sehen, wie sich das unter 2-G-Regelung im nächsten Heimspiel gegen den Traditionsklub aus Düsseldorf darstellen wird.
Ich bin mir sicher, dass nicht nur in meinem Bekanntenkreis tatsächlich schon einige daran gewöhnt haben, die Spiele live von zuhause aus vorm TV zu verfolgen. Mit Freunden, gekühlten Getränken und leckerem Essen – ist ja auch einfacher und gemütlicher als ein Stadionaufenthalt. Vor allem aber ist es sehr viel weniger zeitaufwändig und günstiger, als mit Kind und Kegel ins Stadion zu gehen. Vielleicht werden es am Ende sogar die Vereine sein, die ihre Preise anpassen müssen, um die Leute vergangener Tage wieder zurückzugewinnen.
Muss der HSV seine Ticket-Preise anpassen?
Sportlich jedenfalls bietet der HSV momentan nur für die Spannendes, die bereit sind, Abstriche zu machen. Debütanten und andere junge Spieler sollen und werden unter Water auch in den nächsten Wochen und Monaten beim HSV ihre Chancen bekommen. Dabei werden auch immer wieder solche Auftritte sein wie der von Mario Vuskovic. Und wahrscheinlich auch mal deutlich schlechtere. Denn die Premiere des Kroaten war durchwachsen – nicht aber grundschlecht. Aber das hatten wir ja schon. Was ich sagen will: Nur, wer bereit ist, mit dem HSV ein paar Schritte rückwärts zu gehen, um auf Sicht mal wieder erstklassig zu spielen, der sollte den Stadionbesuch wagen. Auch, weil nur von diesen Leuten die Unterstützung im Stadion zu erwarten ist, die dieser HSV braucht.
In diesem Sinne, bis morgen. Beim Training heute konnte HSV-Trainer Walter wieder auf den gesunden Mikkel Kaufmann zählen, während Stephan Ambrosius und Josha Vagnoman, der nach der Länderspielpause wieder voll angreifen können soll, individuell trainierten.
Bis morgen!
Scholle
Zeig deine Farben
Unsere Freunde von HANDS OF GOD setzen ikonografischen Momenten und Legenden der Vereinsgeschichte ein künstlerisches Denkmal.
Shirt HAMBURG ALLSTARS
Eine Startelf aus Hamburger Legenden, großflächig auf dem Rücken.
39 €
Bei HANDS OF GOD ansehen ↗
Print HAMBURG ALLSTARS
Dieselbe Startelf als Fine-Art-Print — A3 oder 50 × 70.
40 €
Bei HANDS OF GOD ansehen ↗
Print COMEBACK DES DINOS
Mai 2025, das 6:1 — nach sieben Jahren zurück in der Bundesliga.
40 €
Bei HANDS OF GOD ansehen ↗
Print UNS UWE
Uwe Seeler nach dem verlorenen Wembley-Finale 1966.
40 €
Bei HANDS OF GOD ansehen ↗
Wir sind Partner von HANDS OF GOD und bekommen eine Provision, wenn du über diese Links kaufst — für dich ändert sich am Preis nichts. Gezeigt werden nur Motive, die wir selbst aufhängen würden.
Lies weiter
Meinung
HSV-Blamage- Die Taktik war das geringste Problem
Weiterlesen

Diskussion
0 KommentareDiskutier mit!
Registriere dich kostenlos — dann kannst du unter den Beiträgen mitdiskutieren, antworten und liken.
Jetzt kostenlos registrierenAnmelden