Mit Potenzial zum Publikumsliebling: Steffen Baumgart ist da
Steffen Baumgart hat seinen ersten Tag beim HSV hinter sich – und er hat ihn gut genutzt. Denn der neue Coach des HSV bestätigte binnen weniger Stunden mehrfach, was man ihm…

Steffen Baumgart hat seinen ersten Tag beim HSV hinter sich – und er hat ihn gut genutzt. Denn der neue Coach des HSV bestätigte binnen weniger Stunden mehrfach, was man ihm nachsagt: Dass er ein sympathischer, geradliniger, sympathischer Typ ist, der ein Herz für den HSV hat. Und zwar schon seit Kindheitstagen. Baumgart galt unter den HSV-Fans eh als Wunschkandidat nach dem Aus von Trainer Tim Walter in der vergangenen Woche. „Ich bin Fan geworden, da war der HSV noch eine Größe. Seitdem bin ich drangeblieben“, sagte Baumgart vor einigen Jahren und ergänzte darauf bezogen heute: „Du wechselst öfter die Frau als den Verein.“
Heute erschien Baumgart mit einer HSV-Kappe statt der markanten Schiebermütze bei seinem Amtsantritt im Hamburger Volksparkstadion und präsentierte sich optisch leicht verändert. Das erste Foto von ihm inmitten der beiden körperlich deutlich größeren sportlich Hauptverantwortlichen, Sportvorstand Jonas Boldt und Sportdirektor Claus Costa, hatte schon für lustige Kommentare gesorgt, da Baumgart hier aussah, als sei er von den beiden festgenommen worden. „Steffen, blinzle zweimal, wenn du das nicht freiwillig machst!“, schrieb das Social-Media-Magazin „Fums“. Dazu noch: „Endlich! LKA Hamburg gelingt Festnahme von Steffen B. aus R.“

Auch andere Nutzer hatten beim Anblick des Bildes Assoziationen an eine Verhaftung. „Das sieht aus, als hätten sie ihn verhaftet und haben Angst, dass er flieht“ und „Spätestens am Wochenende im Stadion mit den Fans, will er eh nie wieder weg.“ Und das dürfte stimmen. Für Baumgart selbst ist der Job beim HSV ein weiterer Höhepunkt in seiner Laufbahn. Mit einem klaren Ziel: „Das Ziel ist klar, da müssen wir nicht drum herumreden: der Aufstieg“, sagte der 52-Jährige bei seiner heutigen Vorstellung deutlich.
Das wiederum liegt weniger an der fast sechsjährigen Zweitliga-Zugehörigkeit des Clubs und seinem persönlichen Abstieg von der 1. in die 2. Liga, sondern vielmehr daran, dass er nun bei seinem Herzensverein unter Vertrag steht und diesen wieder in alte Gefilde führen will. Vor zwei Jahren hatte der HSV schon einmal bei ihm angeklopft. Seinerzeit stand er allerdings schon beim 1. FC Köln im Wort. Allerdings machte Baumgart mit einfachen, klaren Worten schnell deutlich, dass die Vorfreude nicht die angespannte Situation des zuletzt wankenden Traditionsvereins überlagern sollte: „Nur mit Sympathie funktioniert es nicht, sondern es gehört eine ganze Menge Arbeit dazu. Ich bin hier nicht, weil ich Fan bin“, so der gebürtige Rostocker. „Hier wurde vorher gut gearbeitet, jetzt hoffen wir, dass wir das weiterführen können.“
Und hier liegt der Punkt, den ich auch mit Mats Beckmann von Createfootball.com lange besprochen habe: Baumgart ist von der Walter-Taktik nicht (weit) entfernt. Im Gegenteil, in vielen Dingen ist er sogar sehr ähnlich. So kündigte er heute auch gleich mal an, dass Spiele ohne Gegentor bei seiner offensiven Herangehensweise eher selten sein würden. Dabei stand die defensive Stabilisierung zuletzt unter Walter schon ganz oben auf der To-do-Liste. Und das dürfte auch für Baumgart gelten.Und obgleich Boldt auch heute betonte, man habe bewusst Baumgart gewählt, weil man eben "keine 180-Grad-Wende" vornehmen und auf dem Aufgebauten aufsetzen wolle, muss eine Kurskorrektur vorgenommen werden, wenn man das Ziel Aufstieg weiter verfolgen will.
Etwa eine Woche nach dem Aus von Trainer Tim Walter unterschrieb der neue Baumgart am Dienstag in der Geschäftsstelle seinen Vertrag bis 2025. Viel Zeit zum Reinschnuppern blieb aber nicht, im Gegenteil: Nach der öffentlichen Vorstellung leitete er am Nachmittag seine erste Trainingseinheit im Volkspark. Baumgart lobte jedoch den Kader: „Das ist eine der besten Mannschaften der 2. Liga.“ Besonders warme Worte erhielt dabei sein früherer Weggefährte Sebastian Schonlau. Dem Kapitän des HSV wird eine große Rolle zuteil. Der Defensivmann arbeitete gemeinsam mit Baumgart vier Jahre in Ostwestfalen und kletterte von der 3. bis in die erste Liga. Schonlaus persönliche Entwicklung sei enorm. „Deswegen wird er sehr wichtig für mich. Nicht nur als Spieler, sondern als Persönlichkeit.“
Nach Hamburg wird Baumgart nur seinen Assistenten René Wagner, seinen früheren Weggefährten aus Köln, in die Co-Trainer-Gruppe mitnehmen. Der zuletzt als Interimscoach fungierende Merlin Polzin wird neben Loic Favé das Trio komplettieren. Sven Höh bleibt Torwarttrainer.
Ich wurde und werde immer wieder gefragt, was ich von dieser Verpflichtung Baumgarts halte. Und die Antwort ist relativ leicht: Ich glaube, dass der kurzweilige Trainereffekt dem HSV den nötigen Anschub verleihen kann, aufzusteigen. Sollte der HSV allerdings im kommenden Sommer nicht personell nachrüsten (hierzu sage ich mehr im Video) und den Kader der Baumgart-Taktik entsprechend verstärken (insbesondere qualitativ hochwertigere und schnelle Innenverteidiger), wird es auch für Baumgart schwer. Wobei, das kann es auch jetzt ganz schnell werden.
Aber bei allem, was man aktuell fordert, darf man nicht übersehen, dass Baumgarts Fußball-Idee ähnlich kompromisslos offensiv ist wie die von Walter zuvor. Das wissen auch die Verantwortlichen Boldt und Costa, die es im Winter verpassten, den dringend benötigten, schnellen und spielstarken Innenverteidiger zu holen. Da man sich trotzdem für Baumgart entschied, scheint es einen Plan zu geben, der für Außenstehende noch nicht erkennbar ist. Hoffe ich. Denn das persönliche Potenzial zum absoluten Publikumsliebling bringt der bodenständige HSV-Fan Baumgart allemal mit...
Von daher auch von dieser Stelle noch einmal: Herzlich Willkommen, Steffen Baumgart!
Und: viel Erfolg!!
Scholle
Leider gab es heute auch eine sehr traurige Nachricht: Ex-Weltmeister Andreas Brehme ist tot. Brehme starb in der Nacht zu Dienstag an einem Herzstillstand. Das bestätigte seine Lebensgefährtin Susanne Schaefer im Namen der Familie. Brehme, der 86 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft bestritt, wurde nur 63 Jahre alt. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie. Und auch Rest der Fußballwelt trauert. Anbei einige gesammelte Reaktionen:
Rudi Völler, früherer Mitspieler und DFB-Sportdirektor: „Andy war unser WM-Held, aber für mich noch viel mehr - er war mein enger Freund und Begleiter bis zum heutigen Tag. Seine wunderbare Lebensfreude wird mir fehlen. Meine Gedanken sind nun bei seinen Hinterbliebenen, seinen Freunden, vor allem bei seinen beiden Söhnen. Ich wünsche ihnen allen viel Kraft.“
DFB-Präsident Bernd Neuendorf: „Der deutsche Fußball hat ihm unendlich viel zu verdanken. Neben Mario Götze, Gerd Müller und Helmut Rahn gehört er zu den vier deutschen Spielern, die unsere Nationalelf zum WM-Titel geschossen haben. Seine Nerven- und Zweikampfstärke, seine Beidfüßigkeit, seine Flanken, seine Pässe, sein Einsatz – all das hat ihn ausgemacht, all das hat uns so viel Freude und so viele große Momente beschert.“
Karl-Heinz Rummenigge, ehemaliger Mitspieler und Aufsichtsrat des FC Bayern: „Ich bin tief betroffen und geschockt von der Nachricht vom Tod von Andi Brehme. Wir haben zusammen die WM 1986 in Mexiko gespielt, und Andi war ein großartiger Teamplayer, extrem loyal und zuverlässig. Seine Lebensfreude war immer ansteckend, und dass er mit 63 schon von uns gehen musste, stimmt mich sehr traurig.“
Uli Hoeneß, Ehrenpräsident des FC Bayern: „Ich bin unfassbar traurig über diese schockierende Nachricht. Niemand von uns wird Andreas Brehme jemals vergessen – weil er mehr ist als ein 1:0 im WM-Finale von Rom. Wir haben einen großartigen Menschen und einen treuen Freund verloren.“
Lothar Matthäus, Kapitän der Weltmeistermannschaft 1990: „Ich war schockiert, als ich das erfahren habe. Andi war ein Teil unserer Familie. Wir haben uns vor 45 Jahren kennengelernt, viele gemeinsame Geschichten erlebt. Wir waren Zimmerkollegen, bei der Nationalmannschaft und bei Inter Mailand. Wir haben oft 100 Nächte pro Jahr miteinander verbracht. Diese Freundschaft war auch nach der Karriere nicht vorbei. Es ist wirklich, als ob ein Familienmitglied gestorben ist.“
Jürgen Klinsmann, Mitspieler in der Weltmeistermannschaft 1990: „Lieber Andy, wir sind fassungslos, dass Du von uns gegangen bist. Du warst immer für uns da und hast uns zum Weltmeister 1990 gemacht! Wir werden Dich immer in unseren Herzen tragen und Dir für immer dankbar sein!“
Klaus Augenthaler, Mitspieler in der Weltmeistermannschaft 1990: „Ich stehe jetzt hier gerade auf dem Trainingsplatz und habe auf dem Weg hierher davon erfahren. Ich habe es daher noch nicht verdaut. Wir waren befreundet. Wir haben uns erst vor kurzem gesehen und waren gemeinsam Mittagessen. Wenn man dann so etwas hört, ist das natürlich hart.“
Jürgen Kohler, Mitspieler in der Weltmeistermannschaft 1990: „Er wird immer einen Platz in meinem Herzen haben. Weil er nicht nur ein außergewöhnlicher Fußballer, sondern vor allen Dingen ein besonderer Mensch war. Bodenständig, geradeaus. Man wusste bei ihm immer, woran man ist. Da ist ein toller Mensch von uns gegangen – viel zu früh.“
Stefan Reuter, Mitspieler in der Weltmeistermannschaft 1990: „Die Nachricht vom plötzlichen Tod von Andy Brehme hat mich sehr getroffen und ist mir nahe gegangen, weil er einfach ein toller Mensch war. Ich verbinde mit ihm nicht nur unseren gemeinsamen Erfolg mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft 1990 in Italien, sondern eben auch viele wunderbare gemeinsame Momente außerhalb des Fußballplatzes.“
Walter Zenga, einstiger Mitspieler und Kapitän bei Inter Mailand: „Du bist zu früh von uns gegangen, mein Freund, aber ich weiß, dass du uns von dort oben beschützen wirst und wie immer wirst du dort stehen und die Elfmeter schießen, einen mit dem Rechten und einen mit dem Linken. Gute Reise, mein Freund, Ruhe in Frieden, ich werde dir nicht sagen, dass ich weine, weil ich weiß, dass du mich umarmen und sagen würdest: ‚Komm Walter, ich bin hier, Ciao Andy‘.“
Ex-Bundestrainer Berti Vogts: „Andi Brehme war ein toller Fußballer und ein toller Mensch. Mit seinem Elfmeter hat er in Rom nicht nur Fußball-Geschichte geschrieben, sondern den deutschen Fußball auch geprägt.“
Philipp Lahm, Weltmeister-Kapitän 2014: „Brehme wurde bei der WM in Italien eins meiner Idole. Ich habe noch seinen konzentrierten, entschlossenen Blick vor Augen, als er im Finale gegen Argentinien zum entscheidenden Elfmeter antrat. Dann hat er getroffen, wie es genauer nicht gehen konnte. Andy Brehme war ein früher, moderner Außenverteidiger, der auf der rechten wie auf der linken Seite spielte. Dadurch war er prägend auch für meine Karriere.“
Ex-Nationaltorwart Oliver Kahn: „Wir verabschieden uns von Andreas, der sich seine Liebe zu unserem Lieblingssport immer bewahrt hat. Ich werde nie unsere großartigen gemeinsamen Zeiten mit der Nationalmannschaft vergessen, seine bodenständige und humorvolle Persönlichkeit hat allen Freude bereitet.“
Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger: „Andy Brehme war ein Idol meiner Jugend und später mein Co-Trainer beim VfB. Ein Fußballer durch und durch und ein Pfundskerl. Der Erste, der genauso gut rechts wie links schießen konnte - was für ein tragischer Verlust.“
Tennis-Legende Boris Becker: „Gerade haben wir uns noch bei der Trauerfeier vom Kaiser Franz getroffen! Unglaublich, wie schnell es vorbei sein kann! Meine Gedanken sind bei seinen beiden Söhnen!“
DOSB-Vorstandschef Torsten Burmester: „Die deutsche Sportfamilie trauert um den Finaltorschützen beim WM-Erfolg von 1990. Wir werden die Verdienste von Andreas Brehme für den deutschen Fußball in ehrendem Gedenken halten. Ich bin in Gedanken bei seiner Familie und allen Angehörigen. Ruhe in Frieden, Andy!“
Horst Hrubesch (Fußball-Bundestrainer der Frauen): „Ich habe mich auch ein bisschen erschrocken, als ich es heute Morgen beim Frühstück mitgekriegt habe. Er ist ja Hamburger. Ich bin jetzt zehn Jahre älter und bin immer noch da. Ich denke mal, mit 63 ist das verdammt früh. Es hat mich schon getroffen. Ich kenne ihn ja ganz gut und werde ihn absolut in super Erinnerung behalten.“
FIFA-Präsident Gianni Infantino: „Die Nachricht vom Tod von Andreas Brehme im Alter von nur 63 Jahren macht mich sehr betroffen. Erst letzten Monat waren wir beide noch gemeinsam in München, um das Leben des großen Franz Beckenbauer zu würdigen. Es ist tragisch, dass wir nun den Tod von Andy betrauern. Andy wird für immer in den Herzen aller deutschen Fans bleiben. (...) Er ist eine Ikone des Weltfußballs und eines meiner Idole. Sein Vermächtnis zeugt von seiner fußballerischen Klasse, seiner Entschlossenheit und seinem Sportsgeist. (...) Seine Karriere wird auch zukünftige Generationen von Fußballern inspirieren. (...) Ciao Legende“.
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne): „Lauwarme Dosenravioli, das Dosenbier ungefähr genauso, ein Fernseher auf dem Campingplatz in Norwegen und ein klasse Siegtreffer kurz vor Schluss des WM-Endspiels Deutschland-Argentinien! Ewig her und heute voll nah. Danke Andreas Brehme für diese Erinnerung und viele weitere sportliche Momente, die Du uns als Nationalspieler geschenkt hast. Du bleibst unvergessen!“
Bundesinnenministerin und Sportministerin Nancy Faeser (SPD): „Andi Brehme war mit seiner Leidenschaft und seiner Klasse eine Ikone des deutschen Fußballs. Sein entscheidender Elfmeter im WM-Finale 1990 in Rom war ein Tor für die Ewigkeit.“
Ex-FIFA-Präsident Sepp Blatter: „Die Nachricht vom Tod von Andy Brehme bestürzt mich. Ein ganz Großer musste viel zu früh gehen. Du warst nicht nur fußballerisch ein Vorbild. Deine Bescheidenheit, Volksnähe und Herzlichkeit waren im Fußball Muster von seltenem Wert. Ruhe in Frieden.“
Simon Rolfes (Geschäftsführer Sport Bayer Leverkusen): „Der frühe Tod von Andreas Brehme macht mich persönlich betroffen. Ich war acht Jahre alt, als er Deutschland in Italien zum WM-Titel schoss, das war eine meiner ersten bleibenden sportlichen Erinnerungen überhaupt. Nicht nur der deutsche Fußball hat einen großen Verlust erlitten. Den Hinterbliebenen von Andreas Brehme bekunden wir als Bayer 04 Leverkusen unser tiefes Mitgefühl.“
Zeig deine Farben
Unsere Freunde von HANDS OF GOD setzen ikonografischen Momenten und Legenden der Vereinsgeschichte ein künstlerisches Denkmal.
Shirt HAMBURG ALLSTARS
Eine Startelf aus Hamburger Legenden, großflächig auf dem Rücken.
39 €
Bei HANDS OF GOD ansehen ↗
Print HAMBURG ALLSTARS
Dieselbe Startelf als Fine-Art-Print — A3 oder 50 × 70.
40 €
Bei HANDS OF GOD ansehen ↗
Print COMEBACK DES DINOS
Mai 2025, das 6:1 — nach sieben Jahren zurück in der Bundesliga.
40 €
Bei HANDS OF GOD ansehen ↗
Print UNS UWE
Uwe Seeler nach dem verlorenen Wembley-Finale 1966.
40 €
Bei HANDS OF GOD ansehen ↗
Wir sind Partner von HANDS OF GOD und bekommen eine Provision, wenn du über diese Links kaufst — für dich ändert sich am Preis nichts. Gezeigt werden nur Motive, die wir selbst aufhängen würden.
Lies weiter
Meinung
HSV-Blamage- Die Taktik war das geringste Problem
Weiterlesen

Diskussion
0 KommentareDiskutier mit!
Registriere dich kostenlos — dann kannst du unter den Beiträgen mitdiskutieren, antworten und liken.
Jetzt kostenlos registrierenAnmelden