Analyse

Mit Kapitän Schonlau wieder auf Aufstiegskurs

Es läuft die 81. Spielminute im Volkspark. Die Partie gegen Hannover ist bereits lange entschieden. Unter tosendem Applaus des Hamburger Publikums verlässt Kapitän Sebastian…

Mit Kapitän Schonlau wieder auf Aufstiegskurs

Es läuft die 81. Spielminute im Volkspark. Die Partie gegen Hannover ist bereits lange entschieden. Unter tosendem Applaus des Hamburger Publikums verlässt Kapitän Sebastian Schonlau den Platz, der nach seiner Rückkehr ins Team nach abgesessener Gelbsperre einmal mehr seinen immensen sportlichen Wert für den HSV unter Beweis gestellt hat. Auch wenn nach dem 6:1-Kantersieg gegen 96 vor allem die Offensiv-Kräfte um Bénes, Kittel, oder Glatzel die medialen Schlagzeilen dominiert haben, so verdeutlicht dieses Ergebnis für mich doch vor allem eines: „Bascho“ ist für die HSV-Defensive unersetzlich und damit für die erfolgreiche Umsetzung von Walters Spielphilosophie essentiell.

Stand Schonlau als defensiver Organisator in dieser Saison auf dem Platz, kassierte der HSV im Schnitt nur 0,96 Gegentore. Fehlte er, waren es ganze 2,5 pro Spiel. Ein Statement. Während das Hamburger Abwehrverhalten im vorangegangenen Spiel gegen Fortuna Düsseldorf ohne ihn zuweilen vogelwild wirkte, so präsentierte sich die HSV-Hintermannschaft mit ihm trotz einiger Unsicherheiten wie z.B. von Jonas David gegen die ‚Roten’ deutlich stabiler. Gerade im Zusammenspiel mit David zeigt sich immer wieder, dass Schonlaus Führungsstärke die restlichen HSV-Verteidiger besser macht. Den latenten Begriff ‚Führungsstärke‘ will ich hier einmal präzisieren: Diese liegt einerseits in Schonlaus fußballerischen Qualitäten im Stellungs- und Aufbauspiel. Ersteres ermöglicht es ihm zudem, seine doch erheblichen Tempodefizite auszugleichen. Gegen Hannover war Schonlau wieder einmal der Taktgeber im Hamburger Aufbauspiel. Die meisten Ballaktionen (96) und die meisten gespielten Pässen (82, Passquote 91 %) aller Spieler belegen Schonlaus Präsenz auf dem Platz. Darüber hinaus war er bester Hamburger Zweikämpfer (67 % gewonnene Duelle). Die Duelle gewinnt er dabei immer wieder durch sein gutes Timing. 

Schonlau geht also mit Leistung voran. Neben den eben beschriebenen fußballerischen Fähigkeiten überzeugt mich Schonlau aber vor allem durch seine kommunikative Art. Schon auf dem Trainingsplatz ist seine Stimme immer besonders deutlich zu vernehmen. Er gibt Kommandos, leitet gerade die jüngeren Spieler an. Und ich glaube, dass Schonlaus Ansagen David, Muheim oder auch Katterbach in ihrem Spiel Sicherheit verleihen. Auch deshalb ist „Bascho“ für mich gewissermaßen Tim Walters verlängerter Arm auf dem Platz. 

Dass ich all das über Schonlau einmal sagen würde, ist nicht selbstverständlich. Gerade in seiner Anfangszeit in Hamburg stand ich ihm nämlich sehr skeptisch gegenüber. Dabei erinnere ich mich besonders an den Saisonauftakt 2020/21 auf Schalke, als er auf Höhe der gegnerischen Eckfahne zu dribbeln begann und dann in der Rückwärtsbewegung hinten fehlte. Doch auch ich muss an dieser Stelle anerkennen, welche Entwicklung er in den letzten zwei Jahren genommen hat - und wie abhängig das HSV-Spiel von ihm geworden ist. Über die sechs Buden gegen 96 habe ich mich zwar 1 wie wir alle gefreut, ich halte jedoch die defensive Stabilität für den größeren Gewinn. Dass die Partien gegen Kaiserslautern und St. Pauli keine Torfestivals werden, dessen können wir uns - glaube ich - schon sicher sein. Defensive Unsicherheiten wie in der ersten halben Stunde gegen Hannover werden in den nächsten beiden Begegnungen gnadenlos bestraft werden. Sollte Schonlau im Saisonfinale ausfallen oder erneut gesperrt sein, wird es eng. Spielt er, dann blicke ich den kommenden Partien optimistisch entgegen. Gerade im Stadtderby gegen den FC St. Pauli dürfte Schonlau noch eine persönliche Rechnung offen haben, nachdem er im Hinspiel nach einer Notbremse mit Rot vom Platz geflogen war und so die 0:3-Klatsche eingeleitet hatte.

Dieses Wochenende dürfen wir jedoch erstmal den torreichsten Heimsieg der Walter-Ära feiern. Ein grandioses Oster-Geschenk, wie ich finde.

Frohe Ostern und bis nächste Woche!

Cornelius

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