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Merlin Polzin bleibt weiter Cheftrainer des HSV

Merlin Polzin bleibt vorerst auf der Trainerbank. Nach der Leistungssteigerung beim 3:1-Auswärtssieg in Karlsruhe nicht unbedingt verwunderlich – aber wohltuend überlegt. Der…

Merlin Polzin bleibt weiter Cheftrainer des HSV

Merlin Polzin bleibt vorerst auf der Trainerbank. Nach der Leistungssteigerung beim 3:1-Auswärtssieg in Karlsruhe nicht unbedingt verwunderlich – aber wohltuend überlegt. Der bisherige Topkandidat Bruno Labbadia wird sich entsprechend noch ein wenig gedulden müssen, sofern er dann noch bereitsteht. „Das ist das Risiko in solchen Situationen“, hatte HSV-Sportvorstand Stefan Kuntz zuletzt auf die Frage geantwortet, was denn passieren würde, wenn dadurch ein Kandidat abspringt. Und auch heute legte der sportlich hauptverantwortliche Mitarbeiter der HSV AG einen überlegten Eindruck an den Tag, als er Interimstrainer Merlin Polzin und seinem Team das Vertrauen auch für die bevorstehende Partie gegen Darmstadt aussprach. „Ich habe bei der Mannschaft eine Befreiung gemerkt. Wir werden den Schwung nicht unterbrechen. Merlin wird mit seinem Team auch das Heimspiel machen. Er und der Staff drumherum haben es schon sehr gut gemacht. Merlin Polzin wird deshalb mit seinem Team das Heimspiel gegen Darmstadt 98 machen.“

Dabei wirkte Kuntz sehr reflektiert. „Ich habe das Team die gesamte Woche über eng begleitet, zusätzlich auch in Karlsruhe vor dem Spiel sowie in der Halbzeit und auch nach dem Spiel. Ich habe das alles sehr genau verfolgt, auch die Reaktion der Mannschaft. Deshalb war es meine Überzeugung, diese Entscheidung so zu treffen. Dies habe ich zusätzlich im Vorstand und mit der sportlichen Führung besprochen und abgestimmt und habe Merlin im Anschluss die Entscheidung noch am Sonntagabend mitgeteilt. Er und sein Team haben sich diese Entscheidung verdient.“ Stimmt.

Sportvorstand Kuntz schließt nichts mehr aus

Und der HSV gewinnt damit etwas Zeit bei der Trainersuche. Denn Polzin wäre zum jetzigen Zeitpunkt sicher noch nicht enttäuscht, wenn er wieder ins zweite Glied zurückgehen müsste. Dafür gab es auch beim Sieg beim KSC noch zu viele Kritikpunkte, wie auch Kuntz heute noch einmal betonte. Ohne eine gewisse Portion Spielglück für den HSV hätte die Partie definitiv auch anders enden können. Von daher ist das Polzin-Konstrukt zurecht weiterhin auf Probe zu verstehen. „Natürlich hat gestern in Karlsruhe noch nicht alles gestimmt und es gibt für diese Woche im Training auch weiterhin noch genug zu tun, aber alles in allem hat es das Trainerteam mit dem gesamten Staff zusammen sehr gut gemacht. Und vom Ergebnis her war das Karlsruhe-Spiel ein Ausrufezeichen.“

Ob Polzin auch im Anschluss Cheftrainer bleibt oder bis dahin ein neuer Chefcoach verpflichtet wird, ist noch offen. Kuntz hält sich diesbezüglich auch bedeckt und verweist auf interne Prozesse, die aktuell laufen. „Ich schließe gar nichts aus. Man könnte sarkastisch sagen, dass wir eine Woche Zeit gewonnen haben. Wir lassen uns nicht treiben, es muss eine gute Entscheidung werden“, so Kuntz. „Es ist eine offene Entscheidung. Die Zeit lassen wir uns und prüfen im Hintergrund die verschiedenen Möglichkeiten weiter.“ Ergo: Keine Entscheidung aus der Emotion heraus. Genau so muss es sein!

Zumal zuletzt zu hören war, dass man Labbadia einen Vertrag bis Saisonende habe anbieten wollen, um danach dann einen neuen Cheftrainer zu präsentieren. Sollte man tatsächlich diesen Gedanken haben, wäre es angesichts der Leistungssteigerung des HSV unter Polzin n8r logisch, an ihm und seinem Team erst einmal festzuhalten, sollte man diese positive Tendenz auch in die nächsten Spiele retten. Fakt ist aber auch: Sollte der HSV eine langfristige Lösung auf dem Trainermarkt finden, von der man 100-prozentig überzeugt ist, muss man handeln. Denn der HSV ist sicher interessanter als viele andere Klubs – aber Schlange steht hier auch niemand mehr, wie die bisherige Trainersuche auch noch mal gezeigt hat.

Ist Polzin mehr als nur eine Übergangslösung?

Aber bis dahin gilt auch: Volle Unterstützung für Polzin und sein Trainerteam, das sich mit einem sehr emotionalisierenden Video vor dem KSC-Kick in die Köpfe der Spieler dribbelte und alte Kräfte neu freisetzte. Und wie mein Geschichtslehrer schon sagte, gilt auch hier, dass die Bestätigung des Trendes erst einen echten Trend daraus macht. Soll heißen: Gegen Darmstadt wird sich zeigen, wie belastbar dieser zarte Aufwärtstrend des HSV ist. Und ich hoffe, dass es dem fleißigen, loyalen jungen Trainer Merlin Polzin erneut gelingt, seine Mannschaft zum Laufen zu bringen. Denn eines ist auch klar: Diese HSV-Mannschaft ist körperlich nicht bei 100 Prozent. Auch deshalb wurde der Fitnesstrainer als eine der ersten Amtshandlungen nach der Entlassung Steffen Baumgarts ebenfalls freigestellt.

Abwarten. So, wie es der HSV jetzt macht, gefällt es mir nach der zu späten Entlassung Baumgarts ehrlich gesagt gut. Ruhig bleiben, dem jungen Trainernachwuchs die Chance geben – und dann bis zum Vorbereitungsbeginn in der Winterpause eine Entscheidung treffen. So klingt ein gut überlegender Klub. Ob es nur daran liegt, dass die Wunschkandidaten abgesagt haben, es ist für diesen Moment nebensächlich. Manchmal schreiben die Zufälle ja die schönsten Geschichten. Und vor allem ist mir alles lieber als eine vorschnell geholte Übergangslösung bis Saisonende. Die kostet extra Geld und bietet längst keine Garantie, besser zu sein als Polzin und Co. 

In diesem Sinne, hoffen wir mal, dass Polzin, Favé und Co. das Ding rocken. Mindestens bis zur Winterpause…

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