Mehr als eine normale Niederlage? Nicht, wenn man die richtigen Schlüsse daraus zieht!
Mit 2:4 verliert der HSV vor 57.000 Zuschauern im ausverkauften heimischen Volksparkstadion. Und das ist zwar erst die zweite Niederlage unter Merlin Polzin – aber eine…

Liebe Leute, leider habe ich am Freitagabend offenbar den Blog nicht korrekt hochgeladen. Das hole ich hiermit nach. Entschuldigt bitte!
Scholle
Mit 2:4 verliert der HSV vor 57.000 Zuschauern im ausverkauften heimischen Volksparkstadion. Und das ist zwar erst die zweite Niederlage unter Merlin Polzin – aber eine krachende. „Was mich heute wirklich nervt, dass wir es nicht geschafft haben, unsere Art und Weise von Fußball auf den Platz zu bringen“, schimpfte Polzin nach dem Spiel.“ Denn der HSV fand in keiner Phase des Spiels zu dem Spiel, das ihn in den letzten Wochen und Monaten unter eben jenem Polzin so ausgezeichnet. „Wir haben gerade in der ersten Halbzeit extrem viele Lösungen immer wieder nur nach hinten gesucht, waren komplett einfach weit auseinander, haben keine Connection zueinander hergestellt, haben es nicht geschafft, diesen mutigen Offensivfußball, der uns auszeichnen soll, beziehungsweise auch in den vergangenen Monaten immer ausgezeichnet hat, auf den Platz zu bringen. Und das ist natürlich extrem enttäuschend, gerade hier zu Hause.“
Dass man mit den Wechseln in der Halbzeit noch mehr Offensive entfachen wollte, war erkennbar. Aber es funktionierte nicht. „In der zweiten Halbzeit haben wir natürlich versucht, auch nach diesem sehr, sehr unglücklichen zweiten Gegentor, die Dinge auf unsere Seite zu ziehen, haben den Anschlusstreffer dann gemacht mit dem 1:2, haben es dann aber auch verpasst, noch weiter die Situation besser vorzubereiten. Wir kassieren dann noch sehr unnötigerweise auch den dritten und vierten Treffer. Es ist heute ein sehr gebrauchter Tag und tut weh“, so der HSV-Coach, der gleich versuchte, den Blick nach vorn zu richten. „Ich habe es gerade der Mannschaft auch schon gesagt, dass es ab morgen weiter geht. Wir werden es inhaltlich aufarbeiten. Wir stehen zusammen, das ist das, was uns auszeichnet.“
Viel anderes bleibt auch tatsächlich nicht übrig, denn heute funktionierte nichts. Das Mittelfeldzentrum war sicherlich der massivste Ausfall. Vor allem in der ersten Halbzeit. Zudem fehlte immer wieder die räumliche Abstimmung. Abwehr, Mittelfeld und Angriff waren jeweils für sich – wirklich zusammenhängende Angriffe gab es nicht. Im Gegenteil. Man durfte noch froh sein, dass Braunschweig nicht noch zwei, drei Treffer mehr erzielte.
Aber ebenso, wie man nach dem 3:0 in Nürnberg nicht alles in den Himmel loben und die Saison als gewonnen abhaken durfte, so wenig darf man heute alles in Grund und Boden schimpfen. Einzeln bewertet kann jeder Spieler sein sch… Note bekommen – aber das gilt für heute, nicht allgemein. Mein fachlich sehr fundierte Kicker-Kollege haut heute die Überschrift raus: „Mehr als eine normale Niederlage“ – und dem widerspreche ich. Denn ich erkenne in diesem versagen keine Kausalität, sondern sehe es als Ausnahmen. Das heute war ein Spiel, in dem wirklich gar nichts ging. Nicht nach vorn, nicht nach hinten - und Ordnung gab es schon mal gar nicht. Die Ausfälle heute konnten und wurden nicht kompensiert. Aber: Sollten Polzin und Co. aus diesem Spiel die richtigen Schlüsse ziehen, wie man es nach der letzten Pleite gegen Paderborn mit den überzeugenden Siegen gegen Düsseldorf und Magdeburg offensichtlich schaffte, ist wieder alles in Ordnung. Fakt ist zumindest, dass man weiterhin alles in der eigenen Hand hat. Man hätte es sich allerdings mit einem Sieg heute deutlich leichter machen können…
DIE EINZELKRITIKEN:
Daniel Heuer-Fernandes: Er hielt, was zu halten war. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Note: 4
William Mikelbrencis: Defensiv ist und bleibt er einfach überfordert. Wie immer. Heute konnte er sich auch nicht über gute Offensivaktionen rechtfertigen. Note: 5
Sebastian Schonlau: Die direkten Zweikämpfe gewann er zumeist. Hinten war er noch der Beste in der Viererkette – ohne richtig gut zu sein. Note: 4
Daniel Elfadli: Er war heute nicht so souverän im Spiel, wie sonst. Dass das Mittelfeldzentrum heute komplett offen war und jeder Angriff durchkam, überforderte ihn in seiner Organisationsarbeit mit der Zeit. Er bekam auch seine Vorder- und Nebenleute nicht sortiert. Dass er sich zudem vor dem Gegentreffer so leicht von Philippe ausspielen lässt war schwach. Note 5
Silvan Hefti (bis 64.): Durfte für den verletzten Muheim ran, der mit Muskelfaserriss noch weiter ausfallen wird. Er schmiss auch alles in die Waagschale, was er zu bieten hat. Aber das ist einfach zu wenig. Insgesamt ist das zu wenig. Aber: Für das Eigentor kann er nichts. Es passte aber zu seinem Spiel und seiner Saison, die einfach kein Erfolg wird. Note: 5
Robert Glatzel (ab 65.): Ohne Bindung zum Spiel. Er braucht noch Zeit und die am besten auf seiner angestammten Position im Sturmzentrum. „Problem“ für ihn: Selke trifft dort. Selbst in so einem katastrophal schwachen Spiel. Das bedeutet, Glatzel wird sich weiter gedulden müssen und wohl auch weiterhin von der Bank aus kommen. Note: 4,5
Marco Richter (bis 45.): Katastrophe! Es gibt in dieser Mannschaft wenige so gute Fußballer, die der Mannschaft so wenig helfen, wenn sie spielen, wie er. Aber er ist eine Papierverstärkung, also eine Verstärkung auf dem Papier. Auf dem Feld nicht. Es wirkt bei ihm immer so, als sei das Feld zu groß für ihn und alle Gegner zu schnell. Dass er dazu heute mit seinen billigen Ballverlusten beide Gegentore in der ersten Halbzeit einleitete, „krönte“ seine Leistung. Note: 6
Immanuel Pherai (ab 46.): Er wirbelte – aber leider deutlich mehr für sich als fürs Spiel an sich. Besser als Richter war er allemal. Aber das war mein Sohn heute an seinem ersten Tag beim Würstchenverkauf im Stadion auch! Note: 4,5
Lukasz Poreba (bis 81.): Kam auf der Position zum Einsatz, die er gegen Nürnberg voll ausgefüllt hatte – und kam heute ohne Ludovit reis als Verstärkung vor sich überhaupt nicht zurecht. Er war weder offensiv ein Faktor im Spielaufbau, noch defensiv im Abräumen und Räume zulaufen. Er hing immer irgendwo dazwischen du verlor damit jede Wirkung auf das Spiel. Note: 5
Jonas Meffert (ab 81.): Er kam zu spät – und dann auch noch ohne Maske. Weil er sich damit nicht wohlfühlt. Hier war das Risko sicher nicht gesund. Aber: Man hat gesehen, dass es ohne ihn (und Reis) im Zentrum eben nicht funktioniert und hier jede Ordnubg fehlt.
Adam Karabec (bis 45.): Es bleibt dabei, dass es immer wieder nur so aussieht, als könnte er eine echte Hilfe werden. Eine echte Hilfe war er bislang aber viel zu selten. Heute war er sogar ein Totalausfall. Note: 6
Ransford Königsdörffer (ab 46.): Brachte hinter der (später den) Spitze(n) mehr Unordnung als Tempo ins Spiel. Note: 5
Jean-Luc Dompé: Der Anker im Offensivspiel. Wenn nichts geht, muss er es eben allein richten. Und wenn das nicht funktioniert, geht nach vorn mal gar nichts. So, wie heute. Er wurde vom Braunschweiger Gegenspieler Note: 4,5
Emir Sahiti (bis 45.): Nicht existent. Das war nichts. Gar nichts. Note: 6
Fabio Baldé (ab 46.): Er pennte beim 1:3, ließ sich beim 1:4 verarschen auf der Torauslinie – schlimmer hätte es nicht laufen können. Sein Pfostenschuss rettete ihn auch nicht mehr. Note: 6
Davie Selke: Er hat doppelt getroffen in einem nicht guten Spiel. Was sagt uns das? Zum einen, dass er einen mächtigen Lauf hat, was Tore betrifft, zum anderen, dass das Spiel heute nicht seins war. Er war heute nicht der mitreißende Aktivposten, der er noch vor zwei Wochen war. Dabei hätte der HSV genau diesen heute mehr gebraucht denn je. Trotzdem, bei zwei Treffern als Stürmer in so eine wenig offensivstarken Spiel - Note: 3
Trainer Merlin Polzin: Er hatte heute absolut keinen funktionalen Plan. Weder von Beginn an, noch im Spielverlauf wusste er die vielen Ausfälle zu kompensieren. Alle drei Stürmer zu bringen zeigte zwar an, wo es hingehen sollte – aber das funktionierte überhaupt. Vielmehr wirkte es aktionistisch, wie so vieles im HSV-Spiel heute. Seine zweite Niederlage als HSV-Chefcoach. Note: 5
STIMMEN ZUM SPIEL:
Davie Selke: „Das war eine verdiente Niederlage. Unser Pressing war nicht so griffig, wie wir es in dieser Saison immer wieder gezeigt haben. Das ist eine Riesenstärke von uns, die wir heute im Kollektiv nicht gut umgesetzt haben. Dann wurden die Ballverluste hart bestraft. Wir haben die Dinge in der Halbzeit inhaltlich und zugleich sehr ehrlich angesprochen. Wir wollten das Ding drehen, machen den Anschlusstreffer und alles lief nach Plan. Dann haben wir alles auf eine Karte gesetzt, was in meinen Augen genau die richtige Entscheidung war. Am Ende kriegen wir aber die Dinger rein und verlieren verdient. Besonders zuhause tut das doppelt weh, aber wir stecken diese Niederlage ein und werden sie morgen aufarbeiten. Dann mache ich mir keine Sorge, dass wir unseren Weg nicht weitergehen können.“
Daniel Elfadli: „Wir haben heute ganz klar auf die Fresse bekommen. Wir waren mit und gegen den Ball nicht mutig genug und haben nicht in den Prinzipien gespielt, die wir uns normalerweise vornehmen. Deshalb haben wir verdient verloren. Die allgemeine Lage sollte aber nach wie vor positiv sein. Wir dürfen enttäuscht sein und das ist auch wichtig. Es gehört zum Fußball dazu, Spiele zu verlieren. Es ist umso wichtiger, dass wir jetzt weiter zusammenstehen.“
Ransford Königsdörffer: „Wir sind sehr enttäuscht darüber, wie das Spiel heute gelaufen ist. Wir haben nicht die Leistung gebracht, die wir normalerweise bringen können. Braunschweig hat es deutlich besser gemacht als wir. Sie waren sehr griffig im Spiel. Wir haben zu häufig die zweiten Bälle nicht gewonnen und waren manchmal den Schritt zu spät. Wir müssen die Lehren aus diesem Spiel ziehen und nächste Woche auf Schalke wieder Vollgas geben. Das sollte auf jeden Fall ein Weckruf für uns sein.“
Daniel Scherning: „Wir haben dieses Spiel völlig verdient gewonnen. Wir haben gut ins Spiel reingefunden, waren in der ersten Halbzeit schon sehr, sehr gut strukturiert Wir haben sehr, sehr viel investiert in dieses Spiel, darüber hinaus bei vielen Ballgewinnen sofort die Tiefe gefunden und dadurch die letzte Linie bedroht. Wir machen kurz vor der Halbzeit diesen Doppelschlag. Das war natürlich ein super Moment für uns. Nach der Halbzeit können wir sogar schon das dritte Tor machen. Dann kam eine schwierige Phase, wo wir auch das Gegentor bekommen. Was mir brutal imponiert hat, war die Reaktion danach. Wir sind nicht unruhig geworden. Wir haben danach dann auch das dritte und das vierte gemacht und so hier, wie gesagt, durch eine Top-Leistung verdient gewonnen.“
DAS SPIEL IN ZAHLEN:
HSV: Heuer Fernandes - Mikelbrencis, Elfadli, Schonlau, Hefti (64. Glatzel) - Poreba (81. Meffert) - Karabec (46. Königsdörffer), Richter (46. Pherai) - Sahiti (46. Balde), Selke, Dompe
Eintracht Braunschweig: Hoffmann - Jaeckel (67. Ehlers), Köhler, Nikolaou - Rittmüller, Marie (81. Bicakcic), Krauße (67. Baas), Tempelmann, Bell Bell - Philippe (87. Polter), Tachie (81. Conteh)
Tore: 0:1 Bell Bell (40.), 0:2 Hefti (ET, 42.), 1:2 Selke (74.), 1:3 Baas (84.), 1:4 Philippe (86.), 2:4 Selke (90.+6.)
Zuschauer: 57.000 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Felix Brych (München)
Gelbe Karten: Elfadli, Poreba, Pherai / Köhler, Krauße, Jaeckel, Tempelmann
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