Magath versucht noch mal alles - und prallt an HSV-Trainer Walter ab...
Hier in Hamburg bereiten sich die Fans auf den größten Fußballtag seit vier Jahren vor, in Berlin stellen sich die Kritiker auf eine gnadenlose Abrechnung mit dem Big City Club…

Hier in Hamburg bereiten sich die Fans auf den größten Fußballtag seit vier Jahren vor, in Berlin stellen sich die Kritiker auf eine gnadenlose Abrechnung mit dem Big City Club Hertha BSC ein. Vor dem Relegations-Rückspiel zwischen dem Zweitligisten HSV und Bundesligisten Hertha BSC am Montag (20.30 Uhr/Sky und Sat.1) im Volksparkstadion scheinen die Rollen der Protagonisten fest verteilt. Darauf setzt zumindest Hertha-Trainer Felix Magath. Darauf – und auf die Führungsspieler Santiago Ascacibar und Kevin-Prince Boateng sowie die Standards von Marvin Plattenhardt. „Mit Santi als Zweikämpfer, als sehr laufstarkem Mittelfeldspieler, der für den Gegner unangenehm ist, werden wir jemanden haben, der den Spielaufbau der Hamburger besser stören kann, als es im Hinspiel der Fall war“, sagte der 68-Jährige heute auf der Pressekonferenz des Erstligisten.
Ascacibar hatte beim 0:1 am Donnerstag wegen einer Gelb-Sperre gefehlt. Der 25 Jahre alte Argentinier sei „ein ganz wichtiger Mentalitätsspieler“, sagte Magath. „Und das ist genau das, was wir gebraucht haben in den letzten Wochen.“ Niklas Stark habe diese Rolle im Hinspiel wegen der Nachwehen eines Infekts nicht einhundertprozentig ausfüllen können. Auch Kevin-Prince Boateng spielt in den Planungen des Trainers eine große Rolle. „Der Prince ist ein Finalspieler. Der weiß, wie das geht“, sagte Magath nebst Fredi Bobic auf dem Podium sitzend und verwies auf seinen Sportchef: „Den braucht natürlich auch die Mannschaft. Fragen sie meinen Nachbarn mal, wie wichtig der Prince damals bei der Eintracht im Finale war.“ Antwort Bobic: Nichts. Nur ein müdes Lächeln.
Und wer sich diese Pressekonferenz mal genau ansieht, der wird sehen und heraushören können, dass die Hertha zwar mit allen verbalen Mitteln versucht, sich selbst noch einmal eine Brücke zu bauen. Aber eben auch, dass man das nur mit mäßigem Erfolg schafft. Dass Felix Magath dabei ganz offenbar den Namen seines Mannschaftskapitäns nicht parat hat – es passt zu dem insgesamt sehr verhaltenen und von Bobic‘ Seite sogar schon lethargischen Auftritt vor dem finalen Relegationsspiel am Montag.
Walter indes saß bei seiner Pressekonferenz lächelnd und entspannt wie immer auf dem Podium, als würde er am Montag in einen dreiwöchigen Malediven-Urlaub gehen. Dennoch kann ein einziger Treffer schnell fallen – siehe das Hinspiel, das durch eine verunglückte Flanke von Ludovit Reis entscheiden wurde. Und sollte die Hertha tatsächlich treffen, geht alles von vorn los. Magath versuchte daher heute auch gleich einmal, dem HSV den größeren Druck zugewiesen. „Im Moment sind wir raus. Wir können ja nur noch gewinnen“, sagte der 68-Jährige, „jetzt ist der HSV derjenige, der was zu verlieren hat. Jetzt ist der Druck beim HSV bei den Spielern und nicht mehr bei uns.“
Dass sein Berliner Kollege behauptete, nach dem Sieg im Hinspiel habe nur der Zweitligist aus der Hansestadt und nicht der wankende Erstligist etwas zu verlieren, quittierte HSV-Trainer Tim Walter nur mit einem Lächeln. „Wir haben uns wenig mit der Konkurrenz beschäftigt“, sagte er, „und wollen das auch weiterhin nicht tun. Entscheidend ist, was wir machen.“ Mantra-artig wiederholt der Coach bei jeder Gelegenheit den Satz der Saison: „Wir bleiben bei uns. Es interessiert mich nicht groß, was andere sagen. Wir wollen unseren Weg weitergehen“, betonte der HSV-Coach. Außerdem sei Druck „ein Privileg. Wir haben gefühlt seit Wochen Endspiele.“ Konter gesetzt – Treffer versenkt …!
Walter machte heute genau da weiter, wo er in Berlin unmittelbar nach Schlusspfiff aufgehört hatte. Er sprach mutig, geradeheraus, was Phase ist. Und er behält den Fokus bei. „Es zählt nur das Spiel am Montagabend“, so der Trainer auf die Frage, weshalb denn Meffert, Jatta und Vuskovic die letzten beiden Tage geschont wurden. „„Meffo (Jonas Meffert, d. Red.) war die letzten zwei Tage auch nicht draußen, Mario (Vuskovic, d. Red) auch nicht. Wir versuchen in der aktuellen Phase, jeden individuell zu steuern – genauso machen wir es mit Baka (Bakery Jatta, d. Red.) auch“, sagte Coach Tim Walter auf der Pressekonferenz am Sonntag und hielt sich etwas bedeckt, was die Einsatzchancen des Gambiers angeht. „Also wird es den heutigen und morgigen Tag noch genau so ablaufen. Es geht nur um das Spiel morgen Abend, alles andere und wer aufläuft, und wer nicht, wird man morgen sehen.“
Darauf läge er seinen vollen Fokus. Andere Pressekonferenzen werde er weder hören noch sehen wollen. „Weil wir es eh nicht ändern können. Wir müssen sehen, dass wir unser Spiel auf den Platz bekommen. So wie vor dem Hinspiel. Und so, wie vor der gesamten restlichen Saison auch.“ Und ich gebe zu: Was zunächst (auch ich) als Plattitüde belächelt wurde, ist für die Mannschaft zu einer stringenten Denkweise geworden. Das ist die Lehre aus den Debakeln der drei Vorjahre, als das öffentliche Getöse im Aufstiegsrennen zu Nervenflattern, Mutlosigkeit und stets zu vierten Plätzen geführt hatte. Diesmal reichte der Blick immer nur bis zum nächsten Spiel und bis zur eigenen Kabine – und zu Rang drei. Vielleicht ja sogar zu mehr noch….
Wenn man dem HSV tatsächlich für das Rückspiel eine leicht favorisierte Stellung einräumen will, dann weniger wegen des 1:0 am Donnerstag, denn für die Darbietungen der Teams im Relegations-Hinspiel. Mut und Siegeswille beim HSV auf der einen, Kraftlosigkeit und Zaudern auf der anderen Seite. Ein Bild, das sich mir auch heute beim Vergleich der beiden Pressekonferenzen wieder bot. Aber schaut und hört selbst:
In diesem Sinne, bis morgen. Ich habe so richtig Bock auf dieses Spiel. Noch einmal 90 Minuten (oder mehr) Vollgas, noch einmal alles geben und zusehen, dass man sich für das belohnt, was man in den letzten Wochen dargeboten hat. Ich melde mich morgen mit dem vollen Programm aus dem Stadion sowie dem MorningCall, um Euch noch mal über alles zu informieren, was auch die Kollegen zu diesem Spiel berichten. Anbei noch die voraussichtlichen Aufstellungen für morgen:
HSV: Heuer-Fernandes - Heyer, Vuskovic, Schonlau, Muheim - Reis, Meffert, Kittel - Jatta, Glatzel, Vagnoman
Hertha BSC: Christensen - Pekarik, Boyata, Kempf, Plattenhardt - Tousart, Ascacibar - Richter, Boateng, Serdar - Belfodil
Bis morgen!
Scholle
Anbei noch einmal das Erlebnis Berlin aus Sicht eines HSV-Fans. In diesem Fall war es unser Blogfreund Louis, der ein sehr sehenswertes Video beisteuert:
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