Meinung

Lieber HSV, hast Du DAS gesehen?

Ich bin ein Freund von Tom Mickels Art. Ich mag ihn als Typ – und ich mag seine Art, wie er sich innerhalb der Mannschaft bewegt. 100 Prozent loyal. Immer mit dem Blick auf das…

Lieber HSV, hast Du DAS gesehen?

Ich bin ein Freund von Tom Mickels Art. Ich mag ihn als Typ – und ich mag seine Art, wie er sich innerhalb der Mannschaft bewegt. 100 Prozent loyal. Immer mit dem Blick auf das gesamte Team. Er ist der Vorzeigeprofi in Sachen Einstellung und daher auch völlig zurecht einer der dienstältesten Spieler in den Reihen des HSV. Ich hätte mir in den vergangenen Wochen auch gewünscht, dass er mal die Chance bekommt, sich zu zeigen, als die Konkurrenten auf der Torwartposition nacheinander patzte. Und trotzdem – Tom möge es mir verzeihen – bin ich nicht dafür, ihn zur Nummer eins zu machen. Zumindest nicht so. Ich glaube ehrlich gesagt sogar, dass man Mickel selbst damit Unrecht täte. Denn ihn nur deshalb zur neuen Nummer eins zu machen, wie er sich top verhält – das will er sicher nicht…

Mickel darf nicht so die Nummer eins werden

Vor allem aber muss der HSV bei der Suche nach der neuen Nummer eins endlich mal ein besseres Händchen beweisen. Wobei – eigentlich nicht. Ich glaube bis heute, dass man mit Julian Pollersbeck eine potenzielle Nummer eins für die nächsten Jahre in den eigenen Reihen hatte. Und das trotz des recht dümmlichen Kommentars gestern via Instagram. Er hätte einfach mehr Vertrauen nötig gehabt, um dauerhaft zu funktionieren. Hätte man ihm die Eingewöhnungszeit gewährt – der HSV hätte einen guten Typen zwischen den Pfosten, der auch leistungstechnisch seine Rückennummer Eins rechtfertigen würde.

Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Nicht mit Pollersbeck, da lege ich mich fest. Aber nachdem man heute mit Sven Höh einen neuen Torwarttrainer gefunden hat, der zuletzt die Profi-Torhüter des 1. FC Kaiserslautern betreute und einst mitverantwortlich dafür war, dass der ehemalige HSV-Schlussmann Pollersbeck nach Kaiserslautern wechselte, sollte man auch schnellstens zusehen, eine neuen Keeper dazu zu holen, der auch das Potenzial zur Nummer eins hat.  Ich persönlich sehe es sogar als problematisch an, mit Daniel Heuer-Fernandes weiterzumachen, nachdem man den hier mehrfach ausgewechselt hatte.

Nein, der Wunsch nach Einstellung auf dem Platz ist bei den Fans absolut berechtigt – aber er darf nicht zum Selbstzweck werden. Es muss immer auch mit der sportlichen Leistungsfähigkeit harmonieren. Von daher hoffe ich darauf, dass Mickel weder die Nummer eins geschenkt bekommt – noch, dass man ihm diese verwehrt, weil er eh immer ruhig bleibt. Ich hoffe auf Tim Walter und darauf, dass dieser den Kampf um die Nummer eins fair austragen lässt, um am Ende tatsächlich den besten Keeper mit voller Rückendeckung zur neuen Nummer eins zu machen. Nur so funktioniert echtes Leistungsprinzip.

Aber okay, dafür sind Verträge da. Wenn der Spieler bleiben will, kann man ihn nicht zum Abgang zwingen. Und das sollte man auch nicht, zumal auch Heuer-Fernandes zuletzt ohne zu murren seine Situation angenommen und im Training immer Vollgas gegeben hatte. Auf der anderen Seite darf sich Heuer-Fernandes am Ende auch nicht beschweren, wenn er eine weitere Saison auf der Bank verbringt.

Gleiches gilt natürlich für die Feldspieler, wo mit Khaled Narey, David Kinsombi, Jeremy Dudziak und vor allem Gideon Jung einige Spieler schon gesagt bekommen haben, dass sie den Verein verlassen dürften. Nach den Abgängen von Terodde, Hunt und  Ulreich würde das einen erneuten Komplettumbruch bedeuten. Zumal mit Jonas David (soll verliehen werden) sowie den Verkaufskandidaten Josha Vagnoman und Amadou Onana weitere Spieler vor ihrem Absprung stehen.

Ob das gut ist?

Sicher nicht. Und morgen werdet Ihr einen sehr schönen Gastbeitrag lesen können, der sich mit diesem Thema (Konstanz in der Startelf) beschäftigt. Und auch ich kann schon jetzt sagen, dass der HSV zwar viel davon spricht, etwas aufzubauen – dass er das aber mitnichten einhält. Hier werden keine Mannschaften entwickelt sondern kurzfristig Personal ausgetauscht. Die einzige Konstante ist die Inkonstanz. Und DAS muss sich ändern. Hier muss der HSV lernen, dass nicht immer Trainer und/oder Spieler zu schlecht sind, wenn etwas mal nicht funktioniert. Im Gegenteil: Manchmal zahlt sich der längere Atem positiv aus. So, wie in den letzten Jahren bei Mannschaften wie Paderborn, Bielefeld, Bochum und Co. Aber auch dazu werdet Ihr morgen in dem sehr gelungenen Gastbeitrag etwas lesen können.

Und bevor ich diesen Blog beschließen, möchte ich an dieser Stelle noch einmal mein ganz großes Kompliment allen denen machen, die am Erfolg der U21 beteiligt waren. Josha und Stephan Ambrosius natürlich ganz vorneweg. Aber dieser EM-Titel hat mit noch einmal bewiesen, dass nicht zwingend die besten Einzelspieler am Ende den Titel holen, sondern die, die als Team funktionieren. Und so wenig ich verstehe, weshalb der HSV einen Spieler wie Niklas Dorsch – er war Thema beim HSV, wurde aber nie konsequent angegangen – nicht nach Hamburg zu holen versuchte, so überragend war dieser in einer geschlossen starken Mannschaft, die die Messlatte für unsere A-Nationalelf mächtig hoch gehängt hat.

Als ich hier vor ein paar Wochen die bevorstehende Trainerrochade mit Marsch zu RB Leipzig  Nagelsmann dafür zum FC Bayern und Flick zum DFB aufgemacht hatte, habe ich mich auch lange mit einem uns allen bekannten Fußballfachmann unterhalten, der gewarnt hatte, dass Flick vielleicht nicht die beste Wahl sein könnte. Konkreter nannte er sogar Stefan Kuntz als seinen Wunschkandidaten – und ich weiß nicht erst jetzt, warum er das gesagt hat.

Hoffentlich hat der HSV genau hingesehen

Egal wie, ich kann nur hoffen, dass sowohl der neue DFB-Trainer als auch Tim Walter (sowie alle anderen sportlich Verantwortlichen bei DFB und HSV) genau hingesehen haben, wie man als vermeintlich nicht bestbesetztes Team einen Titel verdient gewinnen kann. 

Von daher auch hier noch einmal: Meinen allerherzlichsten Glückwunsch und Hochachtung vor dieser Leistung, liebes Team der deutschen U21-Nationalmannschaft…!!

Bis morgen,

Scholle

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