Analyse

Letzter Akt für den HSV: Polzin und Co. wollen die Meisterschale nach Hamburg holen

Nach sieben langen Jahren Zweitklassigkeit ist der HSV zurück in der Bundesliga – und der Aufstieg wurde mit einer ausgelassenen Party gefeiert. Die Spieler bekamen nach dem…

Letzter Akt für den HSV: Polzin und Co. wollen die Meisterschale nach Hamburg holen

Nach sieben langen Jahren Zweitklassigkeit ist der HSV zurück in der Bundesliga – und der Aufstieg wurde mit einer ausgelassenen Party gefeiert. Die Spieler bekamen nach dem 6:1-Triumph gegen den SSV Ulm, der den direkten Aufstieg perfekt machte, satte vier Tage frei. Doch als Robert Glatzel und Co. am Donnerstag erstmals wieder den Trainingsplatz am Volkspark betraten, empfing sie ein lautstarkes Spalier aus mehreren hundert jubelnden Fans – Gesänge, Applaus und anhaltende Euphorie, die am Sonntag in Fürth mit einem Sieg und der Zweitliga-Meisterschaft gekrönt und am Montag mit einem großen Empfang im Rathaus samt Autokorso und Runde um die Binnenalster abgeschlossen werden soll.

Auch Ex-Trainer Steffen Baumgart gratulierte seinem Nachfolger Merlin Polzin: „Wir sollten uns freuen, dass der HSV wieder da ist. Ein gefühlter Erstligist kehrt zurück.“ Baumgart hatte selbst vergeblich versucht, den Traditionsverein zurück ins Oberhaus zu führen, zeigte sich nun aber versöhnlich. Weitere Glückwünsche kamen unter anderem von Fabian Hürzeler, mittlerweile Trainer bei Brighton in der Premier League.

Beim letzten Saisonspiel bei Greuther Fürth geht es für den HSV nicht nur um Prestige, sondern auch um den Zweitliga-Meistertitel. Zwar könnte der 1. FC Köln rechnerisch noch vorbeiziehen, doch der HSV hat es in der eigenen Hand. Die Partie in Fürth verspricht höchste Intensität, denn für die Franken geht es noch ums sportliche Überleben. Der Tabellen-14. könnte bei ungünstigem Verlauf noch in die Relegation rutschen. HSV-Trainer Merlin Polzin betonte: „Wir wollen unbedingt das Spiel am Sonntag gewinnen, um dann auch wirklich als Erster die Saison abzuschließen.“

Und ich weiß, dass es nicht wenige gibt, die daran nicht glauben. Einige wenige würden es sogar nachvollziehen können, wenn der HSV nicht mehr den Fokus für das Spiel hätte, der ihn in dieser Saison zum Aufstieg verholfen hat. „Das ist totaler Blödsinn“, widerspricht unser Ex-Profi und Experte Stefan Schnoor im neuen „Gegner-Check“-Video. „Jeder Fußballprofi will Titel und Trophäen gewinnen. Ich bin mir sicher, dass diese HSV-Mannschaft unter diesem Trainerteam jetzt auch diese hässliche Schale holen will und für den Gewinn der Meisterschaft noch mal alles raushauen wird!“

Eine Meisterehrung im Stadion wird es allerdings nicht geben. Die DFL teilte mit, dass aus Sicherheitsgründen in Fürth keine Übergabe der Schale möglich ist. Stattdessen wird die Trophäe – sollte der HSV die Meisterschaft holen – am Montag im Rahmen des Senatsempfangs im Hamburger Rathaus übergeben. Zehntausende Fans werden in der Innenstadt erwartet. Nach dem Empfang beim Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher zieht die Mannschaft auf großen Eventtrucks eine Runde um die Binnenalster. Trainer Polzin: „Der Montag wird sicherlich unvergesslich für uns alle. Für uns als Hamburger Jungs ist es etwas ganz Besonderes, wenn man ins Rathaus eingeladen wird, wo man früher mit der Schulklasse einen Ausflug hingemacht hat.“

Individuell wurde Davie Selke von den Fans zum „Spieler der Saison“ gewählt. Der Angreifer führt mit 22 Saisontoren die Torschützenliste an und will sich in Fürth auch noch die Torjägerkanone sichern. Trotz sportlicher Erfolge muss Selke aktuell auch private Sorgen verarbeiten: Während der Aufstiegsfeierlichkeiten wurde in seine Wohnung eingebrochen. Zudem ist seine sportliche Zukunft offen – Gespräche mit dem HSV sollen nach dem Saisonfinale folgen.

Sportlich bleiben zum Saisonfinale noch Fragen offen. Immanuel Pherai (Sprunggelenk), Denis Hadzikadunic und Tom Mickel werden fehlen. Ransford Königsdörffer trainierte zuletzt individuell, sein Einsatz ist offen. Bakery Jatta und Aboubaka Soumahoro stehen nach Verletzungen wieder vor dem Comeback.

Und dann beginnt der Blick nach vorn. Der HSV steht vor einem intensiven Transfersommer. Es gilt, einen erstligatauglichen Kader aufzustellen. Laut „Sky Sports“ soll unter anderem der schottische Rechtsverteidiger Max Johnston von Sturm Graz im Fokus stehen. Sein Marktwert liegt bei 1,8 Millionen Euro, Konkurrenz kommt aus der Bundesliga und aus England. Über ihn, den aktuellen Kader und die Notwendigkeiten für die neue Saison werde ich in der kommenden Woche nach Saisonende mit unserem Chef-Analysten Mats Beckmann länger sprechen und schauen, welche Spieler dem HSV helfen würden.

Fest steht: Der HSV ist zurück – sportlich, emotional und bald auch wieder auf großer Bühne. Das Wochenende in Fürth wird zeigen, ob der neue HSV auch den Schlusspunkt souverän setzen kann. Und der Montag mit dem Rathausbalkon und der Binnenalster-Parade wird zum endgültigen Symbol für eine Stadt, die ihren HSV wieder feiern darf. Am besten mit der Schale...
In diesem Sinne,

Scholle


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