Letzte Woche Transferphase: HSV unter Druck – Kaderumbau alternativlos
Die letzte Woche der Wintertransferphase fühlt sich beim HSV gerade an wie dieses Derby am Millerntor: kalt, zäh – und trotzdem voller Bedeutung. Nur, dass man sich diesmal…

Die letzte Woche der Wintertransferphase fühlt sich beim HSV gerade an wie dieses Derby am Millerntor: kalt, zäh – und trotzdem voller Bedeutung. Nur, dass man sich diesmal nicht hinter einem 0:0 verstecken kann. Denn das Stadtderby gegen St. Pauli hat nicht nur gezeigt, wie stabil diese Mannschaft inzwischen verteidigt. Es hat vor allem brutal offengelegt, was vorne fehlt. Und genau deshalb ist jetzt Handeln Pflicht. Nicht irgendwann. Nicht im Sommer. Sondern jetzt – in diesen letzten Tagen, in denen der Markt noch offen ist und Fehler später nicht mehr zu korrigieren sind.
Der HSV muss seinen Kader zwingend korrigieren. Und zwar in doppelter Hinsicht.
Zum einen geht es darum, Spieler abzugeben, die beim HSV offensichtlich keine Perspektive mehr haben – die nicht mal mehr für den Kader reichen, egal wie dürftig die Offensive auftritt. Das ist hart, aber es ist Realität. Ein Beispiel dafür ist Immanuel Pherai. Einer der wenigen, der überhaupt weiß, wie sich ein Tor im Stadtderby anfühlt. Und trotzdem stand er am Freitagabend nicht mal im Aufgebot. Nicht verletzt, nicht angeschlagen, einfach draußen. Merlin Polzin hat lieber zwei Außenverteidiger auf die Bank gesetzt, die am Ende nicht mal eingewechselt wurden – und genau das ist das Signal, das Pherai offenbar endgültig verstanden hat: Er hat beim HSV keine echte Perspektive mehr.
HSV nach St. Pauli-Derby unter Transferdruck – Kader muss korrigiert werden
Die Konsequenz: Pherai plant den Blitzabgang. Verkauf oder Leihe – beides ist möglich, beides muss jetzt zügig entschieden werden. Denn wenn ein Spieler, der seit Monaten fit ist, in einer Phase ohne Durchschlagskraft vorn trotzdem keine Rolle spielt, dann ist die Sache im Grunde schon entschieden. Und ja, das tut weh. Aber es ist auch ein klarer Schnitt. Einer, der am Ende sogar helfen kann, weil er Gelder freimacht. Denn in dieser Transferwoche geht es nicht darum, den Kader „irgendwie hübscher“ zu machen. Es geht darum, die Chancen auf den Klassenerhalt zu erhöhen. Alles andere ist Nebensache.
Und als wäre diese ohnehin schon angespannte Lage nicht bitter genug, kommt jetzt die nächste Nachricht, die dem HSV in dieser Phase nochmal richtig weh tut: Alexander Røssing-Lelesiit wird uns aller Voraussicht nach bis Saisonende fehlen. Der 19-Jährige hat sich im Derby bei einem Foul von Adam Dzwigala einen hochgradigen Riss der Syndesmose im rechten Sprunggelenk zugezogen. Der Verein spricht davon, dass er „mehrere Monate nicht zur Verfügung stehen“ wird – und wenn man ehrlich ist, klingt das verdammt nach einem frühen Saison-Aus. Am Montag folgen weitere Untersuchungen, danach wird entschieden, ob sogar eine Operation nötig ist.
Das ist nicht nur menschlich extrem bitter, weil der Junge gerade erst dabei war, sich einen Platz zu erarbeiten – es ist auch sportlich ein harter Schlag. Røssing-Lelesiit hat in dieser Saison seine ersten Bundesliga-Spiele gemacht, sogar schon eine Vorlage geliefert, und im Dezember wurde sein Vertrag langfristig verlängert. Das war ein klares Zeichen: Der HSV sieht in ihm eine echte Zukunftsoption. Und jetzt fällt diese Option, die gerade in so einem engen Kadergefüge wichtig ist, mit hoher Wahrscheinlichkeit monatelang weg.
Røssing-Lelesiit verletzt – HSV verliert Offensiv-Option und muss handeln
Heißt im Klartext: Dem HSV fehlt damit eine weitere Offensiv-Option auf außen – und zwar genau in dem Moment, in dem sowieso schon jede Idee und jede Alternative in der Offensive fehlt. Und ja, natürlich stellt sich damit die Frage noch schärfer als vorher: Muss jetzt ein neuer Außenspieler kommen? Für mich ist die Antwort eindeutig: Ja. Wenn du ohnehin schon das Gefühl hast, dass du vorne zu wenig hast – und dir dann auch noch eine junge, frische Option wegbricht, dann ist „abwarten“ keine Strategie mehr. Dann ist es Risiko. Und Risiko können wir uns im Abstiegskampf nicht leisten.
Zum anderen – und das ist der größere, entscheidende Punkt – muss der HSV personell nachlegen. Und zwar auf mindestens zwei Positionen: auf der offensiven Außenbahn und im Mittelsturm. Das ist keine Wunschliste mehr, das ist eine Notwendigkeit.
Du kannst noch so stabil stehen, du kannst noch so sauber verteidigen, du kannst noch so viele Spiele kontrollieren – wenn du vorne keine Qualität hast, um aus deiner Stabilität Punkte zu machen, dann bleibt dir am Ende nur Frust. Genau das haben wir in dieser Saison bereits gesehen. Der HSV hat sich defensiv verbessert, wirkt insgesamt reifer, verliert weniger die Kontrolle – aber er belohnt sich nicht. Weil vorne die Durchschlagskraft fehlt. Weil in den entscheidenden Momenten entweder die falsche Entscheidung getroffen wird oder die letzte Konsequenz einfach nicht da ist.
HSV braucht Stürmer und Flügelspieler – Offensive entscheidet den Klassenerhalt
Und deshalb darf es jetzt für die Sportdirektion nur eine einzige Aufgabe geben: diesen Kader so zu korrigieren, dass er erstligatauglich wird. Nicht irgendwann. Jetzt.
Parallel dazu läuft die zweite große Baustelle: das Verkleinern des Kaders. Auch hier bewegt sich etwas – und das ist grundsätzlich richtig. Silvan Hefti steht unmittelbar vor dem Abgang in die USA zu D.C. United. Ein Spieler, der in dieser Saison nicht ein einziges Mal im Kader stand, der im Training seit Monaten in einer Sackgasse steckt und der beim HSV sportlich keine Zukunft mehr hatte. Genau solche Personalien musst du lösen. Nicht, weil es Spaß macht, Leute loszuwerden – sondern weil es notwendig ist, um Struktur, Klarheit und finanzielle Luft zu schaffen.
Und ja, das Modell ist typisch Fußballgeschäft: kleine Ablöse, ein Teil fließt in eine Abfindung, um das niedrigere Gehalt in den USA auszugleichen. Am Ende spart der HSV Gehalt, der Spieler bekommt eine neue Chance, alle Seiten kommen raus aus einer Situation, die längst festgefahren war. Das ist ordentlich gemacht. Aber es ist eben nur der erste Teil der Arbeit.
Hefti vor Wechsel – HSV verkleinert Kader und schafft Budget für Transfers
Denn Abgänge allein retten dich nicht.
Du kannst den Kader noch so schlank machen – wenn du am Ende nicht die Qualität vorne reinholst, wirst du weiter Spiele wie dieses Derby erleben: viel Ball, viel Kontrolle, wenig Gefahr, null Tore. Und dann wird es irgendwann nicht mehr 0:0 heißen, sondern 0:1. Und du stehst da und sagst dir: „Tja.“ Nur dass dieses „Tja“ dann richtig weh tut.
Was mich zusätzlich nervt: Dass wir wieder an dem Punkt sind, an dem wir Spieler abgeben müssen, ohne wirklich nennenswerte Ablösesummen zu generieren. Man hat es wieder verpasst, rechtzeitig Werte zu schaffen oder Spieler zu verkaufen, bevor sie komplett aus dem sportlichen Raster fallen. Das ist das eine.
HSV-Transferphase: Abgänge ja – aber ohne Einnahmen wird es gefährlich
Das andere ist: Der HSV war bereit, rund drei Millionen Euro für einen neuen Keeper zu investieren – und ja, man kann darüber diskutieren, ob das sinnvoll war. Aber dass man dieses Geld in die Defensive steckt und gleichzeitig in der Offensive noch keine Lösung präsentiert hat, darf nicht das Ende der Veranstaltung sein. Das kann es einfach nicht sein. Wenn du dich entscheidest, so viel Geld in eine Position zu stecken, die bisher nicht dein Hauptproblem war, dann musst du vorne erst recht liefern. Sonst hast du am Ende zwar einen sicheren Rückhalt, aber vorne immer noch keinen, der dir Spiele gewinnt.
Und ich bleibe dabei: Dieses Geld – und noch ein bisschen mehr – musst du jetzt investieren. In Tempo auf außen. In einen Mittelstürmer, der diesen Namen verdient. In Qualität. In jemanden, der aus einer halben Chance ein Tor macht. In einen, der in einem zähen Spiel wie am Millerntor die eine Szene bekommt und sie nicht wegwirft, sondern reinmacht.
Denn das ist der Unterschied zwischen „guter Ansatz“ und „Klassenerhalt“.
HSV muss in der Offensive investieren – sonst droht der Abstieg
Und wenn die Sportdirektion diese Aufgabe in dieser letzten Transferwoche nicht gelöst bekommt, dann hat sie ihren Job mal wieder verfehlt. Ganz einfach. Jahrelang war es in der zweiten Liga die Defensive, die man vernachlässigt hat - das ist diesmal anders. Da steht man ordentlich. Da ist vieles stabil. Aber wenn man jetzt wieder die falsche Seite vergisst, wird es am Ende genauso bitter.
Diesmal wäre es die Offensive.
Und am Ende gilt der Satz, für den man eigentlich ins Phrasenschwein einzahlen müsste – der aber leider trotzdem zu 100 Prozent stimmt: Nichts ist teurer als der Abstieg.
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