Leistners Aussortierung sorgt für Diskussionen beim HSV
Dass seine Personalie öffentlich zu Diskussionen führen würde, war allen Beteiligten schon klar, als sie angefangen haben, darüber selbst zu diskutieren. Toni Leistner ist in…

Dass seine Personalie öffentlich zu Diskussionen führen würde, war allen Beteiligten schon klar, als sie angefangen haben, darüber selbst zu diskutieren. Toni Leistner ist in der Innenverteidigung des HSV nicht nur der erfahrenste Spieler – er ist auch einer der Fan-Lieblinge. Die Wochen ohne ihn in der Vorsaison waren (meiner Meinung nach) ausschlaggebend für den Nichtaufstieg – und in dieser Saison steht man defensiv alles andere als stabil dar. Trotzdem hat die sportliche Leitung jetzt beschlossen, den letzten Säulenspieler der Vorsaison auch noch abzugeben. Und dieser quittierte das mit einem saftigen Post bei Instagram. Aber ich verzichte an dieser Stelle darauf, selbigen zu zitieren, da Leistner selbst versichert haben soll, dass sein Account gehackt wurde. Klingt unwahrscheinlich – aber auch hier gilt: im Zweifel für den Angeklagten.
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Ich weiß, dass viele von Euch hier ein klares Ja oder Nein zum Leistner-Abgang von mir bekommen wollen. Aber das funktioniert nicht. Und ich werde auch nicht den Fehler machen, populistisch zu urteilen, nur um der Meinung der Masse zu entsprechen. Dass diese ohne jeden Hintergrund urteilend ihrer Sympathie folgt ist nachvollziehbar. Und ginge es allein danach, würde ich Leistner auch halten. Denn ich mag seine Art. Auch sportlich halte ich Toni Leistner für einen Typ Spieler, der in dieser Saison beim HSV wichtig werden kann. Nicht sofort, da aktuell Sebastian Schonlau und Jonas David dabei sind, sich einzuspielen/zu finden.
Und obgleich der junge David zuletzt mit einem Stellungsfehler gegen den FC St. Pauli sowie dem verschuldeten Foulelfmeter gegen Darmstadt unglücklich agierte, liegt es meiner Meinung nach weniger an der Innenverteidigung, dass der HSV bereits sieben Gegentore in vier Spielen kassiert hat. Vielmehr liegt es am noch immer nicht angenommenen Spielsystem. Denn die Balance – ich weiß gar nicht, wie oft ich das jetzt schon geschrieben habe – zwischen mutiger Offensive und stabiler Defensive tendiert derzeit fast ausschließlich zu mutiger Offensive auf Kosten der stabilen Defensive.
Die Innenverteidiger werden nicht selten sogar von den beiden Außenverteidigern allein gelassen. So besonders auffällig im Stadtderby. Dennoch konnten sie zuletzt mit sehr gutem Stellungsspiel (Schonlau) und gutem Tempo (David) sogar noch mehr Gegentore verhindern. Aber: Erst, wenn hier die Außenverteidiger und das Mittelfeld schnell genug mit umschalten, werde ich wirklich beurteilen, wie gut die Verteidiger verteidigen. Zumindest werde ich bei diesem provozierten Unterzahlspiel defensiv nicht die einzig defensiv agierenden Verteidiger als Schuldige herbeiziehen. Im Gegenteil. Ich behaupte aber, dass dieses riskante Spiel unter Walter mit dem zweifellos erfahrenen, aber eben nicht besonders wendigen und noch weniger schnellen Leistner noch deutlich mehr Gegentore verursachen würde.
Walter setzt insgesamt auf schnelleres Spiel, was nicht zwingend Leistners erste Qualität ist. Auch deshalb hat man Leistner jetzt klargemacht, dass er gehen könne. Ein schleichender Prozess, der lange absehbar war und jetzt finalisiert wurde. Denn schon vorher war Leistner immer wieder klargemacht worden, dass er keine Hauptrolle unter Tim Walter spielen würde. Letztes Jahr war er als Säulenspieler so mittendrin wie dieses Jahr unter Walter außen vor. Dennoch gab sich Leistner kämpferisch – nach innen, indem er nicht rummoserte. Und nach außen mit kämpferischen Posts via Instagram. Auf dem Kanal, von dem nun auch die angebliche Fake-Meldung stammt, veröffentlichte Leistner erst Montag folgendes vielsagendes Statement: „Lauf' nicht vor Herausforderungen weg. Überwinde sie.“
Leistners Posts via Instagram - zuerst real, jetzt fake?
Leistner selbst hatte seinen Kampf wider Trainer Tim Walter in Teilen jedoch schon eingestellt, als er diese Zeilen eintippte. Nach der Derby-Niederlage soll der HSV-Coach den Publikumsliebling dafür lautstark angemacht haben, dass dieser pietätlos direkt nach Schlusspfiff mit einem Spieler des siegreichen Stadtrivalen noch auf dem Platz lachte und flachste. Nächster Akt: Gegen Darmstadt saß Leistner lange noch auf der Bank , als die anderen sich aufwärmten. Und in der Halbzeitpause stand Leistner mit einem Spieler der Gäste in deren Hälfte und flachste und lachte dort, während sich alle anderen HSV-Spieler in der HSV-Hälfte warmmachten. Leistner wusste offenbar, dass er eh nicht spielen würde. Und so war es offensichtlich ja auch.
In der Beurteilung der Personalie Leistner gibt es daher deutlich mehr Faktoren einzubeziehen als die rein sportliche Seite. Ich würde Leistner aus sportlicher Sicht tatsächlich nicht abgeben, solange ich keinen entsprechenden Ersatz in der Hinterhand habe. Ob dem so ist, weiß ich allerdings nicht. Ich glaube aber, dass Leistner schon ein Spielertyp ist, der sich mit einem entsprechenden Plan und einem klaren Umgang hätte bringen lassen, die Rolle des Backups für die Innenverteidigung ein Jahr lang zu übernehmen.
Sollte er dies allerdings abgelehnt haben, wäre seine Aussortierung auch für mich alternativlos. Denn den Weg über die Ausbildung von Spielern wie David und dem im Winter (hoffentlich!) zurückkehrenden Stephan Ambrosius zu gehen, das halte ich für den einzig richtigen Weg. Und hierbei nehem ich auch noch weitere kleine David-Fehler in kauf, solange erkennbar eine Entwicklung zu erkennen ist. Zudem liegt es wie oben beschrieben auch weniger an der individuellen Leistung, sondern am System, dass man so viele Gegentore kassiert.
Womit ich einen Punkt anführen muss, der intern nur vom Sportvorstand beantwortet werden kann: Ist man beim HSV definitiv dazu bereit, en Walter-Weg konsequent weiterzugehen? Denn nichts wäre dümmer und ärgerlicher, als sich jetzt so eng an die Trainer-Ansichten zu koppeln, um dann in ein paar Wochen doch gegen ihn zu votieren und einen neuen Trainer zu holen, der Leistner vielleicht gut hätte gebrauchen können.
Ganz sicher ist allerdings, dass die sportliche Leitung des HSV sich mit dieser Entscheidung gegen Leistner noch einmal etwas mehr Arbeit für die letzten Tage der Transferphase gemacht hat. Und das ist nur konsequent, wenn man überzeugt davon ist, dass Leistner nicht mehr helfen kann. Aber im Umkehrschluss muss erkennbar werden, wie sich der HSV eine Saison ohne den Routinier vorstellt. Nur wegschicken und darauf setzen, dass der Rest das schon ausbügelt – das wird nicht reichen. Kleiner und größere Verletzungen sowie Sperren werden zu 99,9% auch diese Saison nicht ausbleiben - und darauf muss man vorbereit sein. Qualitativ wie quantitativ. Und in beiden Punkten hat man hier noch Nachholbedarf. Defensiv und übrigens auch offensiv, behaupte ich zumindest.
Leistner-Aus setzt sportlich Verantwortliche unter Zugzwang
Schon deshalb kann ich die Entscheidung, Leistner wegzuschicken, erst mit Ende der Transferfrist im kompletten Zusammenhang abschließend beurteilen. Aktuell ist sie sportlich riskant, im internen Umgang dem Vernehmen nach aber unumgänglich. Und Fakt ist: Einhergehend mit Leistners Aussortierung setzen sich Trainer und sportlich Verantwortliche unter zusätzlichen Druck, defensiv schnellstmöglich Stabilität herzustellen. Gelingt das, hatten sie einen Plan und werden Lob kassieren. Gelingt es nicht, wird man ihnen die Leistner-Aussortierung vorwerfen. Zurecht – beides.
Gänzlich unaufgeregt verlief indes die Ausleihe von Aaron Opoku an den VfL Osnabrück, die heute verkündet wurde. Der 22 Jahre alte offensive Außenbahnspieler wechselt bis zum Ende der laufenden Saison zum Fußball-Drittligisten aus Niedersachsen. „Aaron Opoku stand auf unserer Wunschliste für den gesuchten Außenbahnspieler ganz oben“, wird Osnabrücks Sportdirektor Amir Shapourzadeh in einer Vereinsmitteilung am Dienstag zitiert. „Er ist schnell, stark im Eins gegen Eins, kreiert Überraschungsmomente und erzielt Tore.“
Opoku war vom HSV zuletzt bereits an Jahn Regensburg und zuvor an den FC Hansa Rostock verliehen gewesen. Für Regensburg erzielte er in der vergangenen Spielzeit in der 2. Bundesliga in 21 Partien ein Tor. Opoku hat in Hamburg noch einen Vertrag bis zum Sommer 2024. „Für seine weitere Entwicklung ist der Faktor Spielpraxis elementar, so dass wir gemeinsam entschieden haben, ihn an den VfL Osnabrück zu verleihen“, sagte HSV-Sportdirektor Michael Mutzel, der die nächsten sieben Tage wenig Zeit zum Schlafen haben wird. Zumindest würde mich der noch sehr unfertige Kaderzustand nicht ruhig schlafen lassen.
Andererseits hatte ich in den letzten Jahren immer auch Antworten von den Beteiligten auf lange offene Fragen bekommen. Zumindest hatten sich Boldt, Mutzel und Co. in den letzten Jahren nie viel aus öffentlicher Kritik gemacht, solange sie einen Plan hatten. Und ich hoffe, dass sie diesen aktuell auch haben. In etwas besser als zuletzt bitte….
In diesem Sinne, ich melde mich morgen früh weder bei Euch. Dann mit dem MorningCall, den ich Euch nach Soundcloud jetzt auch via Spotify und Co. anbieten kann. Den entsprechenden Link werde ich Euch morgen früh hier in den Blog integrieren. Am Abend wird es dann den Communitytalk geben. Bis dahin Euch allen einen schönen Rest-Dienstag,
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