Spielbericht

Lautstarker Zoff zwischen Kuntz und Hrubesch? Glatzel ist wieder im Training

Das sind doch mal schöne Bilder: Robert Glatzel trainierte heute wieder mit der Mannschaft. Dass es noch einige Zeit dauern wird, bis er wieder einsatzfähig ist, ist klar. Aber…

Lautstarker Zoff zwischen Kuntz und Hrubesch? Glatzel ist wieder im Training

Das sind doch mal schöne Bilder: Robert Glatzel trainierte heute wieder mit der Mannschaft. Dass es noch einige Zeit dauern wird, bis er wieder einsatzfähig ist, ist klar. Aber Glatzel nach dessen schwerer Verletzung wieder auf dem Platz und am Ball zu sehen, freut mich – für ihn, für den HSV und für alle Anhänger. Darüber hinaus waren auch Aboubaka Soumahoro und Fabio Baldé wieder bei der Mannschaft. Immanuel Pherai und Matheo Raab haben individuell trainiert, ebenso wie Marco Richter, der im Spiel in Regensburg im Rasen hängengeblieben war und einen Schlag abbekam.

Aber zurück zu Glatzel, der sich nach der Einheit heute fast ein wenig euphorisch äußerte: „Unglaublich schön. Heute Morgen, als ich aufgewacht bin – gestern schon – habe ich mich riesig darauf gefreut. Es war einfach richtig schön, auch wenn es nur ein bisschen war, wieder mit den Jungs auf dem Platz zu stehen“, sagte er den Kollegen vor Ort, nachdem er 30 Minuten lang voll mittrainiert hatte, um im Anschluss daran noch weiter individuell mit seinen angeschlagenen Kollegen Pherai und Raab bei Reha-Coach Sebastian Capel zu arbeiten. Glatzel absolvierte zunächst ein paar intensivere Läufe und Sprints, um dann mit dem Ball noch ein paar spielnahe Übungen (Drehungen, Auftaktbewegungen und Schüsse auf ein kleines Tor) zu machen. „Es ist so einfach ein anderes Gefühl, als mit Ball nur alleine zu trainieren. Es hat mich unglaublich gefreut.“ Und das gilt nicht nur für ihn…

Kuntz und Hrubesch diskutieren lautstark die HSV-Nachwuchsstrategie

Anders ist es beim Nachwuchs. Hier gibt es aktuell wenig Grund zur Freude. Im Gegenteil: Zuletzt wurde es dem vernehmen laut – richtig laut sogar –, als HSV-Sportvorstand Stefan Kuntz seinen HSV-Nachwuchschef Horst Hrubesch in einem Gespräch zurechtgewiesen haben soll. Hrubesch hatte zuvor bei der sportlichen Leitung der Profis immer wieder insistiert, man möge doch endlich auf den eigenen Nachwuchs setzen, anstatt teure Spieler von außen einzukaufen – erfolglos, obgleich das Trainerteam bereit war, den Hrubesch-Weg über die eigenen Talente mitzugehen. Auf Trainerebene hatte man sich meinen Infos nach dafür starkgemacht, je nach Möglichkeit einen oder mehrere Spieler zu holen, die als Soforthilfen zu sehen sind.

Dominik Prpic war hier als Innenverteidiger angedacht. Der Kroate wurde Kuntz und Co. allerdings am Ende zu teuer, als der abgebende Klub Hajduk Split mehr als sechs Millionen Euro Ablösesumme forderte. Und diese Entscheidung ist sicherlich nicht falsch. Sechs Millionen Euro Ablösesumme zu bezahlen, ist normalerweise zu viel für einen Zweitligisten. Da man allerdings im Gegenzug eben jene Summe trotzdem ausgab – nämlich für zwei Youngster –, muss hier zumindest die Frage erlaubt sein, welcher bzw. welche Transfers am besten gewesen wären.

Und hierbei ist man sich beim HSV bis jetzt offensichtlich hörbar uneinig. Viele behaupten – unter anderem hat das ja auch unser Chefanalyst Mats Beckmann so formuliert –, dass die sechs Millionen Euro in Prpic schnell hätten vervielfacht werden können, da dessen Profil auf dem Spielermarkt höchst selten ist und gesucht wird. Mit anderen Worten: Ohne besondere Vorkommnisse hätte man den Marktwert Prpics wohl steigern und ihn ggf. später teurer verkaufen können. Dennoch: Bei einem aktuellen Marktwert von 2,5 Millionen Euro sechs Millionen Euro Ablösesumme zu zahlen, wäre schwer vermittelbar gewesen. Zumal dann, wenn sich Prpic – wie die beiden 6-Mio-Youngster beim HSV – schwergetan hätte und keine Soforthilfe gewesen wäre.

NLZ zu ineffektiv - oder wird die Entwicklung geblockt?

Uneinig ist man sich ebenso, was den Output aus dem eigenen Nachwuchsleistungszentrum betrifft, das den HSV jährlich eine stattliche Millionensumme kostet. Auch zwischen Kuntz und Hrubesch herrscht hier keine Einigkeit. So soll eines der Themen in dem am Ende sehr lautstarken Gespräch die Klub-Philosophie gewesen sein, deren Entwicklung HSV-Idol Hrubesch anprangerte. Denn während er sich selbst immer wieder Kritik am NLZ und dessen Output nach oben – also seiner Kernaufgabe – gefallen lassen muss, soll sich Hrubesch seinerseits schon seit einiger Zeit unzufrieden mit der Durchlässigkeit des eigenen Nachwuchses geäußert haben.

Logisch, diese Durchlässigkeit beinhaltet verschiedene Komponenten, die stimmen müssen. Der Spieler muss zum einen das Potenzial haben, Zweite Liga zu spielen – und der amtierende Trainer muss den Mut aufbringen, ihm diese Spielzeit zu geben und ihn aufzubauen. Mit Polzin und Loïc Favé, den Hrubesch maßgeblich mit zum HSV lotste, stehen derzeit zwei Coaches bei den Profis an der Linie, die diese Durchlässigkeit verbessern wollen und beide über einen sehr guten Überblick bezüglich der eigenen Talente verfügen. Auch Hrubesch, der die U17 (2009) und die U19 (2008) des DFB zu EM-Titeln führte, sollte man dieses Auge zutrauen. Vor allem aber hat Hrubesch erkannt, dass die Tatsache, dass den Cheftrainern drei Youngster von außen für viel Geld dazugeholt wurden, es nicht leichter macht, den eigenen Nachwuchs zu fördern. Im Gegenteil: Die drei neuen Youngster verschlechtern eher die Chancen für den eigenen Nachwuchs.

Denn eines ist klar: Claus Costa und Stefan Kuntz müssen die in die drei jungen Nachwuchsspieler investierten Millionen rechtfertigen. Oder anders formuliert: Die jungen Neuen müssen spielen – im Zweifel eher als die eigenen Nachwuchskräfte. Ansonsten stehen die sportlich Verantwortlichen Kuntz und Costa schlecht da. Denn Fakt ist: Sollten sich diese Millionen nicht als erfolgreiche Investition entpuppen, wird es ungemütlich. Für Kuntz – aber auch für Costa. Dessen Vertrag läuft am Saisonende aus. Und bislang wurde er noch nicht verlängert. Ein derart teures Missverständnis könnte sein Aus beim HSV bedeuten.

Hrubesch fordert Vertrauen für eigenen Nachwuchs statt teurer Einkäufe

Hrubesch indes ist das egal, wie ich gehört habe – ob die jungen Neueinkäufe gerechtfertigt werden müssen oder nicht. Der einstige Weltklasse-Torjäger muss sich seit einer Weile schon die Kritik gefallen lassen, dass zu wenige Spieler aus der eigenen Jugend den Weg zu den Profis schaffen. Hierbei ergibt sich aus den jüngsten Transfers sowie der parallelen Entwicklung von Spielern wie Yalcinkaya, Oliveira, Agyekum, Baldé und allen voran Otto Stange ein Bild, das selbst mich an einer gemeinsamen Philosophie der Verantwortlichen bei Profis und Nachwuchs zweifeln lässt.

In diesem Sinne hoffe ich, dass sich Kuntz und Hrubesch so zusammenraufen, dass sie im Sinne des HSV miteinander arbeiten. Denn beide gegangenen Wege haben ihre Berechtigung – sie haben nur unterschiedliche Zeiten, in denen sie gegangen werden sollten. Aktuell hätte der HSV meiner Meinung nach eine oder mehrere Soforthilfen gebraucht. Der Franzose Aboubaka Soumahoro soll das sein können – wenn er fit ist. Und das wäre auch notwendig. Der junge Norweger Alexander Røssing-Lelesiit wurde indes eindeutig als Investition in die Zukunft geholt, während Adedire Mebude bislang sehr stark an Fabio Baldé erinnert. Ich muss zugeben, bei aller berechtigter Kritik am mangelhaften Output beim NLZ der letzten Jahre – ich kann Hrubesch in diesem Fall verstehen…

Oder wie sehr Ihr das? Hättet Ihr es Kuntz und Costa gleichgetan, oder hättet Ihr eher die Soforthilfe genommen und auf die eigenen Talente gesetzt?

In egal welchem Fall wünsche ich Euch jetzt erst einmal einen schönen Champions-League-Abend mit einer TV-Empfehlung meinerseits: Ab 21.20 Uhr könnt Ihr auf Pro7 eine Doku über die letzten Tage vor der Wahl von Bundeskanzler Olaf Scholz sehen. Hierfür durfte mein Freund und Doku-Experte Michael Maske über Wochen den Bundeskanzler hautnah begleiten. Ich bin mir sicher, dass das richtig interessant wird…

Bis morgen!

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