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Last-Minute-Transfers, große Namen – und erste Trainingseindrücke

gestern ging es beim HSV noch mal richtig zur Sache. Man verpflichtete zwei Spieler und gab zwei Spieler zur Leihe ab. Ich weiß nicht, wie es bei euch war, aber ich musste alle…

Last-Minute-Transfers, große Namen – und erste Trainingseindrücke

Moin,

gestern ging es beim HSV noch mal richtig zur Sache. Man verpflichtete zwei Spieler und gab zwei Spieler zur Leihe ab. Ich weiß nicht, wie es bei euch war, aber ich musste alle 5–10 Minuten auf dem Handy nachschauen, was so auf dem Transfermarkt passiert.

Der HSV schlug zwei Mal beim FC Arsenal zu. Der HSV holte in der letzten Zeit häufiger mal Spieler aus der Premier League und auch von Arsenal. Claus Costa sagt heute in der Medienrunde, dass die Verbindung zum FC Arsenal sehr spontan war und man nicht bewusst in London geschaut habe. Man habe beide Spieler auf dem Zettel gehabt, vor allem aber sei bei Vieira der Transfer lange eher unwahrscheinlich gewesen.

Deadline Drama enthüllt gute Transfers

Es ist ja nun mal so, dass solche Transfers wie der von Vieira meistens erst kurz vor Schluss geschehen. Im Vorhinein wird immer viel gesprochen und es kommen Gerüchte auf. Wenn ein Spieler aber auf der Streichliste steht und bis zum letzten Tag kein Top-Angebot mehr kommt, ist es möglich, auch als Aufsteiger solche Transfers zu landen.

Das habe ich persönlich jetzt auch aus diesem Transferfenster mitgenommen. Ich habe im letzten Blog geschrieben, dass es eigentlich unmöglich ist, am letzten Tag einen Spieler zu bekommen, der qualitativ und charakterlich optimal in die Mannschaft passt.

Den Charakter der beiden Neuzugänge kann ich aktuell noch nicht bewerten, aber qualitativ haben mich Kuntz, Costa und das Transferteam eines Besseren belehrt.

An dieser Stelle möchte ich für die beiden Transfers ein Lob aussprechen. Auf dem Papier hat der HSV hier zwei gute Jungs zu günstigen Konditionen verpflichtet. Beide haben, sofern sie durchstarten, auch ein Potenzial auf Marktwertsteigerung und beide sollten Stammspieler sein. Zumindest auf dem Papier. Was auf dem Feld passiert, kann man nicht vorhersehen. Zum aktuellen Zeitpunkt scheinen das aber sehr gute Transfers für den HSV zu sein.

Lokonga vereint Passspiel und defensive Qualität

Ich hatte ja auch bereits etwas über Lokonga geschrieben, zu dem Zeitpunkt konnte man aber noch nicht davon ausgehen, dass der HSV noch Vieira holt.

Damals sagte ich, dass Lokonga wahrscheinlich nicht derjenige ist, der das offensive Spiel auf ein neues Level hebt. Wenn ich mir nun aber die Kombination mit Vieira anschaue, macht der Transfer deutlich mehr Sinn und mittlerweile finde ich ihn sogar sehr gut. Denn Lokonga hat ein gutes Passspiel und zudem besitzt er die Abräumer-Qualitäten, die ein 6er benötigt. Ich würde ihn den Berichten zufolge als tiefstehenden Spielmacher bezeichnen. Einer, der die Bälle erobert und sie auf die kreativen Spieler wie Dompe und Vieira bringt.

Ich habe ihn heute im Training beobachtet. Es wurde eine 7-gegen-7-Spielform auf engem Raum gespielt und, sofern ich mich nicht verzählt habe, hat Lokonga in dieser Spielform jeden Pass an den Mann gebracht. Auch in den weiteren Trainingsformen war sein Passspiel sehr gut. Ich hatte das Gefühl, dass ihm der Gegnerdruck überhaupt nichts ausmacht. Jeder Kontakt war gut. Für das erste Training hat er mich spielerisch überzeugt. Defensiv war noch nicht ganz so viel von ihm zu sehen. Man muss hier anmerken, dass das natürlich nur das erste Training war und viele Spieler zudem auf Länderspielreise sind. Dennoch ein erster guter Vorgeschmack auf das, was hoffentlich noch kommt.

Wenn Lokonga das mitbringt, was man von ihm erwarten kann, ist er definitiv einer, der das HSV-Spiel voranbringt. Wie gesagt, sicherlich keiner, der 4–5 Mal durchbricht und offensiv gute Aktionen macht, aber jemand, der die offensiven Aktionen einleiten kann. 
Bei Lokonga muss man natürlich ansprechen, dass er häufiger verletzt war, aber sofern er fit bleibt, gehe ich mit Scholle’s Analyse mit und sage, dass Lokonga ein Upgrade für den HSV ist.

Fabio Vieira- Der gesuchte Spielmacher

Gleiches gilt natürlich auch für Fabio Vieira. Als ich diesen Namen hörte, dachte ich ähnlich wie einige andere: „Klingt gut, aber sicherlich ein Regal zu hoch für den HSV.“ Und siehe da, auf einmal kommt die Nachricht, dass er auf dem Weg nach Hamburg ist.

Ein kreativer Mann für die Offensive, der klein und wendig ist. Zudem soll er auch gute Standards schießen können. Von einigen hört man sogar, er soll in der letzten Saison einer der besten Mittelfeldspieler in Portugal gewesen sein. Diese Aussage kann ich leider nicht objektiv bewerten. Fest steht: Hier hat der HSV den offensiven Mann geholt, den wir alle gefordert haben. Und ich gehe mal davon aus, dass Viera eine Klasse über dem ist, was wir alle erwartet haben.

Mein Vater sagte zu mir: „Das ist so ein wenig wie der Transfer von Van der Vaart damals. Da hat auch keiner geglaubt, dass das geklappt hat.“ Van der Vaart ist damals komplett eingeschlagen. Sollte sich die Geschichte mit Vieira wiederholen, wäre das für den HSV natürlich optimal. Sollte es nicht klappen, ist man finanziell kein großes Risiko eingegangen. Anders als Lokonga hat man Vieira ja nur ausgeliehen. Wie es am Ende der Leihe weitergeht, entscheidet dann Viera’s Leistung auf dem Platz. Eine Festverpflichtung kommt für den HSV wohl kaum infrage. Lediglich wenn man unter den Top 4 landen sollte, würde eine Festverpflichtung mit Zukunftsperspektive möglich werden. Das ist aber eher unwahrscheinlich. Es kann aber in der Tat dazu kommen, dass der HSV die Kaufoption i. H. v. 20 Millionen Euro zieht, wenn man ein vernünftiges Kaufangebot von einem anderen Verein bekommt. Als gutes Beispiel kann man hier Tzimas von Brighton nennen. Nürnberg lieh den jungen Griechen damals mit einer Kaufoption von 18 Millionen Euro aus. Da Brighton im Winter ein Angebot über 25 Millionen Euro abgab, zog Nürnberg die Kaufoption und verkaufte Tzimas direkt an Brighton weiter. Zudem konnte man damals noch eine Rückleihe nach Nürnberg für den Rest der Saison arrangieren. Genau das könnte dem HSV auch passieren, wenn Vieira durchstarten sollte.

Auch Vieira habe ich im Training ein wenig beobachtet. Was bei ihm auffiel, ist seine Technik und seine Beweglichkeit. Mit seinem ersten Kontakt konnte er immer wieder gute Aktionen einleiten und freie Räume bespielen.

Zwei Aktionen fielen mir besonders auf. Zunächst bekam er den Ball im Zentrum, zog mit Geschwindigkeit Richtung Mitte des Feldes und bediente dann seinen Mitspieler in der Tiefe. Dadurch entstand eine 100-%-Torchance, weil sein Mitspieler mit diesem Pass gut freigespielt wurde.

Die zweite Aktion war eine Flanke von Mickelbrencis. Vieira lief mit und bekam im Rückraum den Ball. Ohne zu zögern zog er ab und ballerte den Ball mit voller Überzeugung per Direktabnahme ins Tor. Der Ball war nicht perfekt platziert, aber er hatte so ein Tempo drauf, dass für den Keeper nichts zu machen war.

Bei Vieira bin ich gespannt, wo er nominell eingesetzt wird. Sollte das System so bleiben, kann ich mir vorstellen, dass er auf dem rechten Flügel zum Einsatz kommt.

Ich denke, für die Doppel-8 im Zentrum ist der Portugiese nicht robust genug, aber seine Stärke liegt auch im offensiven Bereich. Auf dem rechten Flügel bestünde dann die Möglichkeit, mit seinem starken linken Fuß ins Zentrum zu ziehen, um gegebenenfalls auch mal aus dem Zehnerraum zu agieren.

Es kann aber natürlich auch sein, dass die Formation und die Herangehensweise etwas angepasst werden. Das sind aber alles Sachen, die wir erst in den nächsten Wochen in den Spielen herausfinden können.

Ausblick

Erst einmal hat es Vorrang, dass sich die Neuzugänge schnell integrieren und bestenfalls schon am 13.09. so weit sind, dass sie in München guten Gewissens spielen können. Dazu zähle ich natürlich auch Luka Vuskovic, aber da dieser momentan wie viele andere auf einer Länderspielreise ist, wurde er hier heute nicht gezielt thematisiert.

Scholle hatte es ja gestern schon geschrieben. Diese Transfers geben auf jeden Fall leichte Hoffnung für die Zukunft. Und auch ich bin nach diesen Transfers leicht positiv.

Wichtig ist, dass man jetzt möglichst zügig die ersten Punkte abgesehen vom Gladbach-Spiel holt, um die Stimmung aufrechtzuerhalten.

Gegen Bayern wird das wahrscheinlich eher nichts, aber ich denke, in dem Spiel hat auch keiner eine hohe Erwartungshaltung.

Und wer weiß, was am Ende in München passiert.

Schreibt doch mal gerne rein, auf welcher Position ihr Lokonga und Vieira seht.

Bis dahin

Tom

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