Analyse

Lasst uns diskutieren!

Das Beste gleich vorweg: Personell hat HSV-Trainer Tim Walter keine großen Sorgen. Außer den schon länger verletzten Josha Vagnoman, Stephan Ambrosius, Tom Mickel und…

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Das Beste gleich vorweg: Personell hat HSV-Trainer Tim Walter keine großen Sorgen. Außer den schon länger verletzten Josha Vagnoman, Stephan Ambrosius, Tom Mickel und Maximilian Rohr stehen ihm alle Spieler zur Verfügung. Ersatzkeeper Marko Johansson hatte zwar das Vormittagstraining vorzeitig beendet. „Es ist aber alles gut“, sagte Walter und gab Entwarnung. Die an der Länderspielwoche beteiligten Profis der Hanseaten seien allesamt „müde, aber in einem guten Zustand“ von ihren jeweiligen Nationalteams zurückgekehrt, berichtete der HSV-Coach. Mit anderen Worten: Das Topspiel – wenn man es trotz des Tabellenstandes so nennen darf – gegen Fortuna Düsseldorf kann kommen.

Ob und inwieweit der Trainer auf das schwache Spiel zuletzt beim FC Erzgebirge Aue personell reagiert, ließ er heute noch offen. Allerdings rechne ich nicht mit vielen Wechseln. Es würde nicht zu Walter passen, der sich vor dem Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf auf ein gut gefülltes Volksparkstadion. Die Mannschaft und er hätten „voll Bock darauf“, sagte der Trainer heute bei der Pressekonferenz zu der Partie. Bisher sind rund 34.000 Karten verkauft, heißt es. Und nicht nur für Walter könnten es aber noch mehr sein. „Kommt ins Stadion“, forderte der 45-Jährige die Fans auf, die sich bislang noch nicht zu einem Stadionbesuch entschlossen hatten. 

Ich werde am Sonnabend wie sonst auch wieder vor Ort sein. Und ich habe auch Bock auf das Spiel, auch wenn der Samstagabend-Termin irgendwie ätzend ist. Finde ich zumindest. Und so sehr ich mich auch darauf freue, wieder Fußball live im Stadion mit großer (oder zumindest größerer) Kulisse verfolgen zu können, so wenig Motivation habe ich, heute etwas zu schreiben. Obwohl, doch! Ich werde heute mal das schreiben, was einige wenige hier lesen wollen. Angefangen mit dem Trainer, der folgende Dinge machen muss, wenn er hier auch nach dem Düsseldorf-Spiel noch Trainer bleiben will: 

  1. Robin Meißner muss vorn und Anssi Suhonen von Beginn an im Mittelfeld ran.
  2. Er muss Toni Leistner zurückholen und dafür den im Aufbau befindlichen Jonas David rausstreichen. Talentförderung ist hier eben nur so lange gewollt, wie diese Talente gleich auch als Leistungsträger funktionieren. 
  3. Er muss einfach alles anders machen, als so, dass es mal nicht funktioniert
  4. Der Trainer muss (ebenso wie alle HSV-Verantwortlichen) laut den Anspruch formulieren, dass dieser HSV aufsteigen muss. Das verlangt schon der Kaderwert. Ein klarer Heimsieg gegen Düsseldorf ist selbstredend inbegriffen.
  5. Den Rest hauen wir hier nach dem Spiel raus, als hätten wir es auch vorher schon gewusst…

Dazu gesellt sich selbstverständlich noch der Rauswurf der dauerversagenden Vorstände, des Sportdirektors und des kompletten Aufsichtsrates – sofort.

Bekomme ich für diesen eindimensionalen Quatsch jetzt Applaus? Würde mich nicht freuen, zugegeben. Nein, mich nervt dieses dauerhaft negativ-orientierte Denken aus Prinzip vieler hier, die positive Ansätze nicht gelten lassen und damit einem Neuaufbau schon vor Beginn den Garaus machen. Dass dieser HSV über viele Jahre heruntergewirtschaftet wurde und dafür mehr verantwortlich waren, als aktuell hier noch beim HSV angestellt sind, wird außer Acht gelassen. Dass auch diese beim HSV typische Suche nach dem oder der Schuldigen inklusive deren Opferung auch ein Teil des Problems sind, weshalb dieser Klub nie einen eigenen Weg konstant gehen und festigen konnte – es wird einfach vergessen.

Ich hatte es gestern noch einmal versucht, zu erläutern, was ich beim HSV vor allem habe: Eine stark gesunkene Erwartungshaltung in Sachen Tabellenstand. Mir geht es nur noch darum, dass dieser Klub sich endlich neu aufstellt und das konsequent macht. Gehälter senken, mehr eigene oder zumindest junge Talente einbinden und ausbilden, und vor allem: sie auch spielen lassen. Ich will, dass die jahrelange proklamierte „Entwicklung“ endlich auch zugelassen wird. Dazu gehört leider auch das große Risiko, diese Saison mit dem Aufstieg nichts zu tun zu haben. Und das weiß ich nicht nur, das fließt auch in alle meine Beurteilungen aktuell mit rein. 

Von daher: Wer hier lesen will, dass der HSV jedes Spiel gewinnen muss, weil es der HSV ist oder weil irgendwelche Kaderwerte das so hergeben – der ist hier falsch aufgehoben. Ich sehe den HSV als ein Team an, das Potenzial hat und das oben mitspielen kann, wenn alles passt. Aber ich sehe den HSV vor allem an einem Punkt, wo er sich neu aufstellen muss. Und wer diesen Weg nicht bereit ist, mitzugehen, der sollte selbst gehen.

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Walter zumindest geht diesen Weg. Er könnte zweifellos noch mutiger sein – aber das sage ich, weil ich es ihm nicht vorwerfen würde, wenn es nicht sofort funktioniert. Angesichts eines  Teils der Kommentare hier würde er aber für Siege gefeiert und für Niederlagen gehängt werden. Egal, ob die Siege am Ende glücklich oder gar unverdient waren, während die Niederlagen unglücklich und unverdient oder einfach dem mutigen Einsatz eigener Talente geschuldet waren – der Faktor „Entwicklung“ wird mir hier zu oft nur noch populistisch verwendet, um gut dazustehen. Klingt ja auch gut. In der Bewertung der aktuellen Arbeit wird er aber zu oft ausgeblendet.

Dennoch sage ich es gern allen, auch denen, die es nicht hören wollen, noch einmal: Dieser HSV ist kein Aufstiegsfavorit! Dieser HSV zeigt gute Ansätze, fällt aber immer wieder auch zurück, weil die Mannschaft das Walter’sche Spielsystem noch immer nicht ausreichend verinnerlicht hat – was neben den Spielern zweifellos auch dem Trainer anzulasten ist. Nach neun Spieltagen darf man hier mehr Stabilität verlangen – und das tue ich auch wenn es viele von Euch anders sehen mögen. Gerade deshalb habe ich in den letzten Tagen das Düsseldorf-Spiel als richtungsweisendes Spiel bezeichnet. Denn das ist es für mich.

Das bliebe es sogar, wenn am Ende nicht nur ein Teil sondern alle anderer Meinung wären. Solange ich von etwas fest überzeugt bin, werde ich dazu stehen und es auch genau so benennen. Apropos: Alles Weitere zum Sportlichen könnt Ihr dem Video mit der Pressekonferenz entnehmen. Dazu haben wir es nach vielen Stunden Nachtschicht doch noch geschafft, den aufgezeichneten Communitytalk wiederherzustellen. Danke dafür, Onur und Team! 

UND: Damit das alles hier nicht falsch rüberkommt und wieder von „beleidigt sein“ oder Ähnlichem fabuliert wird, habe ich mir für morgen eine Q&A vorgenommen. Soll heißen: Ich werde morgen im Laufe des Tages versuchen, möglichst alle von Euch im Forum gestellten Fragen zu beantworten. Ebenso werde ich mich gern zu Theorien Eurerseits äußern, sofern das gewünscht ist. Also: Feuer frei! Haut Eure Meinungen in den Kommentarbereich, stellt mir Fragen oder stellt Thesen auf, die wir gemeinsam diskutieren können. 

Ich freu mich drauf!

Bis morgen,

Scholle

P.S.: Düsseldorfs Mittelfeldspieler Shinta Appelkamp ist nach seiner Reise mit der U21-Nationalmannschaft positiv auf das Coronavirus getestet worden. Er befinde sich in häuslicher Quarantäne, teilte der Fußball-Zweitligist am Donnerstag mit. Der 20-Jährige habe trotz doppelter Impfung Symptome. Die Infektion sei während Appelkamps Reise mit der DFB-Auswahl nach Ungarn erfolgt, hieß es weiter. Er war am Dienstag vorzeitig aus Szeged abgereist. Bei der U21-Nationalelf war zuletzt der Stuttgarter Roberto Massimo positiv auf das Coronavirus getestet worden. Appelkamp falle nun bis auf Weiteres aus.

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