Langweilig - aber zielführend?
Tim Walters Pressekonferenzen sind zweifellos nicht die kurzweiligsten. Zwischen Durchhalteparolen, Vertrauensbekundungen für alle, die zum Team gehören und dem „wir bleiben…

Tim Walters Pressekonferenzen sind zweifellos nicht die kurzweiligsten. Zwischen Durchhalteparolen, Vertrauensbekundungen für alle, die zum Team gehören und dem „wir bleiben immer bei uns“ schaffte es zuletzt eine Treppen-Metapher, erwähnt zu werden. Immerhin war es was Neues. Und so verwunderte es mich auch heute nicht, dass Walter nach dem 6:1 gegen Hannover positiv gestimmt parlierte. „Ich freue mich einfach drauf. Alles andere macht ja eh keinen Sinn. Wir sind überzeugt von uns. Sonst würden wir nicht so reden.“ Dass seine Mannschaft in den letzten Wochen aus einem Drei- einen Vierkampf hat werden lassen, interessiert ihn dabei nicht. „Es sind noch sieben Spiele zu gehen. Wir gehen ein Spiel nach dem anderen an“, so der 47-Jährige. Und damit liegt er auch sicher nicht falsch.
In Kaiserslautern muss Walter möglicherweise auf Moritz Heyer verzichten, der noch mit einer Erkältung zu tun hat. Heyer ist für die Viererkette vorgesehen. Es wäre aus meiner Sicht ein Ausfall, der ähnlich wie Schonlau und Meffert bislang von keinem Spieler aufgefangen werden konnte. Weder von dem seitenverkehrt aufgestellten Noah Katterbach, der auf links zuletzt stark spielte und dort hoffentlich weiterhin spielen darf. Noch von William Mikelbrencis. Ehrlich gesagt hat mir in der Defensivbewegung auf rechts nach Heyer dessen Seitenkompagnon Bakery Jatta mit Abstand am besten gefallen. Ihn im Wechsel mit Ransford Königsdörffer spielen zu lassen wäre für mich eine überlegenswerte Option.
Aber sie wäre neu. Und zu viel Veränderung verschafft auch oft zu viel Unruhe und daraus resultierende Unsicherheit. Deshalb bin ich überzeugt davon, dass bei einem Heyer-Ausfall die zuletzt gespielte Formation mit Muheim links und Katterbach rechts neben dem Innenverteidigerduo Schonlau/Davidspielen wird. Zumal Walter heute schon erstaunlich früh klarstellte, dass Jonas David beginnen wird. Walter verteidigte den nicht immer sicher wirkenden Abwehrspieler dabei noch einmal öffentlich. „Im Verbund passt es einfach mit Bascho (Schonlau, d. Red.) zusammen. Von daher bin ich total zufrieden. Was andere darüber denken, ist mir völlig egal.“
Er vertraut David halt. Wobei er diesen Worten zuletzt Taten hatte Folge lassen, als er David trotz früher Gelber Karte nach dessen Patzer auf dem Platz gelassen hatte. Dass David viel Glück hatte, dass er nach seinem nächsten gelbwürdigen Foul nicht schon nach 15 Minuten gelbrot erhalten hatte, spielt für Walter dabei keine Rolle mehr. „Ich fand, dass er in Situationen oftmals richtig gehandelt und es meiner Meinung nach gut zu Ende geführt hat. Er ist ein junger Spieler, der immer peu à peu weiter wächst.“ Und auch hier stimme ich zu. Denn David wurde im Spielverlauf deutlich besser und fing sich wieder. Allerdings ist und bleibt er bis heute den Beweis schuldig, auch mal über die gesamten 90 Minuten souverän agieren zu können.
Dass er einen Mario Vuskovic, dessen Anwälte den Weg vor den internationalen Sportgerichtshof (CAS) anpeilen, nicht ersetzen kann, war klar. „Einen Mario Vuskovic werden wir nicht ersetzen können, weil er einfach eine Klasse hat, die man in der 2. Liga sucht“, stellte Walter heute noch mal klar. Wie Walter sich die letzten sieben Spiele defensiv vorstellt? „Wir machen es so, wie wir es immer machen: als Verbund“, sagte Walter.
Unzufrieden war Walter zuletzt mit dem angeschlagenen Jean-Luc Dompé. Der französische Offensivspieler war am Mittwoch wieder in das Team-Training eingestiegen. Heute wurde er im Training erst von Kapitän Schonlau und dann von Walter lautstark gerüffelt. Dompé hatte sich defensiv nach einem einfachen Ballverlust verweigert. „Wenn er den Weg nach hinten nicht findet, nachdem er den Ball verliert, dann muss man es sagen“, erklärte Walter und stellte klar, dass das nicht exklusiv für Dompé gelte. „Das trifft auf jeden Spieler zu. Wenn unser Kapitän oder jemand anderer das Gefühl hat, dass es nicht in dem Maße ist, dann darf man das sagen.“ Dompé habe so viel Qualität. „Wenn er von zehnmal siebenmal an dem Spieler vorbeikommt, dann jubeln alle. Wenn er dreimal hängenbleibt, aber hinterherläuft, dann lieben sie ihn. Das muss er noch mehr intus haben“, so Walter, der hofft: „Ich glaube, dass er das versteht. Manchmal muss man ihn aber noch ermutigen. Das macht er dann auch.“
Was aber deutlich wird: Es bestimmt viel Zwischenmenschliches aktuell die Stimmungen und Leistungen auf dem Platz. Hinten die Unsicherheiten des jeweiligen Vuskovic-Ersatzes, dazu die Launen der Außenstürmer Dompé und eben auch Sonny Kittel, der langsam wieder zurück in die Spur findet. Von daher scheint auch Walter mit seiner nimmermüden Laier über Vertrauen, Zusammenhalt und den Glauben an sich selbst gar nicht so falsch zu liegen – im Gegenteil. Es ist zwar ermüdend anzuhören, aber sehr weckmäßig. Und manchmal aus personellen Gründen sogar unumgänglich. Dennoch, dass die Mannschaft in sich ziemlich geschlossen ist, hat sich immer wieder gezeigt. Zuletzt auch in einem Foto, das einige Spieler zusammen mit Mario Vuskovic beim Abendbrot zeigt. Man hält beim HSV zusammen – und das ist zweifellos auch Walters Verdienst. Jetzt muss man das Ganze nur endlich wieder in Souveränität auf dem Platz umwandeln. Denn DAS ist die entscheidende Währung im Aufstiegskampf und gibt einer Mannschaft noch mehr Sicherheit als alles Gesabbel drumherum zusammen…
In diesem Sinne, bis morgen!
Scholle
P.S.: Nicht wundern, dass dieser Artikel auch in den Kommentaren des Vorblogs stand. Ich musste leider bis eben auf den Support des Hosts warten, da ein Update der Seite die Berichterstellung lahmgelegt hatte. Deshalb hatte ich den Artikel dort schon mal reingestellt.
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