Aktuell

Länderspielpausen sind langweilig. Fast immer...

Länderspielpausen sind beim HSV in aller Regel recht ereignislos. Meistens gibt es ein relativ belangloses Testspiel, wie das gestrige gegen den FC Volendam (1:2). Dessen…

Länderspielpausen sind langweilig. Fast immer...

Länderspielpausen sind beim HSV in aller Regel recht ereignislos. Meistens gibt es ein relativ belangloses Testspiel, wie das gestrige gegen den FC Volendam (1:2), dessen interessanteste Stelle tatsächlich der Wutausbruch von Tim Walter war. Und meistens tauchen in diesen Länderspielpausen auch irgendwelche Themen rund um die Vereinspolitik auf – so auch diesmal. Diesmal wieder in Persona Klaus Michael Kühne, der dem Abendblatt ein Interview gab. Und ehrlich gesagt langweilt es mich zunehmend, immer dieselben Themen zu haben.

Und auch diesmal sagt Kühne in dem Interview das, was er schon bei seinem Amtsantritt als Geldgeber des HSV getan hatte: Er wünsche sich mehr Geldgeber wie sich selbst für den HSV. „Ich will nicht immer Alleinunterhalter sein, mir ist es sympathisch, wenn ich keine größeren Anteile als andere habe. Vielleicht findet sich noch ein dritter oder vierter Großaktionär. Alle schwärmen vom HSV, aber keiner macht die Taschen auf.“ Dass HSV-Hauptsponsor HanseMerkur die Anteile des umstrittenen früheren Finanzvorstandes Thomas Wüstefeld übernehmen will, begrüßte Kühne daher – obgleich er dessen Vorstand zuletzt als Aufsichtsrat abgelehnt hatte.

Aber mit Logik ist in diesem Thema schon lange nichts mehr zu gewinnen. Und wer weiß, vielleicht hat ja auch Kühne die Schritte nach vorn gemacht, die er der HSV-Führung nachsagt: „Die augenblickliche Situation erscheint sehr positiv, nicht nur in sportlicher Hinsicht», sagt der 86-Jährige, um aber völlig berechtigt zu mahnen: „Sportlich sollten wir dem Frieden noch nicht trauen, wir haben oft erlebt, dass die Mannschaft in der Rückrunde eingebrochen ist. Hoffen wir, dass das dieses Mal nicht der Fall sein wird.“ Aber so kritisch er sich in der Vergangenheit über den HSV zu Wort gemeldet, hatte, so optimistisch wirkt er diesmal. Und er bleibt sehr klar dabei, dass er den HSV nach seinen Vorstellungen aufstellen will.

„Natürlich habe ich meine Vorstellungen, wie die Dinge beim HSV laufen sollten, in Bezug auf die Strukturen und die Personen.“ Und da habe sich nun sehr vieles sehr schnell verbessert, so der Multimilliardär. Insgesamt sei die augenblickliche Konstellation günstig, weil Frieden herrsche und der Vorstand mit Jonas Boldt (Sport) und Eric Huwer (Finanzen) gut besetzt sei.

So weit, so gut also. Zumindest herrscht in dieser Länderspielpause vereinspolitisch Ruhe. Sportlich tut der HSV alles dafür, um diese Ruhe beizubehalten. Und einer, der für diese Ruhe maßgeblich ist, weil er für die Mannschaftskonstellation verantwortlich ist, ist Claus Costa. Umso spannender fand ich, was der Kaderplaner und Chefscout Claus Costa heute meinem Kollegen Philip Marquardt von „Transfermarkt.de“ in den Block diktierte. Anbei das Gespräch:  

Claus Costa über …

... die Ruhe am Deadline Day:

„Ich glaube, dass die meisten Vereine versuchen, ihre Hausaufgaben frühzeitig zu erledigen. Doch der Markt reguliert das Geschehen und es ist oft nicht möglich, sehr früh fertig zu sein, wenn man teilweise auch unverschuldet auf Entwicklungen reagieren muss, zum Beispiel wegen Verletzungen oder Spielverkäufen. Wahrscheinlich regelt niemand etwas gerne auf den letzten Drücker. Auch bei uns ist das eher die Ausnahme. Wir haben versucht, vorzuarbeiten. Die Scoutingabteilung rund um unseren Chefscout Sebastian Dirscherl hat in den letzten Monaten frühzeitig sehr gute Arbeit geleistet und versucht, in jedem Regal Spieler für uns ausfindig zu machen, die im Sommer relevant sein könnten. Als wir wussten, in welcher Liga wir an den Start gehen, war es an der Zeit, Nägel mit Köpfen zu machen. Es ist uns recht schnell gelungen, relativ viele unserer Vorstellungen umzusetzen.“

… die Abkehr von für Zweitliga-Verhältnisse hohen Ablösesummen:

„Die Zahlen muss man immer im Kontext sehen. Wir versuchen, sehr hanseatisch und strategisch Entscheidungen zu treffen. Es geht nicht bewusst darum, viel Geld auszugeben. Das war und ist nicht das Ansinnen des Vereins. Wir wollen bei Transfers aus Überzeugung handeln – mit Überzeugung in die Qualität oder mit Fantasie für das Potential des Spielers. Im Idealfall wird beides miteinander kombiniert. Solche Spieler sind aber die Begehrtesten auf dem Markt. Das bedeutet für uns: Wir wollen mit unserem Geld sehr gewissenhaft und sparsam umgehen und trotzdem die bestmögliche Entscheidung für den Verein treffen.“

... relevante Märkte für den HSV:

„Wir fokussieren uns auf die gängigen Kernmärkte rund um Deutschland. Das ist logisch – und werden nicht nur wir als Verein so machen. In diesen Märkten versuchen wir stark zu sein. (…) Wenn man unseren Kader durchgeht, haben wir allerdings Spieler aus sehr vielen verschiedenen Nationen, die in den letzten drei, vier Jahren zu uns gewechselt sind. Wir haben keine klare Präferenz. Natürlich ist es gut für uns, wenn die Spieler sprachlich relativ nah bei uns sind. Nichtsdestotrotz geht es am Ende um die Qualität und den Charakter des Spielers. Eine erfolgreiche Integration ist dann relativ schnell möglich. (…) Spieler, die dir sofort Erfolg garantieren und gleichzeitig noch wachsen können, sind wie gesagt am begehrtesten. Wir müssen also schauen, in welchem Markt wir fündig werden können. Dieser Verein bietet aber auch etwas mit seinen Fans (…). Ich merke, dass die Spieler heiß darauf sind und ein großes Interesse daran haben, zum HSV zu kommen, obwohl der Klub nur in der 2. Bundesliga spielt.“

… die Verpflichtungen der Leihspieler Ignace Van der Brempt und Dennis Hadzikadunic:

„Wir bedienen uns grundsätzlich einer gewissen Scouting-Historie. Wenn wir Bedarf haben, reagieren wir nicht kurzfristig. Wir versuchen, uns auf Strecke Kenntnisse über einen Spieler zu erarbeiten, sodass wir genau wissen, was er kann und was er nicht kann. Und dann geht es am Ende um die Frage der Umsetzbarkeit. Dafür sind wir relativ früh mit den Beratern im Austausch. Die Frage ist also gar nicht, wie kompliziert ein Transfer ist, sondern: Wann geht eine Tür auf? Bei Ignace Van der Brempt waren wir schon relativ lange, zu seiner Jugendzeit, mit den Beratern in Kontakt. Der Spieler ist dann nach Salzburg gewechselt, das war eine ganz andere Sphäre. Dass die Tür später noch einmal aufgehen würde, war nicht absehbar. Wir profitierten jetzt davon, dass wir den Spieler lange kennen. Bei Dennis Hadzikadunic war es so, dass er nach seinen Stationen in den ersten Ligen in Russland, Schweden und Spanien sicherlich auch andere Möglichkeiten gehabt hätte. Wir haben im Team gute Arbeit geleistet, damit Dennis sich mit Haut und Haaren zum HSV bekannt hat.“

… Trainer Tim Walter nach dem denkbar knapp verpassten Aufstieg:

„Er war wirklich brutal enttäuscht, weil er ein Mensch ist, der immer positiv denkt, extrem optimistisch und zuversichtlich ist und das auch ausstrahlt. Für ihn ist verlieren eigentlich keine Option. Und dementsprechend hat ihn die Relegationsniederlage in Stuttgart extrem enttäuscht und ihm extrem zugesetzt – wie uns allen. Wir wurden für eine gute Saison nicht belohnt, das tut uns weh. Dennoch habe ich Tim sehr schnell wieder kämpferisch und mit vollem Enthusiasmus erlebt, ich habe viele Gespräche mit ihm geführt, in denen völlig klar war, dass wir einen neuen Anlauf nehmen werden. (…) Da ist zum einen die Verantwortung für den Klub und in unseren Rollen. Und andererseits muss man die Fans und das Umfeld des Vereins erwähnen. Wer mit in Sandhausen war, hat alle Emotionen innerhalb kürzester Zeit erlebt. Das lässt einen nicht kalt. (…) Die positive Resonanz nach dem verlorenen Rückspiel zuhause war beeindruckend, es gab keinen einzigen Pfiff. Die Fans standen hinter uns. Wir haben gemerkt, dass die Menschen den HSV lieben und was er ihnen bedeutet. Es ist ein Privileg und eine Ehre, für den Verein arbeiten zu dürfen. Und es waren direkt genügend Themen auf dem Transfermarkt zu erledigen, sodass kein einziger Tag Zeit war, zurückzuschauen.“

In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Abend! Morgen werde ich einen Blog online stellen, in dem Ihr alle (dann auch Du, Jörg!) Eure Fragen an mich stellen könnt, die ich online und teilweise im Video beantworten werde. Eine Art „Communitytalk hybrid“. Freu mich drauf!

Scholle 

Anzeige · Partner

Zeig deine Farben

Unsere Freunde von HANDS OF GOD setzen ikonografischen Momenten und Legenden der Vereinsgeschichte ein künstlerisches Denkmal.

Alle Hamburg-Motive bei HANDS OF GOD

Wir sind Partner von HANDS OF GOD und bekommen eine Provision, wenn du über diese Links kaufst — für dich ändert sich am Preis nichts. Gezeigt werden nur Motive, die wir selbst aufhängen würden.

Diskussion

0 Kommentare

Diskutier mit!

Registriere dich kostenlos — dann kannst du unter den Beiträgen mitdiskutieren, antworten und liken.

Jetzt kostenlos registrierenAnmelden
DU
Bleib fair — wir moderieren mit Augenmaß.
Noch keine Kommentare — sei der/die Erste.
Lies weiter Meinung HSV-Blamage- Die Taktik war das geringste Problem Ein Tag nach der Pleite sitzt der Frust tief. Neben taktischen Mängeln fehlte vor allem eins: die Bewegung und der Wille, den Ball zu fordern. Das Problem war viel tiefer als die reine Herangehensweise Weiterlesen