Meinung

Ladies first - jetzt sind die HSV-Fußball-Frauen dran!

So, um hier mal ein wenig Aufregung zu nehmen und wieder normal zu diskutieren: Wer mir allen Ernstes nachsagen will, ich würde zu früh den Aufstieg feiern oder gar das…

Ladies first - jetzt sind die HSV-Fußball-Frauen dran!

So, um hier mal ein wenig Aufregung zu nehmen und wieder normal zu diskutieren: Wer mir allen Ernstes nachsagen will, ich würde zu früh den Aufstieg feiern oder gar das bundesweit arrogante Image des HSV aufpolieren, den kann ich schnell widerlegen. Und das mache ich gern. Im vorletzten Blog schrieb ich:

Je näher der erhoffte Aufstieg des HSV rückt, desto häufiger bekomme ich die Frage gestellt, wen ich vom aktuellen Team mit in die Erste Liga nehmen würde. Und diese Frage ist grundsätzlich gar nicht so einfach, weil man dabei sehr viele Faktoren mit einbeziehen muss. Einerseits den sportlich-qualitativen Bereich, andererseits die Machbarkeit. Soll heißen: Um wirklich in der Ersten Liga Fuß zu fassen, müsste sich der HSV zweifellos auf einigen Positionen verstärken…

Mit keinem Wort schreibe ich hier, dass der HSV aufgestiegen und die Saison durch ist. Der Aufstieg kann bis zum letzten Spieltag immer näherrücken – und selbst dann noch verspielt werden. Aber wem sage ich das…?! An den letzten Spieltag in Sandhausen erinnern wir uns unwahrscheinlich alle noch, oder? Deshalb ist hier alles im Konjunktiv gefasst und beschreibt zudem nur einen Umstand, der mir gegenüber von Mitmenschen ausgelöst wird: Ich werde gefragt. Im weiteren Verlauf schreibe ich zudem, dass die schwierige Phase des HSV weniger die Topspiele waren, sondern die Phase, die jetzt ansteht. Ich warne also vor zu früher Zufriedenheit, ohne dass ich dem Trainerteam hier so etwas zutrauen würde…

Ein historisches Nordduell – und eine große Bühne für den Frauenfußball

Zufrieden sein könnten bis hierhin die HSV-Frauen, die sowohl in der laufenden Saison als auch im DFB-Pokal überperformen. Dass hier alle mehr wollen – logisch. Insbesondere am Sonntag, wenn es im DFB-Pokal-Halbfinale im Volksparkstadion zu einem geschichtsträchtigen Duell mit dem großen Nordrivalen SV Werder Bremen kommt. Ein Rekordspiel wie dieses gab es in der langen gemeinsamen Historie beider Vereine noch nie. 57.000 Zuschauer im seit Wochen ausverkauften Volksparkstadion bedeuten die größte Kulisse, die es jemals auf Vereinsebene im deutschen Frauenfußball gab.

„Wir haben sehr auf die Auslosung hingefiebert, Werder war unser absoluter Wunsch. Es hätten sogar weit mehr Tickets verkauft werden können“, sagte HSV-Vorstand Eric Huwer in einem Interview der Süddeutschen Zeitung (Freitagausgabe). „Die Nachricht ging tatsächlich um die Welt. Genau das braucht der Frauenfußball, um die nächsten Schritte machen zu können.“

Der Weltrekord entstand in Barcelona

Zur weltweiten Einordnung sei gesagt: 2011 gab es bereits das Eröffnungsspiel der Frauen-WM zwischen Deutschland und Kanada vor 73.680 Zuschauern in Berlin. Der Weltrekord im Frauenfußball liegt sogar bei 91.648 Fans – aufgestellt im Champions-League-Halbfinale 2022 zwischen dem FC Barcelona und dem VfL Wolfsburg. Aber das Vereinsspiel mit den meisten Zuschauern in Deutschland ist bislang noch das DFB-Pokal-Finale 2024 in Köln (44.808). Diese Bestmarke übertrifft das Nordderby am Sonntag deutlich.

Rivalität mit Respekt – ein Derby ohne Hass

Seit Jahrzehnten steht das Nordduell für Rivalität, Spektakel – und manchmal auch unerfreuliche Begleiterscheinungen. Doch die Frauen-Teams von HSV und Werder setzen auf eine andere Atmosphäre. Sie wollen am Sonntag zeigen, dass man diese Rivalität auch ohne den Hass und die großen Sicherheitsvorkehrungen ausleben kann, die die Männer-Derbys immer umgeben. „Ich glaube, im Frauenfußball spielt das keine so große Rolle. Das ist ein bisschen familiärer“, sagte die Werder-Spielerin Larissa Mühlhaus. „Falls jemand schon mal bei unseren Spielen dabei war: Da kommen Familien und Freunde und alle können tragen, was sie wollen. Es geht einfach um den Fußball. Ich bin gespannt auf die Stimmung am Sonntag – ob das so sein wird wie bei den Männern oder anders.“

Interessant ist hierbei auch die Geschichte der Werder-Akteurin: Vor 22 Jahren in Hamburg geboren, ausgebildet beim FC St. Pauli und beim HSV, wechselte sie vor dieser Saison nach Bremen, um in der Ersten Bundesliga spielen zu können. Denn die Hamburgerinnen sind allen Pokal-Erfolgen zum Trotz immer noch ein Zweitliga-Team.

Vom Kindergeburtstag zum großen Auftritt

Im Volksparkstadion zu spielen, war immer ein Traum von ihr. „Es bedeutet mir unglaublich viel“, sagte Mühlhaus. Sie habe dort mal ihren „elften oder zwölften“ Geburtstag gefeiert, den sie von ihrer Familie geschenkt bekommen hatte. „Damals durfte ich mit meinen Freunden eine Stadiontour machen – jetzt spiele ich dort selbst und meine Familie und meine Freunde kommen zugucken. Das ist gar nicht in Worte zu beschreiben.“ Der Gedanke daran bereite ihr eine Gänsehaut.

Wenn man ehrlich ist, muss man anerkennen, dass der Erstligist aus Bremen am Sonntag der sportliche Favorit ist. Doch der HSV darf sich auf eine noch nie dagewesene Unterstützung der Fans freuen, die das Team über alle Grenzen hinaus pushen könnte. So, wie es im Pokal schon sehr oft passiert ist.

In diesem Sinne, bis morgen!
Scholle

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