Kühnes Millionen setzen HSV-Führung auch unter Druck
Es gibt tatsächlich absolut gar keinen Grund, sich aufzuregen. Zumindest diesmal nicht, denn das Angebot von Klaus Michael Kühne ist in allen Facetten offen. Jeder weiß, dass…

Es gibt tatsächlich absolut gar keinen Grund, sich aufzuregen. Zumindest diesmal nicht, denn das Angebot von Klaus Michael Kühne ist in allen Facetten offen. Jeder weiß, dass der Anteilseigner gern weitere Anteile kaufen möchte. Das hatte dieser mit seinem 120-Millionen-Euro-Angebot seinerzeit klar formuliert – und dieses Ziel könnte er unter bestimmten Umständen 2028 erreichen. Aber auch hier gilt: Der HSV selbst hat das Heft des Handelns in der Hand. Genauer gesagt sogar die Mitglieder, die für eine solche Umwandlung erst einmal einer neuen Geschäftsform zustimmen müssten. Allein der Umstand, dass der HSV sich wieder Geld auf Pump holt, sollte hellhörig machen. Denn am Ende ist es geliehenes Geld, das zurückgezahlt werden muss. Mal wieder.
Soll heißen: Dieses Geld darf nur als Anschubfinanzierung gesehen werden, um aus dem operativen Geschäft in den nächsten Jahren Gewinne zu erzielen. Zumal der HSV alle Darlehen (rund 40 Millionen für die Stadionsanierung, 17,5 Millionen Fan-Anleihe und eben jetzt diese 30 Millionen Euro von Kühne) mit Zinsen zurückzahlen muss. Allein hier wird jährlich ein Millionenbetrag fällig. Ergo: Der HSV muss einen höheren siebenstelligen Betrag Gewinn erwirtschaften. Auch jetzt in der zweiten Liga. Aber: Das ist möglich. Und deshalb halte ich das Kühne-Angebot in diesem Fall auch nicht für den unmoralischen Griff nach mehr Macht – sondern nach einem ganz offenen und für alle Seiten erkennbaren Deal.
„Meine Kühne Holding AG hat seit vielen Jahren und schon vor Ausgliederung des Profifußballs den HSV unterstützt und fühlt sich der HSV Fußball AG als einer ihrer maßgeblichen Aktionäre eng verbunden“, sagte er. Es sei wünschenswert, wenn in größerem Umfang von verschiedenen Seiten Kapitalzuflüsse erfolgen würden. „Das ist der Grund, dass wir eine Wandelschuldverschreibung in beträchtlicher Höhe gezeichnet haben, um damit auch andere zur Nachahmung zu ermuntern.“ Nun hofft er, „dass es gelingt, auch den sportlichen Erfolg nach Hamburg zurückkehren zu lassen“.
Für die HSV-Verantwortlichen bedeutet das: Druck. Selbstgemachten und gewollten Druck. Die Scoutingabteilung unter Sportvorstand Jonas Boldt muss jetzt liefern. Jahr für Jahr. Und: Der Aufsichtsrat muss sehr genau hinschauen und analysieren, inwieweit die nächsten Millionenausgaben der operativen Führung sinnvoll sind. Denn eines darf nicht wieder passieren: Es darf nicht wieder darüber gejammert werden müssen, dass man einfach Geld in zu teure Spieler verprasst hat. Die 30 Millionen müssen auf die nächsten fünf Saisons so aufgeteilt werden, dass in der Jahresbilanz nach der ersten Saison ein Plus stehen muss – streng kontrolliert vom Aufsichtsrat, der damit doch noch mal an Bedeutung und Verantwortung gewinnt. „Wir müssen erst mal mit einem Minus rechnen, um später daraus ein Plus zu machen“ darf es nicht mehr geben. Das gab es schon zu oft.
Oder anders formuliert: Dieser HSV hat jetzt alles vor sich liegen, um alle seine sportlichen und finanziellen Ziele zu erreichen. Daran – und an nichts weniger! – müssen Boldt, Walter und Huwer (ebenso wie der Aufsichtsrat) in Zukunft gemessen werden.
Anbei noch der neue Talk von Cornelius und mir. Viel Spaß damit!
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