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Kühnes 30-Millionen-Darlehen eröffnet dem HSV eine große Chance

Ich hatte gestern geschrieben, dass ich mich heute im Forum mit Euren Beiträgen auseinandersetzen würde. Und ich habe dort auf diejenigen geantwortet, die mich erwähnt hatten.…

Kühnes 30-Millionen-Darlehen eröffnet dem HSV eine große Chance

Ich hatte gestern geschrieben, dass ich mich heute im Forum mit Euren Beiträgen auseinandersetzen würde. Und ich habe dort auf diejenigen geantwortet, die mich erwähnt hatten. Oft wurde dabei die Frage nach dem Trainer und dessen Verbleibs-Berechtigung gestellt. Dabei war meine Antwort fast immer die Gleiche: Sollte er seine Fehler in der Analyse erkannt und dafür eine Idee präsentieren können, wie man den Schwächen der abgelaufenen Saison begegnet – ist sein verbleib kein Nachteil. Gleiches gilt für Jonas Boldt, der heute eine sehr freudige Nachricht überbracht bekam: Viel Geld!

Zwar wieder nur auf Pump, aber eine ganze Menge Kohle: 30 Millionen Euro stellt Klaus Michael Kühne dem HSV zu 3,5 % Verzinsung bis 2028 in Form eines Wandel-Darlehens zur Verfügung. Soll heißen: Entweder der HSV zahlt zurück, oder Kühne wandelt sein Darlehen in weitere Anteile am HSV um. Dass dafür wiederum erst einmal eine neue Geschäftsform gefunden und von den Mitgliedern mit Dreiviertelmehrheit verabschiedet werden müsste – logisch. Aber: DAS ist ein Weg Kühnes, den ich mehr als akzeptabel finde. Denn dieser Weg lässt dem HSV alle Möglichkeiten, weiter selbst sein Schicksal zu gestalten.

Wohin aber mit den 30 Millionen, die die Anteilseigner heute einstimmig annahmen? In neues Personal? Sicherlich. Allerdings hat auch das seine Tücken. Denn weder Walter noch Boldt werden die Erwartung haben, in zehn Jahren noch beim HSV zu sein. Dementsprechend werden sie naturgemäß darauf aus sein, möglichst schnell möglichst viel Geld für neue Spieler zur Verfügung zu bekommen. Schneller Erfolg ist das Hauptziel – was aber nicht heißen soll, dass beide diesen Erfolg nicht auch mit kluger Weitsicht erreichen können. Aber dazu morgen mehr, wenn ich mich wieder mit Cornelius zum Talk treffe.

Heute möchte ich in diesem Blog auch noch einen Beitrag kommentieren, der nicht explizit an mich gerichtet war. Darin geht es um den Ex-HSVer Mikkel Kaufmann, der sich beim HSV nicht durchsetzen konnte und jetzt zum FC Union Berlin wechselt und dort Champions League spielen könnte – wenn er sich dort durchsetzt. „Frank Furt“ schrieb dort: 

Also ich würde anders an die Sache rangehen. Unser Scouting hat sein Potenzial erkannt. Soweit richtig. Aber ist das alles um ein Scouting als gut zu beurteilen? Ich sage nein, denn dazu gehört m.E. noch mehr. Wie weit ist der Spieler in seiner Entwicklung? Wie und wann kann er hier seine nächsten Schritte machen? Ist er taktisch überfordert oder passen seine bisherige Ausbildung und seine Stärken zu unserem System? Wie schnell kann er integriert werden (Form, Sprache, kultureller Hintergrund etc.) – also wie schnell wird er uns helfen? Das sind doch ganz entscheidende Fragen, die vor einem Transfer beantwortet gehören. Ein gutes Scouting macht genau das aus. Spieler dann zu holen, wenn die Kurve besser heute als morgen nach oben geht und auch alle anderen Parameter stimmen. Erst recht, wenn Transfers eine gewisse Größenordnung haben.

100 Prozent Zustimmung!

Bei Mikkel ist nun folgendes passiert. Wir haben den Jungen wunderbar auf die 2. Liga vorbereitet. Der KSC konnte unsere Vorarbeit gut nutzen und durfte sich über einen Torschützen freuen. Vermutlich spricht er jetzt schon seine ersten Worte deutsch. Und nun bedankt sich Union. Na, wie bescheuert ist das denn? Sind wir der Ausbildungsverein für andere (und das noch ohne Gegenleistung) oder wollen wir aufsteigen? An dieser ganzen Geschichte haben bis heute der FC Kopenhagen, Mikkel selber und der KSC dank seiner Tore profitiert. Wir nicht. Dieser Transfer hat dem HSV also unheimlich was genutzt…

Auch korrekt. Der HSV hat es nicht geschafft, den Spieler so zu integrieren, dass er sein Leistungspotenzial abrufen konnte. Obwohl ich noch abwarten würde, wie sich Mikkel bei Union zeigt, hat er Qualitäten, die der HSV nicht genutzt hat. In Summe war entweder die Mikkel-Verpflichtung an sich ein Fehler – oder aber der Umgang mit ihm. 

Du gehst in die Richtung, dass junge Spieler länger brauchen. Da bin ich auch voll bei dir. Nur sollten wir dann als Verein andere Spieler holen. Zumindest derzeit. Spieler die kurz- und nicht erst langfristig eine Hilfe sind. Denn wir haben auch Ziele und damit Druck. Das ist dann eben doch der Unterschied zwischen dem HSV und anderen Vereinen, die gerne mit jungen Spielern arbeiten. Als nächstes Beispiel könnte ich jetzt Mikelbrencis nennen. Der Junge wird bestimmt noch was werden und hier steht sicherlich auch Walter in der Verantwortung. Aber ein Transfer in dieser Größenordnung sollte sich früher bezahlt machen. Wäre er diese kurzfristige Verstärkung gewesen, hätten wir vielleicht noch die ein oder zwei Punkte mehr gehabt, die uns nun für den Aufstieg fehlen.

100 Prozent Zustimmung. Mikelbrencis ist bislang ein Fehleinkauf, wenn man seine sportliche Leistung auf dem Platz beurteilt – denn die durfte er nahezu nie zeigen. Ehrlich gesagt fehlt mir aktuell die Fantasie, wie der junge Rechtsverteidiger das beim HSV ändern kann, da er zur neuen Saison wahrscheinlich noch einen Außenverteidiger mehr vorgesetzt bekommen wird.

Über eine georgische Wunderwaffe Namens Giorgi hülle ich mal lieber den Mantel des Schweigens. Ganz tolle kurzfristige Winter-Lösung, um uns für die letzte Rückrunde zu verstärken.

Meine Meinung ist. Unser Scouting gräbt Spieler aus, die uns in der derzeitigen Situation zu wenig Gegenwert bringen. Und das kann nicht gut sein. Zur Wahrheit gehört sicherlich auch, dass Trainer und Scouting sehr gut Hand in Hand arbeiten müssen, um den Erfolg von Transfers höchstmöglich zu gewährleisten.

Ich würde das anders formulieren: Der HSV holt aktuell zu viele Spieler, die nicht dauerhaft helfen können und/oder dürfen. Hier sollte der HSV eine klare Transferpolitik haben: Zum einen, Spieler, die sofort helfen sollen. Zum anderen Spieler, die man langsam heranführt und ausbildet. Siehe Königsdörffer und Nemeth, von denen ich viel halte. Aber: Bei letztgenannter Gruppe darf diesem Gedanken jedoch keine hohe Ablösesumme/Gehalt entgegenstehen.  Auch die Kosten für einen Spieler entscheiden darüber, in welche Kategorie er eingeordnet werden muss. Und da stimme ich Deinem Satz „Unser Scouting gräbt Spieler aus, die uns in der derzeitigen Situation zu wenig Gegenwert bringen“ absolut zu.

Danke, Frank Furter!

Kommen wir in diesem Zusammenhang aber doch noch mal kurz auf die 30 Millionen Euro zurück, die Kühne dem HSV (für 1,05 Millionen Euro Zinsen/Jahr) zur Verfügung stellt. Diese Millionen gilt es so zu investieren, dass man Spieler bekommt, die der HSV mit Gewinn weiterverkaufen kann. Mit einem Gewinn, mit dem der HSV Kühnes Darlehen zurückzahlen kann UND weitere Spieler holen kann, die dem HSV helfen, seine sportlichen Ziele zu erreichen. Quasi so wie Frankfurt es mit einem Kolo Muani, den man ablösefrei gekauft hat, und der sich einen Marktwert von 65 Millionen Euro erarbeitet hat. Leipzig, Frankfurt und Dortmund machen immer wieder vor, wie man viel Geld sinnvoll und wertsteigernd einsetzen kann. Zwar erwirtschaftete nur Leipzig in der abgelaufenen Saison ein Transferplus – aber angesichts bevorstehender Verkäufe würde sich das schnell ins Positive verkehren. Und dem HSV würde es ja schon helfen, pro Jahr einen „Kolo Muani light“ zu verpflichten. Das würde tatsächlich die Chance eröffnen, sich auf Sicht parallel zu steigendem sportlichen Erfolg zu entschulden…

In diesem Sinne, morgenwerden wir uns hier wieder mit einem neuen Talk melden, der sicher auch die Transferpolitik als Thema hat. Bis dahin!
Scholle

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