Spielbericht

Kreuzbandriss - Saisonaus für Leibold! Bangen um Heuer Fernandes

Die bittere Gewissheit hatte der HSV am heutigen Nachmittag kurz vor 16 Uhr: Tim Leibold hat sich gegen Nürnberg einen Kreuzbandriss zugezogen hat. „Sehr bittere Diagnose für…

Kreuzbandriss - Saisonaus für Leibold! Bangen um Heuer Fernandes

Die bittere Gewissheit hatte der HSV am heutigen Nachmittag kurz vor 16 Uhr: Tim Leibold hat sich gegen Nürnberg einen Kreuzbandriss zugezogen hat. „Sehr bittere Diagnose für Tim Leibold. Der 27-jährige Linksverteidiger des HSV hat sich im Pokalspiel gegen den 1. FC Nürnberg (5:3 n.E.) am Dienstagabend (26. Oktober) das vordere rechte Kreuzband gerissen“, teilte der HSV heute nach den Untersuchungen im UKE mit. „Bei Tim werden wir alles dafür tun, um ihn in der Reha-Phase bestmöglich zu unterstützen“, sagt Sportdirektor Michael Mutzel. O der HSV noch einmal auf dem Transfermarkt tätig wird und wie lange Leibold ausfällt, ist beides noch offen. Aber man kann davon ausgehen, dass es Monate dauern wird. Ein Saisonaus ist nicht auszuschließen.

Umso schwerer wiegen die beschämenden Pfiffe der Nürnberger bei Leibolds Abtransport am Dienstag. Pfiffe, für die sich der gastgebende 1. FC Nürnberg jetzt öffentlich entschuldigte und sich dabei deutlich von diesen „Fans“ distanzierte. In einem Statement heißt es:

„Der 1. FC Nürnberg steht für Fairness. Wir vertreten es in keiner Weise, einen Spieler zu demütigen, vor allem dann nicht, wenn er unter Schmerzen am Boden liegt. Wir bedauern es wirklich sehr, dass es dennoch zu solch einem Verhalten gekommen ist und entschuldigen uns beim Hamburger SV und insbesondere bei Tim Leibold, dem wir eine schnelle Genesung wünschen“

Das war das heute vom 1. FC Nürnberg veröffentlichte Statement zu den beschämenden Pfiffen gegen ihren Ex-Spieler Tim Leibold, als dieser schwer verletzt vom Platz getragen werden musste. Hintergrund: Leibold hatte von 2015 bis 2019 in Nürnberg gespielt, Fans nahmen ihm seinen Wechsel zum HSV später übel. Er wurde nun bei jeder Aktion im DFB-Pokalspiel von FCN-Anhängern ausgepfiffen - auch, als er nach einer Verletzung des rechten Knies nach gut 20 Minuten mit einer Trage vom Platz transportiert wurde. Der „Club“ kritisierte dies als „einen Tiefpunkt“ in der Partie, den man ganz klar verurteile. Gut so!

Apropos gut: Der HSV hat nicht nur 515 000 Euro für den Einzug ins DFB-Pokal-Achtelfinale in der Tasche, er hat auch jede Menge Selbstsicherheit getankt. Hoffe ich. Denn nachdem es jüngst in der Liga mit dem Siegtreffer in der Nachspielzeit gegen den SC Paderborn (2:1) geklappt hatte, wurde jetzt beim 1. FC Nürnberg der nächste späte Erfolg perfekt gemacht. Wie hatte Sportvorstand Jonas Boldt drei Tage zuvor gesagt: „Nichts ersetzt Siege – und Erfolge geben auch immer den Glauben daran, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist.“ Insofern ist der HSV gerade auf einem sehr guten Weg.  

Fakt ist: Beim HSV wissen alle aus eigener, jüngster Erfahrung, dass sie jedes Spiel auch in der Nachspielzeit noch gewinnen und drehen können. Das Selbstbewusstsein der Truppe von Trainer Tim Walter dürfte allein deshalb schon wachsen. „Es war ein überragendes Spiel“, sagte der erneut sackstarke Torhüter Daniel Heuer Fernandes. „Es waren 120 Minuten Powerplay von beiden Mannschaften.“ Er war es, der das 1:1 nach Verlängerung mit Klasse-Paraden festgehalten hatte.

https://soundcloud.com/user-36211795/do-281021-leibolds-saisonaus-heuer-fernandes-verletzt-seeler-gesturzt-und-kiel-kommt?si=c58f133bbc1f440292f1575e501a980a

„Im Elfmeterschießen habe ich mir vorgenommen, meiner Mannschaft zu helfen. Den einen habe ich gehalten, den anderen übers Tor geguckt“, berichtete der 28 Jahre alte Leistungsträger hinterher stolz – und mit dem selbstsicheren Lächeln eines Keepers, der weiß, was er kann. Offen ist nur, ob er auch am Sonnabend gegen Holstein Kiel ran kann. Der Torhüter „hat sich beim letzten Elfmeter, den er gegen Asger Sörensen halten konnte, eine Kapselverletzung im Knie zugezogen. Er wird die kommenden Einheiten deutlich kürzertreten müssen. Ob es für einen Einsatz gegen Holstein Kiel am Sonnabend (30. Oktober, Anstoß: 20.30 Uhr) reichen wird, entscheidet sich in den kommenden Tagen“, heißt es in der Pressemitteilung des HSV. 

Während bei Heuer Fernandes also noch Hoffnung besteht, muss der HSV den Rest der Saison erstmal ohne seinen starken Linksverteidiger planen. Der Defensivarbeiter als auch unermüdliche Offensivantreiber auf dem linken Flügel gehört meiner Meinung nach zu dem Inventar des HSV, das nicht sofort zu ersetzen ist. Und seinem eingewechselten Vertreter Miro Muheim fehlt noch die Qualität, diese Lücke zu schließen. Gestern im Pokal in Nürnberg verlegte der Schweizer Leihspieler seinen Fokus zunächst auf die Absicherung der linken Seite und machte dabei zumindest nichts falsch. Dass er aber nach knapp 70 Minuten schon physisch abfiel und seine Seite nicht mehr schließen konnte – das gibt mir zu denken. Das lässt mich zweifeln.

Allerdings hat der HSV noch andere Möglichkeiten. Jan Gyamerah hat schon linker Verteidiger gespielt. Auch Moritz Heyer könnte auf die linke Seite rücken und Gyamerah dafür nach rechts, wenn man es Muheim noch nicht zutrauen sollte. Josha Vagnoman indes wird dem HSV leider noch ein paar Wochen fehlen, wie ich gehört habe. „Das drückt schon die Stimmung auf beiden Seiten nach diesem eigentlich großartigen Spiel“, sagte Walter nach dem Pokalduell und meinte damit die Verletzungen von Leibold und Nürnbergs Tom Krauß. Denn auch die Nürnberger hatten eine schwere Verletzung zu beklagen. Mittelfeldspieler Tom Krauß musste mit einer Kopfverletzung nach Zusammenstoß mit Muheim vom Platz getragen werden. Krauß geht es aber einigermaßen gut, wie der FCN heute mitteilte.

Apropos: Einem HSVer dürfte es derzeit richtig gut gehen. Und das hochverdient: Jonas David. Der junge Innenverteidiger spielte nach einem saustarken Spiel gegen Paderborns Topstürmer Sven Michel auch gestern im Pokal wieder richtig stark. Mehr noch: In den Phasen, in denen der sonst so zuverlässige Sebastian Schonlau neben ihm wackelte, bügelte David alles aus. Er rettete in der ersten Halbzeit nach sieben Minuten nach einem groben Stellungsfehler der gesamten Mannschaft gegen Möller-Daehli und erzielte zudem mit einem schönen Kopfballtreffer das 1:0.

Dass er sich am Ende auch noch den entscheidenden Elfmeter im Elfmeterschießen schnappte, zeugt davon, dass dieser 21-Jährige Eier hat. Immerhin hätte es ihm sicher niemand übelgenommen, wenn er das nicht gemacht hätte. „Nach meinem Elfmeter wusste ich noch gar nicht, dass wir weiter sind. Das habe ich erst an der Reaktion der anderen gemerkt“, gestand der talentierte Abwehrspieler, dem es sicher niemand übelgenommen hätte, wenn er den Elfer nicht hätte schießen wollen. Aber so ist David nicht. David aber sucht die Weiterentwicklung seiner Qualitäten über immer größere Herausforderungen. Er will. Und genau deshalb habe ich hier auch nach Spielen, in denen David hin und wieder nicht so gut aussah, immer wieder betont, wie wichtig die ausgeprägt-reife Mentalität dieses Jungen ist. Er will lernen, und er lernt. Er dröhnt nicht nur nach außen, was der Trainer hören will, sondern er macht es. Er traut sich zu, Fehler zu machen, weil er weiß, dass er daraus lernt.

Mit anderen Worten: Er nimmt die Entwicklungsschritte einen nach dem anderen. Das Allerwichtigste hierbei: David hat nicht nur alle Zutaten, um ein großer Innenverteidiger zu werden, sondern er wird auch besser. In Paderborn spielte David meiner Meinung nach schon bärenstark, gegen Nürnberg überragte er. Nicht nur wegen seiner Treffer, sondern auch statistisch: Er hatte 95 ballkontakte, spielte 82 Pässe, von denen 78 ankamen (Passquote: 95%). Er spielte nur zwei Fouls und gewann 50% seiner Zweikämpfe, wobei mir das deutlich mehr vorkam. Dazu noch einen Treffer in der regulären Spielzeit sowie den Elfmeter im Elfmeterschießen – oder anders formuliert: einfach stark.

Aber gut, die beiden Innenverteidiger, Schonlau und David, scheinen fast ein wenig symbolisch für das zu stehen, was diesen HSV so stark macht: In diesem Team hilft jeder dem anderen. Funktioniert mal einer nicht, tragen ihn die anderen. So, wie gestern auch Mikkel Kaufmann. Der Däne war in keiner Phase des Spiels so drin und noch weniger anspielbar, als dass man ihn als Verstärkung betrachten konnte. Dass der Angreifer von der ersten Sekunde an alles reinschmiss, was er hatte, darf man ihm zugutehalten. Es offenbart aber auch, dass Kaufmann seine Aufgabe beim HSV noch nicht gefunden hat. Und es lässt Zweifel zu, ob sich das zeitnah ändert.

In diesem Sinne, bis morgen! Dann mit der Pressekonferenz vor dem Nordderby am Sonnabend gegen Holstein Kiel. Bis dahin wünsche ich Euch einen schönen Mittwoch mit dem neuen  Communitytalk sowie dem Blitzfazit von gestern Nacht. 

Bis dahin drücken wir von MoinVolkspark alle verfügbaren Daumen, dass Leibold schnellstmöglich wieder auf die Beine kommt!

Scholle

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