Konkurrenz für Jansen: Auch Marinus Bester kandidiert für das HSV-Präsidium
Morgen schon soll die Kandidatenliste komplett abgearbeitet sein, bis dahin sollen alle Kandidatengespräche geführt sein. Wer wird zugelassen – wer nicht? Eine Frage, die für…

Morgen schon soll die Kandidatenliste komplett abgearbeitet sein, bis dahin sollen alle Kandidatengespräche geführt sein. Wer wird zugelassen – wer nicht? Eine Frage, die für viel Spannung sorgt. In den letzten Jahren hatte sich der Beirat hier nach seinem eigenen Gusto entschieden und damit öffentlich für Verstimmungen gesorgt. Und auch dieses Jahr ist noch längst nicht klar, wer zugelassen wird. Unter dem Vorsitzenden Patrick Ehlers, seinem Vize Mike Schwerdtfeger sowie den weiteren Mitgliedern Kai Esselsgroth, Paul-Günther Benthien, Hartmut Diekhoff muss der HSV-Beirat in Gesprächen herausfinden, welche Teams und welche Einzelkandidaten für die Präsidentschaftswahlen im HSV e.V. Wahlen am 7. August 2021 zugelassen werden.
Dabei haben die fünf Beiräte immer wieder gegenüber den Kandidaten betont, dass sie eine öffentliche Diskussion nicht förderlich fänden. Soll heißen: Sie wollten nicht, dass Namen von Kandidaten/-innen bekannt werden. Sicherlich auch, um Druck von der Entscheidung zu nehmen. Denn Fakt ist: Neben dem Ex-Präsidenten Marcell Jansen hat sich ein weiterer, bekannter HSV-Ex-Profi überraschend dazu entschlossen, zu kandidieren. Dass es bislang nicht herausgekommen war, lag auch daran, dass der Beirat allen Kandidaten/innen deutlich gemacht hatte, von der Veröffentlichung ihrer Kandidaturen Abstand zu nehmen.
Beirat bat um Schweigen - fast alle hielten sich daran...
Hintergrund: Zuletzt hatte Rainer Ferslev, ein Anwalt mit Fachgebiet Insolvenzrecht, öffentlich gefragt, weshalb er als Kandidat nicht zugelassen worden war. Ferslev hatte dem damaligen Beirat schwere Vorwürfe gemacht: „Nach mir vorliegenden Informationen hat sich der Beirat des HSV in taktische Wahlmanöver vor der Mitgliederversammlung verstrickt“, so Ferslev im Dezember 2018. Harte Vorwürfe, die trotz aller Dementi ein Geschmäckle hinterließen. Anders als dieses Jahr. Bisher zumindest.
Denn bislang ist es ruhig um die Präsidentschaftswahlen. Alle halten sich an die (selbstschützende) Maßgabe des Beirates. Alle, außer Marcell Jansen, der vor kurzem seine Kandidatur mit viel Tamtam gleich mal über seine sozialen Netzwerke maximal kommunizierte. Eine taktische Abwägung, die leicht zu dem Ergebnis führte: Er kann es sich ja erlauben. Denn Jansen, der zum einen schon als Präsident des HSV e.V. gearbeitet und beim Beirat sehr wohlgelitten ist, hatte in seinem Team mit dem ehemaligen Geschäftsführer des HSV e.V., Michael Papenfuß, schon einen Mann im Boot, den der Beirat gar nicht ablehnen kann. Aber noch on top zu diesem gelungenen Schachzug hatte Jansen den Joker an Bord: den allseits hoch geschätzten aber in meinen Augen noch immer deutlich unterbewerteten Bernd Wehmeyer. Dass dieses Team zugelassen wird, gilt als sicher.
Das Team um Jansen ist der absolute Favorit auf die Besetzung des Präsidium-Trios. Und das, obwohl man namhafte Konkurrenz hat. Denn neben einigen Einzelkandidaten/-innen wie dem Sportrechtler Kolja Hein hat sich erneut auch Dr. Ralph Hartmann beworben. Der Geschäftsführer der „HR7 GmbH“ war schon bei der letzten Präsidentschaftswahl gegen Marcell Jansen angetreten und unterlegen. Dieses Jahr hatten nicht wenige erwartet, dass Hartmann zu Jansens Team dazuzählen würde, da sich beide sehr schätzen. Aber es kam anders. Jansen, der zunächst neben Papenfuß gern eine Frau im Boot gehabt hätte und dafür auch bei Ex-Vorstandsfrau Katja Kraus vorstellig geworden sein soll, schnappte sich Wehmeyer – ein Stimmen bringender Entschluss, wie nicht nur ich erwarte.
Ergo: Eigentlich scheint die Wahl entschieden, bevor sie wirklich begonnen hat. Oder?
Mitnichten. Denn dieses Mal kann sich Jansen nicht der Unterstützung der Supporters sicher sein. Er kann sehr wohl darauf hoffen, sofern er mit seinem Programm der mitgliederstärksten Abteilung etwas mehr entgegenkommt als es zuletzt der Fall war. Aber wie mir der neue Supporters-Chef Sven Freese versicherte, habe die SC-Abteilung dieses Mal keinen Kandidaten ins Rennen geschickt sondern wolle sich von allen Kandidaten/innen zunächst einmal inhaltlich einen Überblick verschaffen, bevor es Wahlempfehlungen geben wird. Möglich sei auch, dass es gar keine Wahlempfehlung seitens der SC-Führung gibt, um die Mitglieder nicht zu beeinflussen. Das wiederum kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, zumal die neue SC-Leitung mit dem Slogan angetreten war, politisch wieder mehr Einfluss nehmen zu wollen.
Und als ich dann vor ein paar Tagen von dem Hammer erfuhr, wer sich neben Hartmann (kandidiert für den Posten des e.V.-Vize) ebenfalls mit einem eigenen Team für das Amt des Präsidenten beworben hatte, dachte ich zunächst daran, dass dies der Zusammenschluss von Kandidaten mit/vom SC sei. Aber ich irrte. Denn das neue Team um den Ex-Profi und ehemaligen Teammanager des HSV, Marinus Bester, ist autark. Und auch Besters Team kann sich sehen lassen!
Fanliebling Bester kandidiert mit prominentem Team
Zum einen hat Bester mit Edina Müller eine Frau und Ehrenmitglied des HSV in seinem Team. Die Goldgewinnerin der Paralympics 2012 im Rollstuhl-Basketball und jetzt Kanutin für Tokio tritt als Vizepräsidentin mit an. Ebenfalls im „Team Bester“: Philipp Wenzel, der sich trotz seiner noch jungen 23 Jahre als Aktivist und einer der Köpfe der Friday-for-Future-Bewegung in Hamburg in der Politik schon einen Namen gemacht hat. Mit anderen Worten: Echte Konkurrenz. Der bei den HSV-Fans sehr beliebte Bester tritt gegen Jansen an. Offen ist nur noch, ob er zugelassen wird. Ich persönlich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass der Beirat sich hier anders entscheidet. Aber wer weiß das schon…
Ich habe versucht, in den letzten Tagen sowohl mit Hartmann als auch mit Bester Kontakt aufzunehmen – und das ist mir gelungen. Ich habe beide mit meinen Informationen konfrontiert und – nichts gesagt bekommen. Offenbar hat der Wunsch des Beirates hier zumindest die richtige Wirkung gehabt. Da ich zu beiden aber ein über viele Jahre gewachsenes, respektvolles Verhältnis pflege, haben mich beide zumindest nicht angelogen. Was ich schon zu schätzen wusste, haben sie weder dementiert noch bestätigt. Auch der Beirat schweigt. Was gut ist.
Aber okay, dass die zwei oben genannten Teams um Marcell Jansen und Marinus Bester zu gelassen werden, ist mehr als wahrscheinlich. Beide würden mit ihren Teams jeweils das komplette Präsidium besetzen – was wiederum sehr schade um Dr. Ralph Hartmann wäre, den ich als sehr fähigen Mann für den HSV e.V. halte. Aber vielleicht schafft es der ein wenig verstaubt wirkende HSV-e.V.-Apparat ja, sich selbst zu optimieren und nicht nur Team- oder Einzelwahl zuzulassen, sondern beides. Akzeptiert sind die Einzelkandidaten von den Teams zumindest. Zumindest gab es in den letzten Jahren immer wieder Gedanken auf Seiten des Präsidiums, weitere Mitglieder zu kooptieren. Auch das wäre eine Möglichkeit.
HSV-Präsidium wird eine entscheidende Rolle einnehmen
Ohne den anderen Kandidaten/innen zu nahe treten zu wollen, beschränke ich mir hier jetzt mal auf die beiden in diesem Text genannten Teams als Favoriten für die Wahl am 7. August. Und sowohl bei Jansen als auch bei Bester weiß ich, dass sie inhaltlich von Hartmann überzeugt sind. Vielleicht gibt es ja am Ende hier ja sogar das erste Vierer-Präsidium der Vereinsgeschichte. Im Sinne der maximalen Qualität für das höchste Amt im Klub. Denn eines ist sicher: Dieser HSV braucht ein starkes Präsidium, um für die nächsten, existenziell durchaus entscheidenden Jahre gewappnet zu sein.
Sportlich ist es heute ob des Reisetages der Profis etwas ruhiger. Abflug am Mittag nach München, dann Weiterreise nach Grassau ins Camp. Dort soll allerdings erst nach dem Achtelfinalspiel der DFB-Elf heute gegen England (Anpfiff 18 Uhr) trainiert werden. 20 Feldspieler (inkl. drei verletzter Spieler) und vier Torhüter sind dabei. Morgen soll eine Aktivierungseinheit vor dem Frühstück, eine Trainingseinheit sowie dann am Nachmittag der erste Test absolviert werden. Unter personell schwierigen Bedingungen für Trainer Walter. Aber davon wird Euch ab morgen dann mein Co-Autor Joscha Daniel von vor Ort berichten.
In diesem Sinne, uns allen heute einen ebenso schönen, erfolgreichen EM-Achtelfinaltag wie gestern. Was tippt Ihr?
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