Meinung

Kommentar: HSV setzt starke Zeichen für den Frauenfußball

Die heutige Doppel-Pressekonferenz des HSV - mit Vertreterinnen der Frauenmannschaft und der Herrenmannschaft - war mehr als ein netter PR-Termin. Sie war ein Symbol für etwas,…

Kommentar: HSV setzt starke Zeichen für den Frauenfußball

Die heutige Doppel-Pressekonferenz des HSV - mit Vertreterinnen der Frauenmannschaft und der Herrenmannschaft - war mehr als ein netter PR-Termin. Sie war ein Symbol für etwas, das beim HSV endlich sichtbar wird: ein wachsender Zusammenhalt zwischen allen Teams, zwischen Tradition und Zukunft, zwischen Männern und Frauen. Und gerade deshalb war diese Veranstaltung so wichtig. Der HSV zeigt mit solchen Momenten, dass er den Frauenfußball nicht mehr nur mitlaufen lässt, sondern ihn bewusst in die eigene Identität integriert. Wer sich erinnert: Noch vor rund zehn Jahren musste der HSV seine Bundesliga-Frauenmannschaft abmelden – wegen fehlender 100.000 Euro. Ein Stück Vereinsgeschichte, das vielen Fans bis heute bitter aufstößt. Umso bemerkenswerter ist, wie stark und konsequent der Klub mittlerweile am Wiederaufbau arbeitet.

Natürlich wirkt manches kommunikativ noch etwas zu sehr gewollt – wie etwa die Auftritte im jüngsten HSV-Aufstiegsfilm. Aber die Intention ist die richtige. Und gut. Denn das Gesamtbild wandelt sich so immer mehr. Der Verein hat verstanden, dass es nicht um Inszenierung, sondern um Haltung geht. Der Frauenfußball ist längst kein Anhängsel mehr, sondern fester Bestandteil des sportlichen Selbstverständnisses des HSV.

HSV-Frauen spielen parallel zu den Männern

Das zeigt sich auch sportlich. Am Sonnabend steht für die HSV-Fußballerinnen das nächste wichtige Spiel in der Bundesliga an - das Abstiegsduell gegen Carl Zeiss Jena (14 Uhr, MagentaTV/DAZN). Eine Partie mit Gewicht, in der es nicht nur um Punkte, sondern auch um Selbstvertrauen geht. Die Hamburgerinnen stehen mit fünf Punkten aus sechs Spielen auf Rang zwölf, Jena mit einem Punkt weniger auf dem ersten Abstiegsplatz.

Trainerin Liese Brancao sieht die sportliche Lage gelassen, aber die Spielansetzung kritisch. Denn nur anderthalb Stunden später, um 15.30 Uhr, treten die HSV-Männer bei RB Leipzig an. „Wir können jetzt nichts machen. Es ist jetzt so, aber cool ist das nicht“,

sagte Brancao bei der Pressekonferenz. Die 44-Jährige fürchtet, dass viele Zuschauer auf einen Stadionbesuch verzichten könnten, um stattdessen das Männer-Spiel zu sehen. „Ich finde es sehr schade, dass unsere Fans sich entscheiden mussten, was sie schauen oder wohin sie fahren wollen. Da sind wir wieder beim DFB. Wir können das nicht beeinflussen“, so Brancao. Nach dem Spiel, so ist sie sich sicher, werden ihre Spielerinnen aber trotzdem schnell auf ihr Tablet schauen, „um zu sehen, was die HSV-Kollegen machen“.

Ein Satz, der viel aussagt über das Miteinander im Klub - aber auch über die Realität im Frauenfußball. Denn während der HSV kommunikativ auf Gleichklang setzt, zeigt die Spielansetzung, dass die Rahmenbedingungen oft noch nicht mitziehen.

Trotzdem: Der HSV ist auf einem guten Weg. Er fördert seine Fußballerinnen, gibt ihnen Bühne, Sichtbarkeit und sportliche Perspektive - Dinge, die vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wären. Man muss kein ausgesprochener Fan des Frauenfußballs sein, um zu erkennen, dass dort großartiger Sport betrieben wird. Aber man sollte Respekt haben - vor der Leistung der Spielerinnen, vor der Entwicklung des Teams, und vor einem Verein, der aus seinen Fehlern gelernt hat.

Der HSV hat verstanden, dass Erfolg und Identität nicht getrennt nach Geschlecht funktionieren. Wenn es gelingt, diese Haltung dauerhaft zu leben - auch jenseits von Pressekonferenzen und PR-Terminen – dann war der heutige Auftritt mehr als Symbolik. Dann war er ein echtes Zeichen für Veränderung.
Bis nachher! Dann mit einem Blog zu den Herren, die am Sonnabend zum schweren Auswärtsspiel be RB Leipzig antreten müssen.

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