Kevin Keegan ist tot – der Mann, der den HSV groß träumen ließ
Der HSV trauert um einen seiner größten Spieler: Kevin Keegan, der den Verein in den späten 70ern prägte, ist im Alter von 75 Jahren verstorben.

Es gibt Spieler, die Titel gewinnen. Und es gibt Spieler, die die Geschichte eines Vereins verändern. Kevin Keegan gehörte zweifellos zur zweiten Kategorie.
Mit dem Tod des Engländers verliert der Weltfußball eine seiner prägendsten Persönlichkeiten. Der HSV verliert einen seiner größten Spieler überhaupt. Kevin Keegan, der von 1977 bis 1980 das Trikot mit der Raute trug und in Hamburg zweimal in Folge als Europas Fußballer des Jahres ausgezeichnet wurde, ist im Alter von 75 Jahren an den Folgen seiner Krebserkrankung verstorben. Dies bestätigte seine Familie am Montag.
Erst zu Beginn des Jahres war öffentlich geworden, dass bei Keegan nach anhaltenden Bauchbeschwerden Krebs diagnostiziert wurde. In den vergangenen Monaten kämpfte der Engländer gegen die Krankheit. In einer bewegenden Erklärung teilte seine Familie mit, dass er in seinen letzten Stunden von seiner Frau und seinen Töchtern begleitet wurde.
Ein Signal an ganz Europa
Für den HSV endet damit ein Kapitel, das bis heute zu den glanzvollsten der Vereinsgeschichte gehört. Als Kevin Keegan im Sommer 1977 vom FC Liverpool nach Hamburg wechselte, war das weit mehr als ein spektakulärer Transfer. Es war ein Signal an ganz Europa. Der HSV holte den Kapitän der englischen Nationalmannschaft, den amtierenden Europapokalsieger und einen der begehrtesten Fußballer der Welt. Keegan hätte nahezu überall spielen können. Er entschied sich für Hamburg – und veränderte den Verein nachhaltig.
Die Raute bekam plötzlich internationales Gewicht. Der HSV wurde zu einer Adresse für Weltklassespieler und zu einem Klub, der nicht mehr nur davon träumte, Europas Elite herauszufordern, sondern daran glaubte, zu ihr zu gehören.
„King Kev“: Ein Gigant mit Bodenhaftung
Dabei war Keegan nie der lauteste Star. Er überzeugte nicht durch Allüren, sondern durch seine Haltung. Mit seiner unbändigen Energie, seiner Professionalität und seiner Bereitschaft, für die Mannschaft zu arbeiten, zog er Mitspieler und Fans gleichermaßen in seinen Bann. Sein ehemaliger Mitspieler Horst Hrubesch brachte es Jahre später auf den Punkt: „Keegy war ein Spielertyp, wie ihn sich auch heute noch jede Mannschaft wünschen kann. Er hat sich immer der Mannschaft untergeordnet und mit seiner Art alle um sich herum angezündet.“
Diese Begeisterungsfähigkeit machte den nur 1,70 Meter großen Offensivspieler zu einem Giganten des europäischen Fußballs. Die Fans nannten ihn liebevoll „King Kev“ oder „Mighty Mouse“. Klein war an ihm nur die Körpergröße. Auf dem Platz war Keegan ein Ausnahmespieler – schnell, mutig, kopfballstark, unermüdlich und mit einem ansteckenden Siegeswillen ausgestattet.
Mit ihm gewann der HSV 1979 die Deutsche Meisterschaft und erreichte ein Jahr später das Finale des Europapokals der Landesmeister. Während seiner Hamburger Zeit wurde er 1978 und 1979 zweimal hintereinander mit dem Ballon d'Or als Europas Fußballer des Jahres ausgezeichnet – bis heute als einziger Spieler der HSV-Geschichte.
Ein Mensch ohne Allüren
Nach seinem Abschied aus Hamburg setzte Keegan seine Karriere zunächst beim FC Southampton und später bei Newcastle United fort. Doch egal, wohin ihn sein Weg führte – die Verbindung zum HSV riss nie ab. Wann immer er nach Hamburg zurückkehrte, war spürbar, wie eng die Beziehung zwischen dem Engländer und den HSV-Fans geblieben war. Es war keine aufgesetzte Nostalgie, sondern echte gegenseitige Wertschätzung.
Wer das Glück hatte, Kevin Keegan persönlich zu treffen, erlebte keinen abgehobenen Weltstar, sondern einen Menschen von beeindruckender Herzlichkeit. Er war nahbar, immer zu einem Scherz aufgelegt und nahm seinem Gesprächspartner jede Unsicherheit. Trotz seiner außergewöhnlichen Karriere und seines weltweiten Ruhms nahm er sich selbst nie wichtiger als andere. Er wusste, was er im Fußball erreicht hatte – musste es aber niemandem beweisen.
Viele außergewöhnliche Fußballer haben die Raute getragen. Uwe Seeler, Horst Hrubesch, Manfred Kaltz oder Felix Magath haben den HSV geprägt. Kevin Keegan nimmt in dieser Reihe einen ganz besonderen Platz ein. Weil er aus dem Ausland kam und dennoch in erstaunlich kurzer Zeit zu einem der größten HSVer überhaupt wurde.
Der HSV verliert einen Menschen, der den Verein mit seiner Persönlichkeit, seiner Leidenschaft und seiner Bescheidenheit nachhaltig geprägt hat. Unsere Gedanken sind bei seiner Frau, seinen Töchtern, seiner Familie und allen, die ihm nahestanden.
Ruhe in Frieden, Kevin Keegan. Ruhe in Frieden, „King Kev“. Für viele wirst du immer der Mann bleiben, der den HSV groß träumen ließ.
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