Spielbericht

Keine Entwicklung! HSV bei glücklichem 1:1 gegen Nürnberg wieder zu passiv

Der HSV holt vor ausverkauften Haus (57.000 Zuschauer) im heumischen Volksparkstadion einen Punkt gegen den 1. FC Nürnberg, der niemanden zufrieden stellen darf. Und damit…

Keine Entwicklung! HSV bei glücklichem 1:1 gegen Nürnberg wieder zu passiv

Der HSV holt vor ausverkauftem Haus (57.000 Zuschauer) im heumischen Volksparkstadion einen Punkt gegen den 1. FC Nürnberg, der niemanden zufrieden stellen darf. Und damit meine ich nicht, dass hier mehr für den HSV drin war, im Gegenteil: Der eine Punkt ist glücklich, hier war nur für den Gast aus Nürnberg mehr drin. „Ich habe ein gutes Spiel von meiner Mannschaft gesehen, in dem wir sehr dominant waren und eine Vielzahl an guten Chancen herausgespielt haben“, klagte FCN-Trainer Miroslav Klose nach Schlusspfiff. „Unmittelbar nach dem Abpfiff war ich einen Moment lang enttäuscht, dass wir aus diesem Spiel nur einen Punkt mitnehmen, aber nach und nach setzt sich die Freude über unsere positive Entwicklung gegen die Enttäuschung durch.“

18 Torschüsse ließ man zu, davon etliche Großchancen der Nürnberger, die sich ihrerseits mächtig ärgern werden, in Hamburg nicht drei Punkte mitgenommen zu haben. Und das alles mal wieder, obwohl der HSV gut ins Spiel kam und früh in Führung ging. Wieder einmal verfiel die Mannschaft von Trainer Steffen Baumgart im Anschluss daran in eine Passivität, die am Ende auch eine Niederlage hätte produzieren können. Warum die Mannschaft von Trainer Steffen Baumgart immer wieder n ach einer Führung so wenig nach vorn investiert – unverständlich!

Aktuell ist man das genaue Gegenteil von dem, was man unter Tim Walter war. Dort agierte man unvernünftig offensiv über die gesamte Spielzeit – unter Baumgart verfällt man immer wieder in eine unverständlich passive Spielweise. Eine Entwicklung, wie Baumgart sie selbst einfordert, ist für mich auch nach 11 Spieltagen nicht zu erkennen. 

Und auch Baumgart deutet an, dass er nicht zufrieden sein kann, obgleich er es sehr diplomatisch verpackt: „In den ersten 20 Minuten hatten wir das Spiel gut im Griff, mussten dann aber nach unseren vielen Ausfällen während der ersten Hälfte auch noch Ludovit Reis ersetzen. Danach wurde Nürnberg stärker, wir hatten zu viele Fehler im Spiel, aber einen Torhüter, der lange Zeit verhindert hat, dass wir ein Gegentor kassieren. Hätten wir nach dem 1:1 das zweite Gegentor gefangen, hätten wir uns auch nicht beschweren dürfen, so aber hatten wir auf der anderen Seite noch den Pfostenschuss von Marco Richter, sind momentan aber auch einfach nicht vom Glück geküsst. Dennoch: Nürnberg hat es sehr, sehr gut gemacht und daher nehmen wir diesen einen Punkt heute mit.“

DIE EINZELKRITIKEN: 

Daniel Heuer-Fernandes: Wurde früh geprüft – und bestand! Wenn ein Ball bis zu ihm durchkam, war es oft gleich eine Hundertprozentige für die Nürnberger. Aber sie scheiterten allesamt an seinen starken Reaktionen. Was er heute alles parierte, war sensationell. Selbst eigene Fehler bügelte er selbst aus (59.), bis zur 63. Minute. Da war er machtlos. Aber ohne ihn wäre das heute zum Desaster geworden. Note: 1,5

Noah Katterbach (bis 75.): Er spielt mutig, aggressiv, ist hinten sicher und nach vorn gefährlich – wer hätte das so vor dieser Saison erwartet? Note: 4

William Mikelbrencis (ab 76.): Hatte sich gegen Freiburg empfehlen können und sollte heute den müder werdenden Katterbach ersetzen. Das schaffte er. 

Lucas Perrin: Schmiss sich im wahrsten Sinne in alles rein, was Richtung eigenes Tor kam, und wirkte dabei ebenso robust wie am Ball angenehm unaufgeregt. Aber auch er wusste dem zunehmenden Druck der Nürnberger nichts entgegenzusetzen und war beim 1:1-Ausgleich zu weit vom Gegenspieler entfernt. Note: 4

Moritz Heyer: Besser als in der kurzen Phase in Elversberg – was nicht schwer war. Aber das war ordentlich. Von ihm gleich zu erwarten, dass er die komplette Defensive lenkt, wäre zu viel. Aber: Genau das fehlte dem HSV heute zu lange. Note: 4

Miro Muheim: Wenn Du einen Dompé vor dir hast, weißt Du zwei Dinge: Defensiv musst Du anderthalb Jobs erledigen – aber offensiv hast Du immer eine Option, das Spiel über einen schnellen Pass gefährlich zu machen. Heute gelang das bedingt in der ersten Halbzeit, in der zweiten Hälfte kam aber auch von ihm zu wenig.   Note: 4

Jean-Luc Dompé (bis 64.): Immer anspielbar, aber im letzten Pass und dem Abschluss in der ersten Hälfte nicht so gefährlich wie zuletzt. Wurde zurecht ausgewechselt. Note: 4

Fabio Baldé (ab 64.): Ihm fehlt einfach Erfahrung und damit zu oft auch noch die nötige Cleverness, wann man den Abschluss sucht, wann man den Pass spielt. Er ist für mich nicht der Spieler, den ich bringe, wenn es nicht läuft. Diese Verantwortung wiegt vielleicht noch zu schwer auf ihm.  Note: 4

Daniel Elfadli: Wichtig, wichtiger – am wichtigsten: Er ist für dieses Team nicht nur eine Verstärkung, sondern für Ordnung, Spielaufbau und jetzt auch noch im Abschluss entscheidend. Er wäre derjenige gewesen, der heute ab der zweiten Halbzeit für mehr Ordnung hätte sorgen können/sollen/müssen. Note:3,5

Lukasz Poreba: Er arbeitet viel, er will viel, aber nach einer so langen Phase mit extrem wenig Spielzeit fehlt ihm oft noch das Timing, wann er ins Dribbling, in den Zweikampf und wann er über den Pass kommen muss. Defensiv manchmal noch zu stumpf und überhastet. Aber er war der mit Abstand fleißigste Spieler des HSV. Note: 3

Ludovit Reis (bis 30.): Wenn es nicht läuft, dann läuft aber auch wirklich gar nichts bei ihm. Da kommt er endlich mal wieder von der ersten Sekunde an richtig gut ins Spiel, und muss dann früh verletzt vom Platz. Er räumte bis hierhin eine Menge ab, verteilt de Bälle clever und trieb das eigene Spiel voran. Sehr schade! Ich hätte gern gesehen, wie gut das heute noch hätte werden können. Gute Besserung von dieser Stelle, Ludovit Reis!

Marco Richter (ab 31.): Er war sofort drin im Spiel, was sehr wichtig war. Defensiv giftig, offensiv sofort da. Schade, dass ihn wieder der Pfosten (83.) vom ersten Treffer abhielt. Auch, wenn nicht alles gelang, das war besser heute. Note: 3

Adam Karabec (bis 62.): Bereitete das 1:0 gut vor, indem er den Ball im richtigen Moment an Elfadli ablegte. Auch sonst beweist er immer wieder, dass er ein taktisch schlauer Kicker ist und zudem über ein Potenzial verfügt, dessen Erreichung viele HSVer hoffen lässt. Aber: Er ist und bleibt bei gefühlten 75% seines Leistungspotenzials.  Note: 4,5

Immanuel Pherai (ab 63.): Zu wild i seinen Aktionen. Er wollte vielleicht zu viel und schaffte dadurch zu wenig. Außerdem ist er im direkten Zweikampf oft zu leicht. Note: 4

Davie Selke (bis 75.): Er hat die Qualität, Spiele zu entscheiden. Und das hätte er heute wieder machen können, unmittelbar nach Wiederanpfiff zur zweiten Halbzeit, als er einen (zugegeben: nicht optimal getimten) Muheim-Rückpass verpasste. Note: 4

Ransford Yeboah Königsdörffer (ab 75.): Blieb in der kurzen Zeit komplett wirkungslos. Das war zu wenig.

DIE DATEN ZUM SPIEL:

HSV: Heuer Fernandes - Perrin, Heyer, Muheim - Elfadli, Katterbach (75. Mikelbrencis), Reis (31. Richter), Poreba, Dompe (64. Balde), Karabec (64. Pherai) - Selke (75. Königsdörffer)

1. FC Nürnberg: Reichert - Jeltsch, Knoche, Karafiat - Villadsen, Castrop (71. Lubach), Jander, Soares (71. Yilmaz), Justvan - Emreli (67. Schleimer), Tzimas (84. Goller)

Tore: 1:0 Elfadli (15.), 1:1 Emreli (63.) - Zuschauer: 57.000 (ausverkauft) - Schiedsrichter: Tom Bauer (Mainz) - Gelbe Karten: Mikelbrencis / Emreli, Soares, Tzimas

Anzeige · Partner

Zeig deine Farben

Unsere Freunde von HANDS OF GOD setzen ikonografischen Momenten und Legenden der Vereinsgeschichte ein künstlerisches Denkmal.

Alle Hamburg-Motive bei HANDS OF GOD

Wir sind Partner von HANDS OF GOD und bekommen eine Provision, wenn du über diese Links kaufst — für dich ändert sich am Preis nichts. Gezeigt werden nur Motive, die wir selbst aufhängen würden.

Diskussion

0 Kommentare

Diskutier mit!

Registriere dich kostenlos — dann kannst du unter den Beiträgen mitdiskutieren, antworten und liken.

Jetzt kostenlos registrierenAnmelden
DU
Bleib fair — wir moderieren mit Augenmaß.
Noch keine Kommentare — sei der/die Erste.
Lies weiter Meinung HSV-Blamage- Die Taktik war das geringste Problem Ein Tag nach der Pleite sitzt der Frust tief. Neben taktischen Mängeln fehlte vor allem eins: die Bewegung und der Wille, den Ball zu fordern. Das Problem war viel tiefer als die reine Herangehensweise Weiterlesen