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Keine Anklage gegen Bakery Jatta - Heyer ist Corona-positiv

Niederlage am vergangenen Samstag gegen den 1. FC Nürnberg hatte der vielseitig einsetzbare Mittelfeldmann wegen einer Gelbsperre gefehlt. Gegen Aue wäre er auch deshalb wieder…

Keine Anklage gegen Bakery Jatta - Heyer ist Corona-positiv

Schlechte Nachrichten für den HSV: Abwehrspieler Moritz Heyer hat wegen eines positiven Corona-Tests das Dienstagstraining verpasst. Wie der Club mitteilte, wurde „die PCR-Testung im Labor in die Wege geleitet“. Ob der 26-Jährige das Heimspiel am Sonnabend gegen den FC Erzgebirge Aue verpasst, hängt jetzt vom PCR-Testergebnis ab. Bei der 1:2-Niederlage am vergangenen Samstag gegen den 1. FC Nürnberg hatte der vielseitig einsetzbare Mittelfeldmann wegen einer Gelbsperre gefehlt. Gegen Aue wäre er auch deshalb wieder besonders wichtig, da im defensiven Mittelfeldzentrum Jonas Meffert wegen seiner fünften Gelben Karte ausfällt. Sollte auch Heyer passen müssen, würde Trainer Walter wohl zwischen David Kinsombi und Anssi Suhonen entscheiden müssen. Oder vielleicht sogar Geburtstagskind Jonas David? Oder der wieder genesene Maxi Rohr? Die nächsten Tage werden es zeigen.

Entschieden hat dafür das Gericht heute. Und das zugunsten eines HSV-Spielers, der in den letzten Wochen und Monaten mehr durchstehen musste, als es sich die meisten von uns hier vorstellen konnten. Zweieinhalb Jahre nach den ersten Vorwürfen zur Identität von Bakery Jatta ist der Fall vorerst abgeschlossen. Das Amtsgericht Hamburg-Altona lehnte die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen den Fußballer ab. Es sehe „nach dem vorliegenden Ermittlungsergebnis keinen hinreichenden Tatverdacht gegen den Angeschuldigten“, teilte das Hanseatische Oberlandesgericht am Dienstag mit. Zuvor hatte Jattas Anwalt Thomas Bliwier der Deutschen Presse-Agentur einen entsprechenden Bericht des „Hamburger Abendblatts“ bestätigt. Was für eine großartige Nachricht. Vor allem Für Jatta selbst.

Die Hamburger Staatsanwaltschaft hatte im Dezember vergangenen Jahres Anklage gegen den heute 23 Jahre alten Jatta erhoben. Nach Auffassung der Behörde soll es sich bei ihm tatsächlich um den zweieinhalb Jahre älteren Bakery Daffeh handeln. Dem Gambier waren Vergehen gegen das Aufenthaltsgesetz in vier Fällen sowie in einem weiteren Fall mittelbare Falschbeurkundung vorgeworfen worden. Die Staatsanwaltschaft kann noch Beschwerde gegen die Gerichtsentscheidung einlegen.

„Die Ablehnung erfolgte aus tatsächlichen Gründen. Die Staatsanwaltschaft konnte nicht darlegen, dass Herr Jatta getäuscht hat“, sagte Jattas Anwalt Thomas Bliwier, „es gibt keinerlei Tatverdacht und keinen Anlass für weitere Ermittlungen. Das ist ausermittelt.“ Die ersten Vorwürfe zu einer angeblich falschen Identität des HSV-Stürmers hatte es im August 2019 gegeben. Damals berichtete die „Sport Bild“ über Hinweise, dass es sich um den älteren Bakary Daffeh handeln könnte, der die Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland auf Grundlage falscher Angaben erhalten habe. Denn als damals 17-Jähriger und damit Minderjähriger unterlag Jatta anderen Kriterien für eine Bleibeberechtigung.

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Die eingeleiteten Ermittlungen erbrachten jedoch keinen Beweis für eine gefälschte Identität. Die Staatsanwaltschaft Bremen und das Hamburger Bezirksamt Mitte stellten im Spätherbst 2019 nach monatelanger intensiver Prüfung ihre Ermittlungen zunächst ein. Zudem bestätigten gambische Behörden die Echtheit der Jatta-Papiere. Der 1. FC Nürnberg, der VfL Bochum und der Karlsruher SC, die Einspruch gegen die Niederlagen in den Zweitliga-Spielen gegen den HSV eingelegt hatten, zogen diesen zurück.

Bei einer Durchsuchung von Jattas Wohnung nach weiteren Zweifeln im Sommer 2020 waren dann elektronische Datenträger wie Handy und Laptop beschlagnahmt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte zudem ein anthropologisch-morphologisches Gutachten an einem Institut in Freiburg in Auftrag gegeben. Ergebnis: Jatta und Daffeh seien mit hoher Wahrscheinlichkeit ein und dieselbe Person.

Für das Amtsgericht bestehe nun aber „keine überwiegende Wahrscheinlichkeit dafür, dass der Angeschuldigte über seine Identität getäuscht hat“, hieß es in der Stellungnahme des Oberlandesgerichts. Ein Nachweis der Benutzung eines falschen Geburtsdatums sei „hochwahrscheinlich nicht zu führen“ und Jatta wäre demzufolge „im Ergebnis mangels Beweises von den Tatvorwürfen freizusprechen“.

Die Fraktion der Linken in der Hamburgischen Bürgerschaft hat sich zuerst kritisch über die Rolle der Staatsanwaltschaft geäußert. Das ganze Verfahren sei „skandalös“, sagte die justizpolitische Sprecherin der Linken, Cansu Özdemir, am Dienstag. „Der Verfolgungseifer der Staatsanwaltschaft lässt schwere Zweifel an deren Motiven und an der Rechtsstaatlichkeit aufkommen. Hier ging es nicht um ein rechtsstaatliches Verfahren, sondern um eine unwürdige Hexenjagd.“ Özdemir forderte Aufklärung, wie es zu „dieser desaströsen Verfolgungsjagd auf dem Rücken von Bakery Jatta kommen konnte“ und sprach mir damit aus der Seele. Denn in normalen Fällen hat ein solches Desaster (mit Ankündigung!) Rücktritte der Staatsanwaltschaft zur Folge. Und falls die nicht freiwillig erfolgen, dann hat es eben Freistellungen zur Folge.

Zumal sich dieser Fall lange schon nicht mehr auf Initiative der Staatsanwaltschaft entwickelte, sondern auf Bestreben der BILD-Gruppe, die jetzt aus menschlicher Sicht ganz schlecht dasteht. Allerdings wird die BILD-Gruppe das naturgemäß anders sehen. So unmenschlich das auch ist, ich befürchte, dass Jatta seitens der BILD-Gruppe bzw. seitens des Springer-Verlages nie wirklich Ruhe erfahren wird. Denn für die gelten solche Urteile nur, wenn sie ihre Recherchen stützen und die BILD am Ende recht hat. Leider.

Und wer jetzt anfängt, auf die einzelnen Reporter einzuschlagen, der muss wissen, dass dieses Thema längst übergeordnet bestimmt wird. Soll heißen, die über den Artikeln erscheinenden Namen sind angewiesene Mitarbeiter. Dass die SportBILD teilweise sogar ohne Nennung der Autoren Artikel verfasst hat, zeigt schon, dass es den Mitarbeitern nicht genehm war, dieses Thema zu bearbeiten. Aber: Nicht jeder Mitarbeiter hat die Traute, sich den Anweisungen von ganz oben zu widersetzen.

Auch ich war schon in einer solchen Situation. Mehrmals. Einmal hatte ich einen Kommentar zum HSV-Aufsichtsrat verfasst und diesen im internen System abgelegt. Als ich den Artikel abschließend freigeben sollte, hatte sich aber der Inhalt um 180 Grad gedreht. Klar benannte Intriganten wurden plötzlich rausgestrichen. Meine Schlussfolgerung, dass gewisse Herren zurücktreten müssen, war nicht mehr existent. Dafür stand aber weiterhin mein Name oben drüber. Ein Umstand, der mich dazu veranlasste, das Gespräch mit der Chefredaktion zu suchen. Ich lehnte es ab, über dem neuen und inhaltlich entfremdeten Kommentar namentlich genannt zu werden. Und so kam es nach einigen Diskussionen dann auch. Für mich als damals angestellter Reporter eine durchaus nicht ungefährliche Situation. Allerdings traf ich damals im Nachhinein auf wohltuendes Verständnis. Beim direkten und beim obersten Vorgesetzten. Aber: Derartige Vorgänge sind es, die mich irgendwann dazu getrieben haben, in die Selbständigkeit zu gehen.

Der Ton beim Hamburger Abendblatt ist aber zweifellos ein deutlich ruhigerer, aus meiner Sicht vernünftigerer als der bei den Kollegen des Boulevards. Dort herrscht ein deutlich höherer Drang (Zwang) für Schlagzeilen. Ohne auch nur den Hauch von Verständnis für eine derartige Berichterstattung bitte ich Euch bei aller berechtigter Kritik dennoch, zwischen den wirklich verantwortlichen und den Überbringern der schlechten Nachrichten zu differenzieren.

Und um den heutigen Blog nicht mit Wut und Schuldzuweisungen zu beenden, freue ich mich an dieser Stelle von ganzem Herzen für den Menschen Bakery Jatta. Wer dieses Urteil mit „aber…“ beantwortet, der möge diesen Blog zukünftig meiden. Wer sind wir bitte, dass wir uns anmaßen, über die Schicksale anderer zu urteilen? Gerade in heutigen Zeiten, wo wir sehen, wie unvorstellbar es sein muss, flüchten zu müssen… Nein, ich für meine Teil irre mich lieber 1000-mal in einem Flüchtling, indem ich ihn aufnehme, als dass ich mich einmal irren möchte, indem ich ihn ablehne.

Von daher: Ich freue mich für Dich, Bakery Jatta. Auch wenn sich für mich durch dieses Urteil nichts verändert hat. Denn Du warst immer - und Du wirst immer einer von uns sein. Ein ganz normaler Mensch eben. In diesem Fall einfach nur mit dem schönen Zusatz, dass Du auch noch für den richtigen Verein spielst…

Eigentlich sollte das mein Schlusssatz sein, aber ich muss an dieser Stelle auch noch einmal den HSV loben, der personen-übergreifend von der ersten Sekunde an zu Jatta gestanden hat. Kompromisslos!  Der HSV hat bewiesen, wie man es richtig macht und sich bundesweit für seine Loyalität viel Anerkennung verdient. Auch bei mir. Ergo: Wenn dieses unmenschliche Thema auch nur ein bisschen Gutes hat, dann diese Erkenntnis. Von daher gehört auch dem HSV das Schlusswort, in Person von Sportvorstand Jonas Boldt: „Wir haben die Entscheidung des Gerichts natürlich positiv aufgenommen. Wir hoffen, dass diese Akte nun endgültig geschlossen ist. Baka war, ist und bleibt für uns ein voll integrierter Mitmensch und kann seine gute Gesamtentwicklung als unser Spieler hoffentlich fortsetzen.“

In diesem Sinne, dieser Tag ist Dein Tag, Baka! Wir freuen uns für Dich.

Im Namen des gesamten Teams von MoinVolkspark,

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