Kein guter Tag für den HSV
Es ist 19.11 Uhr und ich komme gerade erst jetzt dazu, diesen Blog zu schreiben. Und das mit mächtig wenig guter Laune. Zum einen, weil die Meldungen vom HSV von heute wieder…

Es ist 19.11 Uhr und ich komme gerade erst jetzt dazu, diesen Blog zu schreiben. Und das mit mächtig wenig guter Laune. Zum einen, weil die Meldungen vom HSV von heute wieder viel Unruhe vermuten lassen. Zum anderen, weil ich gerade sehe, wie stark Holstein Kiel spielt. Dienstag erst gegen Sandhausen souverän – heute gegen gar nicht mal schwache Paulianer nicht minder. Das ist schon stark, das muss jeder anerkennen. Damit liegen die Kieler vier Punkte mit noch immer einem Spiel weniger vor dem HSV. Ergo: Schwer wird’s für Horst Hrubesch und seinen Mannen, die erst am Montag eingreifen. Dann übrigens nach dem dritten Nachholspiel der Kieler binnen sieben Tagen, das direkt vor dem HSV gespielt wird. Mit anderen Worten: Für Hrubesch kann sich das Thema Aufstieg schon so gut wie erledigt haben, bevor er überhaupt das erste Spiel absolvieren konnte – zumal auch Fürth schon am Sonntag spielt und dementsprechend vorlegen kann.
Ebenfalls wenig schöne Aussichten bringt die Meldung meiner Abendblatt-Kollegen von heute mit sich. Denn wie das „Hamburger Abendblatt“ berichtet, soll ein neues Gutachten der Universität Freiburg, das die Staatsanwaltschaft Hamburg in Auftrag gegeben hat, den HSV-Profi schwer belasten. Angeblich zeige es, dass Jatta und Bakary Daffeh höchstwahrscheinlich dieselbe Person seien. Ob das am Ende reicht, um als Beweis gewertet zu werden – ich weiß es nicht. Aber Fakt ist, dass egal welche Erkenntnis den Weg dorthin nicht nachträglich rechtfertigt.
Jatta wird von Uni Freiburg schwer belastet
Aber: Ebenso wenig darf auf der anderen Seite verteufelt werden, dass die Staatsanwaltschaft einem Verdacht entsprechend Recherchen anstellt. Sehr wohl aber darf man kritisieren, dass hier laufende Ermittlungen quasi im Live-Modus von der Staatsanwaltschaft an die Kollegen weitergegeben werden. Dass die Staatsanwaltschaft hier einen unverhältnismäßig hohen Aufwand an Ermittlungen betreibt – man kann es so sehen. Vor allem aber kann man es erklären, da die Staatsanwaltschaft letztlich dafür verantwortlich ist, was aus diesem Fall wird. Soll heißen: Dass Bakery Jatta ein Fußballprofi ist, über den die Medien in diesem Fall berichtet haben, wird dem Offensivspieler jetzt zum Verhängnis. Denn bei dem „normalen“ Flüchtling würde dieser Aufwand in keinstem Fall so betrieben. Schon aus Kostengründen nicht.
Wie ich mit diesem Fall umgehen würde? In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an eine Szene aus meiner aktiven Fußballerzeit. Damals steckten wir ebenso überraschend im Abstiegskampf und der Trainer wurde auf den letzten Metern gewechselt. Der wollte natürlich möglichst schnell einen möglichst großen Impuls setzen und setzte unseren damals unumstrittenen Abwehrchef kurzerhand auf die Bank. Im ersten Spiel sogar ohne Einwechslung, was meinem Kollegen Thorsten W. überhaupt nicht gefiel. Und ich konnte das nachempfinden. Aber wir gewannen und Thorsten hatte wenig Argumente.
Da er einerseits ein sehr mündiger Spieler, aber auch ein genialer Teamplayer war, machte er etwas bemerkenswertes: Er ging beim ersten Training nach diesem ersten Spiel unter dem neuen Trainer vor versammelter Mannschaft auf diesen zu und stellte ihn zur Rede. Er sagte sinngemäß: „Trainer, nichts ist wichtiger als der Klassenerhalt – und dem ordne ich alles unter. Wenn Du mit dieser Mannschaft absteigst, haue ich Dir einen in die Fresse!“ Worte, die wir so von ihm nicht kannten – und nicht wenige befürchtete, dass es das für ihn jetzt war. „Aber er legte nach: „Schaffst Du aber den Klassenerhalt, werde ich der Erste sein, der Dich umarmt und feiert. Versprochen!“
Das Leid bis heute ist mehr, als es das Vergehen als Strafe rechtfertigt
Was das mit Jatta zu tun hat? Es ist menschlich absolut null vergleichbar. Aber auf menschlich vergleichsweise trivialem Niveau erging es me4inem damaligen Trainer ähnlich wie der heutigen Staatsanwaltschaft. Beide haben auf Verdacht eine unumkehrbar wichtige Entscheidung getroffen, die sie im Nachhinein erst rechtfertigen können. Was man hierbei natürlich sagen muss: Für Thorsten war es persönlich schwer zu verkraften – aber es ist natürlich nichts im Vergleich zum leid Jattas, ist das bei Jatta eine ganz andere, viel ernster Angelegenheit. Ich will gar nicht wissen, wie es ihm geht. Denn im Gegensatz zu Thorsten, der einfach den Verein wechselte und dort sein Glück schnell wiederfand, steht bei Jatta ein anderes Ende im Raum. Denn während mein Trainer damals von Thorsten eine Umarmung erhielt, wird in diesem Fall niemand mehr gewinnen können. Im Fall Jatta wird ein falscher Weg bei egal welchem Ergebnis nicht richtig werden.
Gerechter ist dagegen, dass der HSV ob seiner schwachen Rückrunde nahezu sicher für die Zweite Liga planen kann. Das muss man nach diesem Sieg der Kieler so anerkennen. Richtig dumm, weil es mal wieder so vermeidbar war. Und das frustriert mich schon ziemlich. Mich frustriert es gerade sehr. Ehrlich.
Wobei eines klar ist: Das alles ist nicht vergleichbar ist mit den Gefühlen, mit denen sich Jatta konfrontiert sieht. Ich jedenfalls habe das Bedürfnis, dem Menschen Bakery Jatta mitzuteilen, dass ich an ihn denke. Ich weiß, dass es für ihn im gleichen Maße wie für alle anderen gilt, sich an geltendes Recht zu halten. Aber jedes Vergehen hat auch ein maximales Strafmaß. Und bei dem, was Jatta bis heute in diesem Zusammenhang schon durchmachen musste, ist dieses Strafmaß aus meiner Sicht mehr als erreicht.
In diesem Sinne, bis morgen.
Dann wieder mit weniger deprimierenden Themen.
Hoffe ich.
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