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Katterbach beim HSV: Zu Unrecht außen vor oder keine Option?

heute wollen wir uns mal genauer mit einer Personalie beschäftigen, die in letzter Zeit wieder mehr in den Diskussionen auftaucht. Es geht um Noah Katterbach. Und bevor wir…

Katterbach beim HSV: Zu Unrecht außen vor oder keine Option?

Moin zusammen,

heute wollen wir uns mal genauer mit einer Personalie beschäftigen, die in letzter Zeit wieder mehr in den Diskussionen auftaucht. Es geht um Noah Katterbach. Und bevor wir damit anfangen, müssen wir das Ganze zunächst in den Kontext setzen, denn hier geht es in der Diskussion um mehr als das rein sportliche Thema. Deswegen fangen wir mal ganz vorne an. Noah Katterbach kam im Januar 2023 per Leihe zum Hamburger SV. Während seiner Leihe riss sich Katterbach das erste Mal in seiner Karriere das Kreuzband, der HSV holte ihn im Sommer trotzdem fest an die Elbe. Während der Leihe spielte Katterbach 11 Spiele für den HSV, er bekleidete jegliche Außen Positionen, dabei legte er 2 Tore auf. Nach seinem Kreuzbandriss spielte er dann in der Saison 23/24 unter Trainer Steffen Baumgart 6 Spiele. So richtig wollte Katterbach dann 2024/25 durchstarten. Unter Baumgart spielte Katterbach 8 Spiele in der 2. Liga, vorwiegend als linker und rechter Schienenspieler. Dabei kam er auf insgesamt 549 Minuten und 2 Torbeteiligungen. Katterbach bekam seine Minuten in der Phase, in der es Ergebnistechnisch unter Baumgart eher nach unten ging. Während der HSV in den ersten 6 Spielen ohne Katterbach 11 Punkte holen konnte, gelangen in den 7 Spielen mit Katterbach unter Baumgart nur 9 Punkte. Unter diesen Spielen war das Spiel gegen Magdeburg, in dem Katterbach wohl sein bestes Spiel in seiner HSV-Zeit machte. Nach der Übernahme von Merlin Polzin war Katterbach dann erstmal wieder hinten dran. Anders als Baumgart setzte der HSV wieder auf ein 4-3-3, in dem auf der linken Seite, auf der Katterbach als Linksfuß vorwiegend zum Einsatz gekommen wäre, Muheim und Dompe klar gesetzt. In der Wintervorbereitung sollte es dann wieder bergauf gehen, doch Katterbach verletzte sich erneut am Kreuzband und war so für die Rückrunde raus. Er stand zwar als mentaler Unterstützer immer am Seitenrand, doch auf den Platz konnte er erst wieder in der Vorbereitung auf die Saison 25/26, in der der HSV bekanntlich wieder in der Bundesliga spielt.

Die Suspendierung

In der Saison 25/26 kam Katterbach zunächst nur für das Spiel in München in den Kader. Für die restlichen Spiele wurde er zunächst nicht berücksichtigt. Im September wurde Katterbach dann in die U21 degradiert. Katterbach selber sagte, dass er nach seiner Reha voller Euphorie in die Vorbereitung der neuen Saison startete und dann enttäuscht war, dass alles nicht so passierte, wie er es sich vorgestellt hatte. Er kam anschließend laut eigener Aussage in eine negative Haltung, die sich auch im Training zeigte. Dieses Verhalten führte zu einem ca. dreiwöchigen Ausflug in die U21 des HSV. Nach einem klärenden Gespräch durfte Katterbach dann wieder am Mannschaftstraining der Bundesliga-Mannschaft teilnehmen. Seither kam Katterbach aber nur 2-mal in den Bundesliga-Kader, und zwar gegen Leverkusen und in Stuttgart. Also in beiden Spielen, in denen Muheim nicht spielen durfte.

Aktuelle Lage

Nun sind wir am aktuellen Punkt angekommen. Die Außenverteidiger liefern vor allem defensiv nicht ab, nun ist Muheim wahrschenlich für den Rest der Saison raus. Mickelbrencis hat momentan die Pole-Position für die linke Schiene. Da er seit dem Dortmund-Spiel aber auch defensiv schwach spielt, werden die Rufe nach Alternativen immer lauter. Jatta bringt nicht die gewünschte Leistung und Gocholeishvili ist die gewünschte Lösung der Mehrheit für die rechte Seite. Auf der linken Seite wird sich nun von vielen eben jener Katterbach gewünscht.

Katterbach ist beim HSV nach wie vor außen vor und das liegt vor allem daran, dass er seinen Output vermehrt offensiv hat. Er ist ähnlich wie Muheim ein Flügelverteidiger, der seine Schwächen ganz klar in der Defensivarbeit hat. Dass er trotzdem keine Chance bekommt, stößt bei vielen Anhängern böse auf und wir wollen da jetzt einmal ins Detail gehen.

Was spricht dafür, was dagegen?

Da Katterbach seine Stärken eher in der Offensive hat, ist der Wunsch, mit Gocholeishvili auf der rechten Seite im Verbund zu spielen, natürlich ein valider Vorschlag, den ich grundsätzlich für denkbar halte. Gocholeishvili hat seine Stärken in der Defensive und Katterbach hat diese in der Offensive. Das ist etwas, was ich schon seit längerem anspreche: Wenn du in einer 5er-Kette einen „Flügel“-Verteidiger hast, brauchst du auf der anderen Seite einen „Außen"-Verteidiger. Nun ist das System des HSV so aufgestellt, dass man mit 2 Flügelverteidigern spielt, bei dem vorwiegend der linke Part des häufigeren ins Zentrum zieht und von dort aus den Spielaufbau als 3er-Mittelfeldspieler leitet. Das ist anspruchsvoller als die reine Schienenposition, die Katterbach sonst häufig spielte, heißt aber natürlich nicht, dass er diese nicht bekleiden kann.

Jetzt kommen wir zu einem weiteren Punkt in der Debatte, und zwar der Leistung. Katterbach spielte für den HSV 27 Spiele und konnte dabei 3 Torbeteiligungen erzielen. Beim 1. FC Köln konnte er in 45 Spielen eine Vorlage beisteuern. In der Bundesliga konnte Katterbach bisher keine Torbeteiligung verbuchen, er hat insgesamt 2428 Minuten gespielt. Hier muss man natürlich dazu sagen, dass Katterbach zu den 1.-Liga-Zeiten gerade einmal 19 und 20 Jahre alt war.

Beim HSV gab es bis jetzt keine einzige Spielzeit, in der er konstant beweisen konnte, dass er in die erste Mannschaft gehörte. Sicherlich spielt da die Verletzungshistorie eine große Rolle, aber auch in den Spielen, in denen er spielte, waren selten Spiele über 90 Minuten dabei und so richtig galt Katterbach nie als Stammspieler. Er konnte sich in der 2. Bundesliga nicht konstant durchsetzen und das, obwohl die Gegenspieler in der 2. Liga ein niedrigeres Niveau haben als die Spieler in der Bundesliga. In den Saisons, als Katterbach in der Bundesliga für den 1. FC Köln auflief, belegte man Platz 14 und Platz 16. In der Bundesliga schaffte man bis 2025 nicht den Aufstieg und in der Aufstiegssaison war Katterbach Teil des Kaders, als es eher bergab ging. Zudem sprechen die nicht vorhanden Scorerpunkte nicht unbedingt dafür, dass sein offensiver Output in der Bundesliga zur Geltung kommt.

Fazit

Jetzt kommen wir zu meiner Meinung, die sich aus den genannten Punkten ergibt. Sicherlich kann man die Dimension dieser Debatte noch viel weiter ausfahren, aber der theoretische Ansatz und die gezeigten Leistungen sind für mich in dieser Debatte die wichtigsten Punkte. Wenn ihr noch andere Punkte habt, führt diese gerne in den Kommentaren an.

Vorher möchte ich aber noch einen Punkt anmerken, der mir in dieser Diskussion rund um die Personalie auffällt. Auf mich wirkt diese Debatte deutlich verstärkt, vor allem durch den Vorfall mit der Suspendierung. Viele sagen, dass Katterbach beim HSV genau wegen dieser Aktion nicht spielt. Fakt ist, dass Katterbach öffentlich sagte, dass er nicht die richtige Einstellung an den Tag legte, was dann eine Suspendierung zur Folge hatte. Ob er das jetzt aus freien Stücken gesagt hat, können wir nicht bestätigen oder widerlegen, er hat es aber gesagt und das müssen wir im Bezug auf diese Suspendierung festhalten. Zudem wird dann immer wieder gesagt: „Er kann es ja nicht schlechter machen als die anderen.“ Das halte ich für das falsche Argument. Rein logisch könnte nach diesem Argument ja dann jeder andere, der noch nicht auf der linken Schiene gespielt hat, mit dieser Begründung spielen. Und dieses Argument verlässt m. M. n. auch die Sphäre der Diskussion um Katterbach selbst. Das bezieht sich eher auf die Verteidiger Debatte, als gesamtes und ist mMn kein Argument nur für Katterbach als einzelne Person.

Jetzt kommen wir zu meiner Meinung hinsichtlich der dargestellten Lage. Die theoretische Grundidee, mit Katterbach auf der linken Seite zu spielen und den Gegenpart auf der rechten Seite mit Gocholeishvili zu haben, gefällt mir eigentlich. Denn ich sehe durchaus das Potenzial, dass Katterbach das spielen kann. Die Frage ist aber, ob er das auch praktisch umsetzen kann, und da sprechen die Leistungen sowohl in der ersten als auch in der zweiten Liga nicht unbedingt für Katterbach. Man kann es sich auslegen, wie man will (er war damals zu junge für die erste Liga/ er hatte damals nicht genug Zeit sich zu beweisen beim HSV), am Ende sprechen die Daten leider nicht dafür, dass Katterbach überragende Leistungen gebracht hat. Wenn man das Ganze gegenüber einem Mickelbrencis stellt, hat dieser mit 22 Jahren in 24 Spielen in der Bundesliga 4 Vorlagen aufzuweisen, was Katterbach in 50 Spielen in der Bundesliga, mit vorwiegenden Stärken in der Offensive, nicht geschafft hat. Zudem weiß man seit seines letzten Pflichtspiels aufgrund des 2. Kreuzbandrisses nicht so wirklich, was man erwarten kann. Im Training konnte er bis jetzt nicht überzeugen und dann kommt jemand ohne Spielpraxis und ohne ein Pflichtspiel in ein neues System rein, was er noch nicht gespielt hat. Es wirkt so, als ob man auf eine zweite Glatzel-Story hofft. Der Unterschied ist halt leider, dass Glatzel in den letzten Jahren beim HSV immer unter Beweis gestellt hat, dass er nach wie vor fähig ist, seine Leistungen zu zeigen, auch nach der Verletzung. Das kann man bei Katterbach nicht thematisieren, weil man eben seit seinem zweiten Kreuzbandriss wenig gesehen hat.

Ich denke auch, dass die Außenverteidiger eine absolute Schwachstelle sind und dort muss vor allem im Sommer nachgerüstet werden. Ich denke aber, dass man das jetzt mit Spielern auffangen sollte, die Spielpraxis haben und genau wissen, wie das System abläuft. Für mich ist diese Debatte eigentlich ab dem Moment beendet, in dem Gocholeishvili auf einer der beiden Seiten spielt, weil man dann defensiv deutlich stabiler steht. Dann kann man auf der rechten Seite mit einem Spieler agieren, der seine Stärken eher offensiv hat und im System eingespielt ist, damit man sowohl offensiven Output als auch defensive Stabilität hat.

Ich weiß, dass viele das anders sehen. Deswegen schreibt eure Meinung und eure Argumente gerne in die Kommentare, bleibt aber bitte sachlich. Unnötig angehende Bemerkungen bringen den Diskurs nicht weiter.

Tom

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