Analyse

Kampf wider die Unruhe - der HSV gastiert in Heidenheim

Bereits zum siebten Mal treffen Heidenheim und der HSV in der 2. Fußball-Bundesliga aufeinander. Und der HSV steht nach nur einem Sieg und zwei Unentschieden aus den ersten…

Kampf wider die Unruhe - der HSV gastiert in Heidenheim

Bereits zum siebten Mal treffen Heidenheim und der HSV in der 2. Fußball-Bundesliga aufeinander. Und der HSV steht nach nur einem Sieg und zwei Unentschieden aus den ersten vier Saisonspielen dabei schon unter Druck. „Es treffen zwei unterschiedliche Spielphilosophien aufeinander, das sieht man schon am Torverhältnis“, sagte Trainer Frank Schmidt vom 1. FC Heidenheim. Das des offensiv ausgerichteten HSV beträgt 8:7, das seiner punktgleichen Heidenheimer 3:3. Aber: Für Schmidt sind Partien gegen den langjährigen Bundesligisten nach wie vor nichts Alltägliches. „Auch wenn es nun schon mehrere Duelle waren, sollten Spiele gegen den HSV immer etwas Besonderes bleiben und das ist für uns auch so“, sagte der 47-Jährige einen Tag vor dem Aufeinandertreffen mit Tim Walters Mannen. Wenigstens auswärts hat der HSV noch die Wertschätzung einstiger Tage.

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In Hamburg selbst herrscht schon wieder Skepsis vor. Der Saisonstart des HSV war holprig, nun sorgt auch noch der Ärger um Abwehrspieler Toni Leistner für Unruhe - nur Tim Walter scheint nichts aus der Fassung zu bringen. „Wir haben die Geduld. Es geht nie etwas von heute auf morgen. Wer da keine Geduld hat, das sind andere.“ 

Dass das Umfeld in Hamburg bei ausbleibendem Erfolg durchaus ungemütlich werden kann, hat Walter schon zu hören bekommen. Zuletzt waren beim wilden 2:2 gegen Darmstadt Pfiffe zu hören, wenn der Ball zum Torhüter zurückgespielt wurde. Das mache ihn aber nicht nervös, versicherte der 45-Jährige. „Wir versuchen, die Zuschauer mitzunehmen und zu emotionalisieren, und versuchen die Spielidee, die einfach etwas anderes bedeutet, ihnen näher zu bringen.“ Er sieht sich in seiner Haltung innerhalb des Vereins gestützt. „Wir sind uns intern sehr, sehr einig, sehr schlüssig, weil wir uns jeden Tag austauschen", meinte er. 

Dass allmählich geliefert werden muss, weiß aber auch Walter vor dem Spiel beim 1. FC Heidenheim. Schließlich besteht sonst die Gefahr, beim vierten Anlauf zurück in die Beletage früh zurückzufallen. Ein Sieg, zwei Remis und eine Niederlage machen fünf Punkte - so schlecht war der HSV seit seinem Abstieg 2018 noch nie in die Zweitliga-Saison gestartet. 

Walter verweist darauf, dass die Liga ausgeglichen ist. „Da gibt es keine Kleinen.“ Auch der nächste Gegner gehört seiner Ansicht nach längst nicht mehr zu den Kleinen. Von „seinen Jungs“ ist Walter jedenfalls überzeugt. „Man muss sehen, dass wir eine junge Mannschaft haben, die man noch weiterentwickeln muss“, sagt Walter. „Wir haben Entwicklungspotenziale. Die müssen wir einmal ausschöpfen.“ Und diese öffentliche Haltung unterstütze ich zu 100 Prozent – sofern Walzer nach innen Klartext spricht. Denn Fakt ist, dass dem HSV im Kreativbereich noch ein, zwei Leute fehlen. Und spätestens nach der Causa Leistner fehlt auch noch etwas für die Innenverteidigung. 

Heute und noch vier Tage bleiben noch, um weitere Zugänge zu verpflichten. Etwas mehr als drei Millionen Euro sollen die HSV-Verantwortlichen dafür bereitstellen. Und dass der HSV noch einmal auf dem Spielermarkt bis zum Ende der Transferperiode aktiv wird, schließen weder er noch Sportvorstand Jonas Boldt aus. Der Bedarf ist auch einfach da. Nur noch 18 Feldspieler inklusive dreier Torhüter stehen derzeit regelmäßig auf dem Trainingsplatz. „Wir haben immer gesagt, dass wir Ausschau halten. Aber der millionenschwere Heilsbringer wird nicht kommen“, hatte Boldt Anfang der Woche dem TV-Sender Sport1 gesagt. „Erstens wurde es schon öfter probiert und der schaffte es auch nicht. Zudem liegen die Millionen in Hamburg auch nicht auf der Straße.“ 

Stattdessen werden Millionen immer wieder vor die Tür gesetzt. Ulreich, Gjasula, Terodde und jetzt Leistner sollten die Säulen für den Neuaufbau werden – und wurden allesamt rasiert. Und wäre Leistner vor zwei Jahren beim HSV in derselben Position gewesen, er wäre schon mit Abfindung weg. Heute aber hat der HSV dafür das Geld nicht, daher wird es keine Abfindung für Leistner geben. Aber eben auch keine Ablösesumme. Läuft es schlecht, sitzt Leistner seinen 500.000-Euro-Vertrag gar auf der Tribüne aus. Oder es kommt gar zum Rechtsstreit. Alles Optionen, die der Ruhe in Hamburg nicht zuträglich sind. Im Gegenteil.

In Heidenheim wird es für den HSV darum gehen, defensiv ruhig zu bleiben und den Kampf anzunehmen. Und darum, aus den Fehlern der ersten vier Ligapartien zu lernen, in denen die defensiven Schwächen recht schonungslos offengelegt wurden. Sollte man das weiterhin nicht hinbekommen, dürfte alles andere relativ nebensächlich werden. Dann wird es schon deshalb laut beim HSV. 

Bleibt noch die Startaufstellung, in der ich sehr darauf hoffe, dass Anssi Suhonen nach seiner besseren zweiten Halbzeit gegen Darmstadt erneut seine Chance von Beginn an erhält. Ansonsten hätte ich gegenüber der Startelf der Vorwoche nur eine Änderung, und die würde Maxi Rohr betreffen. Ich würde den Youngster rausnehmen und für ihn David Kinsombi oder noch eher Ludovit Reis bringen. Letzteren vor allem auch deshalb, um ihm nicht gleich schon zu Saisonbeginn den Spaß am HSV zu nehmen. Denn Potenzial hat der Junge definitiv.

Oder wie würdet Ihr aufstellen?

In diesem Sinne, bis morgen. Da werden wir uns ab 13 Uhr wieder auf der Auswärtscouch einfinden und via youtube mit allen zusammen das Spiel schauen, die einschalten mögen. Wir freuen uns auf Euch und auf zwei spannende Überraschungsgäste. 

Bis dahin!

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