Kampf wider die Krise - wichtige Tage für den HSV
Der 1. FC Magdeburg kommt und der HSV muss gewinnen. Zumindest, wenn man weiter den Anschluss an die Tabellenspitze halten – oder sie sogar zurückerobern will. Worum es genau…

Der 1. FC Magdeburg kommt und der HSV muss gewinnen. Zumindest, wenn man weiter den Anschluss an die Tabellenspitze halten – oder sie sogar zurückerobern will. Worum es genau für den HSV geht, werden wir schon morgen Abend nach Schlusspfiff der Partie von Darmstadt 98 gegen Holstein Kiel wissen. Aber der Umstand, dass der HSV gewinnen muss, bleibt egal wie bestehen, nachdem man zuletzt zuhause gegen Lautern nur unentschieden spielen konnte und im Anschluss in der Liga gegen den FC St. Pauli sowie im Pokal bei RB Leipzig verloren hat. Ob der HSV in eine Minikrise rutschen würde, wollte die BILD schon vor dem DFB-Pokalspiel wissen – und ich empfand das als überzogen. Aber angesichts der Geschehnisse und den Folgen des DFB-Pokalspiels kann man diese Gefahr aktuell nicht mehr leugnen.
Personell wird es eh ernster. Moritz Heyer und Bakery Jatta fallen ebenso aus wie der gesperrte Sebastian Schonlau, der verletzte Tim Leibold und der weiter im Aufbau befindliche Ogechika Heil. Positiv: Heute meldeten sich mit Laszlo Benes und Robert Glatzel zwei Spieler zurückmeldeten, die in Leipzig nicht dabei waren. Allerdings lösen die beiden maximal offensiv Probleme – wobei es die noch nicht wirklich gibt. Defensiv dagegen wird sich HSV-Trainer Tim Walter etwas einfallen lassen müssen für die rechte Seite. William Mikelbrencis soll es dem Vernehmen nach richten. Ein Spieler, bei dem der Trainer vor wenigen Tagen noch um Geduld warb. Er wird früher funktionieren müssen, als man es ihm offensichtlich vor ein paar Tagen noch zugetraut hatte. „Was kann Mikelbrencis?“, fragen heute wieder die Kollegen der BILD, und ich vermag diese Frage nicht zu beantworten.
Kann die Mannschaft die Ausfälle auffangen?
Im Training wirkt der junge Franzose, der noch als Jugendspieler auflaufen könnte, noch nicht so, als könne er dauerhaft die rechte Seite absichern. Geschweige denn offensiv den Part von Heyer einnehmen. Von daher erwarte ich ein paar Spiele, in denen sehr deutlich werden wird, was der HSV an Heyer hat. Andererseits werden solche Spiele auch zeigen, wie diese Mannschaft wirklich funktioniert. Werden die Mikelbrencis‘ dieser Welt aufgefangen und mitgetragen? Kann sich Jonas David in seiner fünften Saison als Fußballprofi durchsetzen und den gesperrten Kapitän zumindest kurzfristig ersetzen? Und: Wie machen sich die Youngster um Anssi Suhonen, Xavier Amaechi und Elijah Krahn? Und während ich von Suhonen überzeugt bin, bei Amaechi weiterhin nicht an den großen Durchbruch glaube bin ich gerade bei dem Letztgenannten sehr gespannt, weil ich ihn für einen technisch starken und sehr schlau agierenden Spieler halte. Nicht der schnellste – aber ein junger Spieler mit wirklich großem fußballerischem Potenzial.
Egal wie, der HSV wird in den nächsten Wochen Antworten bekommen, die verdeutlichen, wofür man die lange Winterpause nutzen muss. Neben den Antworten auf die Fragen nach dem neuen Aufsichtsrat und den neuen Vorstand werden also nach dem Heimspiel gegen Sandhausen am 12. November auch sportlich personelle Entscheidungen getroffen werden. Zuerst die nach dem Verbleib von Sportvorstand Jonas Boldt und Trainer Tim Walter. Denn diese beiden Positionen werden maßgeblich sein für die Kadergestaltung, für die der HSV dieses Jahr knapp drei Monate Zeit haben wird. Wobei: Die Konkurrenz leider auch.
These: Auch weil die Winterpause so lang ist, glaube ich, dass diese Saison anders als die vorigen wird. Die Mannschaften, die noch nicht funktionieren, haben deutlich mehr Zeit, um Schwachstellen auszubessern. Daher gehe ich davon aus, dass die Rückrunde noch ein Stück weit enger wird als die Hinrunde. Oder was meint Ihr?
Wird Walter zu einem Plan B gezwungen?
Als Spieler habe ich solche Phasen immer als Herausforderung angesehen. Ich hatte Trainer, die das Wort „Problem“ auf dem Index hatten und stattdessen von „besonderen Herausforderungen“ sprach. Und so sehe ich auch Trainer Tim Walter, der seinerseits beweisen muss, dass er mit veränderten Situationen auch spielerisch umzugehen weiß. Er wird eine Zeitlang weiter das alte Walter-System spielen lassen können. Und wenn er Glück hat, funktioniert das trotz der Ausfälle auch. Aber sollte das nicht klappen, steht er vor einer echten Herausforderung: Abweichen vom bisher auf Biegen und Brechen durchgezogenen System? Oder gibt’s doch einen Plan B?
Aktuell gehe ich von folgender Startelf aus: Daniel Heuer Fernandes – Mikelbrencis, Vuskovic, David, Muheim – Meffert – Reis, Suhonen – Königsdörffer, Glatzel, Benes. Und dementsprechend gehe ich NICHT davon aus, dass Walter irgendeine Notwendigkeit sieht, taktisch nachzujustieren. Ebenso wenig gehe ich davon aus, dass Kittel beginnt. Sollte Benes wieder fit genug sein, dürfte der Zugang aus Gladbach den Vortritt vor dem weiter enttäuschenden Kittel bekommen. Was an sich eine Schande ist, denn Kittel ist und bleibt der HSV-Profi mit dem allergrößten Talent. Aber eben auch der HSV-Profi mit der schwächsten Mentalität.
Auch bei ihm muss der HSV die Frage beantworten: Glaubt man noch daran, dass sich Kittel ändert um im Gegensatz zu den letzten Jahren diese Saison in der entscheidenden Phase doch noch einmal zum tragenden Faktor werden kann? Ich sehe dafür aktuell keinen Anlass. Auch deshalb hatte ich ihn zuletzt in Leipzig als in der Form „untragbar“ bezeichnet. Oder glaubt Ihr daran, dass Kittel noch mal zündet?
In diesem Sinne, das waren heute tatsächlich einmal viele Fragen. Aber eben genau die Fragen, die sich in den nächsten fünf Spielen beantworten werden. So oder so.
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